Bayer und Glyphosat: Die Klagewelle rollt weiter

In den USA wurden inzwischen 11.200 Klagen von Menschen eingereicht, die das Pestizid Roundup mit seinem Wirkstoff Glyphosat für ihre Krebserkrankung verantwortlich machen. Das teilte der Bayer-Konzern in seinem Geschäftsbericht 2018 mit.

In Kalifonien begann Anfang dieser Woche ein entscheidender Glyphosat-Prozess gegen die Bayer-Tochter Monsanto. Der krebskranke Rentner Edwin Hardemann macht das von ihm jahrelang intensiv eingesetzte Pestizid Roundup für seinen Lymphdrüsenkrebs verantwortlich. In den nächsten Wochen wird die Jury zahlreiche Experten anhören, jeweils an vier Tagen pro Woche rund sechs Stunden lang. Dabei wird zuerst die Frage auf der Tagesordnung stehen, ob Glyphosat Hardemanns Krebs verursacht hat. Erst danach wird Hardemanns Vorwurf verhandelt, dass Monsanto die Krebsgefahr wissentlich verschwiegen habe. Agenturmeldungen zufolge geht das Gericht davon aus, dass der Prozess vier bis fünf Wochen dauern wird.

Bei dem Fall Hardemann gegen Monsanto handelt es sich um einen Bellwether Trial genannten Musterfall in einem Sammelklageverfahren, dessen Ausgang richtungsweisend für viele weitere Klagen sein wird. Deren Zahl ist seit Ende Oktober 2018 von 9.300 auf 11.200 Ende Januar 2019 gestiegen, teilte Bayer in seinem Geschäftsbericht mit. Zudem liege auch eine kanadische Klage vor, in der die Zulassung einer Sammelklage in Kanada beantragt werde. Bayer-Chef Werner Baumann gab sich bei der Präsentation des Geshäftsberichtes 2018 siegessicher: „Wir haben die wissenschaftlichen Fakten auf unserer Seite und werden dieses wichtige und sichere Herbizid für eine moderne und nachhaltige Landwirtschaft weiter entschieden verteidigen.“

Zu den rechtlichen Risiken erklärte der Konzern, man sei in jeweils industrieüblichem Umfang gegen gesetzliche Produkthaftungsansprüche versichert und habe auf Grundlage der derzeit vorliegenden Informationen angemessene bilanzielle Vorsorgemaßnahmen für erwartete Verteidigungskosten getroffen. Der Bilanz für 2018 lässt sich entnehmen, dass Bayer seine Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten um gut eine Milliarde Euro auf 1,41 Miliarden Euro erhöht hat. Offen bleibt allerdings, auf welche Produkte diese Erhöhung zurückgeht. Neben den Glyphosat-Verfahren sind auch zahlreiche Klagen gegen verschiedene Arzneimittel des Konzerns anhängig.