Mein Diesel fährt mit Gentechnik

In der EU wird Diesel bis zu sieben Prozent Biodiesel aus nachwachsenden Rohstoffen beigemischt. Einer dieser Rohstoffe ist Öl aus gentechnisch veränderten Sojabohnen aus Argentinien. Nun soll Gentech-Soja aus den USA hinzukommen.

Die EU-Kommission hat mitgeteilt, dass Sojabohnen aus den USA die technischen Anforderungen erfüllen, um in der EU als Biokraftstoffe verwendet zu werden. Dafür müssen die Rohstoffe eine Reihe von Nachhaltigkeitskriterien erfüllen, die in der Richtlinie über erneuerbare Energie festgelegt sind. Die EU-Kommission hat nun anerkannt, dass das bestehende US-amerikanische Zertifizierungssystem für nachhaltigen Sojaanbau (SSAP) diese Richtlinie erfüllt. Bereits jetzt stammt ein Teil des nach Europa importierten Biodiesels aus Argentinien, wo er aus gv-Sojabohnen hergestellt wird. Dieter Bockey, Referent bei der Union zur Förderung von Öl-und Proteinpflanzen (UFOP) geht davon aus, dass sich die Anerkennung der US-Sojabohnen durch die Kommission auf dem Biodieselmarkt kaum auswirken wird.

Denn der Biodiesel-Absatz in der EU wird durch eine Beimischungsgrenze zum Diesel von sieben Prozent begrenzt. Verbrauch und Produktion von Biodiesel in der EU sind seit Jahren stabil; der Kuchen ist verteilt. 2017 haben die 27 EU-Staaten 10,4 Millionen Tonnen Biodiesel produziert; die wichtigsten Rohstoffe dafür waren Rapsöl, Palmöl und Altfette. Sojaöl hatte einen Anteil von nur fünf Prozent. Zusätzlich importierte die EU 2017 800.000 Tonnen Biodiesel. Die Importe stiegen Ende 2017 und 2018 drastisch an, weil plötzlich Biodiesel aus Argentinien in die EU strömte. Dieser war zuvor vor allem in die USA verkauft worfden, doch „auf Druck der Sojafarmer und der Biodieselindustrie belegte die US-Regierung Biodieselimporte aus Argentinien mit Zöllen zwischen 71,5 und 72,3 Prozent des Warenwertes“, schreibt die UFOP in ihrem Jahresbericht. Dies habe „zu einer spürbaren Neuorientierung der Exportströme in Richtung EU“ geführt. Die EU stritt sich mit Argentinien schon länger im Rahmen der Welthandelsorganisation über den nach EU-Meinung subventionierten argentinischen Biodiesel. Ende Januar einigten sich beide Parteien darauf, dass argentinische Biodieselhersteller jährlich etwa 1,2 Millionen Tonnen Biodiesel zollfrei in die EU exportieren dürfen. Dabei müssen sie einen Mindesteinfuhrpreis einhalten, der auf Basis monatlicher durchschnittlicher Sojaölpreise berechnet werden soll. Die UFOP fürchtet als Folge einen negativen Effekt auf den Biodieselpreis in der EU und damit auch auf die Erzeugerpreise für die Ölsaaten hierzulande. Das könnte dazu führen, dass die Landwirte in der EU weniger Raps anbauen und damit auch weniger Rapspresskuchen als gentechnikfreies, eiweißreiches Futtermittel zur Verfügung steht.

Die UFOP vermisst ein umweltpolitisches Gesamtkonzept: „Die Politik findet derzeit keine Antwort, mit welchen Maßnahmen der Ölsaatenanbau in der Europäischen Union als wichtigste und zudem gentechnikfreie Eiweißfuttermittelquelle für die Zukunft gesichert werden kann“, schreibt der Verband. „Europa braucht keinen Pflanzensprit, der aus Gentech-Soja hergestellt wird“, sagt der grüne Europaabgeordnete Martin Häusling. Der Anbau dieser Pflanzen gehe immer einher mit agroindustriellen Prozessen sowie mit hohem Pestizid-Einsatz.