Die neue Gentechnik gefährdet Natur- und Artenschutz

Breiten sich gentechnisch veränderte Organismen in natürlichen Populationen aus, kann dies massive Konsequenzen für die Umwelt und den Artenschutz haben. Zu diesem Ergebnis kommt ein Bericht, den das Institut für unabhängige Folgenabschätzung in der Biotechnologie (Testbiotech) für den Deutschen Naturschutzring (DNR) erstellt hat. Als Beispiele behandelt er gentechnisch veränderte Fliegen, Bienen, Bäume und Korallen sowie die mögliche gentechnische Rekonstruktion von Mammuts.

Deutlich macht Testbiotech die Gefahren neuer gentechnisch veränderter Arten an einer neuen Art, die ohne Gentechnik durch eine Mutation entstand, sich innerhalb von 20 Jahren weltweit verbreitete und zahlreiche Ökosysteme gefährdet: der Marmorkrebs. Er ist aggresiver als der Sumpfkrebs, von dem er abstammt, besitzt einen dickeren Panzer, größere Scheren und erzeugt deutlich mehr Nachkommen. Testbiotech-Geschäftsführer Christoph Then, der Autor des Berichts, weist darauf hin, dass die erhöhte Anpassungsfähigkeit beim Marmorkrebs nicht nur auf einer Veränderung seiner genetischen Information beruht, sondern auch auf den Wechselwirkungen des Erbguts mit der Umwelt. „Mit Hilfe des Einsatzes der neuen Gentechnik können Eingriffe im Erbgut vorgenommen werden, die zwar nur sehr kurze DNA-Abschnitte betreffen, aber erhebliche biologische Wirkungen entfalten“, schreibt Then. „Die damit einhergehenden neuen biologischen Eigenschaften gehen auch mit neuen Risiken einher, insbesondere wenn die Organismen in die Umwelt freigesetzt werden und sich in den natürlichen Populationen ausbreiten können.“

Ein Beispiel dafür ist laut Bericht die sogenannte Monarch-Fliege, die mit der Gen-Schere CRISPR/Cas verändert wurde: Drei kleine Veränderungen einzelner Basenpaare innerhalb eines Gens führten dazu, dass diese Taufliegen gegenüber dem Gift bestimmter Pflanzen unempfindlich wurden. Sie können das Gift auch speichern und werden so für ihre Fressfeinde selbst giftig. Sollten diese Tiere aus dem Labor entkommen, hätten sie einen deutlichen Überlebensvorteil gegenüber herkömmlichen Taufliegen.

Absichtlich freigesetzt werden sollen amerikanische Esskastanien, denen Wissenschaftler eine Pilzresistenz eingebaut haben. Die Gentech-Bäume sollen helfen, die stark dezimierte Kastanienpopulation in den USA zu erhalten. Noch in der Diskussion sind Pläne, Korallen oder die mit ihnen in Symbiose lebenden Mikroorganismen mit Hilfe von CRISPR/Cas9 zu verändern, um ihre Anpassungsfähigkeit gegenüber dem Klimawandel und erhöhten Temperaturen zu stärken.

Angesichts der weitreichenden ökologischen Risiken appellieren Testbiotech und der Deutsche Naturschutzring an die politischen Verantwortlichen, keine Abstriche an einer umfassenden Risikobewertung und Kontrolle, wie sie das geltende Gentechnikrecht vorsieht, zuzulassen und Freisetzungen an die Bedingung einer Rückholbarkeit zu knüpfen.