So kommen geklaute Kartoffel-Gene nach Ruanda

Im ostafrikanischen Ruanda sollen gentechnisch veränderte Kartoffel kommerziell angebaut werden. Sie enthalten Erbgut aus südamerikanischen Wildkartoffeln, die in dortigen Gen-Banken lagerten. Die Rechte für die Resistenzgene sicherten sich ein britischer Milliardär und ein US-Kartoffel-Konzern. Biopiraterie nennen das Kleinbauernorganisationen aus den Anden und aus Afrika.

Die gv-Kartoffel wurden ursprünglich in Irland und den Niederlanden entwickelt und ist durch die Wildkartoffelgene resistent gegen die Pilzkrankheit Krautfäule. Sie wurde nie kommerziell angebaut. Denn es gibt längst auch konventionell gezüchtete Sorten, die mit der Pilzerkrankung gut zurecht kommen. Zudem gilt die Cis-Genese, bei der Erbgut aus der eigenen Art eingebaut wird, im EU-Gentechnikrecht als Gentechnik. Denn die für den Einbau verwendeten gentechnischen Methoden und die daraus resultierenden Risiken sind die gleichen wie bei der Trans-Genese, bei der artfremdes Erbgut übertragen wird.

Deshalb würden nun Finanziers aus Großbritannien und den USA unter dem Deckmäntelchen der Entwicklungshilfe versuchen, ihre gentechnisch veränderten Knollen in Afrika zu vertreiben, schreibt das Afrikanischen Zentrum für Biodiversität (ACB). Konkret nennt das ACB den britischen Milliardär und Biotech-Investor Lord Sainsbury, Bill Gates und den US-Kartoffelkonzern JR Simplot. Unterstützt würden sie vom Internationalen Kartoffelzentrum CIP in Peru und der Hilfsorganisation US Aid. Die in Uganda bereits in Feldversuchen getesteten Kartoffeln sollen nun in einem ersten Schritt im Nachbarland Ruanda kommerziell angebaut werden. Das Ziel sei es, in Afrika den Weg auch für andere gentechnisch veränderte Pflanzen zu bereiten. Simplot habe sich, so schreibt ACB, Patente an einem der in die gv-Kartoffeln eingeschleusten Resistenzgene gesichert. Ein anderes sei vom Sainsbury Laboratory identifiziert worden, weshalb das Labor des Milliardärs dafür Lizenzgebühren verlange.

Doch die verwendeten Resistenzgene sind keine Entdeckung westlicher Laboratorien und Konzerne, sondern stammen von Wildkartoffeln aus den Anden, der Heimat der Kartoffeln. Diese Wildkartoffeln waren vor Jahren gesammelt und in eine Genbank eingelagert worden, aus der sich die Labore bedienten. Sich deren Resistenzgene als geistiges Eigentum zu sichern, sei Biopiraterie, argumentiert die Asociación ANDES, die Kleinbauern in den Anden vertritt. Diese haben sich in Peru mit ihren afrikanischen Kollegen getroffen, um gemeinsam gegen die gv-Kartoffeln vorzugehen. Die Andenbauern haben sich das in Peru ansässige Kartoffelzentrum CIP vorgenommen. „Gv-Kartoffeln sind in Peru verboten, warum also versucht CIP eine Kartoffel in Afrika zu erproben, die in seinem Heimatland illegal wäre“, fragt sich Alejandro Argumedo von der Swift Foundation, die das Anden- Afrika-Treffen organisiert hatte. „Die indigenen Völker der Anden haben die Kartoffel domestiziert und bewahren ihre Vielfalt auf ihren Feldern.“ Das CIP sollte sich deshalb um gute Beziehungen zu den Indigenen bemühen anstatt deren Rechte zu untergraben, sagt Argumedo.