Abschiedsgeschenk: EU-Kommission lässt umstrittene Gentech-Pflanzen zu

Die EU-Kommission hat kurz vor Ablauf ihrer Amtszeit noch sieben gentechnisch veränderten Pflanzen die Zulassung als Lebens- und Futtermittel erteilt. Sie dürfen künftig in die EU eingeführt werden. Für zwei weitere Gentech-Pflanzen verlängerte die Kommission die Zulassung. Eine gentechnisch veränderte Nelke darf künftig als Schnittblume in der EU verkauft werden.

Die Neuzulassungen betreffen fünf Mais-Sorten sowie eine Soja- und eine Baumwollsorte. Die Kommission begründete ihre Entscheidung damit, dass die Pflanzen ein umfangreiches Zulassungsverfahren durchlaufen hätten und von der Europäischen Lebensmittelbehörde EFSA geprüft worden seien. Die Organisation Testbiotech hingegen kritisierte, dass die Risiken des Verzehrs von Produkten, die von diesen Pflanzen stammen, nicht ausreichend untersucht worden seien. So bestehe bei der Sojabohne MON 87751 der Firma Bayer der Verdacht, dass sie Allergien auslösen oder verstärken könne. Bei dem zugelassenen Bayer-Mais MON 87411 seien die biologischen Wirkmechanismen sehr komplex, so dass sich die Sicherheit der Maispflanzen in Bezug auf Mensch und Umwelt nicht verlässlich abschätzen lasse, schreibt Testbiotech.

Bereits im März 2019 hatte Testbiotech in einem gemeinsamen Brief mit rund 40 Organisationen die EU-Kommission aufgefordert, diese Zulassungen zu stoppen. Auch das EU-Parlament lehnte (wie in vielen anderen Fällen) eine Zulassung ab, doch ist das Votum der Abgeordneten für die Kommission nicht bindend. „Die EU hat ihre Pflichten gegenüber Mensch, Tier und Umwelt sträflich vernachlässigt und einzig im Interesse von BAYER & Co. gehandelt“, kritisierte Axel Köhler-Schnura vom Vorstand der Coordination gegen Bayer-Gefahren.