Alle Beiträge von Leo Frühschütz

Gentech-Forscher fordern neues Gentechnikrecht

Führende Wissenschaftler von 85 Biotechnologie-Forschungseinrichtungen in Europa fordern, das europäische Gentechnikrecht zu ändern und gen-editierte Pflanzen von dessen Zulassungsvorschriften auszunehmen. Doch ihre Argumentation stößt auf Widerspruch und die europäische Politik hat ihren eigenen Fahrplan.

Schon seit Monaten laufen Gentech-Forscher Sturm gegen die Entscheidung des Europäischen Gerichtshofes (EuGH), dass Verfahren wie CRISPR/Cas und damit hergestellte Produkte generell dem Gentechnikrecht unterliegen. In diesem Positionspapier heißt es, durch das Urteil würden diese neuen Züchtungsverfahren in Europa ausgebremst, „mit enormen Auswirkungen auf Gesellschaft und Wirtschaft“. Die EU-Freisetzungsrichtlinie, die der EuGH mit seiner Entscheidung auslegte, wird darin als überholter Rechtsrahmen bezeichnet, der aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse nicht berücksichtige und deshalb geändert werden müsse.

Die Gentech-Forscher argumentieren, dass sich mit Hilfe gentechnischer Verfahren wie der Gen-Schere CRISPR/Cas maßgeschneiderte Pflanzen herstellen ließen, die eine nachhaltige Landwirtschaft ermöglichten: Sie bräuchten weniger Dünger und Pestizide, wären widerstandsfähig gegen Trockenheit oder versalzene Böden und würden zudem höhere Erträge liefern, um die wachsende Menschheit zu ernähren. Dabei wären die neuen Züchtungstechniken – soweit keine artfremden Gene eingefügt werden – ebenso sicher wie die konventionelle Züchtung, nur viel schneller.

Die Argumentation der Gentechnikforscher sei nicht neu, erwidert die Agrarökologin Angelika Hilbeck von der ETH Zürich: „Dieselben Argumente wurden vor 30 Jahren von denselben Gentechnikerkreisen vorgebracht, um schon die ersten und immer noch herkömmlichen Gentechniken ohne Regulierung auf den Markt bringen zu lassen.“ Und weiter: „Wer keine Regulierung will, duckt sich weg vor der Verantwortung und möchte der Öffentlichkeit die Möglichkeit entziehen die Konsequenzen der Einführung neuartiger, patentierter Organismen zu überwachen.“ Die Wissenschaftlervereinigung ENSSER (European Network of Scientists for Social and Environmental Responsibility), in deren Vorstand Hilbeck sitzt, hat bereits in früheren Erklärungen die Behauptung zurückgewiesen, die neuen Techniken seien präzise und würden nur die beabsichtigten und erwünschten Effekte hervorrufen. Veröffentlichte Studien zeigten, dass es regelmäßig zu unerwarteten und unerwünschten Nebenwirkungen käme.

Testbiotech-Geschäftsführer Christoph Then weist darauf hin, dass die Forscher und ihre Institute „nicht im luftleeren Rausm forschen, sondern ganz spezielle eigene Interessen, beispielsweise an Fördermitteln und Patentanmeldungen, haben.“ Das sei legitim, doch führe dies zu einem Interessenkonflikt, wenn es um die Bewertung der Risiken und die Regulierung der neuen Technologien gehe. „Die Institute sollten ihre jeweiligen Interessen bei der Unterzeichnung des Aufrufes deswegen klar benennen und nicht die Anpassung an den Klimawandel als hauptsächliches Motiv in den Vordergrund stellen“, sagt Then. Es gehe eben auch um Forschungsgelder und Lizenzeinnahmen.

Bereits im August hatte der deutsche Bioökonomierat in einem Positionspapier eine Änderung des EU-Gentechnikrechts verlangt, mit den gleichen Argumenten wie jetzt die europäischen Gentech-Forscher. Damals schrieb der Verband Lebensmittel ohne Gentechnik: „Wenn künftige Produkte so viele Vorteile aufweisen, wie der Bioökonomierat behauptet, werden Zulassungsverfahren und Kennzeichnung ihren Markterfolg nicht verhindern“. Deshalb stellte der Verband die Frage: „.Was ist von einer Technik zu halten, deren Produkte angeblich nur reüssieren können, wenn sie kein Zulassungsverfahren durchlaufen und sie unsichtbar für Züchter, Landwirte, Futter- und Lebensmittelhersteller und Verbraucher bleiben?“

Die Europäische Kommission und führende Mitgliedsstaaten wie Deutschland teilen die Argumente der Gentech-Forscher. Auch sie hat das Urteil des EuGH kalt erwischt. Dennoch wird es in den nächsten Monaten voraussichtlich keine Vorstöße geben, das EU-Gentechnikrecht zu ändern. Die EU-Kommission sehe die Mitgliedsstaaten in der Verantwortung das Urteil des EuGH umzusetzen und habe keinen Anlass, selbst aktiv zu werden, berichtete das französische Portal inf’OGM Ende September unter Berufung auf Kommissionsquellen. „Die Kommission analysiert das Urteil derzeit und ist mit den EU-Mitgliedstaaten in Gesprächen über mögliche Konsequenzen. Zuletzt gab es während der Tagung des Ständigen Ausschusses für Pflanzen, Tiere, Lebens- und Futtermittel am 23./24. Oktober Diskussionen dazu“, teilte die Kommission dem Infodienst Gentechnik mit und verwies auf Ihre Arbeitsprogramm 2019. Eine Änderung der Freisetzungsrichtlinie ist darin nicht enthalten. Dafür wäre auch kaum noch Zeit. Denn Ende Mai 2019 wird das Europaparlament gewählt und im Oktober 2019 übergibt die jetzige Kommission die Amtsgeschäfte an ihre Nachfolger. Eine mögliche Änderung des EU-Gentechnikrechts wird also Thema im Wahlkampf sein und zwingt die Parteien dazu, sich klar zu positionieren – wenn die Wählerinen und Wähler das verlangen.

Ein Gentech-Forscher warnt vor den Gesundheitsgefahren seiner Produkte

15 Jahre lang arbeitete Caius Rommens an Gentech-Pflanzen, erst für Monsanto und seit 2001 für J.R. Simplot, einen der größten Kartoffelverarbeiter der USA. Dort entwickelte er gentechnisch veränderte Kartoffeln, darunter Sorten, die keine braunen Flecken bekommen. Diese sind inzwischen in den USA, Kanda und Japan als Lebensmittel zugelassen. 2013 verließ Rommens das von ihm geleitete Entwicklungslabor bei Simplot und arbeitet seither als konventioneller Kartoffelzüchter. Die wachsenden Zweifel an seiner Arbeit beschreibt er in dem kürzlich in den USA erschienenen Buch Pandora’s Potatoes.

Darin kritisiert Rommens Behörden wie die US-amerikanische Lebensmittelbehörde FDA, die seine Kartoffeln nur auf der Grundlage von Firmenangaben zuließen. „Natürlich war ich voreingenommen. Ich war überzeugt davon, dass meine Kartoffeln perfekt waren“, sagte Rommens dem Portal Sustainable Pulse. Er verglich sich und seine Kollegen mit glücklichen Eltern, für die ihr Baby das Größte ist. Neben dieser emotionalen Befangenheit gebe es noch den wirtschaftlichen Druck, erfolgreich zu sein. „Wir haben unsere Gentech-Kartoffeln getestet, um ihre Sicherheit zu bestätigen, nicht, um sie in Frage zu stellen.“ Deshalb habe man mit den Zulassungsunterlagen Massen an unwichtigen Daten abgeliefert, aber unbeabsichtigte Effekte kaum erwähnt.

Einer dieser Effekte sei, dass Gentech-Knollen ohne braune Flecken Giftstoffe entwickeln, die schädlich für die menschliche Gesundheit seien, sagte Rommens dem Portal GMWatch. Das resultiere daraus, dass die vorgenommene gentechnische Veränderung zu unerwünschten Nebeneffekten führe. Diese seien im Labor oft kaum festzustellen, sondern zeigten sich erst, wenn die gv-Pflanzen im Freiland angebaut würden und dem üblichen Stress ausgesetzt seien. Hinzu komme, dass die braunen Flecken bei normalen Kartoffeln eigentlich eine Warnung seien, diesen Teil der Knolle nicht zu verzehren. Die gentechnische Veränderung verhindere nur das Bräunen, verberge also die verdorbenen Stellen, so dass diese mitgegessen würden – mitsamt den darin enthaltenen Giftstoffen. Aus seiner eigenen Erfahrung heraus plädiert Rommens dafür, die Sicherheit von Gentech-Pflanzen von unabhängigen Wissenschaftlern kontrollieren zu lassen, die darin trainiert seien, unerwünschte Nebenefekte zu finden.

In einer Reaktion auf Rommens Buch hat sein ehemaliger Arbeitgeber Simplot versucht, ihn als Wissenschaftler zu diskreditieren, mit Verweis auf eine Arbeit von 2004, deren Veröffentlichung er acht Jahre später zurückzog, weil ihm darin ein Fehler unterlaufen war. Rommens konterte, er habe für Simplot über 60 Patente eingereicht und die Gentech-Produkte entwickelt, die das Unternehmen jetzt vermarkte. Die Vorwürfe in dem Buch gingen nicht an das Unternehmen, sondern an ihn selbst als Gentechnik-Entwickler, weil er die Nebenwirkungen der Produkte, die er entwickelte, nicht gesehen habe.

Bayer/Monsanto-Prozess: Weniger Strafe – aber das Urteil bleibt

Die Richterin Suzanne Ramos Bolanos hat den Spruch der Jury im Fall Johnson vs. Monsanto bestätigt. Damit ist das Spritzmittel Roundup schuld an der Krebserkrankung des Schulgärtners Dewayne Johnson. Die Richterin ließ auch die Feststellung der Jury gelten, dass Monsanto von der Krebsgefahr gewusst und diese verheimlicht habe. Lediglich die damit verbundene Strafzahlung war ihr zu hoch und wurde kräftig reduziert.

Statt bisher 250 Millionen Euro muss der Monsanto-Eigentümer Bayer nur noch 68 Millionen Euro zahlen. Die eine Hälfte davon zählt als persönlicher Schadenersatz für den krebskranken Dewayne Johnson, die andere Hälfte als Strafe für das Verheimlichen der Krebsgefahr. Bayer hat angekündigt, in Berufung zu gehen. Denn trotz der verringerten Zahlung ist der Konzern mit seinem Hauptanliegen gescheitert. Er hatte verlangt, dass die Richterin den Spruch der Jury in Bausch und Bogen als rechtswidrig einkassiert. Der Aktienmarkt reagierte auf das Scheitern Bayers sofort. Der Kurs der Aktie sank gestern um zehn Prozent.

Die Klage sei „ein sehr großes Risiko“, dass noch nicht eingepreist sei, sagte ein Börsenhändler gegenüber der Frankfurter Allgemeinen: „Die Ungewissheit über den Ausgang der Glyphosat-Streitigkeiten dürfte den Aktienkurs noch Monate belasten“. Es könnte sogar Jahre dauern, wenn Bayer nicht zu einem Vergleich bereit ist und der Fall bis vor das Oberste Gericht geht. Der Rechtsprofessor David Levine von der Universität von Kalifornien sagte der Nachrichtenagentur AP, die Entscheidung der Richterin sei nur ein frühes Teil in einem großen Rechts-Puzzle. Bayer werde erst dann einen Vergleich in Betracht ziehen, wenn sich genug Urteile gegen den Konzern aufgetürmt hätten. Die nächsten Verfahren stehen im Februar 2019 an.

 

 

UN-Konferenz soll Moratorium für Gene Drives beschließen

Von 17. bis 29. November treffen sich die Vertragsstaaten der UN-Biodiversitätskonvention (CBD) in Ägypten. Auf der Tagesordnung stehen auch Beschlüsse über den Umgang mit Gene Drives. Darin sind zwar Vorsorgeprinzip, mögliche Risiken und deren Abschätzung erwähnt, ein Moratorium ist allerdings nicht vorgesehen. Deshalb haben führende Vertreter der weltweiten Agrarbewegung einen solchen Stopp aller Freisetzungen für Gene Drives gefordert.

Gene Drives sind Manipulationen am Erbgut, durch die eine bestimmte, vorher gentechnisch eingebaute Eigenschaft, in Pflanzen oder Tieren dominant vererbt wird und sich dadurch besonders schnell in einer Population ausbreitet. Das Verfahren könne Arten auslöschen und unterminiere eine nachhaltige und gerechte Landwirtschaft, heißt es in einem Aufruf, den zahlreiche Vertreter von Landwirtschaft- und Entwicklungsorganisationen unterschrieben haben. Sie fordern darin ein weltweites Moratorium für die Freisetzung von Gene Drives und begründen dies mit dem Vorsorgeprinzip.

Über den Stand der Forschungen und die möglichen Gefahren von Gene Drives informiert parallel dazu ein Bericht, den die Heinrich-Böll-Stiftung und die kanadische Umweltorganisation ETC Group herausgegeben haben. Er macht deutlich, dass sich die Entwicklungen nicht auf Moskitos beschränken, die immer wieder als Beispiel in den Medien auftauchen. Wissenschaftler wollen auch Fruchtfliegen, Heuschrecken, pflanzensaugende Käferarten und andere Schädlinge mit Gene Drives ausstatten und damit wildlebende Populationen bekämpfen. Auch Ratten und Mäuse sind bereits Forschungsobjekte für Gene Drives, ebenso Schweine. Bei ihnen soll das Verfahren helfen, gentechnische Veränderungen schneller in der Züchtung zu verankern. Der Bericht weist darauf hin, dass auch Schädlinge eine wichtige Rolle in Ökosystemen spielen und ihre Auslöschung unvorhersehbare Folgen für das System haben kann. Zudem könnten die mit dem Gene Drive freigesetzten gentechnischen Veränderungen zu unerwarteten Nebeneffekten führen und seien nicht rückholbar. Deshalb fordern die Autoren des Berichts nicht nur ein Verbot aller Freisetzungen von Gene Drives, sondern empfehlen auch, alle Forschungen vorerst auszusetzen. Zuerst brauche es eine breite gesellschaftliche Debatte über diese Technik und klare Regelungen, wie damit umzugehen sei.

Auf der CBD-Konferenz wird auch das deutsche Bundesumweltministerium vertreten sein. In seiner Antwort auf einen offenen Brief mehrerer Organisationen stellte das Ministerium klar, dass es Freisetzungen von Gene Drives sehr kritisch beurteilt. „Wir setzen uns aus Vorsorgegründen dafür ein, dass in Deutschland und Europa keine Freisetzung von Organismen, die Gene Drive enthalten, erfolgt, solange negative Effekte auf die Biodiversität nicht ausgeschlossen werden können“, schreibt das Ministerium. Und das man sich im Rahmen der CBD für eine Umsetzung des Vorsorgeansatzes einsetze. Das Wort Moratorium kommt in dem Schreiben nicht vor.

Es dürfe weder in der EU noch in anderen Teilen der Welt zu unkontrollierbaren Freisetzungen von gentechnisch veränderten Organismen kommen, kommentierte Silvia Bender vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland das Schreiben. „Wir erwarten, dass sich die Bundesregierung im Sinne des Vorsorgeprinzips mit Nachdruck für ein Moratorium für Gene Drives einsetzt“, sagte sie.

Bayer freut sich: Richterin will Schadenersatz für Roundup-Opfer kürzen

Im August 2018 hatte eine Jury in San Francisco dem krebskranken Schulgärtner Dewayne Johnson 289 Millionen US-Dollar (rund 250 Millionen Euro) zugesprochen. Die für den Fall zuständige Richterin will allerdings dem Spruch der Jury nicht folgen und die Schadenersatzzahlungen zusammenstreichen.

Der Fall Dewayne vs. Monsanto ist die am weitesten fortgeschrittene von rund 8.700 Klagen von US-Bürgern, die Roundup für ihre Krebserkrankung verantwortlich machen. Der Ausgang dieses Prozesses gilt als Signal für alle diese Verfahren, die zumeist als Sammelklagen eingebracht wurden. Als die Jury im August Bayer zu 250 Millionen Euro Schadensersatz verurteilte, brach deshalb der Aktienkurs von Bayer massiv ein. Das Unternehmen habe zeitweise 15 Milliarden Euro an Wert verloren, schrieb die Wirtschaftswoche. Die Jury-Mitglieder waren überzeugt davon, dass Johnsons Krebserkrankung durch das glyphosathaltige Herbizid Roundup von Monsanto verursacht worden war und sprachen ihm deshalb 34 Millionen Euro Schadenersatz zu. Zudem zeigten sie sich überzeugt, dass der Konzern um die Krebsgefahr seines Produktes wusste und sie verheimlichte. Deshalb verurteilte die Jury Monsanto zur Zahlung von weiteren 216 Millionen Euro. Monsanto-Eigentümer Bayer legte gegen diesen Spruch der Jury Berufung ein.

Die Richterin Suzanne Ramos Bolanos hatte das Jury-Verfahren geleitet und muss nach US-Recht den Spruch der Jury bestätigen – oder ihre Einwände geltend machen. Sie erklärte nach einer mündlichen Verhandlung letzte Woche, dass sie die Entscheidung der Jury nicht teile. Die Klägerseite hätte keine „klaren und überzeugenden Beweise“ für vorsätzliches Fehlverhalten von Monsanto vorgelegt. Deshalb sei der von der Jury erhängte Strafzuschlag von 216 Millionen Euro nicht gerechtfertigt. Zudem stellte die Richterin auch in Frage, ob Roundup ursächlich für Johnsons Krebs verantwortlich und die ihm persönlich zugesprochene Entschädigung in Höhe von 34 Millionen Euro angemessen sei. Richterin Bolanos gab den beiden Prozessparteien Gelegenheit, ihre Argumente zu dieser vorläufigen Entscheidung schriftlich einzureichen. Danach will sie endgültig ihr Urteil fällen. Sie kann entweder die von der Jury beschlossenen Schadensersatzzahlungen verringern oder einen neuen Prozess anberaumen. Mehrere Jury-Mitglieder appellierten an die Richterin, die einmütige Entscheidung der Jury zu respektieren. Ein Mitglied schrieb ihr, die Jury habe sich im Verfahren strikt an die Erläuterungen und Vorgaben der Richterin gehalten. Sollte diese jetzt die Entscheidung einkassieren, „würde das unser Rechtssystem schwächen und mein Vertrauen in dieses System erschüttern.“

Die Nachricht von der vorläufigen Entscheidung der Richterin ließ die Bayer-Aktie um fünf Prozent nach oben schnellen. Nun schauen die Aktionäre auf die nächsten anstehenden Verfahren: Jury-Verhandlungen für weitere Sammelklagen sind für den 5. Februar 2019 in St. Louis und für den 25. Februar 2019 in San Francisco angesetzt.

 

Biologische Kriegsführung mit Insekten und Gentech-Viren?

Die Forschungsbehörde DARPA des US-amerikanischen Verteidigungsministeriums finanziert ein Forschungsprogramm, bei dem mit Hilfe von Insekten gentechnisch veränderte Viren freigesetzt werden sollen, die das Erbgut von Nutzpflanzen im Freiland verändern können. Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Evolutionsbiologie sowie der Universitäten Freiburg und Montpellier warnen, dass ein solches System relativ leicht manipuliert und als biologische Waffe eingesetzt werden könne.

Bereits Ende 2016 hat die DARPA das mit 23 Millionen Euro dotierte und auf vier Jahre angelegte Forschungsprogramm ausgeschrieben. Nach Angaben des Max-Planck-Instituts erforschen die beteiligten Wissenschaftler, ob sie die geneditierten Viren mithilfe von Grashüpfern, Blattläusen und Weißen Fliegen auf Mais und Tomaten übertragen können. Nach Aussagen des DARPA sollen die Erkenntnisse aus dem Programm in der Landwirtschaft eingesetzt werden, zum Beispiel um Nutzpflanzen vor Dürre, Frost, Überschwemmung, Pestiziden oder Krankheiten zu schützen und so im Krisenfall die Ernährungssicherheit der USA zu gewährleisten.

Für die Wissenschaftler aus Plön, Freiburg und Montpellier gibt es keine plausiblen Gründe, Insekten zur Verbreitung von Genmaterial einzusetzen. Sie kritisieren, dass die Erkenntnisse aus dem ‚Insect Allies’ genannten Programm relativ leicht abgewandelt und für die biologische Kriegsführung angepasst werden könnten. „So könnten Gene beispielsweise funktionsuntüchtig gemacht werden – was in der Regel leichter ist als ihre Optimierung. Das Verfahren muss also nicht einmal weiterentwickelt werden, es reicht aus, es zu vereinfachen, um es als Waffe einsetzen können“, sagt Guy Reeves vom Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie.

Die Wissenschaftler fordern eine „breite gesellschaftliche, wissenschaftliche und rechtliche Debatte“ über das Programm. Sie sehen darin einen möglichen Verstoß gegen das Übereinkommen über das Verbot biologischer Waffen. Im Fachmagazion Science haben sie nun ihre Bedenken öffentlich gemacht.

Gentechnik-Soja schädigt Umwelt und Gesundheit

Die Organisationen Testbiotech und Germanwatch haben einen Bericht vorgelegt, der die Umwelt- und Gesundheitsschäden des Sojaanbaus in Südamerika thematisiert. Sie monieren, dass es bis heute „keine umfassenden Erhebungen der tatsächlichen Schäden an Mensch und Umwelt“ gebe. Dabei würden zwei Drittel der Bohnen – rund 29 Millionen Tonnen – als Futtermittel in die EU importiert. Der größte Teil davon ist Gentechnik-Soja.

Die vorliegenden und von den Autoren des Berichts ausgewerteten Publikationen zeichnen ein deutliches Bild: Der Anbau von gentechnisch veränderten Sojabohnen in Südamerika sei mit einem „erschreckenden Ausmaß von Umweltschäden und schwerwiegenden Auswirkungen auf die Gesundheit der ländlichen Bevölkerung verbunden“, heißt es in dem Bericht. Der stetig wachsende Anbau gehe „mit massiven Verlusten und Schäden an den Ökosystemen (Urwäldern, Grasland und Feuchtgebieten) einher.“ Die Autoren thematisieren sowohl direkte Umwandlung intakter Ökosysteme in Sojafelder als auch „die durch den Sojaanbau ausgelöste Verdrängung der Viehhalter, die zum Teil ebenfalls in die Urwaldgebiete ausweichen.“ Die Ausbreitung des Sojaanbaus schädige jedoch nicht nur die Artenvielfalt, sondern auch Wasserhaushalt und Klima. „Die im Ackerbau genutzten Pflanzen sind weniger als Bäume in der Lage, Regen mit den Wurzeln aufzunehmen und über Verdunstungsmechanismen wieder zur Wolkenbildung beizutragen“, erklären die Autoren. Weniger Wolken, weniger Regen. Gleichzeitig würden die Ackerböden schneller austrocknen als Wald oder Savanne und ihre Fruchtbarkeit leide unter dem dauernden Anbau der Sojabohnen und den Einsatz von Glyphosat.

Da die Unkräuter inzwischen zunehmend unempfindlich gegen den Wirkstoff werden, habe sich die Aufwandsmengen an Glyphosat pro Hektar mehr als verdoppelt. Zudem kämen immer mehr giftigere Pestizide wie das in der EU verbotene Paraquat zum Einsatz, heißt es in dem Bericht.

Diese Pestizide werden oft vom Flugzeug aus auf die riesigen Sojafelder gespritzt und vergiften dadurch auch die in den Nähe lebende Bevölkerung. Der Bericht stützt sich dabei auf die Beobachtungen von Ärzten, die in diesen Regionen seit langem praktizieren. Sie registrieren schon seit Jahren eine Anhäufung ungewöhnlicher Krankheitsfälle. „Vermehrt treten insbesondere auf: Symptome von Mangelernährung sowie geschwächter Immunabwehr, angeborene Fehlbildungen, DNA-Schädigungen, Fehlgeburten, psychische und neurologische Erkrankungen, Krebs, Hauterkrankungen, Allergien, Asthma und andere Atemwegserkrankungen, Störungen des Hormonhaushalts, kindliche Entwicklungsstörungen, multiple Sklerose und eine allgemein erhöhte Mortalitätsrate“, listet der Bericht auf. Er erwähnt auch Studien, die zeigen, dass Glyphosat nervengiftig bei Ratten wirkt und Missbildungen bei Amphibien hervorruft.

„Diese Produktionsprozesse sind völlig aus dem Ruder gelaufen“, lautet das Fazit von Christoph Then von Testbiotech über den Sojaanbau in Südamerika.

 

 

Die EU-Pestizidzulassung muss transparenter werden

Nach der EU-Kommission hat nun auch das Europäische Parlament seine Position zu einer Reform des Genehmigungsverfahrens für Pestizide vorgelegt. Die Abgeordneten wollen deutlich mehr Transparenz und einen geringeren Einfluss der Industrie.

Das Europäische Parlament hatte nach der Diskussion um die erneute Zulassung von Glyphosat und dem Bekanntwerden der Monsanto Papers im Febraur 2018 einen Sonderausschuß eingerichtet. Er sollte das EU-Zulassungsverfahren für Pestizide analysieren und Verbesserungen vorschlagen. Das Ergebnis der Arbeit fassten die beiden Berichterstatter, Nobert Lins von der CDU und Bart Staes von den Grünen, in einem Bericht zusammen. Er soll am 6. Dezember vom Ausschuss verabschiedet und danach vom Plenum des Parlaments beschlossen werden.

Die beiden Berichterstatter fordern, dass alle Studien von Seiten der Industrie während eines Zulassungsverfahrens öffentlich und in einer benutzerfreundlichen Form zugänglich sein müssen. Außerdem müssten unabhängige wissenschaftliche Studien zukünftig das gleiche Gewicht erhalten wie Studien, die von der Industrie in Auftrag gegeben worden sind. Die Berichterstatter schlagen auch vor, dass künftig die EU-Kommission bestimmt, welcher Mitgliedstaat das Dossier für einen Wirkstoff erarbeitet. Bisher ist es automatisch das Land, in dem die Hersteller ihren Zulassungsantrag eingereicht haben. Wiederzulassungsverfahren – wie bie Glyphosat – dürfe nicht mehr, wie bisher, der Staat betreuen, der schon die Erstzulassung bearbeitet habe. Darüber hinaus verlangten die beiden EU-Abgeordneten ein wirksameres Monitoring von Substanzen nach ihrer Zulassung.

Die EU-Komission hatte bereits im April 2018 einen Verordnungsvorschlag vorgelegt, mit dem sie die Risikobewertung durch die EU-Lebensmittelbehörde EFSA in allen Bereichen des Lebensmittelrechts- nicht nur bei der Pestizidzulassung – transparenter machen will. Er sieht ein Unionsregister für alle Studien vor, die Unternehmen für Zulassungen im Lebensmittelbereich einreichen. Die Studien sollen auch veröffentlicht werden, allerdings müssten dabei vertrauliche Informationen und personenbezogener Daten geschützt werden, schreibt die Kommission. Der Vorschlag enthalte viele positive Ansätze, lobt der Umweltchemiker Helmut Burtscher-Schaden, einer der Initiatoren der Europäischen Bürgerinitiative Stop Glyphosat. Doch könnten unklare Formulierungen im Gesetzestext zu missverständlichen Interpretationen führen, warnt Burtscher-Schaden: „Der Teufel steckt im Detail.“ Stop Glyphosat hat deshalb an die EU-Mitgliedsstaaten und das Parlament appelliert, die Vorschläge der Kommission nicht zu verwässern, sondern nachzuschärfen.

Eine sinnvolle Regelung aus Sicht der Umweltverbände wäre es, den Verbänden das Recht einzuräumen, Pestizid-Zulassungen der EU-Kommission vor den europäischen Gerichten überprüfen zu lassen. Vergangene Woche hatte das Europäische Gericht in erster Instanz eine Klage des Vereins Mellifera zurückgewiesen, der eine solche Überprüfung der Glyphosatzulassung unter Berufung auf die Konvention von Aarhus und das darin verankerte Klagerecht der Umweltverbände verlangt hatte (Az. T12/17).

 

Agro-Gentechnik: Auf dem Acker nichts Neues

Auch wenn sich die Diskussion vor allem um die Neue Gentechnik, um CRISPR/Cas und andere Methoden des Genome Editing dreht: Auf dem Acker wird sich so schnell nichts ändern. Denn die großen Gentechnik-Konzerne setzen nach wie vor auf Pflanzen, denen mit Hilfe der klassischen gentechnischen Verfahren Resistenzen gegen Herbizide und Schadinsekten eingebaut wurden. Zu diesem Ergebnis kommt ein Bericht des Gen-ethischen Netzwerkes (GeN), dessen Mitarbeiter Christof Potthof die Entwicklungs-Pipelines der wichtigsten Agrar-Konzerne analysiert hat.

Dabei stellte er einen klaren Trend fest: „Die Konzerne kombinieren verschiedene mit klassischen gentechnischen Methoden übertragene Eigenschaften in einer Pflanze.“ Dieses Stapeln von Genen – auf englisch stacked events – diene vor allem dazu, Pflanzen mit Toleranzen gegen mehrere Herbizide auszurüsten, schreibt Potthof: „In der Entwicklung sind gentechnisch veränderte Pflanzen, die das Ausbringen von bis zu fünf verschiedener solcher Mittel vertragen sollen.“ Denn immer mehr Beikräuter wurden unempfindlich gegen einzelne Herbizide wie Glyphosat und können nur noch mit Herbizidcocktails vom Acker gespritzt werden.

Auch Schadinsekten haben Resistenzen entwickelt – gegen die von Gentech-Pflanzen produzierten Bt-Toxine. Auch hier kombinieren die Konzerne Gene, damit ihre Pflanzen verschiedene Bt-Toxine produzieren und nicht nur eines. Aus der Sicht der Hersteller hätten diese Kombinationen einen weiteren Vorteil, schreibt Potthof: „Weiterer wesentlicher Anreiz für die Entwicklung und bevorzugte Vermarktung von Stacked Events ist, dass sie es den Konzernen ermöglichen, deutlich höhere Preise für das Saatgut zu verlangen.“

Ein Kapitel des Berichts befasst sich mit dürre-toleranten Gentech-Pflanzen, die allerdings in der Praxis kaum eine Rolle spielen. „Wiederholt zeigt sich, dass die gentechnischen Versuche, Trocken-Toleranz in Pflanzen zu übertragen, äußerst begrenzten Erfolg hatten“, schreibt Potthof: „Die einzige gentechnisch veränderte Pflanze mit einer Trocken-Toleranz, die sich weltweit im kommerziellen Anbau befindet, ist der Event MON87460“. Ob diese Mais-Linie von Monsanto tatsächlich Vorteile im Anbau bringe, sei jedoch umstritten. Vermarktet würden hingegen von Pioneer und Syngenta trocken-tolerante Mais-Sorten aus konventioneller Züchtung.

Der Bericht listet auch anderen Getreide- und Gemüsearten auf, bei denen in einzelnen Ländern der Anbau gentechnisch veränderter Sorten zugelassen ist, von der Kartoffel bis zum Speisekürbis. In den meisten Fällen werden die Zulassungen jedoch nicht oder nur in kleinem Umfang für den Anbau genutzt.

Die Tatsache, dass sich die Gentechnik-Diskussion derzeit vor allem um die mit neuen Gentechnik-Verfahren veränderten Pflanzen drehe, dürfe über eines nicht hinwegtäuschen, schreibt Potthof als Fazit: „Die allermeisten gentechnisch veränderten Pflanzen, die in den nächsten Jahren weltweit auf den Markt kommen werden, sind mit Methoden der klassischen Gentechnik verändert worden.“

Glyphosat macht Bienen anfällig für Infektionen

Amtlicherseits galt Glyphosat bisher als ungefährlich für Bienen. „Unsere Arbeit hat gezeigt, dass das nicht stimmt“ sagen Wissenschaftler der Universität von Texas und fordern, die Richtlinien für die Anwendung des Herbizidwirkstoffs zu verschärfen. Drei grüne Europapolitiker haben eine Petition an Bundeslandwirtschfatsministerin Julia Klöckner lanciert. Deren klare Botschaft: Glyphosat schadet Bienen – jetzt muss das Herbizid erst recht vom Acker!

Die Wissenschaftler aus Texas haben nachgewiesen, dass Glyphosat die Darmflora von Bienen ändert und und sie dadurch anfälliger für Infektionen macht. Dazu fütterten sie sie die Bienen fünf Tage lang mit glyphosathaltigem Zuckersirup. Die Konzentrationen des Wirkstoffs entspreachen mit fünf und zehn Milligramm je Liter denen, die in der Umwelt vorkommen und denen Bienen beim Sammeln ausgesetzt seien, schrieben die Forscher. Auch die erlaubten Glyphosathöchstmengen für Getreide in Futter- und Lebensmitteln liegen übrigens in dieser Größenordnung. Die Wissenschaftler beobachteten, dass sich durch die Glyphosataufnahme die Zusammensetzung der Darmflora bei den Bienen deutlich änderte und ein als besonders nützlich angesehenes Bakterium drastisch reduziert wurde. Sie infizierten die Bienen mit einem in Bienestöcken weit verbreiteten Krankheitserreger und stellten fest, dass die Glyphosat-Bienen viermal häufiger an der Infektion starben als unbehandelte Bienen. Auch den Wirkmechanismus konnten sie erklären. Glyphosat blockiert in Pflanzen ein Enzym namens EPSPS, das für die Synthese bestimmter Aminosäuren benötigt wird. Dadurch welken die Pflanzen und sterben ab. Auch einige Darmbakterienarten brauchen dieses Enzym in ihrem Stoffwechsel und reagieren deshalb empfindlich auf Glyphosat. Da Hummeln ein vergleichbares Verdauungssystem haben wie Bienen, gehen die Wissenschaftler davon aus, dass Glyphosat auch ihre Gesundheit beeinträchtigt.

Die Studie belege, dass die Anwendung von Glyphosat zum weltweiten Rückgang von Honig- und Wildbienen beitragen könnte, schrieb die Univerität von Texas in einer Mitteilung. Bereits im Juli erschien eine chinesische Studie, die zeigte, das Bienenlarven langsamer wuchsen und häufiger starben, wenn sie mit dem Futter Glyphosat erhielten. Schon länger bekannt ist, dass Glyphosat den Orientierungssinn von Bienen beeinträchtigt. Gegenüber der britischen Zeitung The Guardian sagte der Glyphosathersteller Bayer/Monsanto, Behauptungen, wonach Glyphosat Bienen schädige, seien schlichtweg falsch.

Die grünen Europaabgeordneten Sven Giegold und Martin Häusling nahmen die Studie zum Anlass, auf der Plattform change.org eine Petiton zu starten. Sie wendet sich an Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner und fordert von ihr „den Totalausstieg aus Glyphosat bis spätestens 2020.“ Sofortmaßnahmen, wie ein Verbot, Glyphosat vor der Ernte einzusetzen, sollen bis dahin die Bienen schützen. [lf]