Die Dicamba-Zulassung in den USA gerät unter Druck

In den USA wächst der Druck auf die Umweltbehörde EPA, ihre Zulassung zu widerrufen und Dicamba-haltige Pestizide aus dem Verkehr zu ziehen. Der Wirkstoff ist leicht flüchtig und kann durch Abdrift die Felder anderer Landwirte schädigen. In einem ersten Prozess wurden Bayer und BASF bereits zu 265 Millionen Dollar Schadenersatz verurteilt. Am 21. April verhandelt ein Berufungsgericht des Bundes über die Klage mehrere Farmer und Umweltgruppen gegen die Zulasssung von XtendiMax durch das EPA. Diese machen geltend, dass EPA bei der Zulassung Bundesvorgaben missachtet habe.

EPA hatte 2016 die Herbizide XtendiMax (Bayer), Engenia (BASF) and FeXapan (Corteva) zugelassen. Sie alle enthielten den in den 60-er Jahren entwickelten Wirkstoff Dicamba und werden seither zusammen mit gentechnisch veränderten, Dicamba-resistenten Baumwoll- und Sojapflanzen von Monsanto verkauft. Damals war längst bekannt, dass der leichtflüchtige Wirkstoff beim Ausbringen vom Wind abgetragen werden und benachbarte Pflanzungen beeinträchtigen kann. Die Hersteller gaben an, das Problem durch neue Rezepturen im Griff zu haben. EPA akzeptierte diese Erklärungen und gab die Pestizide frei. Inzwischen hat sich gezeigt, dass die neuen Pestizidformulierungen ebenso wie alte Dicamba-Pestizide vom Winde verweht werden und die Nachbarn ohne Dicamba-resistente Pflanzen schädigen. EPA verschärfte daraufhin 2018 die Anwendungsbestimmungen, doch auch das nutzte wenig. Inzwischen haben zahlreiche Farmer Bayer und BASF wegen Dicamba-Schäden verklagt. In einem ersten Verfahren wurden die beiden Konzerne nicht nur zu 265 Millionen Dollar Schadenersatz verurteilt. In diesem Prozes belegten Dokumente auch, dass die Hersteller Abdriftprobleme von vorneherein einkalkuliert hatten.

EPA kündigte an, im Herbst über gegebenenfalls notwendige weitere Auflagen entscheiden zu wollen. Doch nach wie vor sehe die Behörde in der Abdrift kein grundlegendes Problem, schreibt das Midwest Center for Investigative Reporting. Anders beurteilen das mehrere Universitätsprofessoren. Deren Untersuchungen hätten gezeigt, dass die Herbizide in der Lage seien, sich nach der Anwendung stunden- und sogar tagelang zu verflüchtigen und vom Zielort zu entfernen, schreibt das Magazin Progressive Farmer.

Beide Medien berichtet auch, dass das Office of the Inspector General (OIG), eine Art Aufsicht für die Bundesbehörden, eine interne Untersuchung plant. Diese soll feststellen, ob EPA sich bei der Zulassung an die Anforderugen des Bundes und die Grundsätze der Wissenschaftlichkeit gehalten hat. Die Untersuchung des OIG bezieht sich auch auf einen Paragraphen (Section 24(c)) des bundesweiten Pestizidgesetzes. Dieser erlaubt es den Einzelstaaten, in bestimmten Fällen den Einsatz von Pestiziden trotz EPA-Zulassung zu beschränken. Bei Dicamba nutzen mehrere US-Staaten mit Verweis auf die Abdriftschäden diese Möglichkeit und haben den Dicamba-Einsatz stark reglementiert oder gar verboten. Das EPA sieht darin einen Missbrauch dieses Paragraphen und plant seither, dessen Anwendung einzuschränken. Hier erwarten sich die Pestizidregulierer in den US-Staaten Rückendeckung durch das OIG.