Alle Beiträge von Leo Frühschütz

Monitoring 2019: Kaum Gentech-Spuren im Saatgut

Auch in diesem Jahr ist das konventionelle Saatgut fast komplett frei von gentechnischen Verunreinigungen. Die Bundesländer hatten in den vergangenen Monaten 785 Saatgutproben untersucht. Lediglich in drei Maisproben und einer Probe Winterraps fanden sich Spuren von gentechnisch verändertem Erbgut. Die betroffenen Partien wurden aus dem Verkehr gezogen, bevor sie auf den Markt kamen.

„Im europaweiten Vergleich nehmen die Bundesländer bei der Umsetzung der Nulltoleranz eine Vorreiterrolle ein“, lobte Stefanie Hundsdorfer von der Interessengemeinschaft für gentechnikfreie Saatgutarbeit. Sie sollten sich deshalb auf EU-Ebene dafür einsetzen, dass die europarechtlich verankerte Nulltoleranz nicht durch die Einführung von Verschmutzungsgrenzwerten, wie sie die Saatgutindustrie fordert, aufgeweicht werde.

Eine konsequente Umsetzung der Nulltoleranz für Gentechnik im Saatgut sei existenziell für die Sicherung einer gentechnikfreien Landwirtschaft“, sagte Jan Plagge, Präsident von Bioland „Wir begrüßen daher, dass die Bundesländer Kontrollen durchführen und nachweislich verunreinigte Partien aus dem Verkehr ziehen.“ Allerdings seien Kulturarten wie Raps oder Mais einem so hohen Verunreinigungsrisiko ausgesetzt, dass die derzeitige stichprobenartige Untersuchung eines Teils der Partien nicht mehr genüge. „Um unsere Nahrung gentechnikfrei zu halten, ist es bei diesen Risikokulturen leider notwendig geworden, alle Saatgutpartien zu überprüfen“, sagte Plagge und forderte die Bundesländer auf, ihr Monitoring zu verstärken.

Erst im vergangenen Jahr war verunreinigtes Rapssaatgut von Bayer via Frankreich auch nach Deutschland gelangt und hier ausgesät worden.

Dirk Zimmermann von Greenpeace wies darauf hin, dass nach dem Urteil des Europäischen Gerichtshofs auch bei der neuen Gentechnik die Nulltoleranz für nicht zugelassene Organismen im Saatgut gelte. „Die Bundesländer müssen das Urteil nun endlich umsetzen. Sie müssen dafür sorgen, dass Nachweisverfahren für neue Gentechnikanwendungen entwickelt werden, und die Einfuhr von neuen gentechnisch veränderten Organismen im Rahmen von Kontrollen unterbinden“, sagte Zimmermann.

Neue Gen-Schere – alte Versprechungen

Von der Gen-Schere CRISPR/Cas heißt es oft, dass sie präzise und fast ohne Nebenwirkungen das Erbgut ändern könne. Dabei sei sie ungeschickt, schreibt der Onlinedienst ScienceMag. Sie verändere manchmal Gene, die unberührt bleiben sollten, und sie zerschneide beide DNA-Stränge und überlasse es dann der Zelle, den Schaden zu reparieren. Das schränke ihren Einsatz ein und sei ein Sicherheitsrisiko in der Medizin. Denn „der Reparaturmechanismus der Zelle verbindet die beiden DNA-Enden meist einfach wieder, ohne die Erbgutschnipsel einzufügen, die die Forscher gemeinsam mit der Genschere in die Zelle schleusen“, erklärt der Tagesspiegel und spricht von einer „Axt im Genwald“.

Das alles soll sich, diesen Medienberichten zufolge, zum Besseren wenden. Denn Forscher des Broad-Instituts am MIT in Cambridge haben eine neue Gen-Schere vorgestellt, die sie „prime editing“ nennen. Sie nutzt eine überarbeitete Version des Enzyms Cas9. Diese schneide den DNA-Strang nicht mehr durch, sondern kerbe ihn nur ein, beschreiben die Forscher die neue Methode. Ein zweites Enzym baue dann an dieser Stelle einen mitgeführten DNA-Strang ein. So könnten größere Stellen im Erbgut überschrieben werden. Ausprobiert haben die Broad-Wissenschaftler ihre neue Gen-Schere an menschlichen Zellen mit Anomalien, die sie dadurch reparierten. Einsetzbar ist die Technik aber auch in Tieren und Pflanzen. „Gerade für Pflanzen sei die Technologie besonders interessant, um genau geplante Veränderungen ins Genom einzubringen“, zitiert der Tagesspiegel den Karlsruher Molekularbiologen Holger Puchta. Die Zeit zitiert den Biotechnolgen Jens Boch von der Universität Hannover: „Dies wird die moderne Züchtung sehr beschleunigen.“

Noch handelt es sich bei dem gemeldeten Erfolg um Grundlagenforschung. The Guardian zitiert einen Londoner Gentechnologen mit dem Hinweis, dass die Broad-Forscher bisher nur mit wenigen menschlichen Zelltypen experimentiert hätten. „Wie die Autoren selbst betonen, handelt es sich hierbei um neue Methoden, und es werden Anstrengungen erforderlich sein, um sie zu entwickeln, um zu zeigen, dass sie ausreichend sicher und effizient sind“, sagte der Experte dem Guardian.. Der Hannoveraner Biotechnologe Jens Boch äußerte sich dem Tagesspiegel gegenüber skeptisch: „Auch die neue Technik führt zu ungeplanten Veränderungen, und zwar in nicht unerheblichem Umfang.“

 

Neue Gentechnik im Bundestag: Experten verteidigen Vorsorgeprinzip

Wie sollen neue gentechnische Verfahren reguliert werden, fragte der Landwirtschaftsausschuss des Bundestages mehrere Sachverständige. Die Deutsche Industrievereinigung Biotechnologie sprach sich für „naturwissenschaftliche und damit differenzierte Einzelfallbewertungen“ aus und forderte eine entsprechende Änderung des EU-Genrechnikrechts. Vorsorge-und Innovationsprinzip müssten abgewogen werden, ansonsten würden Unternehmen in Europa und Deutschland im internationalen Wettbewerb schwer benachteiligt.

Beate Jessel, Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz (BfN), argumentierte für eine angemessene, auf dem Vorsorgeprinzip orientierte Risikoabschätzung. Es sei kein tragfähiges Argument, dass durch Genome-Editing nur punktuelle Änderungen vorgenommen werden würden, sagte Jessel. Bereits kleine Änderungen könnten große Auswirkungen haben. Auch seien die neuen Methoden nur vermeintliche präzise. „Untersuchungen zeigen, dass durch Genomeditierung ein Genom zusätzlich zur gewünschten Editierung auch an entfernteren Stellen, neben und direkt am Zielort in verschiedener Weise verändert werden kann“, schrieb die BfN-Präsidentin in ihrer Stellungnahme. Deshalb dürften aus der neuen Gentechnik hervorgegangene Organismen „nicht ungeprüft inVerkehr und in die Umwelt gebracht werden“. Regulierung müsse als Chance verstanden werden und nicht als Hinderung, denn dadurch werde die Wahlfreiheit gewährleistet und schaffe damit Vertrauen in der Bevölkerung. Auch die Medizin kenne eine starke Regulierung, sagte Jessel in der Anhörung.

Rechtsprofessor Tade Matthias Spranger machte klar, dass Vorsorgeprinzip und Innovationsprinzip rechtlich nicht gleichwertig sind. Das Vorsorgeprinzip sei „ein Kardinalprinzip europäischen Umweltrechts“. Alle Einwände dagegen „verkennen, dass es sich – anders als das sogenannte ‚Innovationsprinzip’ –nicht um eine marketingtechnische Sprechblase, sondern um ein Rechtsprinzip handelt, das Bestandteil des ‚europäischen Verfassungsrechts’ ist.“

Eine wichtige Rolle in der Diskussion spielte die Frage, ob sich Eingriffe mit neuen gentechnischen Verfahren ins Erbgut nachweisen lassen. Der Planzenphysiologe Stephan Clemens von der Uni Bayreuth schrieb in seiner Stellungnahme: „Pflanzen, die einfache, gezielt mit CRISPR-Cas erzeugte Veränderungen enthalten und in die keine fremden Gene eingefügt wurden, sind von Pflanzen konventioneller Züchtung nicht zu unterscheiden und genauso sicher.“ Rechtsprofessor Tade Matthias Spranger dagegen ging davon aus, dass die Unternehmen, die Neue Gentechnik nutzen, aus Eigeninteresse für eine Identifizierbarkeit ihrer Produkte sorgen würden. Denn nur, wenn die die Anwendung der Technik nachweisbar sei, könnten Patente ihre Schutzwirkung entfalten.

Anlass der Anhörung waren zwei Anträge von FDP und Grünen. Während die FDP ein „technologieoffenes Gentechnikrecht“ fordert, treten die Grünen dafür ein, neue Gentechniken im Sinne des Vorsorgeprinzips zu regulieren.

 

 

Gentechnikrecht: Vollziehen statt ändern

23 Verbände der Agrar- und Ernährungswirtschaft haben die deutsche Politik aufgefordert, das EU-Gentechnikrecht zu ändern und mit neuer Gentechnik erzeugte Pflanzen auszunehmen. Eine Koalition aus Umwelt-, Bauern- und Bio-Organisationen hat dieses Ansinnen zurückgewiesen und die Bundeslandwirtschaftsministerin aufgefordert, sich dafür einzusetzen, dass das Urteil des Europäischen Gerichtshofes zur neuen Gentechnik endlich vollzogen wird. Der Verband Lebensmittel ohne Gentechnik (VLOG) warnt davor, Vorsorgeprinzip und Transparenz aufzugeben.

Die Verbände der Agrarwirtschaft behaupten in ihrem Schreiben, die Neue Gentechnik biete „Chancen, die Folgen des Klimawandels abzumildern sowie die Nachhaltigkeit und die Biodiversität in der Landwirtschaft zu fördern“. Um Nutzpflanzen widerstandsfähiger gegen Wassermangel, Versalzung, Hitze, Krankheiten und Schädlinge zu machen, seien Innovationen in der Züchtung notwendig. Die neue Gentechnik besitze „das realistische Potenzial, innerhalb relativ kurzer Zeit zur Lösung solcher Herausforderungen beizutragen“. Darüber hinaus könne sie die bestehende natürliche genetische Vielfalt erweitern und Sorten für ein besseres Angebot an nachwachsenden pflanzlichen Rohstoffen bereitstellen.

VLOG-Geschäftsführer Alexander Hissting kommen diese Behauptungen bekannt vor: „Vor 20 Jahren haben die Hersteller gentechnisch veränderter Pflanzen schon einmal versucht, mit Hilfe von Heilsversprechen Akzeptanz für eine Technik zu schaffen, die dem Verbraucher nicht hilft aber Risiken für Mensch und Umwelt birgt.“ Damals hätten die EU-Mitglieder ein strenges Zulassungs- und Kennzeichnungsrecht erlassen und so Sicherheit und Transparenz für die Verbraucher geschaffen. „Das in der EU geltende Vorsorgeprinzip verlangt, dass neue Verfahren wie CRISPR/Cas besonders sorgfältig reguliert und geprüft werden“, erklärt Hissting. „Wer diese Verfahren aus der Gentechnikregulierung herausnimmt, gibt auch die Möglichkeit aus der Hand zu beobachten, ob sie tatsächlich so sicher sind wie versprochen.“ Die dafür notwendige Transparenz und Rückverfolgbarkeit sei auch die Grundvoraussetzung für die Wahlfreiheit von Landwirten, Herstellern und Verbrauchern. „Deregulierung bedeutet Intransparenz. Die Verbraucher wüssten nicht mehr, was sie einkaufen und essen“, sagt Hissting.

Die Verbände der Agrarwirtschaft behaupten in ihrem Schreiben, Transparenz sei nicht möglich, denn es lasse sich nicht nachweisen, ob eine Punktmutation durch neue gentechnische Verfahren, natürliche Mutation oder eine konventionelle Mutagenese mittels Strahlung oder Chemikalien herbeigeführt worden sei. Deshalb könne das Urteil des EuGH nicht vollzogen werden. „Das ist eine gezielte Falschbehauptung“, hält Hissting dagegen. „Es fehlt nicth an Möglichkeiten des Vollzugs, es fehlt der politische Wille dazu.“

Unterstützung bekommt der VLOG dabei von einer Koalition aus Umwelt-, Bauern- und Bio-Organisationen: „Die praktischen Probleme bei der Umsetzung des Urteils können überwunden werden“, heißt es in einem Brief der Organisationen an das Bundeslandwirtschaftsministerium. Sie argumentieren, dass bekannte Veränderungen etwa beim herbizidtoleranten Raps der Firma Cibus oder bei der Sojabohne von Calyxt sehr wohl nachgewiesen werden könnten. Diese beiden Pflanzen der neuen Gentechnik werden in den USA bereits angebaut. Zudem sei es möglich, Nachweismethoden für unbekannte Produkte zu entwickeln.

Die Verbände forderten Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner auf, die nationalen Behörden anzuweisen, die notwendigen Kontrollen durchzuführen. Auch soll sie die Hersteller von neuen gv-Produkten auffordern, Nachweismethoden, Referenz- und Kontrollmaterial zu liefern. Die EU-Kommission solle dass EU-Netzwerk von GVO-Laboratorien beauftragen, Methoden und Strategien zu entwickeln, um unbekannte, mittels Genome Editing hergestellte Produkte zu identifizieren.

 

 

Wer hat das Sagen im Europäische Patentamt – Politik oder Konzerne?

Seit Jahren protestieren zahlreiche Organisationen dagegen, dass das Europäische Patentamt (EPA) Patente auf herkömmlich gezüchtete Pflanzen und Tiere erteilt. Auch die Bundesregierung, die EU-Kommission und die anderen europäischen Staaten lehnen solche Patente ab. Der Protest führte schließlich dazu, dass der Verwaltungsrat des EPA 2017 klarstellte, dass solche Patente nicht zulässig seien. Im Verwaltungsrat sind die Regierungen der Staaten vertreten, die das Patentübereinkommen unterschrieben haben. Dennoch erteilte das EPA weiterhin Patente auf herkömmlich gezüchtete Pflanzen und Tiere oder wies Widersprüche gegen frühere Entscheidungen, etwa zur Patentierbarkeit eines Paprikas durch Syngenta, zurück.

Um die Auseinandersetzung zu beenden, wies der Präsident des EPA dessen große Beschwerdekammer als oberste Berufungsinstanz an, endgültig zu klären, wer bei diesem Thema das Sagen hat: die Mitgliedsstaaten im Verwaltungsrat oder die Beschwerdekammer. Bis 1. Oktober konnten die Beteiligten Stellungnahmen abgegeben, und die gab es reichlich.

50 Organisationen unterstützten eine Sammeleinwendung, darunter waren die Menschenrechtsorganisation Oxfam und das Uweltinstitut München ebenso wie der europäische Bauernverband COPA/COGECA. Auch 25.000 Einzelpersonen unterschrieben die Eingabe. Darin heißt es:In diesem Fall kann die Befugnis des Verwaltungsrats, der sich auf die Unterstützung aller 38 Vertragsstaaten stützt, nicht einfach durch Entscheidungen eines technischen Gremiums des EPA außer Kraft gesetzt werden.“ Das Europäische Parlament verabschiedete mit großer Mehrheit eine Resolution gegen die Patentierbarkeit von Pflanzen und Tieren. Der Zugang zu genetischen Ressourcen dürfe nicht eingeschränkt werden, denn dies könne dazu führen, dass wenige multinationale Konzerne das Monopol über pflanzliches Züchtungsmaterial bekämen, argumentierten die Abgeordneten. Stellung bezogen auch die EU-Kommission, die deutsche Bundesregierung und mehrere andere EU-Staaten oder deren Patentbehörden. Sie alle kommen zu dem Schluss, dass die Entscheidung des Verwaltungsrates Vorrang haben muss vor einer Auslegung der Beschwerdekammer. Anders sehen das lediglich die Patentanwälte, die sich ebenfalls in mehreren Schreiben zu Wort meldeten – und der Lobbyverband der Agrarkonzerne, ECPA. Sie halten es bereits für unzulässig, dass der EPA-Präsident überhaupt eine solche Anweisung vorlegt, die die bisherigen Entscheidungen der Beschwerdekammer in Frage stellt.

Eine Entscheidung der großen Beschwerdekammer des EPA wird voraussichtlich erst im nächsten Jahr fallen. Die Erwartungen sind hoch: Das EPA darf nicht länger nur die Interessen der Industrie und Patentanwälte bedienen“ sagt Verena Schmitt, Referentin für Ökolandbau beim Umweltinstitut München. „Sonst droht der Ausverkauf unserer Lebensgrundlagen an Bayer & Monsanto, DowDupont und Syngenta.“

 

Rückschlag für Monsanto in Südafrika

Seit Jahren versucht die Bayer-Tochter Monsanto ihren trockentoleranten Gentech-Mais in Afrika zu etablieren. Er soll dort die Bauern vor den zunehmenden Dürrefolgen bewahren. Doch der Mais hält nicht, was Monsanto verspricht. Das südafrikanische Landwirtschaftsministerium hat ihm deswegen die Anbaugenehmigung verweigert.

Landwirtschaftsminister Thoko Didiza nahm dabei kein Blatt vor den Mund: In Versuchen hätte der Gentech-Mais unter Wassermangel-Bedingungen keine besseren Ergebnisse gezeigt als herkömmliche Maissorten, steht in seinem Schreiben. Insgesamt seien die Erträge inkosistent gewesen. In manchen Versuchen habe der Monsanto-Mais schlechtere Ernten erbracht als Vergleichssorten. Außerdem sei die Insektenresistenz nur ungenügend nachgewiesen worden. Das Fazit des Ministeriums: „Das Trockenheitstoleranzgen im MON87460 x MON89034 x NK603 Mais bot keinen Ertragsschutz unter wasserlimitierten Bedingungen.“

Mit seinem Schreiben bestätigte Minister Thoko Didiza eine Entscheidung des Zulassungsgremiums, gegen die Monsanto Widerspruch eingelegt hatte. Das Afrikanische Zentrum für Biodiversität ACB lobte die Standhaftigkeit des Ministers und sprach von einer wegweisenden Entscheidung. ACB und andere zivilgesellschaftliche Organisationen kämpfen seit Jahren gegen Bestrebungen Monsantos, den Gentech-Mais in Südafrika, Mosambik, Kenia, Uganda und Tansania einzuführen. Dabei hatte die Bayer-Tochter gezielt mit konventionellen Züchtungsprogrammen zusammengearbeitet, die ebenfalls an trockentoleranten Maissorten forschten. Doch während aus den Programmen zahlreiche konventionelle Sorten hervorgingen, die besser mit Wasserknappheit zurechtkamen, floppten die Versuche mit Monsantos Gentech-Mais.

„Die ACB hat seit 2008 den Mangel an Beweisen für Dürretoleranz offengelegt und Monsanto aufgefordert, die Wirksamkeit dieses Merkmals zu beweisen“, sagte Mariam Mayet, die Geschäftsführerin von ACB. „Aber, wie von den südafrikanischen Entscheidungsgremien bestätigt, hat Monsanto es völlig versäumt, wissenschaftliche Daten zur Begründung seiner Behauptungen zur Verfügung zu stellen.“

Anders als in Südafrika darf der trockentolerante Monsanto-Mais in Nordamerika angebaut werden. Damit er problemlos in die EU importiert werden kann, hat Monsanto eine Zulassung für die Einfuhr als Lebens- und Futtermittel beantragt. Die europäische Lebensmittelbehörde EFSA hat ihren Persilschein bereits erteilt. Nun müssen die Mitgliedsstaaten über eine Zulassung entscheiden. Testbiotech hält die Zulassung für die EU für nicht vertretbar, weil die Risiken für Mensch und Umwelt nicht ausreichend untersucht worden seien: „Dieser Mais weist eine neue Gen-Kombination auf, die unter den zu erwartenden Anbaubedingungen in besonders heißen und trockenen Regionen nicht getestet wurde“, erklärt Testbiotech-Geschäftsführer Christoph Then. Es sei nicht gezeigt worden, dass Nahrungsmittel, die unter diesen Bedingungen produziert werden, für den Verzehr geeignet und sicher seien.

 

EuGH hat entschieden: Krebsstudien braucht es auch für das fertige Pestizid

Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat dargelegt, wie die Pestizidzulassung in der EU im Sinne des Vorsorgeprinzips abzulaufen hat. Damit haben die Richter die bisherige Praxis für unzureichend erklärt. Das stellt die Gültigkeit bestehender Zulassungen in Frage.

In der EU regelt die Verordnung (EG) 1107/2009 über das Inverkehrbringen von Pflanzenschutzmitteln die Zulassung von Pestiziden. Sie sieht dafür ein zweiteiliges Verfahren vor. Die EU-Kommission lässt die Wirkstoffe wie Glyphosat nach umfassender Prüfung zu. Die gebrauchsfertigen Pestizidmischungen, die neben dem Wirkstoff zahlreiche andere Substanzen enthalten, werden von den Mitgliedstaaten einzeln zugelassen.

Laut EuGH erfordert das Vorsorgeprinzip, die möglicherweise negativen Auswirkungen der einzelnen Wirkstoffe und des gesamten Pflanzenschutzmittels auf die Gesundheit zuerst zu bestimmen und dann umfassend zu bewerten „auf der Grundlage der zuverlässigsten verfügbaren wissenschaftlichen Daten und der neuesten Ergebnisse der internationalen Forschung“. Bei der Zulassung sei „die Berücksichtigung der Kumulations- und Synergieeffekte der Bestandteile dieses Mittels ebenfalls verpflichtend“, schreiben die Richter unter Verweis auf die entsprechenden Passagen der Verordnung. Deshalb hätten die Mitgliedstaaten „bei einer solchen Bewertung die Wechselwirkungen zwischen den Wirkstoffen, den Safenern, den Synergisten und den Beistoffen zu berücksichtigen“.

Damit die Mitgliedsstaaten bei einem fertigen Pestizid die Gesundheitsrisiken bewerten können, müssen auch für das fertige Produkt entsprechende Studien zur Karzinogenität und Toxizität vorliegen, schreiben die Richter – auch wenn dies in der Verordnung nicht explizit vorgeschrieben sei. Denn das fertige Mittel dürfe nur zugelassen werden, „wenn nachgewiesen ist, dass es keine sofortigen oder verzögerten schädlichen Auswirkungen auf die Gesundheit von Menschen hat“.

Die Auslegung des Gerichtshofs zeige, dass die Verordnung bisher oft nicht oder nicht ordnungsgemäß angewandt worden sei, erklärte der französische Rechtsanwalt Guillaume Tumerelle. „Mit diesem Urteil kann nun eine große Zahl von Zulassungen, die dem europäischen Verfahren nicht nachgekommen sind, angefochten werden, insbesondere die Zulassung von Herbiziden auf Glyphosatbasis.“

Der EuGH hatte in diesem Verfahren (C‑616/17) Anfragen eines französischen Strafgerichts geklärt, das gegen Umweltaktivisten verhandelt, die glyphosathaltige Pestizide unbrauchbar gemacht hatten. Die französischen Richter wollten wissen, ob die Verordnung dem Vorsorgeprinzip entspricht. Die Umweltaktivisten hatten dies verneint und damit ihr Vorgehen gegen die Glyphosatpestizide gerechtfertigt. Der EuGH ist der Ansicht, dass der Verordnungstext sehr wohl das Vorsorgeprinzip beachtet und wies insofern die Argumentation der Umweltaktivisten zurück. Allerdings beschrieben die EuGH-Richter in ihrer Entscheidung genau, wie der Text der Verordnung im Sinne des Vorsorgeprinzips zu verstehen sei. Dass die derzeitige Praxis der Zulassung diesen Anforderungen derzeit nicht gerecht wird, war nicht das Thema der Verhandlung. Die von den Richtern formulierte Maßstäbe werden allerdings bei Klagen gegen Pestizidzulassungen künftig eine wesentliche Rolle spielen.

 

 

 

 

Verbraucher sagen: Vorsorgeprinzip muss erhalten bleiben

Jede Technik muss den Menschen und der Nachhaltigkeit dienen. Dazu braucht es „eine verantwortungsvolle Forschung zu Chancen, Risiken und Auswirkungen sowie strenge Regeln seitens des Gesetzgebers.“ So steht es in einem „Verbrauchervotum“ zu Chancen und Risiken des Genome Editing, das das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) vorgestellt hat.

Erarbeitet haben das Votum 20 Verbraucher, die das BfR aus 147 Anmeldungen ausgesucht hat. Die Gruppe sollte in Bezug auf Alter, Bildung und Beruf ein möglichst heterogenes Spektrum abbilden. Moderiert von einem externen Dienstleister verbrachten diese 20 Menschen gemeinsam zwei Wochenende im August. Dabei erhielten sie eine Einführung zu den wissenschaftlichen, technischen und gesellschaftlichen Aspekten des Genome Editing und erarbeiteten Fragen, die sie an Fachleute richten wollten. Aus einer Liste von 32 Experten wählten sie 13 aus, die bei der Abschlusskonferenz Ende September die Fragen beantworteten. „Im Anschluss wurde darauf aufbauend das Verbrauchervotum erstellt“, beschreibt das BfR das Verbraucher-Konferenz genannte Verfahren.

„Bei der Beurteilung der neuen gentechnischen Methoden, die unter dem Begriff Genome Editing zusammengefasst werden, gibt es in unserer Verbrauchergruppe stark divergierende Meinungen“, heißt es in dem Votum. Dennoch einigte sich die Gruppe auf „anwendungsübergreifenden Forderungen“. Dazu zählen die „Beibehaltung des Vorsorgeprinzips“ und die „Wahlfreiheit der Verbraucher“, aber auch der „Vorrang sozialer Aspekte vor Konzerninteressen“ und „Haftungsregelung für unerwartete Schäden durch den Hersteller“. Zudem sollten tierische Lebensmittel gekennzeichnet werden, wenn Futtermittel gentechnisch verändert wurden. „Es besteht weitgehend Konsens, dass es sinnvoll und notwendig ist, erfolgreiche Anbaumethoden und -techniken des ökologischen Landbaus auch in der konventionellen Landwirtschaft stärker zu verbreiten“, heißt es im Votum weiter. „Ebenso besteht weitgehender Konsens in der Einschätzung, dass die bisherige Anwendung der klassischen Gentechnik die Industrialisierung der Landwirtschaft befördert hat.“

Bei vielen anderen Forderungen ist nicht ersichtlich, ob es sich um Einzelmeinungen oder die Mehrheit der Gruppe handelt. Etwa wenn sich im Text Sätze finden wie: „Auch die Zulassung von Sorten aus natürlicher Züchtung muss ökologische und andere Risiken prüfen“. Auch Formulierungen wie „von einigen TeilnehmerInnen“ oder „Teile der Verbrauchergruppe“ sind nicht klar definiert. Bei der „Gleichsetzung von Punktmutation durch Genome Editing mit konventioneller Mutagenese“. spricht der Bericht von einer geteilten Meinung in der Gruppe. Es wird aber aus der Formulierung nicht deutlich, wie stark die unterschiedlichen Positionen in der Gruppe vertreten sind.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) begrüßte die im Votum formulierten Forderungen der Verbrauchergruppe. „Wir stimmen mit den Verbraucherinnen und Verbrauchern darin überein, dass neue Techniken sich daran messen lassen müssen, was sie zur Nachhaltigkeit beitragen können“, sagte Daniela Wannemacher, Leiterin Gentechnikpolitik des BUND. Sie kritisierte „die bisher erfolgte einseitige Festlegung von Seiten des Bundesinstituts wie auch von Seiten des Bundesagrarministeriums auf die vermeintlichen Chancen der Technologie“.

 

Europäische Bürgerinitiative will Bienen und Bauern retten

Die wichtigsten agrarpolitischen Entscheidungen über Subventionen, Grenzwerte und die Zulassung von Pestiziden fallen auf EU-Ebene. Dort will ein breites Bündnis mit einer Europäischen Bürgerinitiative (EBI) Druck machen. Den ersten Schritt haben die Initiatoren hinter sich gebracht: Die EU-Kommission hat die EBI ‚Bienen und Bauern retten’ offiziell registriert. Nun haben die beteiligten Organisationen ein Jahr lang Zeit, um eine Million Unterschriften zu sammeln, die aus mindestens sieben Mitgliedsstaaten kommen müssen. Schaffen sie das, muss sich die EU-Kommission mit dem Anliegen der BürgerInnen auseinandersetzen. Sie ist jedoch nicht verpflichtet, die Forderungen auch umzusetzen und entsprechende Verordnung vorzulegen. Trotzdem kann eine EBI die Politik der Kommission deutlich beeinflussen, wie die Initiative Stoppt Glyphosat gezeigt hat.

Die neue EBI knüpft an diesen Erfolg an und weitet den Focus von einem speziellen Wirkstoff auf den Pestizideinsatz insgesamt. Ihr Ziel ist „der vollständige Ausstieg aus der Nutzung von synthetischen Pestiziden bis 2035,wobei mit den giftigsten Stoffen begonnen werden und bis 2030 eine Reduktion um 80 Prozent erreicht werden soll.“ Parallel dazu sollen in den landwirtschaftlichen genutzten Regionen natürliche Ökosysteme wieder hergestellt und so die Biodiversität erhöht werden. Um diese Ziele zu erreichen fordert die EBI „eine Reform der Landwirtschaft, bei der die Priorität auf eine kleinteilige, vielfältige und nachhaltige Landwirtschaft gelegt wird.“ Sie soll durch einen schnellen Anstieg der agrarökologischen Praxis und des Ökolandbaus begleitet werden sowie durch mehr Forschung für eine pestizid- und gentechnikfreie Landwirtschaft.

„Wir brauchen einen gesamteuropäischen Systemwandel in der Landwirtschaft, und die Einleitung dieser EU-weiten Agrarwende fordern wir mit unserer Kampagne“. erklärt Veronika Feicht, Referentin für Agrarpolitik beim Umweltinstitut München. Das Institut gehört ebenso zum Trägernetzwerk der EBI wie Friends of the Earth Europe, das Pesticide Action Network, GLOBAL 2000 in Österreich, die französische Umweltorganisation Générations Futures, der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, die Aurelia-Stiftung, Campact und zahlreiche weitere europäische Akteure. Sie wollen mit ihrer Kampagne auch die anstehende Entscheidung über die Agrarpolitik der EU für die Jahre 2021 bis 2027 beeinflussen. 52 Milliarden Euro sollen in jedem dieser Jahre in die Landwirtschaft fließen. Industriell orientierte Betriebe und deren große Flächen würden pauschal am stärksten gefördert, sagt Carsten Berg, Campaign Director bei der Aurelia Stiftung: „Ausgerechnet bäuerliche und ökologische Betriebe, die durch ihre Fruchtfolgen per se Struktur- und Artenvielfalt gewährleisten, werden systematisch benachteiligt.“ Die EU fördere damit das dramatische Artensterben und das millionenfache Höfesterben gleichermaßen, stellt Berg fest. Bereits im Mai 2019 hatte die Kommission eine von der Partei ÖDP gestartete Bürgerinitiative ‚Rettet die Bienen’ registriert. Sie hat inzwischen ihre eigene Sammlung eingestellt und sich der neuen EBI angeschlossen.

Unterschriften sammeln seit einer Woche die Initiatoren des Volksbegehrens Artenschutz – Rettet die Bienen in Baden-Württemberg. Sie fordern, die Naturschutz-Regelungen des Landes zu verschärfen, um Insekten besser zu schützen. Auch proBiene braucht eine Million Unterschriften, allerdings nur in Baden-Württemberg. Haben die Initiatoren Erfolg, kommt es in dem Bundesland zu einer Volksabstimmung über den Gesetzentwurf. Auch in Niedersachsen ist inzwischen ein solches Volksbegehren in Vorbereitung. Die Schweizer können vermutlich bald über zwei Volksinitiativen abstimmen. Eine will die Massentierhaltung verbieten, die andere binnen zehn Jahren die Anwendung synthetischer Pestizide.

 

 

Muskelberge und resistente Schweine: Genome Editing bei Nutztieren

Kühe und Schweine mit riesigen Muskeln, Schafe mit besonders langen Wollhaaren, Hühner die allergenfreie Eier legen: Das sind konkrete Projekte, an denen Gentechniker mit Hilfe von Gen-Scheren wie CRISPR/Cas arbeiten. Friends of the Earth U.S. haben in einem Bericht zusammengefasst, wie die Gentechnik-Tiere der Zukunft aussehen sollen – und was das für die Tiere, für Umwelt und Gesundheit bedeuten könnte.

In Experimenten ist es demnach bereits gelungen, mit Genome Editing die Muskelmasse und damit die Fleischproduktion von Rindern, Schweinen, Schafen und Ziegen zu erhöhen. Bei Schafen konnte zudem die Länge der Haare und damit der Ertrag an Wolle gesteigert werden. Geforscht wird auch an hornlosen Rindern oder an Schweinen, die gegen diverse Viruserkrankungen resistent werden sollen. Eine Forschergruppe hat Kühen menschliches Erbgut eingebaut, damit sie ein Antibiotikum produzieren, das Euterentzündungen verhindern soll. Solche gentechnischen Veränderungen hätten vor allem das Ziel, die Tiere an die schädlichen Lebensbedingungen in der Massentierhaltung anzupassen, heißt es in dem Bericht. Sinnvoller wäre es, diese Bedingungen zu ändern und den Tieren ein artgerechteres Leben zu ermöglichen. Mehrere Forschergruppen versuchen, die Zusammensetzung der von den Tieren erzeugten Lebensmittel zu ändern. Es gibt Versuche, Legehennen so zu verändern, dass ihre Eier ein bestimmtes allergieauslösendes Eiweiß nicht mehr enthalten. Schweine wurden so manipuliert, dass ihr Fleisch relevante Mengen an gesundheitsfördernden Omega-3-Fettsäuren enthält.

Noch handle es sich bei den genannten Beispielen um Konzept-Studien, die die Machbarkeit belegen sollen, schreiben die Autoren des Berichts. Doch die chinesische Regierung treibe viele Forschungen durch Fördermittel voran. Auch würden einige Unternehmen wie Genus aus Großbritannien und Recombinetics aus den USA in verschiedene Vorhaben investieren. Ein großes Manko der Konzept-Studien sei, dass sie nur selten auf unerwünschte Nebenwirkungen achten, auf Lebensmittelsicherheit oder mögliche Auswirkungen auf die Umwelt. Der Bericht beschreibt diese Risiken ausführlich. „Die wissenschaftlichen Belege zeigen, dass Genome Editing insbesondere bei Tieren alles andere als präzise ist”, sagt Janet Cotter, die den Bericht mit verfasst hat.

Friends of the Earth bezweifeln, dass Erzeugnisse von gen-editierten Tieren auf Akzeptanz stoßen. Eine kürzlich durchgeführte Befragung habe ergeben, dass es für die Mehrheit der US-Bürger zu weit gehe, Tiere gentechnisch zu manipulieren, um mehr Eiweiß zu produzieren. Die Sorge um das Wohl der Tiere dürfte dazu führen, dass gentechnische Veränderungen bei Tieren stärker abgelehnt würden als bei Pflanzen, folgern die Autoren. Sie weisen auch darauf hin, das bisher ist nur gentechnisch veränderter Lachs, der besonders groß wird, in den USA und Kanada als Lebensmittel zugelassen ist. Ansonsten wurden Tiere bisher vor allem für die medizinische Forschung gentechnisch verändert. Auch dies werde mit den neuen gentechnischen Verfahren stark zunehmen, prognostizieren Friends of the Earth.