Die Vorbereitungen für die nächsten Glyphosat-Prozesse laufen

Bei den anstehenden Glyphosat-Prozessen in den USA ringen die Anwälte der Kläger und des Bayer-Konzerns um die beste Ausgangsposition. Denn es geht um Milliarden, wenn im Frühjahr die nächsten Jurys zusammentreten. Die erste Verhandlung beginnt am 25. Februar.

Mehr als 9.300 Menschen haben inzwischen in den USA Klage eingereicht, weil sie glyphosathaltige Herbizide der Bayer-Tochter Monsanto für ihre Krebserkrankung oder den Krebstod von Angehörigen verantwortlich machen. Vom Ausgang der nächsten beispielhaften Verfahren hängt es ab, wie hoch die gesamte Entschädigungssumme ausfallen wird, die auf den Konzern zukommt.

Am 25. Februar wird in San Francisco eine Jury zusammenkommen, um über den Fall Hardemann gegen Monsanto zu richten. Edwin Hardemann nutzte das Monsanto-Herbizid Roundup seit den 80er-Jahren zur Unkrautvernichtung auf seinem Grundstück. 2015 wurde bei im Lymphdrüsenkrebs diagnostiziert, für den er das Pestizid verantwortlich macht. Hardemanns Fall steht beispielhaft für 660 Klagen, die das US-Bundesgericht in San Francisco gebündelt hat und von Richter Vince Chhabria abarbeiten lässt. Es ist die erste Jury-Verhandlung einer Glyphosat-Klage vor einem Bundesgericht. Ein Gericht des US-Staates Kalifornien hatte Bayer im vergangenen Herbst schuldig gesprochen und zu 79 Millionen Dollar Schadenersatz verurteilt, wogegen der Konzern Berufung einlegte.

Anfang des Jahres gab Richter Chhabria einem Antrag der Bayer-Anwälte statt und teilte die Jury-Verhandlung in zwei Themenkomplexe. Zuerst soll darüber verhandelt werden, ob Hardemanns Krebs überhaupt von Roundup verursacht wurde. Erst wenn die Jury die Frage bejaht, sollen die Versuche Monsantos, Behörden und Wissenschaftler zu beeinflussen, zur Sprache kommen. Prozessbeobachter werteten die Entscheidung als Punktsieg für Bayer. Prompt stieg der Aktienkurs des Konzerns kurzfristig an, um letzten Mittwoch wieder einzubrechen. Da gab Richter Chhabria bekannt, dass die Anwälte des Klägers schon in der ersten Verhandlungsphase eine Reihe von Dokumenten über Monsantos Beeinflussungsversuche einbringen könnten. Denn diese seien für das Verfahren „super relevant“, zitierte die Nachrichtenagentur Reuters den Richter.

Vergleichbare prozessuale Rangeleien finden auch im Vorfeld anderer anstehender Jury-Verhandlungen über Glyphosat statt. Am 8. März wird am obersten Bezirksgericht im kalifornischen Almeda die Jury zusammentreten und über die Klage von Alva und Alberta Pilliod verhandeln. Das Rentnerehepaar, beide über 70, nutzte jahrzehnetelang Roundup im Garten; nun sind beide an Krebs erkrankt und machen das Pestizid dafür verantwortlich. Aufgrund ihres Alters und der Erkrankung wurden die Pilliods aus einem Bündel von 250 anstehenden Klagen als Beispielprozess ausgewählt. Danach beginnt am 1. April die Verhandlung im Fall Jeff Hall gegen Monsanto vor dem Gericht der Stadt St. Louis. Vor dem Gericht des Bezirks St. Louis tritt am 22. April Sharlean Gordon mit ihrer Klage gegen Monsanto vor die Jury. Vor den beiden Gerichten in St. Louis sind Tausende Klagen anhängig, weil Monsanto bei St Louis seinen Unternehmenssitz hat.

Laut Handelsblatt bleibt Bayer bei seiner Verteidigungsstrategie, wonach es keinen wissenschaftlich belastbaren Zusammenhang zwischen dem Einsatz von Glyphosat und Krebserkrankungen gebe. Erst wenn eine Reihe einschlägiger Urteile vorliegen, dürfte der Konzern zu Vergleichsverhandlungen bereit sein. Juristisch klein beigegeben hat Bayer in einem ganz anderen Glyphosat-Fall. Der Konzern hatte der Zeitung taz eine Abmahnung samt Strafandrohung geschickt und wollte damit ein Titelbild der taz einkassieren. Diese hatte in einer satirischen Zeichnung Glyphosat und das Bayer-Krebsmedikament Aliqopa als „Krebs-Rundumpaket“ dargestellt. Nachdem die taz ihrerseits eine Klageschrift gegen das Vorgehen Bayers beim Landgericht Berlin eingereicht hatte, machte der Konzern einen Rückzieher. „Die Beklagte wollte eine kritische Berichterstattung mit Drohungen unterbinden und hat jetzt Sorge, daß diese Drohung ins Leere geht“, zitierte die taz ihren Rechtsanwalt. [lf]

Der aktuelle Stand der einzelnen Glyphosat-Prozesse findet sich auf den Webseiten von
US Right to Know
und der Kanzlei Baum Hedlund, die zahlreiche Kläger vertritt.