Alle Beiträge von Leo Frühschütz

Wieder mehr Gylphosat auf Deutschlands Äckern

Der Einsatz von Glphosat in Deutschland hat 2017 deutlich um 900 Tonnen zugenommen. Insgesamt brachten die Landwirte rund 4.700 Tonnen des möglicherweise krebserregenden Wirkstoffes auf ihre Äcker aus. Das berichtete das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL).

Laut seinem jährlichen Bericht über den Absatz von Pestiziden in Deutschland haben die Hersteller von Pestiziden 2017 insgesamt 277 verschiedene Wirkstoffe in einer Gesamtmenge von 34.583 Tonnen verkauft. Das waren 2.300 Tonnen oder sieben Prozent mehr als im Vorjahr. 16.700 Tonnen, also fast die Hälfte der Menge, entfiel auf Herbizide. Wichtigster Wirkstoff war Glyphosat, von dem 4.694 Tonnen verkauft wurden. Lediglich 39 Tonnen des Herbizids wurden an „nicht berufliche Verwender“ abgegeben, also an Privatleute, die damit ihre Gärten oder Terrassen unkrautfrei spritzten. 68 Tonnen setzte die Deutsche Bahn ein, um ihre Gleise unkrautfrei zu halten, berichtete die WirtschaftsWoche. Der allergrößte Teil des Glyphosats jedoch landete auf dem Acker.

Um den Glyphosatausstieg voranzubringen, hatte sich die Bundesregierung im Januar 2018 auf eine Ackerbaustrategie verständigt. Im Koalitionsvertrag vom März 2018 heißt es dazu: „Wir werden mit einer systematischen Minderungsstrategie den Einsatz von glyphosathaltigen Pflanzenschutzmitteln deutlich einschränken mit dem Ziel, die Anwendung so schnell wie möglich grundsätzlich zu beenden. Dazu werden wir gemeinsam mit der Landwirtschaft Alternativen im Rahmen einer Ackerbaustrategie entwickeln und u. a. umwelt- und naturverträgliche Anwendungen von Pflanzenschutzmitteln regeln.“ Die Landwirtschaftsverbände haben allerdings schon deutlich gemacht, wie sie sich ihre Ackerbaustrategie vorstellen und im Mai 2018 ein eigenes Stragetgiepapier veröffentlicht. Darin heißt es, der Einsatz von Glyphosat sei „im Rahmen der konservierenden Bodenbearbeitung zur pfluglosen Beseitigung von Unkräutern, Ausfallgetreide und -raps sowie Zwischenfrüchten unverzichtbar.“

Zur Reduzierung der Glyphosatanwendung wollte die Ministerin auch einen Verordnungsentwurf erarbeiten. Er ist inzwischen fertig, befindet sich aber noch in der Ressortabstimmung und wurde bisher nicht veröffentlich. Was drinsteht, hatte Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner schon im Frühjahr mitgeteilt: Verboten werden soll lediglich der Einsatz des Mittels für Hobby-Gärtner sowie in Parks, Sportstätten und Naturschutgebieten. Auf landwirtschaftlichen Flächen wolle sie die Anwendung an „strikte Auflagen“ binden, heißt es in der 100 Tage Bilanz der Ministerin. „Dass der Glyphosat-Absatz in Deutschland im letzten Jahr wieder deutlich zugenommen hat, zeigt deutlich, dass sich hier von alleine gar nichts löst“, kommentierte Harald Ebner, Gentechnik-Sprecher der grünen Bundestagsfraktion, die Zahlen. Nach wie vor sei Glyphosat „ die Nummer eins unter den Ackergiften in Deutschland.“

 

Gutachten: Risikoforschung durch Abgabe finanzieren

Die Unterlagen für die Zulassung gentechnisch veränderter Pflanzen stammen überwiegend von deren Herstellern oder wurden von ihnen in Auftrag gegeben. Kritische Ergebnsisse sind deshalb nicht zu erwarten. Die Behörden prüfen diese Unterlagen, aber sie geben so gut wie nie eigene Untersuchungen in Auftrag. Kurz gesagt: Sie bewerten Risiken überwiegend auf Grundlage von Forschungsergebnissen der Industrie.

Das Institut Testbiotech hat ein Gutachten veröffentlicht, das aufzeigt, wie eine vorsorgeorientierte und industrieunabhängige Risikoforschung finanziert werden könnte. Es schlägt dazu eine staatliche Abgabe auf „das Herstellen und Inverkehrbringen von Stoffen und Produkten der Gen- und Biotechnologie“ vor. Verfasst hat dieses Gutachten die Berliner Rechtsanwältin Cornelia Ziehm.

Sie argumentiert, dass das Grundgesetz den Staat dazu verpflichte, eine vorsorgeorientierte, nicht interessengeleitete Risikoforschung zu etablieren. Nur so könne er seine Schutzpflichten gegenüber der Bevölkerung und der Umwelt wahrnehmen. Allerdings würden staatliche Institutionen nur in begrenztem Umfang Risikoforschung betreiben. Zudem sei „teils eine mehr oder weniger große ‚Nähe’ von Mitarbeitern der staatlichen Forschungs- bzw. Bewertungseinrichtungen zur Gen- und Biotechnologieindustrie festzustellen.“ Die universitäre Forschung werde zunehmend durch Drittmittel bestimmt und sei stärker an Innovation und Wettbewerbsfähigkeit ausgerichtet, als an einer systematischen Überprüfung von Risiken für Mensch und Umwelt.

In ihrem Gutachten verweist Ziehm darauf, das bereits in der EU-Freisetzungsrichtlinie von 2001 eine unabhängige Risikoforschung verlangt und die Mitgliedstaaten aufgefordert werden, die dafür notwendigen Mittel bereitzustellen. Für eine Abgabe spricht laut Ziehm auch das Verursacherprinzip. Es verpflichte den Verursacher nicht nur zum Ausgleich entstandener Schäden sondern auch dazu, die Kosten für die Vermeidung und Verringerung von Schäden zu tragen. Gerade das sei Sinn und Zweck einer vorsorgeorientierten Risikoforschung. Als Beispiel verweist Ziehm auf das Atomrecht, in dem die Forschung zur sicheren Endlagerung radioaktiver Abfälle von den Verursachern dieser Abfälle finanziert werden müsse. Auch die Tätigkeit von Aufsichtsbehörden könne in risikobehaftetetn Bereichen durch eine Abgabe sichergestellt oder unterstützt werden, schreibt Ziehm und nennt als Beispiel die Finanzdienstleistungsbranche. Sie bezahlt durch eine Umlage die Arbeit der Aufsichtsbehörde BaFin. „Es ist nicht ersichtlich, warum diese Erwägungen nicht gleichermaßen für die Branche der Gen- und Biotechnologie gelten sollen“, argumentiert die Rechtsanwältin.

Für die Mittelvergabe schlägt sie einen Fonds vor, in dessen Beirat Umwelt- und Verbraucherschutzverbände mitwirken könnten. Für Christoph Then, Geschäftsführer von Testbiotech, ist diese Einbindung der Zivilgesellschaft unverzichtbar: „Wir haben in den letzten zehn Jahren die Erfahrung gemacht, dass die Risiken der Gentechnik nur dann genauer untersucht werden, wenn die Zivilgesellschaft sich einmischt.“

 

 

Patentstreit um Gentechnik-Schere CRISPR in den USA beigelegt

Seit Jahren streiten sich die University of Berkeley in Kalifornien und das Broad Institut in Cambridge, Massachusetts um die Patentrechte an der Gentechnik-Schere CRISPR/Cas9. In den USA ist dieser Streit nun entschieden worden, mit Vorteilen für die Wissenschaftler aus Massachusetts.

Forscherteams beider Hochschulen beanspruchen für sich, sie hätten die CRISPR-Technik entdeckt. Emmanuelle Charpentier und Jennifer Doudna entdeckten den grundlegenden Mechanismus der Gentechnik-Schere und zeigten 2012, wie sich damit das Erbgut von Bakterien verändern ließ. Die Arbeitsgruppe um Feng Zhang aus Massachusetts zeigte ein Jahr später, wie sich die Methode bei Pflanzen, Tieren und Menschen anwenden lässt. Beide Forscherteams sicherten sich ihre Entdeckungen mit Patenten ab und streiten seither vor Gerichten in den USA und Europa.

Das Bundesberufungsgericht in den USA bestätigte nun eine Entscheidung der US-Patentbehörde. Diese war der Meinung, dass die Forscher aus Massachusetts die CRISPR-Technologie so grundlegend erweitert hätten, dass dies eigene Patente rechtfertige und keine Verletzung des grundlegenden Patents von Charpentier und Doudna darstelle. Gegen die Entscheidung des Bundesberufungsgerichts könnte die University of Berkeley noch vor dem höchten US-Gericht, dem Supreme Court, klagen. Doch halten es US-Medien für unwahrscheinlich, dass dieser die Klage zulasse.

Beide Parteien haben ihre Patente auch beim europäischen Patentamt EPA angemeldet und bekriegen sich auch dort. Hier würden die Patente bisher zu Gunsten der Berkeley University und der beiden Entdeckerinnen ausgelegt, schreibt die Süddeutsche Zeitung. Die Zeit hingegen sieht auch hier „Team Massachusetts“ vorne liegen. Bei den Rechtsstreitigkeiten geht es um viel Geld, denn die Patente regeln, wer für den Einsatz von CRISPR/Cas9 bei Pflanzen, Tieren und Menschen Lizenzgebühren kassieren darf. Allerdings könnte die schnelle Entwicklung der CRISPR-Technologie dazu führen, dass die strittigen Patente bald überholt sind. Denn inzwischen hätten zahlreiche Forscher das Enzym Cas9 durch andere Konstrukte ersetzt – und sich diese Weiterentwicklungen patentieren lassen, schreibt das Magazin Wired. Die wachsende Vielfalt unterschiedlichster CRISPR-Anwendungen werde langfristig dazu führen, dass einzelne Verfahrenspatente in diesem Bereich immer weniger wert würden.

 

Gentechnikfreie Regionen fordern internationales GVO-Register

Das europäische Netzwerk gentechnikfreier Regionen hat in einer Deklaration gefordert, ein internationales Register gentechnisch veränderter Organismen (GVO) einzurichten. Dort sollen auch Pflanzen und Tiere eingetragen werden, deren Erbgut mit Hilfe von Gentechnik-Scheren wie CRISPR/Cas manipuliert wurde. Als passenden Rahmen dafür schlug das Netzwerk das bestehende Register des Biosafety Clearinghouse aus dem Cartagena Protokoll für die biologische Sicherheit vor.

Dem Netzwerk gehören 64 europäische Regionen an, die sich als gentechnikfrei erklärt haben. Präsidentin ist die hessische Umweltstaatssekretärin Beatrix Tappeser. Sie begrüßte bei der Eröffnung des neunten Netzwerktreffens vergangene Woche in Berlin die jüngste Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) zur Einstufung von CRISPR/Cas. „Das ist für uns ein wichtiger Meilenstein, mit dem klargestellt wird, dass auch die mit den neuen Gentechnikverfahren erzeugten Lebens- und Futtermittel einer umfassenden Risikobewertung, Rückverfolgbarkeit und Kennzeichnung unterliegen müssen.“ Da in zahlreichen Staaten außerhalb der EU solche Erzeugnisse nicht als Gentechnik eingestuft würden, sei ein öffentliches internationales Register aller weltweit freigesetzten GVO erforderlich.

Als besorgniserregend bewerteten die Mitglieder des Netzwerks, sogenannte „gene drives“. Dabei werden die Gene etwa eines Insekts so manipuliert, dass die Veränderung sich in innerhalb weniger Generationen in einer ganzen Population ausbreitet und diese auslöschen kann. „Eine Freisetzung solcher Organismen, die ganze Populationen vernichten können, ist aus unserer Sicht nicht vertretbar“, erkläre Tappeser. Die EU und die internationale Staatengemeinschaft müssten ein Moratorium beschließen.

Angesichts der deutlich gestiegenen Konzentration von Markt – und Forschungsmacht im Saatgut – und Agrochemiegeschäft plädierten die gentechnikfreien Regionen für mehr öffentliches Engagement in der Saatgutzüchtung und –forschung ohne Gentechnik. „Die genetische Vielfalt aller Pflanzen und Tiere sollte als eines der wertvollsten öffentlichen Güter der Menschheit erhalten und zugänglich bleiben“, heißt es in der Deklaration.

Darin bezeichnete das Netzwerk das Konzept der gentechnikfreien Regionen als Erfolgsgeschichte. Die regionale Zusammenarbeit mit Bauernverbänden, Unternehmen und Nichtregierungsorganisationen entlang der gesamten Agrar – und Lebensmittelwertschöpfungskette sei ein starkes und solides Fundament dieser regionalen Bewegung. Zusätzlich sei durch die zunehmende Gentechnikfrei-Kennzeichnung von Lebensmitteln die Nachfrage nach regional produzierten, gentechnikfreien Eiweißpflanzen angestiegen – mit vielfältigen Vorteilen für die regionale Wirtschaft, die Fruchtfolge und die Bodenfruchtbarkeit.

 

Klöckner denkt über neues EU-Gentechnikrecht nach

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner hält die Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs über Gentechnik-Scheren wie CRISPR/Cas für falsch und will über eine Änderung des EU-Gentechnikrechts zumindest diskutieren. Dies geht aus einer Meldung der Nachrichtenagentur Reuters hervor.

„Die klassische grüne Gentechnik mit CRISPR/Cas in einen Topf zu werden, halte ich für sachlich falsch” sagte die Ministerin Reuters. Man müsse eine Debatte führen, „die wissenschaftsbasiert ist und nicht nach Stimmungen geht.” Ob es zu Gesetzesänderungen komme, werde man sehen. „Wir müssen achtgeben, dass wir nicht aus Luxuspositionen des Überflusses heraus in Europa eine neue Technologie vor die Tür setzen”, zitierte Reuters die Ministerin. Die neue Technologie könne die Lösung für landwirtschaftliche Probleme werden. “Damit könnten beispielsweise dürre-resistente Pflanzen gezüchtet werden.” Bereits direkt nach der Urteilsverkündung Ende Juli hatte die Ministerin verkündet, sie wolle „ den Blick für Entwicklungen und Innovationen offen halten.“

Reuters meldete ebenfalls, dass der Vorstoß der Ministerin bei SPD und Grünen auf Kritik gestoßen sei. Der Gerichtshof habe klargestellt, dass neue Gentechnikverfahren, wie die Genschere CRISPR/Cas und die damit erzeugten Produkte dem Gentechnikrecht unterliegen, sagte der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Fraktion, Matthias Miersch, Reuters: „Das Urteil des EuGH sollte auch die Bundeslandwirtschaftsministerin anerkennen.” Harald Ebner, der Gentechnik-Sprecher der grünen Bundestagsfraktion, warf der Ministerin laut topagrar vor, Klöckner stimme „nach kürzester Schamfrist voll ein in den Chor der Gentechnik-Lobby, der sich seit dem Gentechnik-Urteil überschlägt in schriller Richterschelte und Forderungen nach Gesetzesänderungen.“

 

 

 

Medien kritisieren: Bund fördert eine gentechnikkritische Organisation

Mit Steuergeldern eine gentechnikkritische Organisation unterstützen? Das geht gar nicht, meint die FDP, unterstützt von einigen Medien. Darüber, dass die Bundesregierung Gentechnik-Forscher mit Millionen unterstützt, verlieren sie kein Wort.

Der Stein des Anstoßes: Das dem Bundesumweltministerium unterstehende Bundesamt für Naturschutz fördert für drei Jahre eine Fachstelle Gentechnik und Umwelt (FGU) mit insgesamt 200.000 Euro. Gerade genug Geld für eine Wissenschaftlerstelle und etwas Bürokosten. Die Fachstelle ist ein Projekt des gentechnikkritischen Vereins Testbiotech. Ihr Ziel ist „die Förderung einer informierten gesellschaftlichen Diskussion auf der Basis aktueller Informationen und wissenschaftlich verlässlicher Analysen“, heißt es im Förderantrag. Festgelegt würden die Inhalte von Non-Profit-Organisationen, „die sich unter der Perspektive des Vorsorgeprinzips mit dem Thema befassen, ohne eigene ökonomische Interessen an der Verwertung der Technologie zu haben.“ Dazu sind sieben Organisationen in einem Beirat vertreten, darunter der Umweltverband BUND, die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschfat (AbL) und Save our Seeds.

Auslöser der Kritik an der Fachstelle Gentechnik und Umwelt war eine Anfrage der FDP-Bundestagsfraktion. Diese will mit einer Reihe von Anfragen thematisieren, dass die Bundesregierung Verbände und Organisationen aus dem Umweltbereich unterstützt (die der FDP anscheinend ein Dorn im Auge sind). Ziele dieser Anfragen sind unter anderem der Naturschutzbund Deutschland, das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, Greenpeace und die Deutsche Umwelthilfe. Die Antwort der Bundesregierung nahmen Süddeutsche Zeitung und Spiegel zum Anlass, um über die Fachstelle zu berichten. Deren Tenor: Der Bund finanziere mit Steuergeldern eine gentechnikkritische Lobbyorganisation. Testbiotech hat zu den Vorwürfen Stellung genommen und darauf hingewiesen, dass die Journalistinnen in beiden Fällen nicht um eine Stellungnahme angefragt hatten. Deutlich wies Testbiotech den Vorwurf zurück, unwissenschaftlich zu arbeiten: „Testbiotech legt Wert darauf, nach wissenschaftlichen Standards zu arbeiten und gleichzeitig unabhängig von den Interessen derer zu sein, die von Anwendungen der Gentechnik profitieren“, heißt es in der Stellungnahme. Und weiter: „Im Vordergrund unserer Arbeit steht die Perspektive des Umwelt- und Verbraucherschutzes.“ Dies rechtfertige es jedoch nicht, Testbiotech als Lobby-Organisation oder Technikfeinde zu bezeichnen.

Kein Thema für SZ und Spiegel ist es, dass die Bundesregierung seit Jahren angewandte Gentechnik-Forschung unterstützt. So gab das Forschungsministerium 2017 sechs Millionen Euro frei, um zwei Jahre lang „Nutzpflanzen der Zukunft“ zu fördern, die mit Hilfe neuer gentechnischer Verfahren hergestellt werden sollen. Aktuell fördert das Ministerium auch Projekte zur Genom-Editierung von Äpfeln und Sojabohnen. Geld bekommt auch das Forschungsprojekt „Ethische, rechtliche und sozioökonomische Aspekte der Genom-Editierung in der Agrarwirtschaft“ (Dialog GEA). Dessen Träger ist das Max-Planck-Institut für Molekulare Pflanzenphysiologie, dessen Direktor Ralph Bock ein entschiedener Befürworter der Agro-Gentechnik und des Einsatzes neuer gentechnischer Verfahren ist. Fördersumme: Über eine Million Euro, verteilt auf drei Jahre. Seit 2009 berät der Bioökonomierat die Bundesregierung. Kürzlich haben dessen 17 Mitglieder aus Forschung und Industrie ein neues Gentechnikrecht gefordert, das Genome Editing teilweise ausnimmt. Der Informationsdienst Gentechnik hat herausgefunden, dass der Bund für die Geschäftsstelle dieses Rates in den letzten zehn Jahren 6,8 Millionen Euro ausgegeben hat.

Bioökonomierat: Bundesregierung soll sich für neues EU-Gentechnikrecht stark machen

Der Bioökonomierat hat „die Politik“ aufgefordert, das EU-Gentechnikrecht zu modernisieren. Notwendig sei eine „Regulierung, die zwischen Mutationen und Gentransfers unterscheidet und risikoorientierte Verfahren für die Zulassung und Freisetzung vorsieht“. Der Rat ist ein 2009 eingerichtetes Gremium aus Wissenschaftlern und Firmenvertretern, dessen 17 Mitglieder die Bundesregierung beraten.

Nach Ansicht des Rates wäre es unverantwortlich „die EU dauerhaft von einer technologischen Entwicklung abzukoppeln, die große Potenziale für Nachhaltigkeit und menschliches Wohlergehen bietet und die deshalb die Entwicklung der Bioökonomie im Rest der Welt immer stärker prägen wird.“ Auch werde es auf Dauer nicht gelingen, „den Import von Produkten zu verhindern, die unter Verwendung von Genome Editing erzeugt wurden.“ Es sei jedoch keine Lösung, auf eine komplette Deregulierung zu setzen. Manche Einsatzfelder könnten „durchaus erhöhte Risiken mit sich bringen, und deshalb sind hier erhöhte Schutzvorschriften erforderlich“, heißt es in der Stellungnahme des Rates. Deshalb sei eine „differenzierte Betrachtung der Technologie und ihrer Anwendungsgebiet“ gefragt. Dies könne das aktuelle EU-Gentechnikrecht nicht leisten, es bediene statt dessen „die gefühlsmäßige Haltung vieler Bürger, die neue Technik wegen risiko- oder ethikbezogener Bedenken verbieten zu wollen.“

Der Bioökonomierat fordert deshalb, das EU-Gentechnikrecht zeitnah anzupassen und abgestufte Genehmigungs- und Zulassungsverfahren für unterschiedliche Risikoklassen einzuführen. So könnten etwa gentechnische Veränderungen von nur wenigen Basenpaaren ungeregelt bleiben, während Eingriffe, „bei denen größere Genabschnitte (zum Beispiel mehr als 20 Basenpaare) verändert werden oder ein Transfer von Gensequenzen über Artgrenzen hinweg erfolgt“, weiterhin nach Gentechnikrecht geregelt würden. Ein „besonders hohes Schutzniveau“ sei notwendig, wenn es um die Freisetzung manipulierter Schadinsekten gehe. Der Rat behauptet, dass sich gentechnische Punktmutationen oder der präzise Einbau arteigener Gene nicht eindeutig nachweisen lassen und plädiert dafür, die Gentechnik-Kennzeichung „auf größere, artfremde Genomveränderungen, die eindeutig nachweisbar sind“ zu beschränken. Ansonsten wäre „keine Rechtssicherheit im Warenverkehr gegeben“.

Der Rat verlangt auch mehr Engagement in der staatlichen Forschungsförderung. Ein Biodiversitätsmonitoring in der Agrarlandschaft müsse aufgebaut werden. Auch sei es „dringend erforderlich, die vielen offenen Fragen bezüglich Eigentumsrechten, ‚Open-Source’-Daten und Technologien, Wirtschaftsstrukturen und ‚global governance’ einer systematischen wissenschaftlichen Bearbeitung zuzuführen.“ Auch brauche es neue Formen des gesellschaftlichen Dialogs über Genome Editing. Der Rat empfiehlt dafür dialogorientierte Verfahren, „die auf Bürgerbeteiligung und demokratische Öffentlichkeit ausgerichtet sind.“

 

 

Gegen den Heerwurm hilft keine Gentechnik

Die Befürworter der Agro-Gentechnik haben einen neuen Lieblingsschädling, den Herbst-Heerwurm. Dieser Schmetterling mit seinen gefräßigen Raupen stammt aus den USA und hat binnen weniger Jahre die halbe Welt erobert: Zuerst Südamerika, seit 2016 Afrika und inzwischen sind erste Exemplare in Indien gesichtet worden. Die Raupen stürzen sich auf jungen Mais und 80 andere Pflanzenarten und fressen die Felder kahl.

Gegen den Siegeszug des Schädlings durch das von Hunger geplagte Afrika propagieren manche Wissenschaftler und Hersteller gentechnisch veränderten Bt-Mais als Lösung. In Uganda und Mozambik fanden Feldversuche mit einer Variante des Gentech-Maises MON810 statt. Doch schon jetzt ist klar, dass gegen den anpassungsfähigen Schmetterling Gentechnik nicht auf Dauer hilft. Denn in den USA und später in Brasilien entwickelte der Schädling relativ bald Resistenzen gegen Bt-Toxine. Und auch gegen chemische Spritzgifte wird er schnell widerstandsfähig. Das African Centre for Biodiversity (ACB) kam in einer Studie zu dem Ergebnis, dass Gentech-Mais keine Lösung im Kampf gegen den Heerwurm sei. Statt dessen bräuchte es ganzheitliche Strategien.

Dazu zählt das Push&Pull-System, bei dem innerhalb eines Maisfeldes Pflanzen angebaut werden, die den Heerwurm abschrecken, während um das Feld herum Pflanzen wachsen, die ihn anziehen. Damit habe sich der Befall um 80 Prozent verringern lassen, heißt es in einer Studie des International Centre of Insect Physiology and Ecology, über die GMWatch berichtete. Die gentechnikkritische Organisation verweist auch auf Studien und Medienberichte, wonach bestimmte Ameisen die Eier des Schmetterlings fressen und die Blätter des Neembaumes eine abwehrende Wirkung zeigen. Die Welternährungsorganisation FAO hält den Einsatz von Gentech-Mais ebenfalls für wenig hilfreich. Sie setzt auf Frühwarnsysteme mit Pheromonfallen und eine angepasste Bekämpfung, zu der als letztes Mittel auch Insektizide zählten, wie die Frankfurter Rundschau berichtete. In dem Artikel werden auch die Forschungen des Internationalen Instituts für Tropische Landwirtschaft (IITA) im westafrikanischen Benin. Dessen Wissenschaftler entwickeln ein Bio-Pestizid auf der Basis von Viren, die nur die Heerwurm-Raupen befallen. Sie experimentieren auch mit Schlupfwespen als natülichen Feinden.

 

Behörde zieht alten Bescheid zurück: Cibus-Raps ist doch Gentechnik

Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) hat mitgeteilt, dass der herbizidtolerante Raps der Firma Cibus als gentechnisch veränderter Organismus (GVO) zu betrachten sei. Gleichzeitig nahm die Behörde ihren Bescheid vom 5. Februar 2015 zurück, mit dem sie feststellt hatte, dass dieser Raps kein gentechnisch veränderter Organismus im Sinne des Gentechnikgesetzes sei. Damit hat sich das Urteil des Europäischen Gerichtshofes (EuGH) zu neuen gentechnischen Verfahren erstmals in der Genehmigunspraxis ausgewirkt.

Die US-Firma Cibus hatte das Erbgut ihres Rapses mit einem als RTDS bezeichneten Verfahren der Oligonukleotid-gesteuerten Mutagenese (OgM) so verändert, dass er gegen ein Herbizid resistent wurde. Das Unternehmen vermarktet seinen Raps derzeit in den USA und Kanada als „non-GMO“ also gentechnikfrei. Weitere Länder sollen folgen. In der Pipeline hat das Unternehmen auch mittels OgM entwickelte glyphosatresistente Leinsaat sowie Reis und Kartoffel. OgM war eines der ersten neuen gentechnischen Verfahren, mit denen sich das Erbgut gezielt ändern ließ. Da es aufwändiger ist als die später entwickelte Gen-Schere CRISPR/Cas, spielt das Verfahren heute kaum noch eine Rolle. Relevant sind jedoch weiterhin die damit entwickelten Pflanzen.

Das BVL hatte im Februar 2015 auf Anfrage der Firma Cibus entschieden, dass deren Raps nicht als gentechnisch veränderter Organismus im Sinne des Gentechnikgesetzes einzustufen sei, da es sich bei dem angewandten Verfahren um eine zielgerichtete Mutation handle, die vom Gentechnikrecht ausgenommen sei. Gegen diesen Bescheid des BVL hatte ein Bündnis aus Landwirtschafts- und Umweltverbänden, Saatgut-Initiativen und betroffenen Unternehmen unter Koordination der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) Widerspruch und Klage erhoben. Das Verfahren beim Verwaltungsgericht Braunschweig ist immer noch anhängig und verhinderte bisher einen Anbau des Cibus-Rapses. Aufgrund des EuGH-Urteils „musste das Bundesamt seinen verantwortungslosen Testballon zurückziehen“, kommentierte AbL-Vorstandsmitglied Elisabeth Waizenegger die Mitteilung der Behörde.

„Das Beispiel Cibus-Raps zeigt, wie elemantar wichtig die EuGH-Entscheidung für eine glaubwürdige, gentechnikfreie Landwirtschaft ist“, sagte Alexander Hissting, Geschäftsführer des Verbandes Lebensmittel ohne Gentechnik (VLOG). „Ohne dieses Urteil hätten gentechnisch veränderte Pflanzen wie der Cibus-Raps mit behördlicher Erlaubnis ohne jede Kennzeichnung und Kontrolle angebaut werden können.“ Aus Sicht des VLOG muss nun dafür gesorgt werden, dass Cibus-Raps aus den USA oder Kanada in die EU kommt. „Die EU-Kommission und die Behörden der Mitgliedsstaaten müssen umgehend sicherstellen, dass alle Rapsimporte aus diesen Ländern nicht nur auf die üblichen gentechnisch veränderten Rapslinien untersucht werden, sondern auch auf die Anwesenheit von Cibus-Raps“, forderte Hissting deshalb.

Klären sollten die Behörden noch den Umgang mit einer anderen Rapssorte, dem seit 2013 als konventionelle Pflanze angebauten Clearfield-Raps des Konzerns BASF. Dieser herbizidresistente Raps wurde von BASF zusammen mit der Firma Cibus entwickelt – angeblich mit konventioneller Züchtung. Doch Cibus selbst teilte bereits 2009 mit, dass dabei das RTDS-Verfahren verwendet worden sei.

 

Monsanto muss für Krebs zahlen – Bayer-Aktie fällt

Eine Geschworenen-Jury in San Francisco hat den von Bayer übernommenen Konzern Monsanto dazu verurteilt, 250 Millionen Euro an eine krebskranken Platzwart zu zahlen. Zwar will Monsanto in Berufung gehen, doch der Kurs der Bayer-Aktie fiel deutlich. Schließlich ist das nicht der einzige Prozess, den sich das Unternehmen mit der Mosanto-Übernahme eingekauft hat.

Einstimmig hatten die Geschworenen Monsanto für schuldig befunden. Sie sprachen dem 46-jährigen Dewayne Johnson, der seine Krebserkrankung auf die Arbeit mit glyphosathaltigen Spritzmitteln zurückführt, 34 Millionen Euro Schmerzensgeld zu sowie einen Strafzuschlag von 216 Millionen Euro. Dieser wurde fällig, weil die Jury davon ausging, dass Monsanto vorsätzlich gehandelt und die Risiken seines Herbizids verschwiegen habe. Zwar handelt es sich um die Entscheidung in einem Einzelfall und vermutlich wird die Berufungsinstanz die Schadensersatzsumme reduzieren. Dennoch hat das Urteil Signalwirkung für die 5.000 weiteren Klagen, in denen Krebspatienten oder ihre Angehörigen Monsanto und dessen glyphosathaltigen Herbizide für die Erkrankung verantwortlich machen. Ebenfalls in San Francisco hatte ein Richter im Juli den Weg für eine Verhandlung von 450 Sammelklagen freigemacht.

Der Kurs der Bayer-Aktie fiel binnen weniger Tage von 95 auf 75 Euro und hat sich inzwischen bei 82 Euro gefangen. Eine Rolle bei diesem beispiellosen Absturz dürften auch die anderen Prozessrisiken spielen, die Bayer sich mit Monsanto eingekauft hat. So haben Farmer aus acht US-Bundesstaaten Sammelklagen wegen Ernteschäden durch den Unkrautvernichter Dicamba eingereicht. Die Klagen richten sich sowohl gegen Bayer-Monsanto wie gegen BASF, die beide das Herbizid vertreiben, berichtet der Informationsdienst Gentechnik. In Frankreich haben Imker Bayer wegen Glyphosatrückständen in ihrem Honig verklagt, in Brasilien streitet sich der Konzern um Patentzahlungen. „Klagewellen und Imageschaden – Monsanto ist für Bayer ein Milliardenrisiko“, folgerte daraus das Handelsblatt.