Genome Editing: mahnende Worte aus der Schweiz

Schweizer Wissenschaftler warnen davor, vor Begeisterung über die technischen Möglichkeiten des Genome Editing die damit verbundene Risiken auszublenden. Wissenschaft, Medien und Politik müssten Unklarheiten und Unsicherheiten klar kommunizieren.

So steht es in einem Gutachten der Schweizer Stiftung für Technikfolgen-Abschätzung (TA Swiss). Diese gemeinnützige Stiftung wird nur durch öffentliche Mittel finanziert und ist organisatorisch an die Akademien der Wissenschaften Schweiz angegliedert. Ihre Bedeutung beschreibt die Stiftung so: „Die Handlungsoptionen, die TA-Swiss mithilfe von interdisziplinären Expertenstudien und Mitwirkungsverfahren earbeitet, dienen Parlament und Bundesrat als Entscheidungshilfe – ganz besonders im Fall von kontrovers diskutierten Technologiethemen.“

In ihrem Gutachten zu den Chancen und Risiken der neuen gentechnischen Verfahren werden die Chance ausführlich beschrieben – und mit mahnenden Empfehlungen versehen. „Aufgrund der hohen Erwartungen, die Wirtschaft und Medizin an das Genome Editing stellen, drohen Unsicherheiten und fehlendes Wissen ausgeblendet zu werden“, schreibt die Stiftung. Zu diesen Unsicherheiten gehört es laut TA Swiss, dass trotz der angestrebten höhere Präzision beim Eingriff in das Erbgut „unerwünschte Wirkungen hervorgerufen werden können, die schwer einzuschätzen sind“. Deshalb seien systematische Forschungen und ein Monitoring entsprechend veränderter Organismen notwendig.

Was die Neue Gentechnik bei Nahrungsmitteln angeht, verweist TA Swiss explizit auf die „geringe Akzeptanz gentechnisch veränderter Lebensmittel“. Sie empfiehlt deshalb Parlament und Bundesrat der Schweiz, „Methoden zu erforschen, die es ermöglichen, in den Produkten nachzuweisen, ob Methoden des Genome Editing bei Pflanzen und Tieren angewendet wurden, von denen diese Produkte stammen“. Dabei verweist die Stiftung explizit auf das Prinzip der Rückverfolgbarkeit als Voraussetzung für eine Kennzeichnung. Sollte ein Nachweis nicht gelingen „ist zu prüfen, mit welchen Massnahmen verhindert werden kann, dass aus Genom-editierten Organismen hergestellte Lebensmittel undeklariert in die Produktionskette und in den Handel gelangen.“ Für das Gutachten befragte TA Swiss auch Schweizer Unternehmen nach ihrer Einschätzung und brachte diese so auf den Punkt: „Eine Voraussetzung, um Genome-Editing-Verfahren einzusetzen oder eben nicht, ist die Akzeptanz bei den Konsumentinnen und Konsumenten.“