Alle Beiträge von Leo Frühschütz

Lebensmittelüberwachung: Gentechnische Verunreinigungen gehen zurück

Die gentechnischen Verunreinigungen in sojahaltigen Lebensmitteln gehen weiter zurück. Das zeigen die ersten, von einzelnen Bundesländern veröffentlichten Berichte für 2016.

Das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt (CVUA) Freiburg hatte 2016 insgesamt 520 Lebensmittelproben auf Bestandteile aus gentechnisch veränderten (gv) Pflanzen untersucht, davon waren 28 positiv. Gegenüber 2015 hat sich damit der Anteil positiver Proben von 12 auf 5,4 Prozent mehr als halbiert. Alle 28 Funde waren Spuren zugelassener gv-Soja, zumeist weniger als 0,1 Prozent. 22 Spuren fanden sich in den 159 beprobten sojahaltigen Lebensmitteln. Auch in vier von 39 Honigproben sowie in zwei Fälle in Weizen fand das Amt gv-Soja. Das CVUA wertet für das baden-württembergische Ökomonitoring Bio-Proben extra aus und fand auch in diesem Jahr weniger Verunreinigungen als in konventionellen Erzeugnissen. „Der Anteil positiver Proben bleibt damit bei Bio-Sojaprodukten weiterhin niedriger als bei konventioneller Ware“, heißt es im Bericht. Die 83 beprobten Maiserzeugnisse waren erstmals seit 20 Jahren komplett ohne Befund. Untersucht hatte das CVUA auch Raps, Reis, Papaya, Leinsaat, Zuckerrüben, Tomaten und Kartoffeln. Sie waren ebenfalls frei von jeder gv-Spur.

Das bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) hatte 2016 rund 300 sojahaltige Lebensmittel untersucht und in jeder zehnten Probe Spuren von gv-Soja gefunden. Im Jahr 2010 war noch gut jede dritte Probe belastet gewesen. Die Bayern hatten auch 100 Papayas, 200 Reissäckchen und 50 Päckchen Leinsamen untersucht, alle waren sauber. Fündig hingegen wurden das LGL in Asialäden, die im Rahmen eines Sonderprogramms untersucht wurden. „Acht von zehn Proben Maismehl enthielten gleichzeitig bis zu sieben verschiedene in Europa zugelassene gv-Maislinien in Spuren“, schrieb das LGL und fügte hinzu, dass die Produkte korrekt deklariert waren: „Die Maismehle waren als „genetisch verändert“ gekennzeichnet.“ Die Kunden hatte das offensichtlich nicht vom Kauf abgehalten.

 

Neuer Gentech-Reis mit Eisen, Zink und Beta-Carotin

Ein neuer genmanipulierter Reis mit einer Extraportion Eisen, Zink und Betacarotin soll die Mangelernährung in Entwicklungsländern beenden. Entwickelt haben ihn Wissenschaftler der Eidgenösssichen Technischen Hochschule (ETH) Zürich.

Bisher wurden die Pflanzen erst im Gewächshaus angepflanzt und auf ihren Nährstoffgehalt untersucht, schreibt die ETH und zitiert die Forscherin Navreet Bhullar: „Wir werden die Linien weiterentwickeln“. Sie hofft, ausgewählte Linien bereits im nächsten Jahr im Freiland testen zu können. Dabei soll sich zeigen, „ob die gewünschten und auch die agronomischen Eigenschaften erhalten bleiben und genauso gut funktionieren wie im Gewächshaus.“ Es würden jedoch „sicher noch fünf Jahre vergehen, ehe der Multinährstoff-Reis zur Eindämmung des ’versteckten Hungers’ eingesetzt werden kann.“

Solche Hoffnungen hatten ETH-Wissenschaftler schon einmal, als sie 1999 erstmals eine Reissorte präsentierten, die Beta-Carotin bildete. Dieser Golden Rice wird bis heute nicht kommerziell angebaut. Seit 2006 kümmert sich das internationale Reisforschungsinstitut IRRI auf den Philippinen um die Fortentwicklung des Golden Rice. In diesem Jahr hat es nun erstmals Zulassungsanträge gestellt: in den USA, Kanada, Australien, Neuseeland und auf den Philippinen. Wobei in den ersten vier Staaten Vitamin A – Mangel kein Problem darstellt. Auf den Philipppinen wehren sich Bauern gegen den Gentech-Reis und haben schon früher Versuchsfelder zerstört. Sie befürchten, dass das Erbgut des Gentechlinie traditionelle Reissorten verunreinigen könnte. Im vergangenen Jahr stellte eine Studie der Universität Washington fest, dass der Golden Rice deshalb gescheitert sei, weil er die Versprechungen seiner Entwickler nicht einhalten konnte. Das bestätigten auch indische Pflanzengenetiker, die versuchten, den Golden Rice in eine weit verbreitete indische Reissorte einzukreuzen. Die neuen Pflanzen zeigten ein deutlich gestörtes Wachstum, blassgrüne Blätter und eine stark reduzierte Ernte.

Statt genmanipuliertem Reis gebe es bereits bewährte und einfache Strategien, um Mangelernährung wirksam und schnell zu bekämpfen, schreibt Greenpeace: „Dazu zählen die Verteilung von Präparaten, einfache Beimischungen in Grundnahrungsmittel und Gärten in armen Bezirken, um Obst und Gemüse zu erzeugen.“

 

 

Gentech-Lachs im Handel – ohne Kennzeichnung

Die Firma Aquabounty hat 4,5 Tonnen ihres gentechnisch veränderten (gv) AquAdvantage-Lachses an einen nicht bekannten Händler verkauft. In Kanada ist keine Gentechnik-Kennzeichnung vorgeschrieben, so dass nicht bekannt ist, welche Wege der gv-Lachs seit dem Verkauf genommen hat. Er könnte auch in andere Länder weiterverkauft worden sein.

Wenn es in Kanada keinerlei Transparenz über den Verkauf der Tiere gibt, wer kann dann sicher sein, dass der Fisch nicht auch in die EU gelangt“, fragt sich Christoph Then von Testbiotech und warnt: „Es droht der Verlust der Kontrolle und der Wahlfreiheit in der EU.“

Der AquAdvantage-Lachs ist weltweit das erste gv-Tier, das Verbrauchern aufgetischt wird. Er wurde so manipuliert, dass er doppelt so schnell wächst wie ein natürlicher Lachs. Die Eier der gv-Lachse erzeugt Aquabounty an der kanadischen Westküste und transportiert sie nach Panama, wo die Tiere in einer Inland-Fischzucht aufgezogen werden. Damit soll ausgeschlossen werden, dass ein gv-Lachs entkommt und sich mit wilden Lachsen paart.

Bisher haben nur die USA und Kanada AquAdvantage-Lachs für den Verzehr zugelassen. In den USA hat allerdings der US-Kongress die Vermarktung vorerst blockiert und beschlossen, dass der gv-Lachs erst verkauft werden darf, wenn die Lebensmittelbehörde FDA Vorgaben für die Kennzeichnung erarbeitet hat. Daran sitzt die Behörde bis heute. In Kanada hingegen darf der Lachs seit Mai 2016 vermarktet werden. Hier verkaufte Aquabounty nach eigenen Angaben die ersten 4,5 Tonnen gv-Lachs zum Preis von 45.000 Euro. Das Unternehmen teilte auch mit, dass es in Albany im US-Staat Indiana für zwölf Millionen Euro eine Inland-Fischzucht gekauft hat. Von dort aus will es den US-Markt beliefern, sobald die FDA grünes Licht gibt.

 

USA: Wie gesund ist ein veganer Gentech-Burger?

In den USA hat das Unternehmen Impossible Foods einen fleischlosen Burger auf den Markt gebracht, dessen Patties nach Fleisch schmecken und auch so aussehen. Angeboten wird das Produkt erst in einigen ausgewählten Restaurants in New York, Texas und Kalifornien. Doch mit millionenschweren Beteiligungen von Bill Gates, Google und anderen Investoren wollen die veganen Burgerbrater nicht nur die USA erobern. Jetzt sind Zweifel aufgetaucht, ob der vegane Burger überhaupt gesund ist.

Die New York Times hat berichtet, dass die US-Lebensmittelbehörde bereits 2015 Bedenken hatte, den Burger als sicheres Lebensmittel zu klassifizieren. Sie bezog sich dabei auf Dokumente, die die Behörde aufgrund des Freedom of Information Act herausgeben musste. Sie zeigen, dass Impossible Foods bei der FDA beantragt hatte, die entscheidende Zutat des Burgers als „generell sicher“ anzuerkennen. Dabei handelt es sich um ein von genmanipulierten Hefen hergestelltes Soja-Protein, das bisher von Menschen nicht verzehrt wurde. Dieses Leghämoglobin ähnelt dem roten Blutfarbstoff Hämoglobin bei Mensch und Tier, kommt aber in den Wurzelknöllchen von Hülsenfrüchten wie Soja vor. Und die landeten bisher nicht auf dem Esstisch. Der FDA reichten die von Impossible Foods vorgelegten Dokumente nicht aus, um die Sicherheit von Leghämoglobin zu bestätigen. Strittig war und ist insbesondere die mögliche allergene Wirkung des Proteins.

Impossible Foods entgegnete dem Bericht der New York Times, dass man das neue Sojaprotein ausführlich untersucht habe und mehrere Allergieexperten die Unbedenklichkeit bestätigt hätten. Doch genau diese Tests hält die FDA für nicht ausreichend. Das Unternehmen will jetzt eine Fütterungsstudie und weitere Untersuchungen veröffentlichen, die es nach der Kritik der FDA in Auftrag gegeben hatte.

„Impossible Foods soll seine Burger vom Markt nehmen, bis die FDA deren Sicherheit bestätigt hat”, forderte Jim Thomas von der kanadischen Umweltorganisation ETC Group, die die FDA-Unterlagen veröffentlicht hatte. Gleichzeitig kritisierte er die Lebensmittelgesetzgebung in den USA. Denn auch wenn die Lebensmittelbehörde Bedenken äußert und einer Zutat den Status „generell unbedenklich“ verweigert, dürfen Produkte mit dieser Zutat weiter verkauft werden – bis die Behörde die Zutat als „unsicher“ bewertet. Und das hat die FDA bisher nicht getan.

 

Gentechnik im Wahlkampf: CDU/CSU positioniert sich doch

In ihrem Bundestagswahlprogramm erwähnen CDU und CSU die Gentechnik nicht mit einem Wort und schwärmen statt dessen von den Möglichkeiten der Biotechnologie. Gegenüber demVerein Testbiotech haben sich die beiden Parteien jetzt detailliert positioniert.

Zur Zulassung neuer Züchtungsmethoden wie CRISPR-Cas schreiben die beiden Parteien: „Als CDU und CSU sprechen wir uns dafür aus, im Rahmen von Einzelfallprüfungen eine prozess- und produktbezogene Bewertung zugrunde zu legen, denn es kommt bei der Einstufung nicht nur auf das Verfahren an, sondern entscheidend ist auch, inwieweit die genetische Veränderung durch herkömmliche Züchtungsmethoden und natürliche Prozesse hätte erzeugt werden können.“ Das EU-Zullassungsverfahren in Sachen Gentechnik bezeichnet die Union als „sehr streng und transparent“. Es entspreche dem europäischen Vorsorgeprinzip.

Auf die Forderung nach wirksamen Maßnahmen gegen eine unkontrollierte Ausbreitung gentechnisch veränderter Organismen antwortete die Union: „Diese Frage verkennt, dass die meisten gentechnisch veränderten Kulturpflanzen hierzulande keine Kreuzungspartner in der freien Natur haben. Mais, Soja etc. können sich also auch nicht unkontrolliert in der Natur verbreiten. Nur bei Rapspflanzen besteht diese Möglichkeit.“ Das deutsche Gentechnikrecht habe mit den weiten Anbauabständen und den scharfen Haftungsregelungen sehr wirksame Koexistenzregeln.

Die europäischen Kennzeichnungsregeln würde die Union gerne in eine Prozesskennzeichnung ändern. „Dann würde sich zeigen, dass über 80 Prozent unserer Lebensmittel bei der Herstellung mit Gentechnik in Verbindung gekommen sind – sei es bei der Fütterung von Tieren, beim Einsatz von Medikamenten oder bei der Verarbeitung (z. B. Labferment bei der Käseherstellung).“

Testbiotech bewertete die Antwort als inhaltlich unbefriedigend. Sie lasse einen Mangel an Problembewusstsein erkennen und gehe in vielen Fällen am eigentlichen Thema vorbei.

Testbiotech hatte im Februar 2017 die Aktion „Der Gentechnik Grenzen setzen!“ gestartet, bei der es um zentrale Probleme im Umgang mit der Gentechnik geht. Dabei stellte der Verein fünf Forderungen zur Diskussion und bat die Bundesregierung und die im Bundestag vertretenen Parteien um ihre Stellungnahme. Neben der Union haben auch andere Parteien und einzelne Politiker geantwortet.

Gerichtsakten zeigen: So bleiben kritische Studien außen vor

Eine namhafte Fachzeitschrift lässt einen Monsanto-Wissenschaftler eine zur Veröffentlichung eingereichte Studie bewerten. Dieser hält die Studie für ungeeignet, sie wird abgelehnt. Aufgetaucht ist dieser Vorgang aus dem Jahr 2008 in internen Monsanto-Akten, die der Konzern in einem Gerichtsverfahren in San Francisco offenlegen musste.

Die von der Anwaltskanzlei Baum Hedlund veröffentlichten Mails zeigen, dass der Monsanto-Manager Charles Healy für die Fachzeitschrift Cell Biology and Toxicology zur Veröffentlichung eingereichte Arbeiten begutachtete. Dieses Peer Review Verfahren ist bei renommierten Fachzeitschriften üblich und soll die Qualität der eingereichten Studien sicherstellen.

In einer Mail bittet der damalige Herausgeber der Zeitschrift Healy, „angesichts seiner Erfahrung“ die Begutachtung einer Arbeit mit dem Titel „Cytotoxicity of herbicide Roundup and its active ingredient, glyphosate in rats“ zu übernehmen. Umgehend informiert Healy zwei Mitarbeiter, die diese Aufgabe für ihn erledigen sollen. Sie stellen auf drei Seiten Fehler und Schwächen zusammen, die die Arbeit aus Sicht Monsantos hat. Dabei sparen sie nicht an polemischer Kritik: „Es ist unklar, ob die Autoren überhaupt verstanden haben, was sie da testen.“ Das Fazit des Reviews: Die Arbeit ist abzulehnen.

Die Kritik teilten andere Peer Reviewer nicht, denn der Herausgeber schrieb drei Wochen später an den Monsanto-Mann, er habe komplett unterschiedliche Stellungnahmen erhalten und wäre sehr dankbar für einen Kommentar von Healy, bevor er den Autoren die Entscheidung mitteile. Healy leitete die Mail direkt an seine Mitarbeiter weiter mit dem Kommentar: „Sieht so als als wären wir die entscheidende Stimme, ob das Glyphosat-Papier veröffentlicht wird.“ Es erschien nicht.

Die Klägeranwälte schreiben dazu, die Dokumente belegten die Anstrengungen, mit denen Monsato sicherstellen wollen, dass Studin, die negative Gesundheitseffekte von Glyphosat aufzeigen, möglichst nicht veröffentlicht werden. Denn dann könnten sie auch nicht in die Berwertung eines möglichen Krebsrisikos einbezogen werden.

 

 

Brasilien gibt genmanipuliertes Zuckerrohr für den Anbau frei

Seit Jahren arbeitet das brasilianischen Zentrum für Zuckerrohrtechnologie (CTC, Centro de Tecnologia Canavieira) an gentechnisch veränderten (gv) Zuckerrohr-Varianten. Mit BASF will es gv-Zuckerrohr entwickeln, das mit weniger Wasser auskommt und mit Bayer forscht es an Pflanzen mit höherem Zuckergehalt. Im Dezember 2015 hatte das CTC die Antragsunterlagen für eine erste Sorte gv-Zuckerrohr bei der brasilianischen Genehmigungsbehörde CTNBio eingereicht. Nur eineinhalb Jahre später kam nun die Genehmigung, wie die Agentur Reuters berichtete.

Der Zuckerrohr-Industrieverband Unica begrüßte die Zulassung. Denn die Pflanze CTC 20 Bt soll gegen den wichtigsten Schädling resistent sein. Der Zuckerrohrbohrer ist ein Käfer, dessen Larven sich über die Pflanzen hermachen. Auf 1,3 Milliarden Euro beziffert der Verband die jährlich dadurch entstehenden Schäden. CTC 20 Bt produziert in Blättern und Stängel ein Bakteriengift, das die Larven abtöten soll, sobald diese von der Pflanze fressen. Dieses Bt-Toxin findet sich auch häufig in gentechnisch veränderten Mais- und Baumwollpflanzen.

In Brasilien wird auf zehn Millionen Hektar Zuckerrohr angebaut. Es wird zu Zucker als Nahrungsmittel verarbeitet, aber auch zu Ethanol, das als Treibstoff oder als Basis für Kunststoffprodukte dient. Den Zucker exportiert Brasilien laut Reuters in 150 Länder. CTC habe bereits Importzulassungen für die USA und Kanada beantragt und wolle entsprechende Anträge auch für die wichtigsten asiatischen Märkte stellen. Die EU erwähnt Reuters nicht.

Gentech-Zucker aus Zuckerrohr wird es dennoch so schnell nicht auf den Markt geben. CTC plant, die ersten Setzlinge im nächsten Jahr auszuliefern. Es werde mindestens noch drei Jahre dauern, bis daraus gewonnener Zucker verkauft würde, zitiert Reuters den Geschäftsführer von CTC, Gustavo Leite. Zudem ist einmal gepflanztes Zuckerrohr fünf bis sieben Jahre produktiv. Es wird also jedes Jahr nur ein kleiner Teil der Anbaufläche überhaupt neu bepflanzt.

Auch Augusto Freire von der brasilianischen ProTerra-Stiftung rechnet nicht mit einer raschen Verbreitung. Doch zumindest die Zuckerverarbeiter im Nordosten des Landes stünden den Gentechnik-Pflanzen positiv gegenüber, sagte Freire in einer Meldung des Verbandes Lebensmittel ohne Gentechnik (VLOG). Eine Auskreuzung auf dem Feld halte er für eher unwahrscheinlich, da das Zuckerrohr aus Ertrags- und Qualitätsgründen üblicherweise vor der Blüte geschnitten werde. Allerding blieben die Spitzen der Pflanzen als Mulch auf den Feldern und das darin enthaltene Gift könnte Mikroorganismen schädigen. Auch werde die Monopolisierung des Saatguts weiter vorangetrieben, warnte der brasilianische Umweltexperte.

CTC hingegen sieht sich erst am Anfang. Gegenüber dem Verband Unica- kündigte der CTC-Geschäftsführer an, in den nächsten Jahren ein Portfolio an resistenten Sorten zu entwickeln, die an die jeweiligen regionalen Anbaubedingungen angepasst seien. Zudem wolle er Zuckerrohr auch mit anderen Schädlingsresistenzen und Herbizidtoleranzen ausstatten.

Bundestagswahl: Die Positionen der Parteien zur Gentechnik

Die Agro-Gentechnik mag eine Bedrohung für Umwelt, Gesundheit und Ernährunsgsicherheit sein: Ein besonders wichtiges Thema für die Bundestagwahl ist sie nicht. Welchen Stellenwert die einzelnen Parteien der Gentechnik einräumen, zeigt ein Blick ins Wahlprogramm.

Im Wahlprogramm von CDU und CSU kommt das Wort Gentechnik gar nicht vor. Es findet sich lediglich ein Satz, in dem die beiden Parteien die Klonierung von Tieren ablehnen. Dagegen taucht der Begriff Biotechnologie gleich zweimal auf, positiv besetzt: CDU/CSU sehen Biotechnologie als einen der Bereiche, in denen neue und zukunftssichere Arbeitsplätze geschaffen werden sollen. Zudem versprechen sie unter dem Stichwort Forschung, eine „Biotechnologie-Agenda“ zu erarbeiten, „damit Deutschland auch in diesem hoch innovativen Forschungsgebiet seine Chancen wahrt.“ Die CSU hat zusätzlich in ihrem Bayernplan diejenigen Forderungen aufgelistet, die sie im gemeinsamen Programm mit der CDU nicht durchsetzen konnte. Dort heißt es: „Mit der CSU bleibt es beim Nein zum Anbau von Gentechnikpflanzen. Patenten auf Pflanzen und Tiere erteilen wir eine klare Absage.“

Auch die FDP vermeidet das Wort Gentechnik. Sie verspricht ihren Wählern: „Mit neuen Forschungsrichtungen der Grünen Biotechnologie wie dem „Genome-Editing“ wollen wir offen und transparent umgehen. Wir lehnen pauschalisierende Verbote ab und fordern stattdessen eine faktenbasierte, ergebnisoffene Bewertung neuer Technologien.“ Auch die Debatte um das möglicherweise krebserregende Pestizid Glyphosat greift die FDP auf – zumindest indirekt: „Bei öffentlichen Diskussionen über bestimmte Wirkstoffe zählen für uns nicht Stimmungen, sondern nachvollziehbare Fakten und nicht zuletzt die Stellungnahmen des Bundesinstitutes für Risikobewertung.“

Die SPD verspricht, sich für gentechnikfreie Landwirtschaft und Lebensmittel einzusetzen. Sie lehnt gentechnisch veränderte Organismen in der Landwirtschaft und Patente auf Leben ab und will an der Saatgutreinheit und der Nulltoleranz für nicht zugelassene gentechnisch veränderte Organismen in Lebensmitteln festhalten. „Tierische Produkte, die auf Fütterung mit gentechnisch veränderten Pflanzen beruhen, müssen europaweit verpflichtend gekennzeichnet werden“, heißt es im Programm, und schließlich: „Wir werden sicherstellen, dass auch bei den sogenannten neuen Gentechnikverfahren das Vorsorgeprinzip und die Wahlfreiheit gewährleistet sind und damit erzeugte Pflanzen und Tiere nicht unreguliert in den Markt gelangen.“

Bündnis 90 / Die Grünen haben als einzige Partei das Thema Landwirtschaft und Lebensmittel prominent im Wahlprogramm präsentiert und beziehen klar Stellung: „Genfood und Biopatente braucht kein Mensch. Wir halten an unserem Standpunkt fest: Pflanzen aus den Laboren der Agroindustrie haben auf unseren Äckern in Deutschland und Europa nichts verloren.“ Die Partei verspricht ein Gentechnikgesetz aufzulegen, „das unsere Äcker und unsere Teller frei von Gentechnik hält, auch wenn sie sich als „neu“ tarnt.“ Auch will sie sich dafür einsetzen, dass Fleisch, Milch und Eier, die mithilfe von Futtermitteln aus genetisch veränderten Pflanzen produziert wurden, umfassend gekennzeichnet werden.

Die Linke macht mit der Gentechnik ganz einfach Schluss: „Wir wollen den Anbau und den Handel mit sowie den Import von gentechnisch veränderten Pflanzen verbieten. Die heimische Produktion von Eiweißfuttermitteln wollen wir stärken und den Import für die Tierhaltung verbieten“, steht in deren Wahlprogramm.

Bei der AfD heißt der allerletzte Punkt im Wahlprogramm: „Für eine gentechnikfreie deutsche Landwirtschaft“.

Monsanto und Dicamba: Vom Regen in die Traufe

Viele Jahre bauten US-Landwirte die glyphosatresistente Roundud-Ready-Soja von Monsanto an – bis auf ihren Feldern immer mehr Unkraut wucherte, das die Glyphosat-Dusche ebenfalls wegsteckte. Monsanto bot den Landwirten daraufhin seine Xtend-Pflanzen an: Sojabohnen und Baumwolle, die gegen das Herbizid Dicamba resistent waren. Jetzt herrscht Streit unter den Landwirten.

Dicamba ist ein sehr leicht flüchtiger Wirkstoff, verdampft bei höheren Temperaturen und wabert als Giftwolke kilometerweit übers Land. Lässt sich der Nebel auf anderen Feldern nieder, schädigt er die dort wachsenden Nutzpflanzen – falls sie nicht gegen Dicamba resistent sind. Bereits im letzten Jahr zeichnete sich das Problem ab. Nachdem Monato dieses Jahr zur Aussaat seine Xtend Bohnen intensiv beworben hatte, häuften sich auch die Klagen geschädigter Landwirte, insbesondere in den Staaten Tennessee, Arkansas, Mississippi und Missouri. Insgesamt sollen bis zu 800.000 Hektar betroffen sein, berichtete der Sender NPR. Arkansas, wo die meisten Klagen eingingen, verbot die Anwendung von Dicamba für vier Monate. Die anderen Staaten erließen Anwendungsbeschränkungen, die die Abdrift-Gefahr verringern sollen. Monsanto verteidigte seine Xtend-Bohnen und führte die Verwehungen auf Anwendungsfehler zurück, da viele Farmer noch keine Erfahrung mit Dicamba hätten.

Das 1967 erstmals zugelassene Herbizid stehe in Verdacht, erhöhte Krebsraten bei Landwirten und Geburtsschäden bei ihren Söhnen zu verursachen, schreibt die US-Verbraucherschutzorganisation Center for Food Safety. Zusammen mit anderen Organisationen klagt sie seit Anfang des Jahres gegen die US-Umweltbehörde EPA. Diese hatte ein Monsanto-Herbizid mit Dicamba zugelassen, das der Konzern zusammen mit seinen resistenten Bohnen vermarktet.

Auf den Dörfern führen die Abdriftschäden zu Streit zwischen Landwirten, die Dicamba einsetzen und solchen, die es abbekommen. Dicamba habe sich schnell zur größten Kontroverse in der US-Landwirtschfat entwickelt, schreibt die Columbia Tribune. Sie zitiert einen Farmer mit den Worten, der Wirkstoff habe aus guten Nachbarn Gegner gemacht. Ein Streit endete bereits tödlich.

EFSA-Bewertung zu Glyphosat: Die Industrie schrieb mit

Die europäische Lebensmittelbehörde EFSA hat ihre Risikobewertung zu Glyphosat vor der Veröffentlichung von den Pestizidherstellern gegenlesen lassen – und Änderungen akkzeptiert. Das zeigen E-Mails, die von der lobbykritischen Brüsseler Organsiation Organisation Corporate Europe Observatory (CEO) veröffentlicht wurden.

Dass die Hersteller von Pestizidwirkstoffen die Berichte vorab einsehen dürfen, ist gängige Praxis und gesetzlich geregelt: in Artikel 13 Absatz 2 der Durchführungsverordnung (EU) Nr. 844/2012. Die Verordnung gibt den Pestizidherstellern das Recht, den Bericht zwei Wochen vor der geplanten Veröffentlichung durchzulesen und zu beantragen, „dass bestimmte Teile der Schlussfolgerung vertraulich behandelt werden“. Dies gebe der Industrie die Möglichkeit, hinter verschlossenen Türen zwei Wochen Druck auf die Behördenmitarbeiter auszuüben, bemängelt CEO. Gleichzeitig würden die Anfragen kritischer Organisationen mit Verweis auf Geschäftsgeheimnisse abgelehnt und Industriestudien unter Verschluss gehalten.

Im Falle von Glyphosat schickte die EFSA den Entwurf an das Beratungsunternehmen Dr. Knoell Consult, das die in der Glyhosate Task Force (GTF) zusammengeschlossenen Hersteller vertrat. Doch Knoell und die GTF beschränkten sich nicht darauf, die Passagen zu schwärzen, die nach Ansicht der Hersteller vertrauliche Informationen enthielten. Der Kunde habe bei der Durchsicht einige Fehler entdeckt, schrieb Knoell in einer der Mails und in einer weiteren hieß es, das Unternehmen Dow Agroscience habe einige Zweifel an den Schlußfolgerungen der Behörde. Zwar weist der EFSA-Mitarbeiter darauf hin, dass das eigentlich nicht der richtige Zeitpunkt für solche Einwände sei. Doch etwas später schreibt er: „Alle ihre Kommentare zu den Seiten 44, 46 und 53 des Berichts wurden übernommen.“ Was konkret abgeändert wurde, wisse man nicht, sagt CEO. Denn die in den E-Mails genannten Anhänge habe die EFSA bei der Herausgabe des Mailverkehrs nicht mitgeliefert. Erst nachdem die Hersteller ihr o.k. gaben, wurde der Bericht schließlich veröffentlicht.