Alle Beiträge von Leo Frühschütz

Bayer stampft Broschüre mit Niggli-Zitat ein

Der Bayer-Konzern hat in einer Broschüre mit einem Zitat von Urs Niggli, Direktor des Schweizer Forschungsinstituts für biologischen Landbau (FiBL), für neue gentechnische Verfahren geworben. Auf dessen Protest hin stampfte Bayer die verbliebene Auflage der Broschüre ein, meldete der Informationsdienst Gentechnik.

Mit der Übernahme von Monsanto hat der Bayer-Konzern eine Kampagne für Pestizide und Agro-Gentechnik gestartet, mit dem Titel: „Hier sind die Fakten“. Kernelemente sind eine Webseite und eine 40seitige Broschüre mit dem Titel „Landwirtschaft und Ernährung von morgen“. Sie sei im Juni als Beilage journalistischer Fachzeitschriften in einer Auflage von mehr als 30.000 Exemplaren an Medienschaffende versandt worden, schrieb der Informationsdienst. Auf Seite 29 zitierte der Konzern FiBL-Direktor Urs Niggli: „Für Landwirte – auch für Öko-Landwirte – eröffnet die neue CRISPR-Cas/Methode viele Chancen: Es können Pflanzen gezüchtet werden, die sich besser an schwierige Umweltbedingungen anpassen können….“. Das Zitat stammte aus einem Interview, das Niggli im Februar 2017 dem Greenpeace Magazin gegeben hatte. Die nicht generell ablehnende Haltung des FiBL-Direktors gegenüber neuen gentechnischen Verfahren ist bekannt und stieß innerhalb der Bio-Branche auf massive Kritik.

Bayer habe das Zitat in der Broschüre verwendet, ohne sein Einverständnis einzuholen, sagte Niggli dem Informationsdienst. Auf seine Protestmail hin habe der Konzern ihm zugesichert, die Restauflage der Broschüre einzustampfen und das Zitat von der Webseite zu nehmen. Man respektiere Nigglis Wunsch, auch wenn das Zitat mit Quelle urheberrechtlich korrekt wiedergegeben worden sei, schrieb Bayer dem Infodienst.

Niggli teilte noch mit, dass er nach dem „Missbrauch meines Namens“ auch nicht weiter an der Dialogplattform Zukunftsfelder teilnehmen werde, die auf Einladung Bayers im April gestartet war. Er habe inhaltlich völlig andere Positionen als Bayer, vor allem beim Thema biologischer Pflanzenschutz. Und er sehe keinen Sinn in Dialogen, die auf die Strategie der Firma Bayer keine Wirkung hätten, erklärte Niggli gegenüber dem Informationsdienst Gentechnik.

Gentechnische Verunreinigung in kanadischem Weizen gefunden.

In der kandischen Provinz Alberta ist herbizidresistenter Weizen aufgetaucht. Japan und Südkorea haben daraufhin Weizenimporte aus Kanada vorerst gesperrt. Derweil rätseln Wissenschaftler, wie die von Monsanto entwickelte Resistenz in den Weizen kam.

Das Edmonton Journal beschreibt die Geschichte so: Im Sommer 2017 besprühte eine private Firma die Seitenstreifen einer Landstraße zur Unkrautbekämpfung. Unbeeindruckt davon blieb Weizen stehen, der sich hier angesät hatte. Die Arbeiter informierten die Landwirtschaftsbehörde der Provinz, die daraufhin Proben nahm, den Weizen im Labor vermehrte und schließlich feststellte, dass er eine Herbizidresistenz enthielt. Ein Teil des Erbgutes entsprach einer gentechnisch veränderten (gv-) Weizensorte, die Monasanto im Jahr 2000 in Alberta getestet hatte, allerdings 300 Kilometer entfernt vom Fundort der Pflanzen. Zudem entsprach die am Straßenrand gefundene Weizensorte weder der damals von Monsanto verwendeten noch einer der 450 in Kanada zugelassenen Arten. Die Landwirtschaftsbehörde von Alberta informierte schließlich Anfang dieses Jahres die kanadische Lebensmittelbehörde CFIA und diese ging nach eigenen Tests im Juni an die Öffentlichkeit. Prompt stoppten Japan und Südkorea bis auf Weiteres die Importe kanadischen Weizens. Japan ist mit 1,5 Millionen Tonnen Weizen einer der wichtigsten Kunden der kanadischen Weizenbauern. Deren Hoffnung ist es, das die Importe wieder zugelassen werden, wenn jede einzelne Ladung auf Gentechnikfreiheit untersucht wurde.

Die CFIA hatte Weizenproben von der Farm genommen, an deren Straßenrand der gv-Weizen gefunden worden war. Auch wurden offiziellen Rückstellproben der 2017er Ernte an kanadischem Weizen untersucht – ohne jeden Befund. Es gebe keine Hinweise, dass dieser gv-Weizen anderswo vorkomme als an der isoliertem Stelle, an der er gefunden worden sei, teilte das CFIA mit und fügte hinzu, dass kein Risiko für die Lebensmittelsicherheit bestehe.

 

 

Monsanto: Geschworene entscheiden über Roundup und Krebsverdacht:

Eine Jury von Geschworenen in San Franisco muss in den nächsten Wochen darüber entscheiden, ob Monsantos Herbizid Roundup Krebs verursacht. Es ist der am weitesten gediehene von zahlreichen Prozessen, die sich der Konzern Bayer mit seiner Monsanto-Übernahme eingehandelt hat. Im US-Rechtssystem ist die Jury-Verhandlung der letzte Schritt, nachdem ein ermittelnder Richter im Vorfeld die Positionen und Argumente beider Seiten zusammengestellt hat.

Entscheiden müssen die Geschworenen über die Klage des 46-jährigen DeWayne Johnson. Er pflegte die Grünanlagen eines kalifornischen Schulzentrums. 2014 bekam er Lymphdrüsenkrebs und führte die Erkrankung darauf zurück, dass er regelmäßig das Herbizid Roundup eingesetzt hatte. Nach zwei Jahre dauernden Ermittlungen hat der zuständige Richter am San Francisco State Court den Fall nun der Geschworenen vorgelegt und sie angewiesen, nicht nur zu prüfen, ob Johnsons Erkrankung ursächlich auf Roundup zurückzuführen sei. Sie sollen auch Vorwürfe berücksichtigen, wonach Monsanto Belege für die Risiken seines Herbizids verheimlicht habe, berichtete die britische Zeitung The Guardian.

Das Verfahren Johnson vs. Monsanto ist längst nicht der einzige Prozess, der sich mit dem Krebsrisiko von Roundup befasst. Vor einem Bundesgericht in San Francisco haben 425 Krebskranke oder ihre Nachkommen eine Sammelklage eingereicht. Das Verfahren wurde bekannt, weil der ermittelnde Richter zahlreiche interne Mails und Dokumente von Monsanto öffentlich machte. Diese ‚Monsanto Papers’ belegten, wie Monsanto Behörden beeinflusste und Wissenschaftler für wohlwollende Publikationen bezahlte. Auch vor den Gerichten mehrerer US-Bundesstaaten sind Sammelklagen von Betroffenen anhängig, die eine Krebserkrankung auf Roundup und dessen Wirkstoff Glyphosat zurückführen. Die Organisation US Right to Know berichtet von insgesamt über 4.000 Klägern. Im Oktober 2018 soll die nächste Sammelklage in St Louis, Missouri, dem Firmensitz von Monsanto, einer Jury vorgelegt werden.

Neben den Krebs-Verfahren liegen US-Gerichten auch zahlreiche Klagen vor, in den Landwirte Ersatz für die Schäden verlangen, die das von Monsanto vertriebene Herbizid Dicamba auf ihren Äckern angerichtet hat. Der Konzern hatte den leicht flüchtigenWirkstoff zusammen mit dem Saatgut dicambaresistenter-Gentech-Pflanzen auf den Markt gebracht. Von den Feldern der damit arbeitenden Landwirte war Dicamba mit dem Wind auf Nachbarfelder abgedriftet und hatte die dort wachsenden Pflanzen vernichtet. Der Fall eines Obstbauern, der dadurch 30.000 Bäume verloren hat, soll nächstes Jahr in Missouri vor einer Jury verhandelt werden, stellvertretend für 15 Sammelklagen, die in den vier U.S.Staaten Missouri, Illinois, Arkansas und Kansas eingereicht wurden.

Diese und weitere Verfahren, etwa über Patentstreitigkeiten in Indien oder Brasilien, hat der deutsche Konzern Bayer mit der kürzlich abgesegneten Übernahme von Monsanto mit eingekauft. Um solche Prozessrisiken abzusichern, bilden Unternehmen in ihren Bilanzen Rückstellungen. Im Bayer-Geschäftsbericht für 2017 sind die von Monsanto übernommen Risiken noch nicht abgebildet. Monsanto habe für Umweltschäden und Rechtsstreitigkeiten 277 Millionen US-Dollar (240 Millionen Euro) auf die Seite gelegt, schrieb der Nachrichtendienst Bloomberg. Ob das reicht, dürfte wesentlich davon abhängen, wie die Jury im Fall Johnson vs. Monsanto entscheiden wird. Die Entscheidung werde wegweisend für andere Fälle sein“, zitierte Bloomberg Johnsons Anwalt Tim Litzenburg.

 

Frankreich: Parlament lehnt Glyphosatausstieg bis 2021 ab

Die französische Nationalversammlung hat das von der Regierung geplante Glyphosatverbot ab 2021 mit großer Mehrheit abgelehnt. Gleichzeitig verabschiedeten die Abgeordneten eine Regelung, wonach tierische Lebensmittel gekennzeichnet werden müssen, wenn die Tiere zuvor mit gentechnisch veränderten Organismen (GVO) gefüttert wurden.

Ende Mai hat die französische Nationalversammlung ein großes Gesetzespaket zu Landwirtschaft und Lebensmitteln behandelt, das die Regierung in den letzten Monaten erarbeitet hatte. Darin stand auch der von Präsident Macron angekündigte und für 2021 vorgesehene Glyphosatausstieg. Diesen lehnten die Abgeordneten klar ab und begründeten dies damit, das geplante Verbot würde die Landwirte mangels Alternativen vor massive Probleme stellen. Zuvor hatte sich auch der französischen Landwirtschaftsminister Stéphane Travert im Parlament gegen ein Verbot ausgesprochen. Auch andere Vorgaben, die den Umwelt- oder Tierschutz stärken sollten, wurden von den Abgeordneten aus dem Entwurf gestrichen, berichtete die Zeitung Le Monde und sprach von einer Niederlage für die Umwelt.

Auch der Umweltdachverband France Nature Environnment kritisierte das Gesetzespaket als verpasste Gelegenheit, freute sich aber auch über einen kleinen Sieg. Unterstützt von einer Kampagne gelang es, Regelungen für einige umweltbezogene Kennzeichnungen in den Gesetzentwurf einzufügen, etwa zur Haltungsform von Tieren oder der Anzahl der Pestizidbehandlungen bei Obst und Gemüse. Ebenfalls verabschiedet: Milch, Eier, Fleisch und andere Produkte von Tieren, die gentechnisch verändertes Futter erhielten, sollen künftig den Aufdruck „gefüttert mit GVO“ tragen.

Allerdings ist diese Regelung, die zum 1. Januar 2023 in Kraft treten soll, damit noch lange nicht Gesetz. Erst muss noch die zweite Kammer des Parlaments, der Senat, zustimmen. Danach müsste das Kabinett die offenen Details der Kennzeichnung regeln, schreibt das Portal InfoOGM. Etwa die Frage, welche Anteile an GVO im Futter und welche Fütterungsdauer zu einer Kennzeichnung führen. Dabei hat die französische Regierung bereits jetzt Bedenken geäußert. Die Regelungen könnten den europäischen Kennzeichnungsvorgaben widersprechen, zitierte das Portal allaboutfeed.net den französischen Landwirtschaftsminister Stéphane Travert.

Hersteller setzen sieben Milliarden Euro mit gentechnikfreien Lebensmitteln um

Die Hersteller von Lebensmitteln mit dem ‚Ohne GenTechnik’-Siegel werden in diesem Jahr voraussichtlich für sieben Milliarden Euro Produkte an den Lebensmittelhandel verkaufen. Das meldete der Verband Lebensmittel ohne Gentechnik (VLOG), der das Siegel vergibt. Gegenüber den Umsätzen in 2017 bedeute das eine Steigerung von 27 Prozent.

Nach Angaben des VLOG setzten die Lebensmittelverarbeiter 2017 mit Lebensmitteln mit ‚Ohne GenTechnik’-Siegel 5,44 Milliarden Euro um. Über die Hälfte der Umsätze entfiel mit 3,06 Milliarden Euro auf Trinkmilch und Milchprodukte. Es folgten Geflügelfleischprodukte mit 1,36 Milliarden und Eier mit 772 Millionen Umsatz. Noch relativ gering sind die Mengen an Rind- und Schweinefleisch, die mit dem Siegel ausgelobt werden. Laut VLOG beruhen die Umsatzangaben für 2017 auf Auskünften der Lizenznehmer des ‚Ohne GenTechnik’-Siegels, während die sieben Milliarden Euro Umsatz für 2018 eine Prognose der Unternehmen darstellen. Alle Zahlen beziehen sich auf die Umsätze der Hersteller mit dem Handel. Die Ausgaben der Endverbraucher für Lebensmittel mit ‚Ohne Gentechnik’-Siegel dürften etwa 20 Prozent höher sein, schätzt der VLOG. Das wären rund 6,5 Milliarden Euro für 2017 und prognostizierte 8,4 Milliarden Euro für 2018. „Die fulminante Entwicklung des ‚Ohne GenTechnik‘-Siegel ist Zeichen des großen Vertrauens der Verbraucher und des Lebensmitteleinzelhandels in das Qualitätssiegel“, kommentierte VLOG-Geschäftsführer Alexander Hissting die Zahlen.

Der Verband hat in den letzten Monaten eng mit zwei wichtigen Standardisierungs-Organisationen der konventionellen Landwirtschaft kooperiert und diese bei der Erarbeitung eigener Gentechnikfrei-Kriterien unterstützt. Der Standard Global G.A.P. habe in enger Abstimmung mit dem VLOG ein Gentechnikfrei-Modul für die Zertifizierungsbereiche Futtermittel, Aquakultur und landwirtschaftliche Nutztiere geschaffen, teilte der VLOG mit. Er erkenne eine Global G.A.P. Zertifizierung zusammen mit diesem Zusatzmodul als gleichwertig zu einer Zertifizierung nach dem VLOG-‚Ohne GenTechnik’ Standard an. „Diese Zusammenarbeit erspart der gesamten Wertschöpfungskette den Aufwand für doppelte Kontrollen und wird die unabhängige und glaubwürdige Zertifizierung von gentechnikfreien Produktionssystemen weiter voranbringen“, erläuterte Hissting. Da Global G.A.P. im Bereich Aquakultur ein weit verbreiteter Standard ist, ermöglicht die Zusammenarbeit der Aquakulturbranche, Produkte mit dem ‚Ohne GenTechnik’-Siegel’ auf den deutschen Markt zu bringen.

Ebenfalls zusammen mit dem VLOG hat der internationale Agrarstandard GMP+ Anforderungen für die Zertifizierung gentechnikfreier Futtermittel erarbeitet und wird sie voraussichtlich noch im Sommer verabschieden. „Mit dem neuen Modul von GMP+ werden sich noch mehr Unternehmen der Futtermittelwirtschaft einer gentechnikfrei-Zertifizierung unterziehen – im In- und Ausland“, sagte Hissting. Das Ziel sei die Anerkennung der neuen GMP+ Zertifizierung als gleichwertig zu einer VLOG-Zertifizierung. „Das würde auch der gentechnikfreien Lebensmittelwirtschaft einen zusätzlichen Schub geben.“

 

 

Alle Genehmigungen erhalten – Baysanto darf starten

Der Bayer-Konzern hat alle kartellrechtlichen Genehmigungen erhalten und darf den Mitbewerber Monsanto übernehmen. Dessen Name verschwindet – doch die Probleme bleiben.

An diesem Donnerstag wird Bayer den Monsanto-Aktionären den vor zwei Jahren ausgehandelten Kaufpreis von 63 Milliarden US-Dollar (derzeit 54 Milliarden Euro) überweisen. Damit wird der deutsche Konzern alleiniger Eigentümer von Monsanto. „Alle notwendigen behördlichen Freigaben zum Vollzug der Übernahme liegen vor“, teilte Bayer mit. Weltweit mussten 30 Kartellbehörden zustimmen. Als eine der letzten gab Ende Mai das US-Justizministerium seine Zustimmung- ebenso mit Auflagen verbunden wie in anderen Ländern.

Um diese Auflagen zu erfüllen muss Bayer Geschäftsbereiche im Wert von 7,6 Milliarden Euro verkaufen – vom Gemüsesaatgut- bis zum IT-Geschäft. Die Bereiche mit einem Jahresumsatz von 2,2 Milliarden Euro bekommt der Mitbewerber BASF. In zwei Monaten will Bayer die Verkäufe abgeschlossen haben und dann mit der Integration Monsantos in den eigenen Konzern beginnen. Die erste Maßnahme hat Bayer-Vorstandschef Werner Baumann schon verkündet: Der Firmenname Monsanto wird verschwinden.

Bleiben werden Bayer allerdings der Prozess, den krebsgeschädigte Landwirte in den USA gegen Monsanto führen, ebenso Patentstreitigkeiten, Klagen gegen das Herbizid Dicamba und der schlechte Ruf, den Monsanto weltweit genießt. Die Streichung des Namens solle all den Hass, die Konflikte, die Skandale in Vergessenheit geraten lassen, schrieb die Süddeutsche Zeitung: „Aber sie bleiben Teil der Geschichte, nun der von Bayer.“

Mit der Fusion entsteht nach Angaben von Bayer bezogen auf die Zahlen für 2017 der größte Agrarchemiekonzern der Welt mit 115.000 Mitarbeitern und einem Umsatz von 45 Milliarden Euro.

Massive Kritik an der Fusion und den Genehmigungsbehörden übte Axel Köhler-Schnura vom Vorstand der Coordination gegen Bayer-Gefahren (CBG): „Keine Nation wagt es offensichtlich, der von Bayer & Co. betriebenen ökonomischen Neuordnung der Welternährung etwas entgegenzusetzen. Freie Bahn für Profite! Kapitulation vor dem Kapital! Katastrophe für die Weltbevölkerung und den Planeten!“

Baumwolle in Pakistan ist gentechnisch verunreinigt

Der größte Teil der in Pakistan angebauten Baumwolle ist gentechnisch verändert. Die noch verbliebenen gentechnikfreien Sorten sind inzwischen flächendeckend verunreinigt, meldete die die pakistanische Zeitung The News. Wissenschaftler warnen, dass dadurch Baumwollschädlinge wie der Kapselbohrer noch schneller resistent werden.

Um Schädlinge abzuwehren, produziert genmanipulierte Baumwolle die von einem Bodenbakterium stammenden Bt-Toxine. Doch die betroffenen Insekten werden dagegen resistent, in Pakistan ebenso wie in Indien oder den USA. Um solche Resistenzen zu verhindern oder zumindest zu verzögern, empfehlen die Gentechnik-Konzerne den Landwirten, einen Teil der Fläche mit gentechnikfreier Baumwolle zu bepflanzen. Die Idee dahinter ist, dass in den Bt-freien Refugien nicht resistente Insekten gedeihen und sich mit den Tieren paaren, die im Bt-Feld überlebten, weil sie eine Resistenz entwickelt haben. Dadurch würde in der nächsten Generation diese Resistenz quasi verdünnt und damit weniger wirksam.

In Pakistan hat sich nun bei Tests der zuständigen Behörde gezeigt, dass die wichtigsten gentechnikfreien pakistanischen Baumwollsorten kontaminiert sind. Alle 15 großflächig angebauten Sorten hätten sich als verunreinigt erwiesen, berichtete The News von einem Treffen des Pakistan Central Cotton Committee. Selbst die von den staatlichen Forschungsinstituten entwickelten Hochleistungssorten CIM-620 and CRIS-129 könnten nicht mehr als gentechnkifrei angesehen werden, heißt es im Text. Als Ursache nennen die von der Zeitung befragten Wissenschaftler die Übertragung des Bt-Erbguts durch Pollenflug – und warnen vor einer großen Gefahr:

Wenn die gentechnikfreien Sorten verunreinigt sind, wachsen in den Refugien auch Pflanzen, die Bt-Gifte produzieren. Das Risiko, dass in Refugien mit geringem Bt-Anteil Resistenzen entstehen, ist besonders groß, da die Schädlinge weniger von dem Gift aufnehmen und sich leichter daran gewöhnen können. Paaren sich diese resistenten Schädlinge mit den Überlebenden aus dem Bt-Feld, etabliert sich die Resistenz bei den Nachkommen und schnell entstehen große Populationen, gegen die das Bt-Toxine nicht mehr wirkt.

Die Verunreinigung gentechnikfreier Baumwolle ist nicht nur in Pakistan ein Problem: Im Nachbarland Indien wächst auf rund 90 Prozent der Fläche Bt-Baumwolle. Gleichzeitig ist Indien mit einem Marktanteil von 66 Prozent der wichtigste Produzent von Bio-Baumwolle. Diese müsste qua Vorschrift gentechnifrei sein – ist sie aber nicht. Das Schweizer Verbrauchermagazin Saldo hatte im vergangenen Jahr hohe Gentechnik-Verunreinigungen in zertifizierter Bio-Baumwolle aus Indien gefunden. Allerdings ließ sich nicht nachweisen, ob das vom Labor gefundene Bt-Erbgut aus verunreinigtem Saatgut stammte oder ob bei der Verarbeitung Fasern von Bt-Baumwolle hinzukamen.

 

Gentechnikfreie Kartoffel: resistent und verfügbar

Die herkömmlich gezüchtete ungarische Kartoffelsorte Sarpo Mira ist resistent gegen die Kraut- und Knollenfäule. Dabei ist die gentechnikfreie Knolle ebenso wirkungsvoll wie eine gentechnisch veränderte (gv-) Kartoffel der niederländischen Universität Wageningen. Das haben die niederländischen Wissenschaftler selbst veröffentlicht.

Die Kraut- und Knollenfäule ist eine Pilzkrankheit, die vor allem in feuchten Jahren die Kartoffelernte massiv schädigen kann. Die Universität Wageningen arbeitet seit über zehn Jahren an einer Gentech-Kartoffel, die resistent gegen Krautfäule ist. Dazu hatten die Forscher einer Kartoffel der Sorte Desirée Gene von südamerikanischen Wildkartoffelarten eingesetzt, denen die Krautfäule nichts anhaben kann. Seit 2009 testen die Niederländer ihre Knolle im Freien, zuerst in den Niederlanden und in Irland, seit 2015 auch in der Schweiz. Immer wieder gab es neue Erfolgsmeldungen, doch bis heute haben die Wissenschaftler keinen Zulassungsantrag bei der EU eingereicht. Ihre resistente gv-Knolle wird deshalb in den nächsten Jahren den Landwirten nicht zur Verfügung stehen.

Ganz anders die rotfarbige, gentechnikfreie Kartoffelsorte Sarpo Mira. Sie entstammt einer Linie, die ein ungarischer Kartoffelzüchter in den 50er Jahren entwickelt hatte und wurde 2002 in Ungarn als Sorte zugelassen. Sie ist nicht nur resistent gegen die Krautfäule, sondern auch widerstandsfähig gegen andere Erkrankungen und deshalb vor allem bei Biobauern beliebt.

Die Wageninger Forscher haben in einer Studie ihre Gentech-Knolle mit der ursprünglichen, gegen Krautfäule empfindlichen Sorte Desirée verglichen sowie mit Sarpo Mira. Das Ergebnis: Bei beiden resistenten Sorten ließ sich der Einsatz an Fungiziden ohne Ernteausfälle um 80 bis 90 Prozent verringern. Verkauft wurde die Studie als Erfolg der Agro-Gentechnik. Tatsächlich zeigt sie, dass die Gentech-Knolle nach über zehn Jahren Forschung nicht besser ist als eine bereits seit 16 Jahren zugelassenen gentechnikfreie Sorte.

 

Indisches Gericht erklärt Monsanto-Patent für unwirksam

Das von der indischen Patentbehörde gewährte Monsanto-Patent für gentechnisch veränderte Bt-Baumwolle ist rechtswidrig. Das entschied das oberste Gericht in der indischen Hauptstadt New Delhi. Der Gentechnikkonzern Monsanto hat dagegen Berufung eingelegt.

Der Fall: Monsanto hatte für seine Bt-Baumwolle ein indisches Patent erhalten und auf dessen Basis dem indischen Züchtungsunternehmen Nuziveedu Bt-Saatgut verkauft, damit dieses die Bt-Eigenschaft in seine eigenen Baumwollsorten einkreuzen konnte. Für den Verkauf der so gezüchteten Bt-Sorten verlangte Monsanto Lizenzgebühren von Nuziveedu. Das Unternehmen verweigerte die Zahlung und zweifelte die Rechtmäßigkeit des Patents an, worauf hin es zum Prozess kam und der High Court dem Lizenznehmer Recht gab.

Das indische Patentgesetz regelt in seinem Artikel 3, dass Pflanzen und Tiere nicht patentiert werden können. Dies gilt auch für Saatgut, einzelne Sorten und Arten sowie die wesentlichen biologischen Prozesse bei der Züchtung und Vermehrung. Erlaubt sind Patente lediglich für gentechnisch veränderte Mikroorganismen. Bei Bt-Pflanzen wird den Pflanzen Erbgut eines Bodenbakteriums eingebaut, damit sie dessen Bt-Toxine herstellen und sich damit gegen Schädlinge wehren können. Mit Verweis auf das Bodenbakterium hatte Monsanto ein indisches Patent für seine Bt-Baumwolle bekommen, das nach Meinung des Konzerns auch für alle Pflanzen mit dieser Bt-Eigenschaft im Erbgut gelte. Nach Auffassung der Richter ist jedoch der entscheidende Vorgang der biologische Prozess der Vermehrung, ohne den es kein Saatgut gebe und das geänderte Erbgut nutzlos sei. Und dieser Prozess dürfe nicht patentiert werden.

Das Gericht argumentierte auch, Monsanto könne seine Bt-Pflanzen offiziell als eigene Sorte registrieren lassen und dann – vergleichbar dem deutschen Sortenschutzgesetz – Lizenzgebühren verlangen. Allerdings erlaubt das indische Sortenrecht Züchtern und Landwirten, mit dem Saatgut weiter zu züchten und eigene Sorten zu entwickeln, so wie Nuziveedu das gemacht hatte. Nur mit einem Patent könnte Monsanto das verbieten oder durch Gebühren von der züchterischen Leistung Nuziveedus profitieren.

Das Urteil des Delhi High Court wurde in der indischen Presse einhellig als massiver Schlag gegen Monsanto und andere Gentechnik-Konzerne kommentiert. Die Saatgut-Aktivistin Vandana Shiva bezeichnete die Entscheidung als „Sieg für die Saatgutfreiheit“. Gentechnik-Befürworter warnten, dass Indien damit den Anschluss an die biotechnologische Entwicklung verliere. Noch ist das Urteil allerdings nicht rechtskräftig. Der High Court hatte wegen der Bedeutung des Falls ausdrücklich die Berufung beim obersten indischen Gericht, dem Supreme Court, zugelassen. Dieser wird Mitte Juli die Parteien anhören, hat es aber abgelehnt, die Entscheidung des High Courts bis dahin auszusetzen. Im Moment sind die Patente damit außer Kraft gesetzt.

Ausführlich beschrieben haben den Fall unter anderem The Wire India und iam media.

 

 

Glyphosat: Unabhängige Studie erhärtet Verdacht auf Gesundheitsgefahr

Glyphosat und glyphosathaltige Herbizide verändern bereits in minimalen Dosen bei jungen Ratten die Darmflora. Außerdem beeinflussen sie biologische Marker, die mit geschlechtlicher Entwicklung und genetischen Schädigungen verbunden sind. Zu diesen Ergebnissen kam eine unabhängige, crowd-finanzierte Studie, die nun mit Langzeitversuchen fortgesetzt werden soll.

Durchgeführt hat die Studie das auf Krebsforschung spezialisierte italienische Ramazzini-Institut zusammen mit Partnern in Italien, den USA und China. Die Wissenschaftler verglichen dabei die Wirkungen von purem Glyphosat und dem glyphosathaltigen Herbizid Roundup auf Ratten. Diese bekamen den Wirkstoff in einer Menge verabreicht, die von der US-Umweltbehörde EPA als sicher für den Menschen bezeichnet wird: 1,75 Milligramm Glyphosat je Kilogramm Körpergewicht. Gefüttert damit wurden erst die schwangeren Mütter und dann nach Ende der Säugezeit deren Nachwuchs. Das Alter der Tiere am Ende des dreimonatigen Versuchs entsprach etwa 18 Menschenjahren.

Die ersten, jetzt veröffentlichten Ergebnisse zeigen, dass selbst in diesen kleinen Mengen sowohl Glyphosat als auch Roundup noch vor der Pubertät der Versuchstiere deren Darmflora deutlich verändert hatten. Welche gesundheitlichen Auswirkungen dies haben könne, müsse weiter erforscht werden, schreiben die Wissenschaftler. Zudem stellten sie fest, dass sich Glyphosat langfristig im Körper der Tiere anreicherte.

Verändert haben sich nach Angaben des Ramazzini-Instituts auch biologische Parameter, die mit der geschlechtlichen Entwicklung der Tiere in Zusammenhang stehen, insbesondere bei weiblichen Ratten. Zudem sei bei jungen Tieren eine signifikante Zunahme von Mikrokernen beobachtet worden. Dies gilt als Hinweis auf eine verstärkte Schädigung des Erbguts. Die Aufsätze mit den Daten dieser Untersuchungen seien bei Fachzeitschriften eingereicht und würden bald veröffentlicht, schreibt das Institut.

Finanziert hat das Ramazzini-Institut diese ersten Untersuchungen durch eine Crowdfunding-Kampagne unter seinen italienischen Unterstützern. Den jetzt gefundenen Hinweisen wollen die Forscher nun in einer Langzeitstudie über das gesamte Lebensalter der Tiere, das sind etwa zwei Jahre, nachgehen. Um die dafür veranschlagten Kosten von fünf Millionen Euro zu decken, haben sie eine neue Crowdfunding-Kampagne gestartet.