Deutscher Saatgutkonzern arbeitet an Crispr-Weizen

Die KWS Saat, nach eigenen Angaben weltweit die Nummer vier der landwirtschaftlichen Saatgutzüchter, will einen gentechnisch veränderten Weizen entwickeln. Die Pflanze soll mit Hilfe der Genschere Crispr/Cas tolerant gegen mehrere Pilzkrankheiten gemacht werden.

Offiziell ist der Crispr-Weizen ein Projekt des Bundesverband der Deutschen Pflanzenzüchter und trägt den Namen Pilton. Ziel ist es, Weizensorten mit einer multiplen und dauerhaften Pilztoleranz züchten. Also Pflanzen die mehreren Pilzkrankheiten gleichzeitig widerstehen können und deren Toleranz von den Pilzen nicht durchbrochen werden kann. Im Video auf der Pilton-Webseite ist von einer „Projekt-Idee“ die Rede, an der im Labor eines Mitgliedsunternehmens „seit Anfang des Jahres“ gearbeitet werde. Gemeint ist damit der deutsche Konzern KWS Saat, der seit langem mit Zuckerrüben in der alten Gentechnik aktiv ist.

Die KWS-Forscher wollen ein Gen verändern, das die Anwehr des Weizens gegen Pilzangriffe steuert. Dieses Gen fährt die Abwehr einige Zeit nach der Infektion wieder herunter und lässt dem Pilz Raum. Warum die Natur das so eingerichtet hat, thematisierten die Züchter nicht. Statt dessen präsentieren sie einen Crispr-Eingriff, der das regulierende Gen abschalten soll, damit die Pflanze ihre Abwehrantwort länger fortsetzt. Auch wenn Pilton erste konkreten Ergebnisse bereits im Sommer 2021 erwartet: Es dürften noch einige Jahre dauern, bis diese Züchtung soweit gediehen ist, dass sie das Labor in Richtung Freiland verlassen könnte.

Der Züchterverband griff bei der Vorstellung seines Projekts die Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs von 2018 an, wonach mithilfe neuer gentechnischer Verfahren entwickelte Pflanzen als gentechnisch veränderte Organismen (GVO) einzustufen sind. Die damit verbundenen Auflagen und Konsequenzen würden eine Anwendung der neuen Methoden derzeit praktisch unmöglich machen, klagte die Verbandsvorsitzende Stephanie Franck: „Nach wissenschaftlicher Erkenntnislage gibt es keinen Grund, Pflanzen, die sich nicht von klassisch gezüchteten unterscheiden oder auch natürlicherweise vorkommen könnten, als GVO zu regulieren. Die Gesetzgebung muss entsprechend angepasst werden“, forderte sie. Noch ein anderes rechtliches Thema wollen die Züchter mit Pilton angehen. Sie wollen klären, wie angesichts des Patentschutzes für Verfahren wie Crispr&Co und den daraus resultierenden Lizenzbestimmungen Pflanzenzüchter sinnvoll mit diesen Verfahren arbeiten können.

Daniela Wannemacher, Leiterin Gentechnikpolitik beim Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) erinnerte die Züchter daran, dass über 80% der Menschen in Deutschland Gentechnik ablehnen. „Ihnen jetzt einen Genom-editierten CRISPR-Weizen als Lösung des Pestizidproblems zu verkaufen, hat deutlich was von unterjubeln“, sagte Wannemacher dem Infodienst Gentechnik. Zudem sei es nicht einfach, eine Widerstandsfähigkeit gegen Pilze gentechnisch herzustellen. „Der Ökolandbau beweist außerdem seit Jahren, wie viel wichtiger das Anbaumanagement dafür ist, Pilzbefall klein zu halten“.

„Wer den Menschen Crispr-Brot schmackhaft machen möchte, darf das nicht über Verschleierung der Produkte versuchen“, kommentierte Alexander Hissting, Geschäftsführer des Verbandes Lebensmittel Ohne Gentechnik (VLOG). Gentechnik müsse erkennbar bleiben, die Verbraucher hätten ein Recht auf Transparenz und Wahlfreiheit. Wenn der Weizen keine negativen Auswirkungen auf Umwelt und Gesundheit habe, sollte es kein Problem sein, eine EU-Gentechnik-Zulassung für ihn zu bekommen, sagte Hissting.