Bayer: Hauptversammlung in parallen Netzwelten

Die Bayer AG hat als erstes Unternehmen die coronabedingte Möglichkeit genutzt und die Hautptversammlung virtuell durchgeführt. Damit ersparte sich der Konzern Proteste vor und kritische Reden in der Versammlungshalle. Statt dessen saßen sechs Vorstände und Aufsichtsräte in gebührendem Abstand im Studio und beantworteten die vorher eingereichten und nach eigenem Gusto ausgewählten Fragen. Das sei eine „drastische Beschneidung der Rechte von Minderheits-AktionärInnen und KonzernkritikerInnen“, kritisierte die Coordination gegen BAYER Gefahren (CBG). Sie organisierte einen Live-Protest im Netz mit zahlreichen Beiträgen von Aktivisten, Bayer-Geschädigten, Politikern und Künstlern sowie einer kleinen Live-Demo vor den Bayer-Werkstoren in Leverkusen. „Genetisch manipuliertes Saatgut, erdrückende Monopolpreise im Agrar- und im Pharma-Bereich, globale Umweltvergiftung durch Pestizide wie Glyphosat (Round Up) oder Dicamba, massive Steuerflucht“ und vieles mehr hatte die Coordination gegen BAYER Gefahren (CBG) in ihrem diesjährigen Protestaufruf aufgelistet.

Bereits ab 23. April hatten CBG und andere Organisationen unter dem Hashtag #stopBayerMonsanto zu Online-Protesten aufgerufen. Im Rahmen der Kampagne legten das Inkota Netzwerk und Misereor einen Bericht darüber vor, wie Bayer (und BASF) in Brasilien und Südafrika Pestizide mit Wirkstoffen verkauft, die in der EU längst verboten wurden – weil sie so gefährlich für Mensch und Umwelt sind. „Mit solchen Doppelstandards missachtet Bayer seine unternehmerischen Verpflichtungen zur Einhaltung der Menschenrechte“, kritisierte Pirmin Spiegel, Hauptgeschäftsführer von Misereor. „Anstatt den Export zu steigern, muss Bayer verpflichtet werden, die Pestizidproduktion insgesamt zu senken“, forderte Antje von Broock, Geschäftsführerin Politik des Umweltverbandes BUND.

CBG hatte beantragt, Vorstand und Aufsichtsrat wegen des Geschäftsgebahrens nicht zu entlasten. Außerdem sollte die geplante Dividendenausschüttung auf 10 Cent je Aktie gekürzt werden. Statt dessen sollten die Gelder unter anderem verwendet werden „ für den Erhalt und die Schaffung sicherer und umweltgerechterArbeitsplätze und für die Zahlung sozial gerechter Löhne“ sowie „für einen Fonds zum angemessenen Ausgleich von Schäden, die infolge der Geschäftstätigkeit bei Mensch, Tier und Umwelteingetreten sind“.

Diese Anträge wurden mit großer Mehrheit abgelehnt. Statt dessen entlasteten die Aktionäre den Vorstand mit 92 Prozent der Stimmen und genehmigten sich trotz Corona eine Dividende von 2,80 Euro je Aktie. Die Kritik daran, dass bei den Glyphosatklagen in den USA immer noch kein Vergleich geschlossen wurde, hielt sich in Grenzen. Man haben bei den Verhandlungen einige Fortschritte erzielt, „bevor der Ausbruch von Covid-19 auch dieses Thema überlagert und den Verhandlungsfortschritt damit erheblich verlangsamt hat“, sagte Vorstandschef Werner Baumann. Er sprach von einem strategisch und operativ erfolgreichen Geschäftsjahr 2019 und wertete die Zahlen für das erste Quartal 2020 als „guten Jahresauftakt.“