Betacarotin im Mais – ganz ohne Gentechnik

Der menschliche Körper wandelt den orangen Farbstoff Betacarotin in Vitamin A um. Fehlt das Vitamin in der Ernährung, verlieren Kinder ihre Sehkraft und erblinden. Grundnahrungsmittel, die viel Betacarotin enthalten, können dabei helfen, Vitamin A Mangel in Entwicklungsländern zu bekämpfen.

Mais in den Tropen ist hellgelb oder weiß und enthält nur wenig Betacarotin. Deshalb hat die Organisation HarvestPlus vor 15 Jahren damit begonnen, orange Maissorten mit viel Betacarotin mit tropischen Maissorten zu kreuzen. Daraus entstanden über 40 Sorten, Hybride und samenfeste, die in mehreren afrikanischen Staaten und Brasilien getestet wurden und jetzt an nationale Saatgutbanken und lokale Initiativen weitergegeben werden.

Eng mit HarvestPlus arbeitet Torbert Rocheford zusammen. Der Professor züchtet an der Purdue Universität im US-Staat Indiana Mais mit viel Betacarotin. Bei der Einführung des orangen Mais in Afrika sei er immer wieder gefragt worden, ob der orange Mais denn auch in den USA gegessen werde, berichtete Rocheford. Als er das verneinen musste, sei er auf Skepsis gestoßen. „Wenn der Mais so gut ist, wie Sie sagen, warum essen ihn die Amerikaner dann nicht?“ So entstand die Idee, orangen Mais auch in den USA anzubieten, zumal er auch sehr gut schmecke, wie Rocheford versichert. Mit seinem Sohn gründete er eine Firma und verkauft den Mais nun auch in den USA.

Gezüchtet wird bei HarvestPlus ausschließlich konventionell, „weil es für konventionelle Züchtung keine gesetzlichen Hürden gibt und sie allgemein akzeptiert ist. Für HarvestPlus ist das der schnellste Weg, Bauern und Verbrauchern nährstoffreiche Nahrungspflanzen zur Verfügung zu stellen“, heißt es auf der Webseite der Organisation. Wie vernünftig dieser Ansatz ist, zeigt die Geschichte des gentechnisch veränderten Golden Rice. Die vor 20 Jahren entwickelte Pflanze wurde oft als Rettung vor Vitamin A Mangel angepriesen und als Beispiel genannt, wie hilfreich doch Agro-Gentechnik sei. Bis heute wird der Golden Rice nirgends kommerziell angebaut. Nun kündigte der Landwirtschaftsminister von Bangladesh an, dass die Regierung die Freigabe für den kommerziellen Anbau erteilen werde. Zwei, drei Monate später könne mit dem Anbau begonnen werden. Offen ist, ob die Landwirte den gentechnisch veränderten Reis auch akzeptieren. Mit gentechnisch veränderten Auberginen haben sie bereits negative Erfahrungen gesammelt.

 

 

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