Alle Beiträge von Leo Frühschütz

In der Schweiz werden immer noch Gentech-Pflanzen freigesetzt

Wissenschaftler des Instituts für Pflanzen- und Mikrobiologie der Universität Zürich werden in diesem Frühjahr gentechnisch veränderten (gv) Mais und Gerste aussäen. Sie haben den Pflanzen das Gen Lr 34 aus Weizen eingefügt, um sie gegen mehrere Pilzkrankheiten resistent zu machen. Angebaut werden die Pflanzen auf den speziell gesicherten Versuchsfeldern der Forschungsanstalt Agroscope im zürcherischen Reckenholz. Den Versuchsanbau der gv-Gerste hatte das Bundesamt für Umwelt (BAFU) bereits im letzten Sommer genehmigt. Beim gv-Mais dauerte das Verfahren etwas länger. Imkerverbände hatten eingewandt, dass der Pollen des Maises ihren Honig verunreinigen könnte und dieser dadurch unverkäuflich würde. Das BAFU entschied daraufhin, dass die Blütenstände des Maises in allen drei Versuchsjahren entfernt werden müssen, so dass sich kein Pollen entwickeln kann.

Die Schweizer Allianz Gentechfrei (SAG) kritisiert, dass die Schweizer Landwirtschaft von derartigen Versuchen nicht profitiere. „Weder die für den Versuch gewählte Modellsorte noch ein Teil der zu testenden Pilzkrankheiten sind relevant für die Schweiz“, schreibt die SAG. Zudem sei in Europa die Akzeptanz von gv-Pflanzen gering und ihr Marktpotenzial sehr niedrig. „Von den Ergebnissen profitiert daher nicht die Allgemeinheit, sondern hauptsächlich das gesuchstellende Forschungsteam und seine Partner, die ein Patent auf das bei dem Versuch verwendete Gen besitzen.“ Der Betrieb des für die Anbauversuche vorgesehenen Agroscope-Geländes koste den Bund jährlich 750.000 Franken. Diese für den Versuch aufgewendeten Gelder würden sinnvoller in die Förderung nachhaltiger agrarökologischer Ansätze investiert, argumentiert die SAG.

Ausführlich hat die SAG die Versuche in ihrer Stellungnahme zum Bewilligungsgesuch für die Freisetzung von gentechnisch verändertem Mais bzw. von gentechnisch veränderter Gerste (Dezember 2018) bewertet.

 

 

Gene Drives: Risiko derzeit nicht zu bewerten

Werden Organismen mit Gene Drive (GDO) freigesetzt, kann das damit verbundene Risko derzeit nicht abgeschätzt werden. Zu diesem Ergebnis kommen Umwelt- und Naturschutzbehörden mehrerer EU-Staaten, darunter das deutsche Bundesamt für Naturschutz.Sie empfehlen in ihrem Bericht: „Methoden zur Risikobewertung, zur Umweltüberwachung und zum Risikomanagement müssen entwickelt werden, bevor eine Freisetzung von GDOs in die Umwelt erfolgt.“ Neben einer wissenschaftlichen Risikobewertung müssten auch die mit der Freisetzung von GDO verbundenen gesellschaftlichen und ethischen Fragen behandelt werden. Den Rahmen hierfür könne eine umfassende Technologiefolgenabschätzung bieten.

GDO sind in der Lage, eine gentechnische Veränderung innerhalb einer wildlebenden Population schnell zu verbreiten. Sie könnten dazu verwendet werden, Stechmücken, Ernteschädlinge oder invasive Arten auszurotten. Die bisherigen Versuche mit dieser Technik im Labor werfen zahlreiche Fragen auf, heißt es in dem Bericht der Behörden.

So sei offen, wie stabil ein GDO in freier Wildbahn sei. Dort seien die Populationen genetisch weitaus diverser als im Labor, was die Verbreitung der gentechnischen Veränderung erschwere. Zudem könnten sich relativ schnell Resistenzen entwickeln und den Erfolg insgesamt in Frage stellen. Nach Ansicht der Behörden weist das Wissen über die Biologie und das Umweltverhalten möglicher Zielarten wie Moskitos noch große Lücken auf, die eine Risikoabschätzung erschweren. Besonders wichtig: Off-Target-Effekte und andere unbeabsichtigte Effekte auf molekularer Ebene, wie sie beim Einsatz von Gen-Scheren wie Crispr/Cas belegt sind, können auch in GDO auftreten, mit völlig unbekannten Auswirkungen auf die Zielart selbst und deren Umweltverhalten. Völlig unklar ist aus Sicht der Behörden auch, wie sich eine Freisetzung und die damit verbundene Dezimierung oder Auslöschung einer Art auf das jeweilige Ökosystem auswirkt.

All diese offenen Fragen machen eine Risikoabschätzung aus Sicht der Behörden extrem schwierig und unsicher. Gleichzeitig sei das Risiko höher als bei bisherigen Freisetzungen gentechnisch veränderter Organismen. Denn bei einem GDO sei es gewollt, dass er sich langfristig und dauerhaft in der Umwelt ausbreite. Es sei nicht möglich, einen GDO zurückzuholen und wenig sinnvoll, eine Zulassung zeitlich zu befristen.

 

 

Dicamba in den USA: Abdriftschäden vorsätzlich einkalkuliert

BASF und die Bayer-Tochter Monsanto haben bewusst in Kauf genommen, dass die von ihnen in den USA vertriebenen Herbizide mit dem Wirkstoff Dicamba die Felder von Landwirten schädigen. Das belegen 180 interne Mails, die im ersten Dicamba-Prozess öffentlich gemacht wurden. Die Bürgerrechtsorganisation US Right to Know hat diese Mails und die Prozessprotokolle online gestellt. Die britische Zeitung The Guardian präsentierte eine erste Auswertung.

Diese zeigt, dass die beiden Unternehmen seit über zehn Jahren zusammenarbeiteten, um neue Dicamba-Pestizide zu entwickeln, die zusammen mit dem gentechnisch veränderten und dicamba-resistenten Saatgut von Monsanto auf den Markt kommen sollten. Während dieser Zeit wurden sie immer wieder von Universitätsprofessoren und anderen Landwirtschafts- Experten auf die Flüchtigkeit von Dicamba hingewiesen und darauf, dass auch die neuentwickelten Pestizide Engenia (BASF) und XtendiMax (Monsanto) dieses Problem nicht in den Griff bekämen. In den Mails fand sich auch eine Abschätzung von Monsanto aus dem Jahr 2015. Darin stand neben der Zahl der erwarteten Käufer von Saatgut und Pestizid auch die Zahl der erwarteten Schadensfälle, insgesamt mehr als 10.000 für die Jahre 2017 bis 2020. Gesehen wurden diese geschädigten Landwirte von den Monsanto- und BASF-Mitarbeitern jedoch vor allem als potentielle Kunden. Sie sollten davon überzeugt werden, Monsantos dicamba-resistente Soja und Baumwolle anzubauen, um künftige Schäden zu vermeiden.

Der Guardian-Artikel berichtete auch, dass 2015 Universitäten die Flüchtigkeit des neuen Pestizids XtendiMax untersuchen wollten. Damals stand XtendiMax bei der Umweltbehörde EPA zur Zulassung an und Monsanto wollte sicherstellen, „dass das Produkt eine weiße Weste behält“. So stand es in der Mail einer hochrangigen Managerin. Daraufhin lehnte Monsanto die Anfragen der Wissenschaftler ab. Eine davon mit der Begründung, dass wegen Schwierigkeiten in der Produktion nicht genug XtendiMax für Feldversuche zur Verfügung stünde. „Hahaha, Produktionsschwierigkeiten, so ein bullshit“ kommentierte ein Monsanto-Manager intern den Vorgang.

Gegenüber dem Guardian wiesen beide Unternehmen die Darstellung zurück und sprachen von einzeln herausgepickten Mails. Sie sollten davon ablenken, dass die Pestizide von der Umweltbehörde EPA in einem ordentlichen Verfahren zugelassen worden seien und keine Schäden verursachen, wenn sie korrekt angewendet werden. Gleichzeitig beschwerte sich BASF darüber, dass dem Unternehmen Fehlverhalten von Monsanto angerechnet werde. Im ersten Dicamba-Prozess hatte der Richter beide Unternehmen zusammen zu 15 Millionen Dollar Schadenersatz und 250 Millionen Dollar Strafzahlung verurteilt. Die Geschworenen jedoch hätten sich nur für Strafzahlungen gegen Monsanto ausgesprochen, schrieb BASF dem Richter. Berufung gegen dieses erste Dicamba-Urteil haben beide Unternehmen eingelegt. Über hundert weitere Prozesse stehen noch an.

 

Wie Züchter einzelne Pflanzensorten sicher identifizieren

Wenn Pflanzenzüchter eine neue Sorte entwickeln, wollen sie über Lizenzgebühren für das Saatgut daran verdienen. Das ermöglichen ihnen Sortenschutzgesetze, die den Züchtern entsprechende Rechte einräumen. Um diese im Streitfall auch durchsetzen zu können, muss ein Züchter nachweisen, dass es sich bei einer Pflanze um „seine“ Sorte mit ihren klar definierten Merkmalen handelt. Dabei nutzen Züchter inzwischen biochemische Methoden, mit denen sich auch Sorten identifizieren lassen, bei denen mit Gen-Scheren wie Crispr/Cas ins Erbgut eingegriffen wurde. Obwohl das angeblich nicht geht, wie Gentechniker und Behörden gerne behaupten.

Der französische Biochemiker Eric Meunier berichtet auf der Webseite Inf’OGM über die Arbeit internationalen Verbandes zum Schutz von Pflanzenzüchtungen (UPOV). Diese Organisation kümmert sich weltweit darum, dass die Rechte der Züchter gewahrt werden. Die UPOV hat im November 2019 eine Anleitung vorgestellt, wie sich mit Hilfe biochemischer und molekularer Marker eine Pflanzensorte sicher identifiziern lässt.

Diese molekularen Marker sind genetische Sequenzen, die charakteristisch für eine Sorte seien, schreibt Meunier. Mit ihrer Hilfe könne man „eine Pflanzensorte genau beschreiben, identifizieren, unterscheiden und zurückverfolgen“. Würden meherer Marker kombiniert, lasse sich ein „genetischen Fingerabdrucks jeder Sorte, eine Art Strichcode erstellen“. Die Arbeit bestehe darin, eine Liste der für diese Sorte charakteristischen Marker zu erstellen und ein Testverfahren zu entwickeln, dass diese Marker nachweist.

Meunier berichtet, dass chinesische Forscher auf einer UPOV-Tagung ein solches Testkit für Maissorten vorgestellt hätten. Der Chip ermögliche „die Identifizierung der kombinierten Marker von 400 chinesischen und ausländischen Mais-Inzuchtlinien.“ Auf der gleichen Tagung habe die Internationale Vereinigung für Saatgutprüfung, der auch die Prüflabore der großen Saatgutkonzerne angehören, ein Protokoll für die Sortenidentifizierung mit Hilfe von Erbgutanalysen vorgestellt.

Bei einem Eingriff mit Gen-Scheren, so argumentiert Meunier, entstehen immer auch unerwünschte Änderungen im Erbgut, die sich bei dessen genauer Analyse finden und als Marker nutzen lassen, um diese Sorte von behaupteten natürlichen Mutationen sicher unterscheiden zu können. „Dieser Nachweis ist technisch machbar, sofern der politische Wille vorhanden ist und die notwendigen finanziellen Mittel zur Durchführung zur Verfügung gestellt werden“, schreibt Meunier.

Die Dicamba-Zulassung in den USA gerät unter Druck

In den USA wächst der Druck auf die Umweltbehörde EPA, ihre Zulassung zu widerrufen und Dicamba-haltige Pestizide aus dem Verkehr zu ziehen. Der Wirkstoff ist leicht flüchtig und kann durch Abdrift die Felder anderer Landwirte schädigen. In einem ersten Prozess wurden Bayer und BASF bereits zu 265 Millionen Dollar Schadenersatz verurteilt. Am 21. April verhandelt ein Berufungsgericht des Bundes über die Klage mehrere Farmer und Umweltgruppen gegen die Zulasssung von XtendiMax durch das EPA. Diese machen geltend, dass EPA bei der Zulassung Bundesvorgaben missachtet habe.

EPA hatte 2016 die Herbizide XtendiMax (Bayer), Engenia (BASF) and FeXapan (Corteva) zugelassen. Sie alle enthielten den in den 60-er Jahren entwickelten Wirkstoff Dicamba und werden seither zusammen mit gentechnisch veränderten, Dicamba-resistenten Baumwoll- und Sojapflanzen von Monsanto verkauft. Damals war längst bekannt, dass der leichtflüchtige Wirkstoff beim Ausbringen vom Wind abgetragen werden und benachbarte Pflanzungen beeinträchtigen kann. Die Hersteller gaben an, das Problem durch neue Rezepturen im Griff zu haben. EPA akzeptierte diese Erklärungen und gab die Pestizide frei. Inzwischen hat sich gezeigt, dass die neuen Pestizidformulierungen ebenso wie alte Dicamba-Pestizide vom Winde verweht werden und die Nachbarn ohne Dicamba-resistente Pflanzen schädigen. EPA verschärfte daraufhin 2018 die Anwendungsbestimmungen, doch auch das nutzte wenig. Inzwischen haben zahlreiche Farmer Bayer und BASF wegen Dicamba-Schäden verklagt. In einem ersten Verfahren wurden die beiden Konzerne nicht nur zu 265 Millionen Dollar Schadenersatz verurteilt. In diesem Prozes belegten Dokumente auch, dass die Hersteller Abdriftprobleme von vorneherein einkalkuliert hatten.

EPA kündigte an, im Herbst über gegebenenfalls notwendige weitere Auflagen entscheiden zu wollen. Doch nach wie vor sehe die Behörde in der Abdrift kein grundlegendes Problem, schreibt das Midwest Center for Investigative Reporting. Anders beurteilen das mehrere Universitätsprofessoren. Deren Untersuchungen hätten gezeigt, dass die Herbizide in der Lage seien, sich nach der Anwendung stunden- und sogar tagelang zu verflüchtigen und vom Zielort zu entfernen, schreibt das Magazin Progressive Farmer.

Beide Medien berichtet auch, dass das Office of the Inspector General (OIG), eine Art Aufsicht für die Bundesbehörden, eine interne Untersuchung plant. Diese soll feststellen, ob EPA sich bei der Zulassung an die Anforderugen des Bundes und die Grundsätze der Wissenschaftlichkeit gehalten hat. Die Untersuchung des OIG bezieht sich auch auf einen Paragraphen (Section 24(c)) des bundesweiten Pestizidgesetzes. Dieser erlaubt es den Einzelstaaten, in bestimmten Fällen den Einsatz von Pestiziden trotz EPA-Zulassung zu beschränken. Bei Dicamba nutzen mehrere US-Staaten mit Verweis auf die Abdriftschäden diese Möglichkeit und haben den Dicamba-Einsatz stark reglementiert oder gar verboten. Das EPA sieht darin einen Missbrauch dieses Paragraphen und plant seither, dessen Anwendung einzuschränken. Hier erwarten sich die Pestizidregulierer in den US-Staaten Rückendeckung durch das OIG.

Indien: Bauern haben von Gentech-Baumwolle nicht profitiert

Im Jahr 2002 brachte Mahyco, das indische Joint-Venture des Gentechnik-Konzerns Monsanto, seine gentechnisch veränderte Bt-Baumwolle auf den indischen Markt. Heute wächst sie auf 95 Prozent der Felder. Das Ergebnis: „Jetzt geben die Bauern in Indien mehr für Saatgut, mehr für Dünger und mehr für Insektizide aus.“ Das sagt Glenn Davis Stone, ein Anthropologe der Washington University, der die Entwicklung von Anfang an begleitet hat. Zusammen mit K.R. Kranthi, langjähriger Direktor des indischen Baumwoll-Instituts, hat er im Fachmagazin Nature Plants eine Bilanz des Bt-Baumwollanbaus in Indien gezogen. „Unsere Schlussfolgerung ist, dass die Hauptauswirkung der Bt-Baumwolle auf die Bauern darin besteht, dass sie die Landwirtschaft kapitalintensiver macht – und nicht in einem dauerhaften agronomischen Nutzen“, erklärte Stone.

Dabei sollte die Bt-Baumwolle mit ihren selbst produzierten Toxinen den Baumwollkapselbohrer abtöten, so die Erträge steigern und gleichzeitig den Verbrauch an Insektiziden verringern. Tatsächlich stiegen die Erträge nach der Markteinführung im Jahr 2002 zwei Jahre lang stark an; allerdings auch die Mengen an Kunstdünger und neu entwickelten Insektiziden, die eingesetzt wurden. Der Anbau von Bt-Baumwolle sei noch zu gering gewesen, um das Ertragswachstum zu erklären, schreiben Stone und Kranthi. Erst als ab 2005 auf einem Großteil der Felder Bt-Baumwolle wuchs, sanken die Ausgaben für Insektizide kurzzeitig. Doch die neuen Baumwollpflanzen erwiesen sich als besonders anfällig gegen saugende Schädlinge wie Läuse. Die Kleinbauern geben deshalb für deren Bekämpfung heute mehr als dreimal so viel aus wie vor 15 Jahren. Hinzu kam, dass der Kapselbohrer gegen das Bt-Toxin der gentechnisch veränderten Baumwolle resistent wurde und seither auch für dessen Bekämpfung wieder mehr Insektizide eingesetzt werden. Die Ernten seien trotz der Spritzgifte die letzten 13 Jahre nicht gestiegen.

Wie andere Studien zeigen, macht gerade der erhöhte Kapitalbedarf die meist armen und verschuldeten Kleinbauern extrem anfällig, zumal in Gebieten, wo die Felder nicht bewässert werden, sondern auf den immer unzuverlässiger werdenden Monsumregen angewiesen sind. Colin Todhunter stellt im Online-Magazin Counterpunch einige dieser Arbeiten vor und kommt zu dem Ergebnis, dass Bt-Baumwolle von Anfang an das Ziel hatte, die Profitinteressen der Konzerne im ländlichen Raum Indiens durchzusetzen und die Landwirte abhängig zu machen. „In dieser Hinsicht war die Bt-Baumwolle ein herausragender Erfolg“, schreibt er.

Neu in Frankreich: eine pilzresistente Bio-Banane

In den Bio-Regalen der französischen Supermarktkette Carréfour können Kunden in diesem Frühjahr eine neue, knallgelbe Bio-Banane kaufen. Sie heißt Pointe d’Or, wurde traditionell gezüchtet und ist resistent gegen den Pilz Black Sigatoka. Es gibt sie, solange der Vorrat von 1.000 Tonnen reicht. Schmeckt sie den Kunden, werden es nächstes Jahr deutlich mehr sein.

Für den Bananenexport in die Industrieländer bauen Landwirte vor allem die Sorte Cavendish an. Sie liefert gute Erträge, ist aber anfällig für Pilzkrankheiten und wird deswegen intensiv mit Pestizden besprüht. Eine der Pilzkrankheiten heißt Black Sigatoka und befällt die Blätter der Bananenstaude. Bereits 2003 schwärmte der US-Lobbyverband BIO von gentechnisch veränderten Bananen, die gegen Sigatoka resistent wären und bald auf den Markt kämen. Es gibt sie bis heute nicht.

Die Experten des französischen Forschungsinstituts CIRAD haben zusammen mit den Anbauern auf den Inseln Guadeloupe und Martinique nicht nur an neuen Sorten gearbeitet. Sie haben auch das Anbausystem nach agrarökologischen Gesichtspunkten umgestaltet. Die neuen Bananen wachsen jetzt in Mischkulturen, unter Schattenbäumen und ohne Pestizide. Für diese Saison hatten sie 35 Hektar mit Pointe d’Or-Stauden bepflanzt, um mit der Ernte den Markt zu testen. Frédéric Salmon, einen der CIRAD-Züchter, ist überzeugt: „Mit ihrer natürlichen Resistenz ebnet Pointe d’Or den Weg für den Anbau von Bio-Bananen in Französisch-Westindien.“

Und sie macht den Züchtern von CIRAD Mut für die nächste Aufgabe. Ein Bodenpilz mit dem Kürzel TR4 hat sich über Asien und Teile Afrikas bis nach Mittelamerika ausgebreitet und bedroht nun die dortigen Anbauer Sie liefern 80 Prozent der Bananen für den Weltmarkt. Die von ihnen verwendete Sorte Cavendish ist anfällig für den Pilz und chemische Mittel können sie nicht schützen. Es gibt Wissenschaftler, die mit Hilfe der Genschere Crispr/Cas versuchen, die Cavendish-Banane resistent gegen TR4 zu machen. Sie hoffen, 2023 erste Bananen auf den Markt zu bringen. Die Experten von CIRAD hingegen wollen weg von der Cavendish-Monotonie. Der einzige Weg sei es, die genetische Vielfalt der angebauten Bananen zu erhöhen und zugleich die Anbausysteme zu ändern, schreiben sie. Um diesen Weg zu gehen, will CIRAD eine internationale Allianz aus Bananenforschern, Züchtern und Anbauern gründen. Eine gentechnikfreie Allianz, denn „gentechnisch veränderte Sorten werden auf vielen Märkten nicht akzeptiert“ und neue gentechnische Verfahren würden zumindest in Europa als Gentechnik angesehen.

Mehr Infos bietet das Gen-ethische Netzwerk: Die Bananenschleife (Oktober 2019)

Argentinische Firma möchte Gentechnik-Weizen auf den Markt bringen

Zombies gibt es auch in der Gentechnik. Zu diesen Untoten gehört gentechnisch veränderter Weizen Alle Versuche selbst großer Konzerne wie Monsanto, gv-Weizen auf den Markt zu drücken, scheiterten bisher. Die Furcht der Anbauer, diesen Weizen auf dem Weltmarkt nicht verkaufen zu können, ist zu groß.

Nun will das argentinische Gentechnik-Unternehmen Bioceres in seinem Heimatland eine Zulassung für seinen gentechnisch veränderten HB4-Weizen bekommen. Die Pflanze soll Hitze und Salz besser aushalten als herkömmlicher Weizen. Hinter dem Kürzel HB4 versteckt sich ein Produkt der alten Gentechnik. Bioceres hatte ein Gen aus der Sonnenblume identifiziert, das die Pflanze gut mt Trockenheit und salzigen Böden zurechtkommen lässt. Dieses Gen baute das Unternehmen in Soja, Weizen, Luzerne, Mais und Zuckerrohr ein. Für die HB4-Sojabohne hat Argentinien einen ersten Anbau schon vor einigen Jahren genehmigt. Jetzt drängt das Unternehmen auf die Zulassung des Weizens. Der wurde bisher nur in Feldversuchen angebaut, in Argentinien, aber auch in Spanien. In den Versuchen soll er nach Firmenangaben bei Trockenheit höhere Erträge geliefert haben als Vergleichssorten. An der HB4-Technologie arbeitet Bioceres bereits seit zwei Jahrzehnten. Schon 2013 gründeten die Argentinier zusammen mit dem französischen Pflanzenzüchter Florimond Desprez ein Unternehmen namens Trigall Genetics, um den Weizen auf den Markt zu bringen. Damals wurde 2016 als Start für den Anbau genannt.

Für die HB4-Sojabohne seien „in Argentinien, Brasilien und seit 2019 auch in den USA und Paraguay die mehrstufigen Zulassungsprozesse abgeschlossen und ein Anbau in absehbarer Zeit zu erwarten“, schreibt das Gentechnik-Portal Transgen. Doch noch fehle die Importzulassung von China, dem bei weitem wichtigsten Abnehmer für Sojabohnen aus Nord- und Südamerika. Für die EU, die ebenfalls große Mengen gv-Soja aus Südamerika importiert, hat Bioceres gar keinen Zulassungsantrag für den Import als Lebens- und Futtermittel gestellt. Würden künftig Spuren von nicht zugelassener HB4-Soja in Lieferungen aus Amerika entdeckt, müssten diese zurückgeschickt werden. Verständlich, dass sich Anbauer da zurückhalten.

Auch bei gv-Weizen ist die Skepsis in Argentinien groß, wie ein Bericht der dortigen Zeischrift Clarin zeigt. Sie schreibt, dass sich Regierung, Weizenmühlen und –händler sowie Bioceres darauf verständigt hätten, den Markt zu sondieren und mit den wichtigsten Weizenanbauländern und den Abnehmern von argentinischem Weizen Gespräche zu führen. Mehr nicht. Immerhin trug diese Nachricht mit dazu bei, dass Bioceres weitere 42 Millionen US-Dollar von Investoren mobilisieren konnte, um seine HB4-Träume weiter zu verfolgen.

 

So kommen geklaute Kartoffel-Gene nach Ruanda

Im ostafrikanischen Ruanda sollen gentechnisch veränderte Kartoffel kommerziell angebaut werden. Sie enthalten Erbgut aus südamerikanischen Wildkartoffeln, die in dortigen Gen-Banken lagerten. Die Rechte für die Resistenzgene sicherten sich ein britischer Milliardär und ein US-Kartoffel-Konzern. Biopiraterie nennen das Kleinbauernorganisationen aus den Anden und aus Afrika.

Die gv-Kartoffel wurden ursprünglich in Irland und den Niederlanden entwickelt und ist durch die Wildkartoffelgene resistent gegen die Pilzkrankheit Krautfäule. Sie wurde nie kommerziell angebaut. Denn es gibt längst auch konventionell gezüchtete Sorten, die mit der Pilzerkrankung gut zurecht kommen. Zudem gilt die Cis-Genese, bei der Erbgut aus der eigenen Art eingebaut wird, im EU-Gentechnikrecht als Gentechnik. Denn die für den Einbau verwendeten gentechnischen Methoden und die daraus resultierenden Risiken sind die gleichen wie bei der Trans-Genese, bei der artfremdes Erbgut übertragen wird.

Deshalb würden nun Finanziers aus Großbritannien und den USA unter dem Deckmäntelchen der Entwicklungshilfe versuchen, ihre gentechnisch veränderten Knollen in Afrika zu vertreiben, schreibt das Afrikanischen Zentrum für Biodiversität (ACB). Konkret nennt das ACB den britischen Milliardär und Biotech-Investor Lord Sainsbury, Bill Gates und den US-Kartoffelkonzern JR Simplot. Unterstützt würden sie vom Internationalen Kartoffelzentrum CIP in Peru und der Hilfsorganisation US Aid. Die in Uganda bereits in Feldversuchen getesteten Kartoffeln sollen nun in einem ersten Schritt im Nachbarland Ruanda kommerziell angebaut werden. Das Ziel sei es, in Afrika den Weg auch für andere gentechnisch veränderte Pflanzen zu bereiten. Simplot habe sich, so schreibt ACB, Patente an einem der in die gv-Kartoffeln eingeschleusten Resistenzgene gesichert. Ein anderes sei vom Sainsbury Laboratory identifiziert worden, weshalb das Labor des Milliardärs dafür Lizenzgebühren verlange.

Doch die verwendeten Resistenzgene sind keine Entdeckung westlicher Laboratorien und Konzerne, sondern stammen von Wildkartoffeln aus den Anden, der Heimat der Kartoffeln. Diese Wildkartoffeln waren vor Jahren gesammelt und in eine Genbank eingelagert worden, aus der sich die Labore bedienten. Sich deren Resistenzgene als geistiges Eigentum zu sichern, sei Biopiraterie, argumentiert die Asociación ANDES, die Kleinbauern in den Anden vertritt. Diese haben sich in Peru mit ihren afrikanischen Kollegen getroffen, um gemeinsam gegen die gv-Kartoffeln vorzugehen. Die Andenbauern haben sich das in Peru ansässige Kartoffelzentrum CIP vorgenommen. „Gv-Kartoffeln sind in Peru verboten, warum also versucht CIP eine Kartoffel in Afrika zu erproben, die in seinem Heimatland illegal wäre“, fragt sich Alejandro Argumedo von der Swift Foundation, die das Anden- Afrika-Treffen organisiert hatte. „Die indigenen Völker der Anden haben die Kartoffel domestiziert und bewahren ihre Vielfalt auf ihren Feldern.“ Das CIP sollte sich deshalb um gute Beziehungen zu den Indigenen bemühen anstatt deren Rechte zu untergraben, sagt Argumedo.

 

Unbekannt entkommen: Forschungsprojekt weist auf Sicherheitslücke hin

Was passiert eigentlich, wenn Gentech-Pflanzen sich vom Acker machen? Wenn also gentechnisch veränderter Reis sein Erbgut mit Pollen und Wind verbreitet. Oder wenn keimfähiger GVO-Raps auf seiner Fahrt vom Hafen zur Ölmühle vom Laster fällt.

Im Rahmen des industrieunabhängigen Forschungsprojekts Rages hat das Institut Testbiotech zusammen mit weiteren Wissenschaftlern systematisch die Studien zusammengetragen, die sich mit den ungewollten Nachkommen gentechnisch veränderter Pflanzen in freier Wildbahn beschäftigten. Dabei zeigte sich, dass bei diesen Nachkommen auch unerwartete Effekte auftraten, die bei den ursprünglichen Gentech-Pflanzen nicht beobachtet worden waren. Beschrieben wurden unter anderem eine größere Anzahl von Samen oder Pollen, erhöhte Stressresistenz und andere biologische Veränderungen. Als Ursachen dieser Effekte wurden Umwelteinflüsse oder Interaktionen im Erbgut der Nachkommen benannt. Mögliche Risiken seien eine verstärkte Ausbreitung der neuen Pflanzen, die zur Destabilisierung von Ökosystemen führen könnte, heißt es in einem Aufsatz, den die Rages-Wissenschaftler in der Fachtzeitschrift Environmental Sciences Europe veröffentlicht haben.

„Das Risiko betrifft unter anderem gentechnisch veränderte Pflanzen wie Raps in den USA, Kanada und Australien, Leindotter in den USA, Reis in asiatischen Ländern oder auch Kuhbohnen in Afrika”, sagt Christoph Then von Testbiotech, einer der Verfasser der Publikation: Auch die EU könne davon betroffen sein, wenn etwa keimfähige, gentechnisch veränderte Rapskörner beim Transport in die Umwelt gelangten. „Die daraus entstehenden Pflanzen können in der Umwelt überleben und sich unkontrolliert ausbreiten“, warnt Then. Beispiele dafür gab es bereits in Deutschland, der Schweiz und Japan. Noch gravierender sei das Risiko bei der gezielten Freisetzung gentechnisch veränderter Insekten und bei neuen Anwendungen wie Gene Drives, die die Verbreitung künstlich im Labor erzeugter Eigenschaften noch beschleunigen.

Bisher wurden solche Risiken bei der Zulassung von gentechnisch verändertenOrganismen nur unzureichend berücksichtigt. Die Rages-Autoren schlagen vor, ein neues Ausschlusskriterium einzuführen: „Kann eine unkontrollierte Ausbreitung von Gentechnik-Organismen nicht verhindert werden, darf deren Freisetzung nicht genehmigt werden.“ Dies müsse auch für Importe keimfähiger Gentech-Saaten gelten, bei denen eine Kontamination der Umwelt nicht ausgeschlossen werden könne. Denn das Risiko negativer Folgen für die Umwelt sei zu groß.