Alle Beiträge von Leo Frühschütz

Freisetzung von Gentechnik-Mücken geriet außer Kontrolle

Die britische Firma Oxitec hatte von 2013 bis 2015 in dem brasilianischen Städtchen Jacobina jede Woche rund 450.000 gentechnisch manipulierte Moskitos freigelassen. Die ausschließlich männlichen Tiere waren so verändert worden, dass die Nachkommen der Insekten noch als Larven sterben sollten. Damit wollte Oxitec die Population der Moskitos in Jacobina reduzieren, die Dengue- und Gelbfieber übertragen können. Gleichzeitig sollte der vorzeitige Tod der Nachkommen verhindern, dass sie ihr Erbgut weitergeben können.

Das hat nicht funktioniert, wie Wissenschaftler der Universität von Yale zusammen mit brasilianischen Kollegen nachwiesen. Zwar ging die Zahl der Mücken zuerst wie erwartet zurück. Doch 18 Monate nach Beginn der Freisetzungen erholte sich die Population wieder und erreichte zum Ende hin die alte Stärke. Nicht nur das: In 10 bis 60 Prozent der Mücken fanden die Wissenschaftler Erbgut der freigesetzten Gentech-Moskitos. Sie schlossen daraus, dass nicht alle Nachkommen der Gentech-Moskitos wie erwartet frühzeitig gestorben waren, sondern einige überlebt hatten und sich sogar paaren konnten. So konnte sich das Erbgut ausbreiten und ließ sich sogar in Mückenpopulationen jenseits der Freisetzungsgebiete nachweisen. Parallel dazu wurden, so vermuten die Forscher, die männlichen Gentech-Mücken als Paarungspartner immer weniger akzeptiert, was ebenfalls dazu beitragen haben könnte, dass der Versuch fehlschlug.

Es sei unklar, wie diese Veränderungen den Prozess der Krankheitsübertragung beeinflussen und sich auf die Versuche, diese zu kontrollieren auswirken, schrieben die Wissenschaftler aus Yale. Sie wiesen darauf hin, dass die gentechnisch-veränderten Mücken ursprünglich aus Kuba stammten und in Mexiko vermehrt wurden. Das Erbgut der Mücken in Jacobina sei nun ein Mix aus den Genen der urprünglich ansässigen Moskitos sowie den Genen der Tiere aus Kuba und Mexico. Es sei wahrscheinlich, dass die Population deshalb robuster sei als früher. „Diese Ergebnisse zeigen, wie wichtig ein Überwachungsprogramm bei der Aussetzung gentechnisch veränderter Organismen ist, um nicht erwartete Folgen festzustellen“, lautete die Bilanz von Studienleiter Jeffrey Powell.

Oxitec warf den Wissenschaftlern Spekulation vor, räumte aber gleichzeitig ein, dass bei früheren Tests im Labor drei Prozent des Nachwuchses überlebt hätten. Das Unternehmen will seine Gentech-Moskitos auch in Florida und Texas aussetzen und durchläuft gerade das Zulassungsverfahren bei den US-Behörden. Christoph Then von Testbiotech richtete heftige Vorfwürfe an Oxitech. Das Unternehmen habe die patentierten Mücken freigesetzt, obwohl bereits bekannt gewesen sei, dass manche der Tiere durchaus in der Umwelt überleben könnten. „Offensichtlich waren die Erwartungen der Investoren wichtiger als der Schutz von Mensch und Umwelt“, sagte Then. Er verwies darauf, das zahlreiche Forschungseinrichtungen Versuche planen, bei denen verändertes Erbgut in die freie Wildbahn entlassen werden soll. Ein Beispiel dafür ist Target Malaria. Für das von der Gates Foundation unterstützte Forschungsprojekt setzten Wissenschaftler vor wenigen Monaten erstmals gentechnisch veränderte Mücken im westafrikanischen Burkina Faso frei. Die Männchen sollen steril sein und so ihr geändertes Erbgut nicht weitergeben können…

 

Wissenschaftlich mangelhaft: Studie zerpflückt EFSA-Stellungnahme zu Gentech-Mais

Die Vorwürfe haben es in sich: Die Gentechnik-Experten der europäischen Lebensmittelbehörde EFSA hätten relevante Studien übergangen, Informationen einseitig oder falsch zitiert, Unsicherheiten verschwiegen und notwendige weitere Untersuchungen nicht verlangt. Zudem hätten die EFSA-Experten dabei versagt, Studien und ihre Ergebnisse kritisch zu interpretieren. Die Vorwürfe finden sich in einer Arbeit der tschechischen Umweltwissenschaftlerin Veronika Chvátalová von der Masaryk Universität in Brünn, die von der Fachzeitschrift Environmental Sciences Europe veröffentlicht wurde.

Konkret vorgenommen hatte sich Chvátalová die von der EFSA 2009 veröffentlichte Bewertung der Risiken, die der Gentech-Mais MON 810. für Bienen und Regenwürmer mit sich bringt. Sie analysierte die von den Gentechnik-Experten der EFSA zitierten Studien ebenso wie deren Auswertung und Darstellung in der EFSA-Stellungnahme. So kam die EFSA zu dem Schluss, dass das Risiko negativer Auswirkungen auf Bienen voraussichtlich sehr gering sei. Dabei hätten drei der acht von der EFSA betracheten Studien negative Effekte festgestellt, kritisiert Chvátalová. Deren Autoren hätten diese ausdrücklich erwähnt und weitere Forschungsarbeiten verlangt. Die meisten Studien stammten übrigens von öffentlichen Institutionen und waren mit öffentlichen Geldern gefördert worden. Nur an einigen Übersichtsarbeiten waren Monsanto-Mitarbeiter beteiligt. In der EFSA-Stellungnahme sei dieser Interessenskonflikt bei der Darstellung der Arbeiten nicht erwähnt worden, stellte die Umweltexpertin fest. Ihr Fazit: Die Art und Weise, in der die Gentechnik-Experten des EFSA GMO-Panels wissenschaftliche Informationen benutzt hätten, sei besorgniserregend und das Gegenteil der versprochenen qualitativ hochwertigen wissenschaftlichen Beratung.

Chvátalová stellt ihre Ergebnisse in Zusammenhang mit zahlreichen anderen Arbeiten, die sich kritisch mit dem wissenschaftlichen Qualität von EFSA-Stellungnahmen auseinandergesetzt haben. Insgesamt zeigten die gesammelten wissenschaftlichen Belege, dass man sich auf die Glaubwürdigkeit der EFSA bei der wissenschaftlichen Bewertung von Gentech-Pflanzen nicht mehr verlassen könne, lautet ihr Ergebnis. Die EFSA hat zu den Vorwürfen bisher öffentlich nicht Stellung bezogen.

 

 

Bayer: Kritiker-Listen von Monsanto waren nicht illegal

Im Mai 2019 berichteten französische Medien darüber, dass die Bayer-Tochter Monsanto in den Jahren 2016 und 2017 von der Agentur FleishmanHillard Listen mit Hunderten Wissenschaftlern und Politikern, Verbraucherschützern und Journalisten hatte erstellen lassen. Sie sollen neben deren Einstellung zu Glyphosat auch private Informationen enthalten haben. Bayer beauftragte daraufhin die Anwaltskanzlei Sidley Austin LLP mit der Überprüfung der Listen. Die Anwälte erklärten nun, sie hätten in den Stakeholder-Listen von Monsanto keine Hinweise auf illegales Verhalten gefunden. Unklar ist allerdings, ob den Anwälten alle Listen vorlagen.

Laut Sidley Austin umfassten die Listen 1.475 Personen aus zehn Ländern sowie von EU-Institutionen. „Wir haben keine Beweise gefunden, die die Behauptungen der französischen Medien unterstützen, dass die Stakeholder-Listen illegal waren“, heißt es in dem Bericht der Anwälte. Es habe keine Hinweise auf eine eine illegale Überwachung von Personen gegeben. Die Inhalte der Listen würden hauptsächlich aus öffentlich zugänglichen Informationen wie Presseartikeln oder Social-Media-Accounts stammen. Auch habe man keine Nachweise für die Vorwürfe gefunden, dass in den Listen Hobbys, Freizeitaktivitäten oder andere persönliche Interessen dokumentiert worden seien. Die Kanzlei schrieb, sie habe zwischen dem 31. Mai und dem 9. August 2019 alle Personen auf den Listen schriftlich informiert und ihnen angeboten, die zu ihrer Person gespeicherten Daten zuzusenden. Dieses Angebot hätten bisher 250 Personen in Anspruch genommen. „Auf Basis des Berichts sieht Bayer keine Verstöße von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gegen damals geltendes Recht“, heißt es in der Mitteilung des Konzerns.

Offen bleibt, ob der Kanzlei tatsächlich alle einschlägigen Unterlagen vorlagen. So schreibt Bayer, dass FleishmanHillard dem Deutschen Rat für Public Relations (DRPR) eine anonymisierte Liste mit deutschen Journalisten zur Verfügung gestellt habe. „Eine solche Liste konnte die von Bayer beauftragte Anwaltskanzlei in den Systemen von Monsanto nicht finden.“ Der DRPR sah in der überprüften Liste „kein Fehlverhalten im Hinblick auf die gültigen Kodizes oder Richtlinien.“ Die taz berichtete, französische Journalisten hätten mit Hilfe der Datenschutzgesetze ihres Landes direkt bei FleishmanHillard Auskunft über die unter ihrem Namen angelegten Dateien verlangt. Sie hätten eine fast achtzig Seiten lange Dokumentation erhalten. Die taz zitierte den früheren französischen EU-Abgeordnete José Bové mit den Worten, er wäre nicht erstaunt zu erfahren, dass noch weitere Listen existieren. Die Kanzlei habe sich nur zu dem Material geäußert, das ihr vorgelegt worden sei.

Gentechnik weltweit: Die Anbaufläche wächst nur langsam

191,7 Millionen Hektar betrug 2018 weltweit die Anbaufläche für gentechnisch veränderte (gv) Pflanzen. Gerade einmal ein Prozent mehr als im Vorjahr. Die Zahlen stammen von der Organisation ISAAA, die von den Gentechnik-Konzernen finanziert wird.

Die ISAAA-Zahlen zeigen, dass die Anbaufläche für gv-Pflanzen kaum noch wächst und sich weiterhin auf wenige Pflanzen und Länder beschränkt: 99 Prozent der Anbaufläche entfallen auf Sojabohnen, Mais, Baumwolle und Raps. Doch auch hier gibt es noch gentechnikfreie Alternativen. Bezogen auf die von der Welternährungsorganisation FAO veröffentlichten weltweiten Anbauflächen betrage der Gentech-Anteil bei Soja 78 Prozent, bei Baumwolle 76 Prozent, bei Mais 30 und bei Raps 29 Prozent, schreibt die ISAAA.

Insgesamt bauten 2018 Landwirte in 26 Staaten weltweit gv-Pflanzen an, doch neun von zehn gv-Pflanzen wuchsen in nur fünf Ländern: USA, Brasilien, Argentinien, Kanada und Indien. Ihnen folgen mit Abstand Paraguay, China, Pakistan und Südafrika. Unter den unbedeutenderen Anbauländern finden sich auch die EU-Staaten Spanien und Portugal, in denen der Gentech-Mais MON 810 kultiviert wird. Die ISAAA führt auch Bangla Desh auf, wo auf 575 Hektar gv-Auberginen angebaut wurden. Ebenfalls zu den 26 Staaten zählen das afrikanische Swasiland, wo 2018 auf 250 Hektar Gentech-Baumwolle wuchs sowie Indonesien, wo versuchsweise gv-Zuckerrohr angebaut wurde.

Verglichen mit 2016 zeigt sich, dass in mehreren Staaten wie Australien, Pakistan und den Philippinen die Anbauflächen leicht zurückgingen. In den USA wurde 2018 deutlich weniger Gentech-Mais angebaut als zwei Jahre zuvor, während Soja und Baumwolle zulegten. Deutlich gewachsen ist die Anbaufläche für gv-Soja in den letzten beiden Jahren in Brasilien, wo seit Monaten Wälder im Amazonasgebiet brennen – um Platz für neue Sojafelder zu schaffen.

 

 

Glyphosatausstieg kommt erst Ende 2023

Die Bundesministerien für Umwelt und Landwirtschaft haben sich geeinigt. Glyphosathaltige Pestizide werden in Deutschland erst Ende 2023 verboten. Dies sei der„europarechtlich frühestmögliche Zeitpunkt“, begründete Bundesumweltministerin Svenja Schulze den Termin.

Eingebettet ist der Glyphosataustieg in ein Aktionsprogramm Insektenschutz, dass die Bundesregierung verabschiedet hat. Darin steht auch, dass der Einsatz von Glyphosat schon vor 2023 eingeschränkt werden soll, etwa durch „Anwendungsverbote im Haus- und Kleingartenbereich und für Flächen, die für die Allgemeinheit bestimmt sind, sowie ein Verbot der Anwendung vor der Ernte und deutliche Beschränkungen der Anwendung vor der Aussaat und nach der Ernte“. Allerdings sind dafür im Aktionsprogramm keine festen Termine vorgesehen. Verbieten will die Bundesregierung ab 2021 die Anwendung von Glyphosat und anderen Pestiziden „ mit besonderer Relevanz für Insekten in ökologisch besonders schutzbedürftigen Bereichen“. Vom Tisch ist die zwischen Umwelt- und Landwirtschaftsministerium umstrittene Auflage, dass Landwirte beim Einsatz von Pestiziden, die die Artenvielfalt gefährden, Ausgleichsflächen bereitstellen müssen. Im Aktionsprogramm ist nur noch unverbindlich von einem „Refugialflächenansatz“ die Rede, der negative Auswirkungen bestimmter Pestizide auf die Biodiversität kompensieren soll.

Als „unkonkret, unambitioniert und unzureichend“ kritisierte Olaf Bandt, Geschäftsführer für Politik und Kommunikation beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), das Aktionsprogramm. Der späte Glyphosat-Ausstieg sei „ein Rückschlag für den Insektenschutz“. Die Bundesregierung sei vor der Agrar-Lobby eingeknickt, kritisierte die Coordination gegen Bayer-Gefahren (CBG). Der Ausstieg sei eine Mogelpackung, da die Bundesregierung einfach abwarte, bis die EU-Zulassung auslaufe. CBG-Vorstand Axel Köhler-Schnura verwies auf die EU-Bestimmung, wonach das Verbot einer Agro-Chemikalie möglich sei, wenn es neue Erkenntnisse über deren Gefährlichkeit gebe. Österreich sei diesen Weg gegangen und habe als erster EU-Staat Glyphosat verboten.

Der Industrieverband Agrar, der Bauernverband und Bayer als Hersteller kritisierten, dass die Bundesregierung mit ihrem Ausstiegstermin einer möglichen neuen Glyphosat-Zulassung auf EU-Ebene eine Absage erteile. Gleichzeitig erklärte Bayer, ein Verbot akzeptieren zu wollen. „Man respektiere, dass es in einigen europäischen Ländern den Wunsch der Politik gebe, den Einsatz von Glyphosat zu reduzieren“, zitierte der Tagesspiegel Bayer Agrarvorstand Liam Condon. Gleichzeitig will der Konzern die Wiederzulassung von Glyphosat nach 2022 vorantreiben. Der Tagesspiegel interpretierte Condons Äußerungen so: „Wenn sich nach dem Jahr 2022 einzelne EU-Länder für ein Glyphosat-Aus entscheiden, wird Bayer das akzeptieren und nicht dagegen vorgehen.“ Harald Ebner, Gentechnik-Sprecher der Bundestagsgrünen, warnte vor einem „Kuhhandel wie bei der Gentechnik.“ Um den EU-Staaten 2022 eine weitere Zulassung abzuhandeln, wolle Bayer es einzelnen Staaten „gönnerhaft freistellen, dafür national die Verwendung aus sogenannten ‚politischen Gründen’ einschränken zu dürfen“. Das sei „ganz und gar widersinnig“, Glyphosat müsse aus Gründen des Gesundheits- und Umweltschutzes vom Markt.

 

Studie zeigt: Zuviel Glyphosat schädigt die Nieren

Seit Jahren suchen Experten nach Erklärungen für die hohe Zahl nierenkranker Landarbeiter auf Zuckerrohrplantagen in Zentralamerika und auf Reisfeldern in Sri Lanka. Eine internationale Studie sieht die Ursache in der intensiven Anwendung der Herbizide Glyphosat und Paraquat, denen die Landarbeiter schutzlos ausgesetzt sind.

Hingewiesen auf die Studie hat das entwicklungspolitische Inkota-Netzwerk, das eng mit Landarbeiter-Organisatioenen in Zentralamerika zusammenarbeitet. „Neue wissenschaftliche Untersuchungen eines internationalen Forschungsteams aus El Salvador, Belgien, Kuba und Sri Lanka belegen nun, dass die eingesetzten Herbizide Paraquat und Glyphosat maßgeblich für die Erkrankungen verantwortlich sind“, schreibt Inkota. Die Wirkstoffe würden zu krankhaften Veränderungen im Zellstoffwechsel führen, so dass die Schadstoffe von den Nieren nicht mehr ausgeschieden werden könnten. Die Studie sei von dem belgischen Nierenheilkundler und Toxikologen Marc De Broe im Juni dieses Jahres beim Jahreskongress der Europäischen Nierengesellschaft (European Renal Association) vorgestellt worden. Sie soll demnächst in einem Handbuch für Nierenheilkunde der Universität Oxford veröffentlicht werden, schreibt die Schweizer Wochenzeitung.

Auf zentralamerikanischen Zuckerrohrfeldern wird neben Glyphosat das in der EU seit 2007 verbotene Herbizid Paraquat eingesetzt. Von ihm ist bekannt, dass es giftig ist und die Nieren schädigt. Bei Glyphosat hingegen stand eine nierenschädigende Wirkung bisher nicht im Focus. Das änderte sich in den letzten Jahren, als sich Nierenversagen auch bei Landarbeitern auf Reisfeldern in Sri Lanka ausbreitete. Dort wird kein Paraquat eingesetzt, sondern vor allem Glyphosat. Das Forschungsteam konnte zeigen, dass sich die krankhaften Veränderungen der Nieren bei den Landarbeitern in El Salvador und Sri Lanka glichen. Sie schlossen daraus, dass auch die Nierenversagen in Sri Lanka von einem Herbizid verursacht wurden – in diesem Fall von Glyphosat. Bisher haben die Glyphosathersteller einen solchen Zusammenhang zurückgewiesen und für die Nierenversagen der Landarbeiter andere Ursachen ins Feld geführt, von einer möglichen Schwermetallbelastung bis hin zu einer Dehydrierung durch die Arbeit in der Hitze. Dem widersprechen Wissenschaftler mehrerer US-Universitäten. Sie begründen in einer aktuellen Arbeit die Hypothese, dass Glyphosat einen wichtigen Faktor bei diesen Nierenerkrankungen darstellt.

Inkota-Landwirtschaftsexpertin Lena Michelsen forderte die Politik zum Handeln auf: „Die Bundesregierung muss endlich dafür sorgen, dass europäische Konzerne wie Bayer oder Syngenta in Zukunft keine giftigen Pestizide mehr in Ländern des globalen Südens vermarkten dürfen.“ Die deutsche Landwirtschaftsministerin solle bei der Glyphosat-Neubewertung in der Europäischen Union auf ein Verbot drängen, „anstatt weiter auf ihren Kuschelkurs mit der Agrarindustrie zu setzen“, sagte Michelsen.

 

Ohne Gentechnik-Siegel schreibt Erfolgsgeschichte

Die Verbraucher haben 2018 fast zehn Milliarden Euro für Lebensmittel aus, die das Ohne Gentechnik-Siegel tragen. Das teilte der Verband Lebensmittel ohne Gentechnik (VLOG) mit, der dieses Siegel im staatlichen Auftrag seit zehn Jahren vergibt. „Der Markt für Lebensmittel ohne Gentechnik wächst seit Jahren und ist inzwischen fast so groß wie der Markt für Bio-Lebensmittel“, kommentierte VLOG-Geschäftsführer Alexander Hissting die Zahlen. Insgesamt tragen mehr als 14.000 Lebensmittel in Deutschland das Ohne Gentechnik-Siegel. Darunter rund 5.400 Milchprodukte, 4.100 Geflügelfleischwaren und fast 2.200 Eiererzeugnisse. Da für Bio-Lebenmittel gentechnische Zutaten sowieso verboten sind, nutzen zumeist konventionelle Hersteller das Siegel, um sich von Mitbewerbern abzuheben.

Zum Zehnjährigen hatte der VLOG die damalige Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) eingeladen, die das Siegel auf den Weg gebracht hatte. „Mit der ‚Ohne Gentechnik‘-Kennzeichnung haben wir 2009 eine große Informationslücke für die Verbraucher geschlossen“, sagte Aigner. „Mir ist es immer um Transparenz für den Verbraucher gegangen, damit dieser selbst entscheiden kann.“ Bereits Ende vergangenen Jahres hatte die frühere Ministerin die Wahlfreiheit der Verbraucher hervorgehoben und darauf hingewiesen, dass diese auch für Produkte gelten müsse, die mit neuen gentechnischen Verfahren hergestellt seien. Damit kritisierte Aigner indirekt die jetzige Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner, die sich laut VLOG für eine Änderung des EU-Gentechnikrechts stark mache, um Produkte der sogenannten Neuen Gentechnik nicht unter Gentechnikrecht fallen zu lassen. „Bundeslandwirtschaftsministerin Klöckner darf sich nicht länger vor den Karren der Gentechnik-Lobbyisten spannen lassen! Sie muss die Verbraucher ernst nehmen, die jeden Tag mit glasklaren Kaufentscheidungen ihren Wunsch nach Gentechnikfreiheit zum Ausdruck bringen“, sagte VLOG-Vorstand Christoph Zimmer.

Im Auftrag des Verbandes hatte das Meinungsforschungsunternehmen Civey 2.500 Personen befragt. 82 Prozent wünschten sich Transparenz bei Lebensmitteln, wenn Milch, Eier und Fleisch mit gentechnisch veränderten Pflanzen im Tierfutter hergestellt wurden. 71 Prozent bewerteten den Einsatz von Gentech-Pflanzen zur Fütterung von Tieren als negativ. 69 Prozent der Befragten erklärten, sie würden beim Einkauf Lebensmittel mit einer „Ohne Gentechnik“-Kennzeichnung bevorzugen.

 

 

Abschiedsgeschenk: EU-Kommission lässt umstrittene Gentech-Pflanzen zu

Die EU-Kommission hat kurz vor Ablauf ihrer Amtszeit noch sieben gentechnisch veränderten Pflanzen die Zulassung als Lebens- und Futtermittel erteilt. Sie dürfen künftig in die EU eingeführt werden. Für zwei weitere Gentech-Pflanzen verlängerte die Kommission die Zulassung. Eine gentechnisch veränderte Nelke darf künftig als Schnittblume in der EU verkauft werden.

Die Neuzulassungen betreffen fünf Mais-Sorten sowie eine Soja- und eine Baumwollsorte. Die Kommission begründete ihre Entscheidung damit, dass die Pflanzen ein umfangreiches Zulassungsverfahren durchlaufen hätten und von der Europäischen Lebensmittelbehörde EFSA geprüft worden seien. Die Organisation Testbiotech hingegen kritisierte, dass die Risiken des Verzehrs von Produkten, die von diesen Pflanzen stammen, nicht ausreichend untersucht worden seien. So bestehe bei der Sojabohne MON 87751 der Firma Bayer der Verdacht, dass sie Allergien auslösen oder verstärken könne. Bei dem zugelassenen Bayer-Mais MON 87411 seien die biologischen Wirkmechanismen sehr komplex, so dass sich die Sicherheit der Maispflanzen in Bezug auf Mensch und Umwelt nicht verlässlich abschätzen lasse, schreibt Testbiotech.

Bereits im März 2019 hatte Testbiotech in einem gemeinsamen Brief mit rund 40 Organisationen die EU-Kommission aufgefordert, diese Zulassungen zu stoppen. Auch das EU-Parlament lehnte (wie in vielen anderen Fällen) eine Zulassung ab, doch ist das Votum der Abgeordneten für die Kommission nicht bindend. „Die EU hat ihre Pflichten gegenüber Mensch, Tier und Umwelt sträflich vernachlässigt und einzig im Interesse von BAYER & Co. gehandelt“, kritisierte Axel Köhler-Schnura vom Vorstand der Coordination gegen Bayer-Gefahren.

 

 

USA: Mit der Kastanie kommt Gentechnik in den Wald

In den USA soll eine Gentech-Kastanie in den Wäldern an der Ostküste freigesetzt werden. Offiziell dient das Projekt dem Artenschutz und soll die durch einen Pilz beinahe ausgerottete amerikanische Kastanie erhalten. Kritiker sehen darin ein Einfallstor für andere gentechnisch veränderte Bäume.

Die Kastanie ist tief im Bewusstsein der USA verankert. Die riesigen Bäume lieferten den indigenen Völkern Amerikas und den weißen Siedler essbare Früchte und wertvolles Bauholz. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts begann ein vermutlich aus Japan eingeschleppter Pilz die Bäume zu befallen und zerstörte die riesigen Bestände. Versuche, auf traditionelle Weise resistente Kastanien zu züchten, brachten keinen Erfolg. Nun soll es die Gentechnik richten.

Wissenschaftler der Universität von New York haben Weizen-Erbgut in die Kastanie eingeschleust. Sie soll damit ein Enzym produzieren, das die Wirkungskette des Pilzes unterbricht und ihn dadurch unschädlich macht. Die Forscher haben bei den US-Behörden die Erlaubnis beantragt, die gentechnisch veränderte (gv) Kastanie in die Wälder der Ostküste zu pflanzen – mit dem Ziel, eine aussterbende Art zu retten. Den Widerstand dagegen führt die Campaign to STOP GE Trees an.

Die Gegner der Freisetzung argumentieren mit deren völlig unbekannten ökologischen Auswirkungen. Die Pollen von Gentech-Bäumen könnten über Hunderte Kilometer verbreitet werden. Zudem sei das hochkomplexe Ökosystem Wald weitgehend unerforscht, ebenso die Auswirkungen von Gen-Manipulationen auf das Wurzelwerk der Bäume und die zugehörigen Pilze und Bodenbakterien. Die US-Behörden hätten nicht einmal ein Regelwerk, um diese Risiken von Gentech-Bäumen überhaupt zu erfassen, schreibt die Campaign.

Sie sieht in der geplanten Kastanien-Freisetzung vor allem eine PR-Aktion, um die öffentliche Meinung gegenüber Gentech-Bäumen positiv zu beeinflussen. Aus diesem Grund hätten Monsanto und ArborGen die Forschungen unterstützt. ArborGen entwickelt selbst gentechnisch veränderte Bäume und drängt auf deren Zulassung. Die Freisetzung der Gentech-Kastanie wäre ein Einfallstor für weitere Gentech-Bäume wie gv-Eukalyptus oder gv-Pappeln, die vor allem für die industrielle Forstwirtschaft gedacht seien, schreibt die Campaign. Widerstand kommt auch von den indigenen Völker im Osten der Vereinigten Staaten. Sie lehnen gentechnische Eingriffe in die Natur aus spirituellen Gründen ab und befürchten, dass sich die Gentech-Kastanie auch in ihren Wäldern ausbreiten könnte.

 

Schon wieder Gentech-Weizen in den USA aufgetaucht

Das US-Landwirtschaftsministerium (USDA) teilte mit, dass auf einem unbepflanzten Feld im US-Staat Washington gentechnisch veränderter, gegen das Herbizid Roundup resistenter Weizen gefunden worden sei. Es gebe keine Hinweise darauf, dass der Weizen in die Lebensmittelkette gelangt sei.

Gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters räumte eine Sprecherin des Bayer-Konzerns ein, dass sich an dem Fundort früher eine Versuchsfläche ihres Tochterunternehmens Monsanto befunden habe. Monsanto hatte dort in den 1990er und 2000er Jahren glyphosatresistenten Weizen entwickelt, stellte die Versuche jedoch 2004 ein. Warum der Weizen 15 Jahre später wieder auftauchte, muss jetzt USDA klären. Gegenüber der Nachrichtenagentur UPI sagte ein USDA-Sprecher, er rechne damit, dass Ergebnisse in sechs bis neuen Monaten vorliegen werden.

In den letzten Jahren war mehrmals Gentech-Weizen aus den alten Monsanto-Versuchen in den USA gefunden worden. 2013 in Oregon, 2014 in Montana und 2016 in Washington. 2018 schließlich tauchte in der kandischen Provinz Alberta herbizidresistenter Monsanto-Weizen auf. Damals und auch 2013 hatten Japan und Südkorea Weizen-Einfuhren aus den USA zeitweise gestoppt, was Schäden in Millionenhöhe verursachte. Auf den neuerlichen Fund gab es anscheinend keine Reaktionen.