Bundesregierung steckt 100 Millionen Euro in neue gentechnische Verfahren

Landwirtschafts- und Forschungsministerium haben in den letzten Jahren die Entwicklung neuer gentechnischer Verfahren mit über 100 Millionen Euro gefördert. Das zeigt die Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen im Deutschen Bundestag. Demnach haben das Landwirtschaftsministerium 12 Millionen Euro und das Forschungsministerium 33 Millionen Euro ausgegeben. Hinzu kommen noch 71 Millionen Euro Unterstützung für ein universitäres Forschungsprogramm zur Pflanzenzüchtung, wie die Organsiation Testbiotech mitteilte.

Die geförderten Projekte befassen sich mit der Manipulation von Getreide,Raps, Kartoffeln, Tomaten, Äpfeln und anderen Pflanzen sowie mit Nutztieren. So fließt eine Million Euro in Forschungen zur Beeinflussung der „Halmlänge des Weizens durch gezielte, genspezifische Mutagenese“. Auch für die „Verbesserung der Salztoleranz in Tomaten“ stehen eine Million Euro zur Verfügung. Gefördert wird auch dir zucht von Hühnern, die nur noch Eier mit weiblichen Küken legen oder die „funktionelle Ausschaltung des Y- Chromosoms durch Gene Editing“ bei Schweinen als Alternative zur Kastration von Ferkeln.

Das Forschungsministerium förderte in den letzten sieben Jahren mit insgesamt 30 Millionen Euro einen Cluster of Excellence on Plant Sciences (CEPLAS), der mehrere Universitäten und Forschungseinrichtungen in Nordrhein-Westfalen umfasst. Themen von CEPLAS sind neben anderen die „molekulare Züchtung von Pflanzen“ und die „Entwicklung synthetischer Pflanzen“. Auch die „Entwicklung von ‚Baukästen’ (tool boxes), um Pflanzeneigenschaften anhand molekularer Verfahren zu verbessern, ist auf der Webseite des Clusters unter Anwendungsperspektiven aufgelistet. Laut Unterlagen, die Testbiotech vorliegen, rechnet CEPLAS bis 2025 mit einem Fördervolumen von weiteren 41 Millionen.

Zur Risikoforschung schreibt die Bundesregierung lediglich, dass bundeseigene Forschungseinrichtungen wie das Friederich-Löffler-Institut bei ihren Projekten „grundsätzlich auch Risiko- und Sicherheitsaspekte mit betrachten“. Das BMBF förderte keine Projekte zur Risiko- und Sicherheitsforschung. „Um den Einsatz von Risikotechnologien wie der Gentechnik steuern zu können, sind wir auf eine breit angelegte Forschung aus der Perspektive des Umwelt-, Natur- und Verbraucherschutzes angewiesen“ sagte Christoph Then, Geschäftsführer von Testbiotech. Für ihn zeigt die Förderpolitik der Bundesregierung ein grundlegendes Problem auf: Viele dieser Projekte seien gesellschaftlich nicht ausreichend legitimiert. „Angesichts der breiten Ablehnung der Bevölkerung gegenüber dem Einsatz der Gentechnik müssten bei der Vergabe der Forschungsprojekte auch zivilgesellschaftliche Akteure eingebunden werden, die beispielsweise für den Schutz von Mensch, Tier, Umwelt und Natur eintreten“, forderte Then.

Der Bio-Dachverband BÖLW sprach von einer „einseitigen Forschungsförderung“ und erinnerte daran, dass bereits 2012 bis 2015 über 100 Millionen Euro aus Steuermitteln in Projekte zur Entwicklung gentechnisch veränderter Pflanzen oder Tiere flossen. „Statt weiter Ressourcen mit der Förderung einer Technologie zu verpulvern, die für eine zukunftsfähige Landwirtschaft nichts bringt und dem klaren Willen von Markt und Gesellschaft zuwiderläuft, müssen Forschungs- und Landwirtschaftsministerium jetzt die Versäumnisse der vergangenen Jahrzehnte aufholen und insbesondere im Bereich der Züchtungsforschung Schwerpunkte im ökologischen Bereich setzen“, forderte der BÖLW.

 

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