Bayer-Aufsichtsrat steuert bei Glyphosat-Klagen auf Vergleichskurs

Die Monsanto-Übernahme war für den Bayer-Konzern bisher ein Fiasko: Drei Musterprozesse verloren, der Aktienkurs im Keller, der Vorstand nicht entlastet. Bisher hatte der Aufsichtsrat das alles mitgetragen, nun zog er die Notbremse. Man sehe „die negativen Auswirkungen, die von der Unsicherheit im Zusammenhang mit den Gerichtsverfahren auf den Aktienkurs und die Wahrnehmung der Stakeholder ausgehen“, heißt es in einer Mitteilung der Aufsichtsräte.

Sie beschlossen, zu den Glyphosat-Klagen einen achtköpfigen Ausschuss zu gründen. Dieser solle das Thema intensiv begleiten, den Vorstand dazu beraten und Vorschläge zur Prozessstrategie machen. Zudem engagierte der Aufsichtsrat den in Produkthaftungsklagen erfahreren US-Anwalt John H. Beisner, „um den Aufsichtsrat zum Rechtskomplex Glyphosat kontinuierlich zu beraten – auch zu Fragen der Prozesstaktik und zur Mediation.“ Seine Ernennung solle die Beratung des Vorstands „um eine frische und unabhängige Sichtweise ergänzen.“

Bisher war Bayer in drei als wegweisend geltenden Fällen von den Jurys zu immer höheren Schadenersatzzahlungen verurteilt worden. In alle drei Fällen war der Konzern in Berufung gegangen. Im ersten Fall hatte die Richterin daraufhin die Strafe verringert, gab aber insgesamt der Jury recht. Nun muss die nächsthöhere Instanz entscheiden.

Im zweiten Fall entschied die Jury im März, dass das Pestizid Roundup die Krebserkrankung des Rentners Edwin Hardeman verursacht habe. Sie verurteilte die Bayer-Tochter Monsanto zu einem Schadenersatz von 80 Millionen US-Dollar, das sind rund 71 Millionen Euro. Die Verhandlungen hatte US-Bundesrichter Vince Chhabria geleitet, als Musterprozess für 760 weitere Klagen bei ihm anhängige Klagen.

In der mündlichen Verhandlung zur Bayer-Berufung kündigte Richter Chhabria an, dass er den Schadensersatz auf 50 Millionen Dollar oder weniger senken wolle. Gleichzeitig machte er deutlich, dass Monsanto bestraft werden müsse. Es habe genug Belege dafür gegeben, dass sich dasUnternehmen um die mögliche Krebsgefahr von Roundup nicht geschert habe, zitierte ihn der Courthouse News Service aus der Verhandlung. Statt dessen sei das Unternehmen gegen Menschen vorgegangen, die auf die Krebsgefahr hingewiesen hätten.

Im dritten Prozess war Bayer zu zwei Milliarden US-Dollar Schadensersatz verurteilt worden. Auch hier dürfte der zuständige Richter die Summe rnoch reduzieren.

Chhabria drängte schon kurz nach dem Jury-Urteil im März die Prozessparteien zu Verhandlungen und ordnete Mitte April eine Mediation an. Da sich die Prozessparteien nicht auf einen Vermittler einigen konnten, ernannte er den US-Anwalt Ken Feinberg zum Mediator, einen ausgewiesenen Experten für solche Fälle. Der Bayer-Aufsichtsrat begrüßte nun sowohl die Mediation als auch die Ernennung Feinbergs und versprach, sich konstruktiv in den Mediationsprozess einzubringen.