Muskelberge und resistente Schweine: Genome Editing bei Nutztieren

Kühe und Schweine mit riesigen Muskeln, Schafe mit besonders langen Wollhaaren, Hühner die allergenfreie Eier legen: Das sind konkrete Projekte, an denen Gentechniker mit Hilfe von Gen-Scheren wie CRISPR/Cas arbeiten. Friends of the Earth U.S. haben in einem Bericht zusammengefasst, wie die Gentechnik-Tiere der Zukunft aussehen sollen – und was das für die Tiere, für Umwelt und Gesundheit bedeuten könnte.

In Experimenten ist es demnach bereits gelungen, mit Genome Editing die Muskelmasse und damit die Fleischproduktion von Rindern, Schweinen, Schafen und Ziegen zu erhöhen. Bei Schafen konnte zudem die Länge der Haare und damit der Ertrag an Wolle gesteigert werden. Geforscht wird auch an hornlosen Rindern oder an Schweinen, die gegen diverse Viruserkrankungen resistent werden sollen. Eine Forschergruppe hat Kühen menschliches Erbgut eingebaut, damit sie ein Antibiotikum produzieren, das Euterentzündungen verhindern soll. Solche gentechnischen Veränderungen hätten vor allem das Ziel, die Tiere an die schädlichen Lebensbedingungen in der Massentierhaltung anzupassen, heißt es in dem Bericht. Sinnvoller wäre es, diese Bedingungen zu ändern und den Tieren ein artgerechteres Leben zu ermöglichen. Mehrere Forschergruppen versuchen, die Zusammensetzung der von den Tieren erzeugten Lebensmittel zu ändern. Es gibt Versuche, Legehennen so zu verändern, dass ihre Eier ein bestimmtes allergieauslösendes Eiweiß nicht mehr enthalten. Schweine wurden so manipuliert, dass ihr Fleisch relevante Mengen an gesundheitsfördernden Omega-3-Fettsäuren enthält.

Noch handle es sich bei den genannten Beispielen um Konzept-Studien, die die Machbarkeit belegen sollen, schreiben die Autoren des Berichts. Doch die chinesische Regierung treibe viele Forschungen durch Fördermittel voran. Auch würden einige Unternehmen wie Genus aus Großbritannien und Recombinetics aus den USA in verschiedene Vorhaben investieren. Ein großes Manko der Konzept-Studien sei, dass sie nur selten auf unerwünschte Nebenwirkungen achten, auf Lebensmittelsicherheit oder mögliche Auswirkungen auf die Umwelt. Der Bericht beschreibt diese Risiken ausführlich. „Die wissenschaftlichen Belege zeigen, dass Genome Editing insbesondere bei Tieren alles andere als präzise ist”, sagt Janet Cotter, die den Bericht mit verfasst hat.

Friends of the Earth bezweifeln, dass Erzeugnisse von gen-editierten Tieren auf Akzeptanz stoßen. Eine kürzlich durchgeführte Befragung habe ergeben, dass es für die Mehrheit der US-Bürger zu weit gehe, Tiere gentechnisch zu manipulieren, um mehr Eiweiß zu produzieren. Die Sorge um das Wohl der Tiere dürfte dazu führen, dass gentechnische Veränderungen bei Tieren stärker abgelehnt würden als bei Pflanzen, folgern die Autoren. Sie weisen auch darauf hin, das bisher ist nur gentechnisch veränderter Lachs, der besonders groß wird, in den USA und Kanada als Lebensmittel zugelassen ist. Ansonsten wurden Tiere bisher vor allem für die medizinische Forschung gentechnisch verändert. Auch dies werde mit den neuen gentechnischen Verfahren stark zunehmen, prognostizieren Friends of the Earth.