Indien: Bauern haben von Gentech-Baumwolle nicht profitiert

Im Jahr 2002 brachte Mahyco, das indische Joint-Venture des Gentechnik-Konzerns Monsanto, seine gentechnisch veränderte Bt-Baumwolle auf den indischen Markt. Heute wächst sie auf 95 Prozent der Felder. Das Ergebnis: „Jetzt geben die Bauern in Indien mehr für Saatgut, mehr für Dünger und mehr für Insektizide aus.“ Das sagt Glenn Davis Stone, ein Anthropologe der Washington University, der die Entwicklung von Anfang an begleitet hat. Zusammen mit K.R. Kranthi, langjähriger Direktor des indischen Baumwoll-Instituts, hat er im Fachmagazin Nature Plants eine Bilanz des Bt-Baumwollanbaus in Indien gezogen. „Unsere Schlussfolgerung ist, dass die Hauptauswirkung der Bt-Baumwolle auf die Bauern darin besteht, dass sie die Landwirtschaft kapitalintensiver macht – und nicht in einem dauerhaften agronomischen Nutzen“, erklärte Stone.

Dabei sollte die Bt-Baumwolle mit ihren selbst produzierten Toxinen den Baumwollkapselbohrer abtöten, so die Erträge steigern und gleichzeitig den Verbrauch an Insektiziden verringern. Tatsächlich stiegen die Erträge nach der Markteinführung im Jahr 2002 zwei Jahre lang stark an; allerdings auch die Mengen an Kunstdünger und neu entwickelten Insektiziden, die eingesetzt wurden. Der Anbau von Bt-Baumwolle sei noch zu gering gewesen, um das Ertragswachstum zu erklären, schreiben Stone und Kranthi. Erst als ab 2005 auf einem Großteil der Felder Bt-Baumwolle wuchs, sanken die Ausgaben für Insektizide kurzzeitig. Doch die neuen Baumwollpflanzen erwiesen sich als besonders anfällig gegen saugende Schädlinge wie Läuse. Die Kleinbauern geben deshalb für deren Bekämpfung heute mehr als dreimal so viel aus wie vor 15 Jahren. Hinzu kam, dass der Kapselbohrer gegen das Bt-Toxin der gentechnisch veränderten Baumwolle resistent wurde und seither auch für dessen Bekämpfung wieder mehr Insektizide eingesetzt werden. Die Ernten seien trotz der Spritzgifte die letzten 13 Jahre nicht gestiegen.

Wie andere Studien zeigen, macht gerade der erhöhte Kapitalbedarf die meist armen und verschuldeten Kleinbauern extrem anfällig, zumal in Gebieten, wo die Felder nicht bewässert werden, sondern auf den immer unzuverlässiger werdenden Monsumregen angewiesen sind. Colin Todhunter stellt im Online-Magazin Counterpunch einige dieser Arbeiten vor und kommt zu dem Ergebnis, dass Bt-Baumwolle von Anfang an das Ziel hatte, die Profitinteressen der Konzerne im ländlichen Raum Indiens durchzusetzen und die Landwirte abhängig zu machen. „In dieser Hinsicht war die Bt-Baumwolle ein herausragender Erfolg“, schreibt er.