Dicamba in den USA: Abdriftschäden vorsätzlich einkalkuliert

BASF und die Bayer-Tochter Monsanto haben bewusst in Kauf genommen, dass die von ihnen in den USA vertriebenen Herbizide mit dem Wirkstoff Dicamba die Felder von Landwirten schädigen. Das belegen 180 interne Mails, die im ersten Dicamba-Prozess öffentlich gemacht wurden. Die Bürgerrechtsorganisation US Right to Know hat diese Mails und die Prozessprotokolle online gestellt. Die britische Zeitung The Guardian präsentierte eine erste Auswertung.

Diese zeigt, dass die beiden Unternehmen seit über zehn Jahren zusammenarbeiteten, um neue Dicamba-Pestizide zu entwickeln, die zusammen mit dem gentechnisch veränderten und dicamba-resistenten Saatgut von Monsanto auf den Markt kommen sollten. Während dieser Zeit wurden sie immer wieder von Universitätsprofessoren und anderen Landwirtschafts- Experten auf die Flüchtigkeit von Dicamba hingewiesen und darauf, dass auch die neuentwickelten Pestizide Engenia (BASF) und XtendiMax (Monsanto) dieses Problem nicht in den Griff bekämen. In den Mails fand sich auch eine Abschätzung von Monsanto aus dem Jahr 2015. Darin stand neben der Zahl der erwarteten Käufer von Saatgut und Pestizid auch die Zahl der erwarteten Schadensfälle, insgesamt mehr als 10.000 für die Jahre 2017 bis 2020. Gesehen wurden diese geschädigten Landwirte von den Monsanto- und BASF-Mitarbeitern jedoch vor allem als potentielle Kunden. Sie sollten davon überzeugt werden, Monsantos dicamba-resistente Soja und Baumwolle anzubauen, um künftige Schäden zu vermeiden.

Der Guardian-Artikel berichtete auch, dass 2015 Universitäten die Flüchtigkeit des neuen Pestizids XtendiMax untersuchen wollten. Damals stand XtendiMax bei der Umweltbehörde EPA zur Zulassung an und Monsanto wollte sicherstellen, „dass das Produkt eine weiße Weste behält“. So stand es in der Mail einer hochrangigen Managerin. Daraufhin lehnte Monsanto die Anfragen der Wissenschaftler ab. Eine davon mit der Begründung, dass wegen Schwierigkeiten in der Produktion nicht genug XtendiMax für Feldversuche zur Verfügung stünde. „Hahaha, Produktionsschwierigkeiten, so ein bullshit“ kommentierte ein Monsanto-Manager intern den Vorgang.

Gegenüber dem Guardian wiesen beide Unternehmen die Darstellung zurück und sprachen von einzeln herausgepickten Mails. Sie sollten davon ablenken, dass die Pestizide von der Umweltbehörde EPA in einem ordentlichen Verfahren zugelassen worden seien und keine Schäden verursachen, wenn sie korrekt angewendet werden. Gleichzeitig beschwerte sich BASF darüber, dass dem Unternehmen Fehlverhalten von Monsanto angerechnet werde. Im ersten Dicamba-Prozess hatte der Richter beide Unternehmen zusammen zu 15 Millionen Dollar Schadenersatz und 250 Millionen Dollar Strafzahlung verurteilt. Die Geschworenen jedoch hätten sich nur für Strafzahlungen gegen Monsanto ausgesprochen, schrieb BASF dem Richter. Berufung gegen dieses erste Dicamba-Urteil haben beide Unternehmen eingelegt. Über hundert weitere Prozesse stehen noch an.