Alle Beiträge von Leo Frühschütz

Wieder mehrere Gentechnik-Versuche beendet

Feldbefreier haben in den letzten Wochen eine Reihe von Versuchsfeldern zerstört. Darunter befand sich auch die umstrittenen Versuche mit manipulierter Gerste und Weizen am Agrobiotechnikum in Lüsewitz in Rostock. Außer in den Lokalmedien wurde kaum über die Aktionen berichtet. Ausführlicher waren die Berichte auf Seiten der Feldbefreier und bei Indymedia.

Anfang Juli zerstörten Feldbefreier eine Versuchsanlage der Firma Biovativ in Groß-Lüsewitz bei Rostock. Darunter waren auch die bundesweit bekannten und umstrittenen Versuche mit genmanipuliertem Weizen und Gerste. Lokale Schlagzeilen machte der Vorgang, weil es bei dem nächtlichen Besuch zu einem Gerangel mit einem Wachmann kam, der anscheinend eine Feldbefreierin festhalten wollte. „Wachmann verprügelt“ titelte die Ostsee-Zeitung. Gentechnik-Kritiker Jörg Bergstedt bezweifelt den in den Medien dargestellten Ablauf. „Es wäre nicht das erste Mal, dass die Gentechnik-Mafia dann, wenn sie in Not ist, mit frei erfundenen Horrorgeschichten von ihren eigenen Skandalen und Rechtsverstößen ablenken will.“

Den einzigen Gentech-Acker Bayerns in Düllstadt bei Würzburg machten Feldbefreier bereits Ende Juni unschädlich. Dort waren im Auftrag des Gentechnikkonzerns Monsanto drei verschiedene Genmais-Sorten ausgesät worden.
Bei Eichenbarleben in der Magdeburger Börde wurde in der Nacht von Freitag den 17. Juli auf Samstag den 18. Juli ein 9.000 Quadratmeter großes Genmaisfeld zerstört. Dort hatte der Konzern Syngenta seinen Genmais GA21 anbauen lassen. Er ist gegen das Syngenta-Herbizid Touchdown mit dem Wirkstoff Glyphosat resistent.
Bei Wedemark nördlich von Hannover zerstörten Feldbefreier ein 3.500 Quadratmetern großes Feld mit Genmais. Sie hatten in der vorletzten Juliwoche die Pflanzen alle einzeln abgeschnitten. Es handelte sich um einen Versuchsanbau der Niedersächsischen Landwirtschaftskammer, die dort für Monsanto Genmais-Hybriden der Sorte NK603*MON810 anbaute. Die Polizei bezifferte den Schaden auf 20.000 Euro.

Feldbefreiung: Bioland-Imker muss ins Gefängnis

Der Bioland-Imker Michael Grolm muss am 27. August in das thüringische Gefängnis Goldlauter einrücken. Er hat bereits angekündigt, mit Pauken und Trompeten in den Knast zu ziehen. Denn er ist der erste deutsche Gentechnik-Gegner, der hinter Gitter muss. Es handelt sich um Beugehaft, weil Grolm keinen Schadensersatz für ausgerissenen Genmais zahlen will.
Michael Grolm gehört zu den Begründern der Aktion „Gendreck weg“, die seit Jahren mit öffentlich angekündigten Feldbefreiungen gegen den Anbau von genmanipulierten Pflanzen in Deutschland protestiert. Im Juli 2007 hatte er trotz eines Betretungsverbots den Acker einer brandenburgischen Agrargenossenschaft betreten und den dort wachsenden Genmais MON 810 ausgerissen. Das zuständige Gericht verurteilte ihn zu einem Schadensersatz von 1.000 Euro. Grolm weigerte sich, zu zahlen und wird nun in Beugehaft genommen. Deren Dauer ist unbestimmt. „Voraussichtlich eine Woche“ schreibt die Thüringische Landeszeitung und prognostiziert, dass die Haft „das Ziel, dem sie dient – ihn mürbe zu machen – allerdings verfehlen wird“. Michael Grolm denke überhaupt nicht daran, diese erstklassige Gelegenheit, auf seine Sache aufmerksam zu machen, ungenutzt verstreichen zu lassen. „Am Sonntag danach ist Wahl, und die Leute haben die Möglichkeit mitzubestimmen, wie eine zukunftsfähige Thüringer Landwirtschaft aussieht“, zitiert ihn die Zeitung.
Solche Gelegenheiten wird der Imker noch mehrere bekommen. Neben der zivilrechtlichen Schadensersatzforderung brachte ihm die Feldbefreiung von 2007 auch ein Strafverfahren wegen Rädelsführerschaft und Sachbeschädigung ein, das in zweiter Instanz mit 20 Tagessätzen endete. „Auf die Vollstreckung warte ich nur“, sagte Grolm der Thüringische Landeszeitung. Für diese kämpferische Haltung hat ihm übrigens die taz im vergangenen Jahr ihren bekannten Panterpreis verliehen. In seinem tazBlog listet Benny Härlin von Save our Seeds genüsslich die EU-Subventionen der beiden Kontrahenten auf: „Grolm (EU Subventionen 2008: 440,49 €) weigert sich, 1000 Euro Schadensersatz an die Agrargenossenschaft Altreetz (EU Subventionen 2008: 454,139.25 €) zu bezahlen.

Immer noch Gen-Öl in der Friteuse

In manchen Kantinen, Gaststätten und Frittenbuden wird immer noch Öl aus genmanipulierten Sojabohnen eingesetzt, ohne dass die Kunden dies erfahren. Darauf wies die Münchner Greenpeace-Gruppe hin. Deren Gen-Detektive verfolgen seit zwei Jahren Gastronomie-Großhändler, die Gen-Öl im Angebot haben. Die gute Nachricht: Es werden weniger.

Nach Angaben von Greenpeace München vertreiben derzeit noch drei Münchner Großhändler Gen-Öl der Marke Sedina der Ölmühle Hamburg. Zwei weitere wollen noch Restbestände abverkaufen und dann auf Gen-Öl verzichten. Die Öle selbst sind entsprechend gekennzeichnet – in der Regel findet sich aber keine Kennzeichnung in den Speisekarten von Gaststätten, Kantinen oder Imbissständen, die diese Öle weiter verarbeiten. Den Verbrauchern werde so, aufgrund der fehlenden Kennzeichnung in den Speisekarten und den unzureichenden Kontrollen der bayerischen Lebensmittelüberwachung, nun doch wieder Gentechnik untergeschoben, argumentiert Klaus Müller. „Es ist verantwortungslos gegenüber Verbrauchern und Gastwirten, wenn Großhändler gentechnisch veränderte Speiseöle in ihrem Sortiment anbieten.“

Allerdings werden es immer weniger. Als die Greenpeace-Gruppe München im Februar 2007 ihre „Schwarze Liste der Gen-Öl-Händler“ erstmals veröffentlichte, waren darauf rund ein Dutzend Händler zu finden. Mit Aktionen vor Großmärkten und in Gaststätten informierten die Greenpeacler über den heimlichen Gen-Öl-Einsatz, auch auf italienisch, türkisch und chinesisch. Mit der Ergebnis, dass immer mehr Großhändler die betreffenden Produkte auslisteten. Allerdings haben sich die Greenpeacler nur mit Unternehmen befasst, die in und um München ihren Sitz haben oder Gaststätten in und um München beliefern. Die einschlägigen Gen-Öle sind aber auch bei vielen anderen Großhändlern bundesweit zu haben.

Konzerne zensieren Forscher

Wissenschaftler müssen die Gentech-Konzerne um Erlaubnis fragen, wenn sie Forschungsergebnisse über deren Gen-Pflanzen veröffentlichen wollen. Diese Praxis prangert das Wissenschaftsmagazin Scientific American in seiner aktuellen Ausgabe an und fordert: „Das muss aufhören.“

Wenn Wissenschaftler für ihre Forschungsarbeiten gentechnisch verändertes Saatgut kaufen, müssen sie eine Vereinbarung unterschreiben, die festlegt, was mit dem Saatgut alles gemacht werden darf. Üblicherweise verbieten solche Vereinbarungen die unerlaubte Nachzucht. Doch Agritech-Unternehmen wie Monsanto, Pioneer und Syngenta seien weiter gegangen, heißt es in dem Artikel. „Ein Jahrzehnt lang haben ihre Nutzungsvereinbarungen ausdrücklich verboten, das Saatgut für unabhängige Forschung einzusetzen. Unter Androhung von Klagen war es den Wissenschaftlern untersagt, zu testen, unter welchen unterschiedlichen Bedingungen die Saat gut gedieh oder floppte. Sie durften das Saatgut unterschiedlicher Unternehmen nicht miteinander vergleichen. Vor allem aber konnten sie nicht untersuchen, ob die gentechnisch veränderten Pflanzen zu unerwünschten ökologischen Nebeneffekten führten.“
In den anerkannten Fachzeitschriften seien nur Studien veröffentlicht worden, die zuvor von den Saatgut-Herstellern überprüft wurden. „In einigen Fällen wurden die Ergebnisse von Experimenten, die das interne Plazet des Saatgut-Unternehmens hatten, später nicht veröffentlicht. Sie waren nicht schmeichelhaft genug.“ Als Kronzeugen zitiert Scientific American den Insektenforscher Elson J. Shields von der Cornell Univerität. Der Professor ist Sprecher einer Gruppe von 24 Wissenschaftlern, die sich mit Getreide-Schädlingen befassen. Sie haben in einem Schreiben an die US-Umweltbehörde EPA die Gängelung durch die Konzerne und die Bevorzugung gentechnikfreundlicher Wissenschaftler angegriffen. „Der eingeschränkte Zugang zu Saatgut führt dazu, dass viele kritische Fragen zu dieser Technologie nicht unabhängig und legal erforscht werden können“, lautet ihr Fazit.
Das Magazin kommentiert, es sei gefährlich, wenn Wissenschaftler nicht mehr kritisch untersuchen können, was als Pflanze auf weiten Flächen des Landes angebaut wird und als Lebensmittel auf den Tisch kommt. Deshalb müssten die Konzerne umgehend diese Einschränkung aufheben. Da die Autoren daran scheinbar selbst nicht glauben, fordern sie parallel dazu die Behörden zum Handeln auf. Neues Gentech-Saatgut dürfe erst zugelassen werden, wenn unabhängige Wissenschaftler ungehinderten Zugang zu allen bereits auf dem Markt befindlichen Produkten hätten.
Der Beitrag in Scientific American beschreibt Zustände in den USA. Da es sich aber bei Monsanto & Co um weltweit agierende Konzerne handelt, stellt sich die Frage: Welche Nutzungsvereinbarungen haben die Wissenschaftler unterschrieben, die in Deutschland staatlich geförderte Sicherheitsforschung in Sachen grüner Gentechnik betreiben?

Gen-Gefahren endlich erforschen

Mehrere Umwelt- und Bioverbände haben einen 9-Punkte-Katalog für eine ökologische Risikoforschung in Sachen grüner Gentechnik vorgelegt. Das Papier erschien im Vorfeld der zweiten Gentechnik-Diskussionrunde, zu der Forschungsministerin Annette Schavan eingeladen hatte. Die Verbände kritisieren darin die bisherige staatliche Förderpolitik.

Sie reiche nicht aus, um das Potenzial negativer Entwicklungen rechtzeitig aufzudecken. „Relevante Fragestellungen aus der Sicht von Verbrauchern sowie des Natur- und Umweltschutzes werden entweder nicht oder nicht hinreichend untersucht.“ Statt dessen fließe ein großer Anteil der
Fördermittel des Bundesforschungsministeriums für Biosicherheitsforschung in „Projekte, die die Technologien der Genübertragung weiter perfektionieren sollen, ebenso wie in das als PR-Maßnahme angelegte Kommunikationsmanagement.“

In ihrem Katalog fordern die Verbände systematische Untersuchungen zu den gesundheitlichen Effekten von GVO und zu den Auswirkungen auf Nicht-Ziel-Organismen, insbesondere auf bestäubende Insekten. Dazu müssten unabhängige Institute mit entsprechenden Mittel ausgestattet werden und Zugang zu Versuchsmaterialien erhalten. Forschungsziele und Mittelvergabe sollten nicht mehr von einem kleinen Kreis aus Ministerialbeamten und Wissenschaftler festgelegt werden, sondern „durch einen demokratisch legitimierten Stakeholder-Kreis transparent und offen gestaltet“ werden.

Da die EU-Umweltminister Ende 2008 beschlossen haben, bei der GVO-Zulassung auch sozioökonomische Aspekte und. Kosten-Nutzen-Überlegungen einzubeziehen, müsse auch dieser Bereich bearbeitet werden, fordern die Verbände: „Neben den einzelbetrieblichen Kosten, die für Saatguterzeuger, Landwirte, Imker, Lebensmittelerzeuger und -verarbeiter anfallen, müssen die volkswirtschaftlichen Kosten erfasst werden: für die Regulierung, den Schutz der Koexistenz, der Biodiversität etc. Darüber hinaus ist ein Vergleich mit Alternativen zu erstellen und zu bewerten – und zwar von Experten, die diese Alternativen kennen und nicht von den Protagonisten der Gentechnik.“

Gentechnikversuchsland Indien

Die indische Regierung hat Pläne bestätigt, wonach Feldversuche mit 170 gentechnisch veränderten Sorten aus insgesamt 41 Pflanzenarten vorgesehen sind. Das meldete Greenpeace Indien. Angebaut werden sollen auch 25 Sorten Gen-Reis. Eine davon baut der deutsche Bayer-Konzern an. Unter Polizeischutz.

Greenpeace-Aktivisten und andere Umweltschützer hatten das Versuchsfeld in der Nähe der indischen Stadt Hyderabad gestürmt und es mit Vogelscheuchen und Transparenten gekennzeichnet. Alarmiert von Bayer ging die Polizei gegen die Demonstranten vor und verhaftete 35 Menschen, darunter auch Medienvertreter sowie die bekannte Schauspielerin Amala Akkineni, berichtete die Zeitung Ecologist. Die Betroffenen erwartet eine Anklage wegen Hausfriedensbruch, Sachbeschädigung und Nötigung. Greenpeace hielt Bayer eine Erklärung von 2004 vor. Darin habe der Konzern zugesichert, auf Genreis-Anbauversuche in Indien zu verzichten. Greenpeace wies auf die Verunreinigungen durch Bayer-Genreis 2007 in den USA hin und warnte davor, dass Indien als größter Reisexporteur durch solche Anbauversuche extrem gefährdet sei.

Monsantos indische Tochter Mahyco baut im Bundesstaat Jharkhand Gen-Reis an. Die Organisation Gene Campaign hat dem Konzern vorgeworfen, dass sein Bt-Reis bereits den gentechnikfreien Reis in der Region um das Versuchsfeld kontaminiert habe. Das Feld verletze alle offiziellen Vorgaben für den Anbau von Gen-Pflanzen. Jharkhand gilt als eine der Ursprungsregionen des Reisanbaus, wo noch zahlreiche alte Sorten kultiviert werden. Mehrere indische Bundesstaaten haben Anbauversuche inzwischen verboten.

RoundUp gehört verboten

Der französische Toxikologe Gilles Eric Séralini hat gefordert, das Monsanto-Pestizid RoundUp zu verbieten. Der Professor an der Universität Caen erforscht seit Jahren die Wirkungen des angeblich ungefährlichen Herbizids. Er fand heraus, dass es bereits in geringen Mengen wie sie regelmäßig als Rückstände in Lebensmitteln oder Tierfutter vorkommen, extrem gefährlich ist.

Bereits im Januar 2009 hatte Séralini eine Studie veröffentlicht, bei der vier verschiedene RoundUp-Formulierungen in 100.000-facher Verdünnung mit drei menschlichen Zelltypen in Kontakt brachte. Innerhalb von 24 Stunden waren alle Zellen abgetötet. In einer Mitte Juni 2009 publizierten Arbeit wies der Toxikologe nach, dass RoundUp bereits in minimalen Dosen, weit unter den zugelassenen Grenzwerten, sowohl auf die Produktion männlicher als auch weiblicher Hormone (Androgene und Östrogene) einwirkt und die DNA schädigt. Verantwortlich für diese Wirkung ist nach Ansicht von Séralini nicht allein der RoundUp Wirkstoff Glyphosat sondern auch dessen weitaus giftigeren Abbauprodukte und Zusatzstoffe wie das Netzmittel Tallowamin. Sie „verändern die Durchlässigkeit der menschlichen Zellen und verstärken die Giftigkeit“, sagte Séralini der taz.

Aus diesem Grund hat das Bundeslandwirtschaftsministerium bereits im September 2008 die Hersteller Glyphosathaltiger Pestizide gebeten, auf Tallowamin binnen zwei Jahren zu verzichten. Monsanto hat dies abgelehnt. „Der Bitte den kritischen Beistoff zu ersetzen, will Monsanto nicht nachkommen. „Wir sind dazu aufgefordert worden, haben dazu Stellung genommen, Einspruch erhoben, und haben dargelegt, dass es keine wissenschaftlichen Erkenntnisse bisher gibt, die einen Austausch des Beistoffes rechtfertigen würden“, sagte Andreas Thierfelder, Sprecher von Monsanto Deutschland dem Sender RBB.

Die Bundestagsfraktion der Grünen forderte, das Monsanto-Pestizid sofort vom Markt zu nehmen. Zudem müssten die Bundesregierung und die Europäische Kommission die Zulassungsverfahren für gentechnisch veränderte Produkte überarbeiten. Bei der Risikoprüfung müssten die bei gentechnisch veränderten Pflanzen eingesetzten Unkrautvernichtungsmittel einbezogen werden.

Monsanto will wieder Weizen manipulieren

Der Gentechnik-Konzern Monsanto hat angekündigt, das er sich wieder mit gentechnisch verändertem Weizen befassen will. 2004 hatte der Konzern seine damaligen Genweizen-Forschungen eingestellt. Jetzt hat er sich mit der Firma WestBred das nötige Knowhow in Sachen Weizen-Erbgut eingekauft.

In seiner Mitteilung schreibt der Konzern, er wolle die bei anderen Gen-Pflanzen übliche RoundUp-Resistenz nicht in Weizen einbauen. Ziel sei es, Weizen zu entwickeln, der widerstandsfähig gegen Trockenheit sei, Stickstoff gut ausnützen könne und höhere Erträge liefere. Den Kaufpreis von 45 Millionen US-Dollar sieht Monsanto als langfristige Investition. Man erwarte, dass dieser Geschäftszweig erst Mitte bis Ende der nächsten Dekade Gewinn bringe.

Im Mai 2004 hatte Monsanto seine Entwicklungsarbeiten mit Genweizen eingestellt. Der Konzern begründete dies damals damit, dass die geschäftlichen Möglichkeiten im Vergleich zu anderen Gen-Pflanzen weniger attraktiv seien. Voraus gegangen waren der Entscheidung massive Proteste von Bauern-, Verbraucher- und Umweltorganisationen, vor allem in Kanada und den USA.

An diesem Widerstand hat sich nichts geändert. Anfang Juni hatten Bauernverbände, Umwelt- und Verbrauchergruppen aus Australien, Kanada und den USA ein gemeinsames Statement gegen Genweizen veröffentlicht. Laut einer Umfrage des kanadischen Weizen Board unter 1300 Farmern sprachen sich nur 9 Prozent für den Anbau von Genweizen aus, 19 Prozent waren strikt dagegen. Die große Mehrheit lehnte Genweizen ab, weil es weltweit keine Nachfrage dafür gebe.

An Genweizen geforscht wurde in den letzten Jahren auch ohne Monsanto –in Deutschland und in der Schweiz. Dort starteten erstmals 2004 Anbauversuche mit einem genmanipulierten pilzresistenten Weizen. Der Anbau im sachsen-anhaltinischen Gatersleben wurde im vergangenen Jahr durch Feldbefreier öffentlich zerstört. Sie stehen jetzt vor Gericht. Ihnen drohen 100.000 Euro Schadensersatz.

BT-Baumwolle hilft weder Bauern noch der Umwelt

Der Anbau genmanipulierter Baumwolle hat den Pestizidverbrauch nicht verringert, die Ernten nicht gesteigert und den Kleinbauern nicht geholfen. Dieses Fazit zieht der Wissenschaftler Dominic Glover von der Universität im britischen Sussex. Er hat für seine Übersichtsarbeit zahlreiche Studien ausgewertet, die in anerkannten, so genannten peer-reviewed Fachzeitschriften erschienen sind.

„Die weit verbreiteten Versicherungen, dass gentechnisch veränderte Pflanzen den Armen nutzen würden, ist wissenschaftlich kaum belegt“, schreibt der Entwicklungsexperte. Die vorliegenden Studien seien widersprüchlich. Glover führt dies darauf zurück, dass die gemessenen Faktoren wie Ernteertrag oder Pestizideinsatz von zahlreichen Faktoren mitbestimmt werden. „Die Einflüsse der Gentechnik hängen viel stärker vom sozio-ökonomischen Kontext, den institutionellen Rahmenbedingungen und landwirtschaftlichen Faktoren ab als von der Performance einer einzelnen transgenen Eigenschaft.“ Auch nütze es wenig, einer Pflanze ein zwei neue Gene hinzuzufügen, wenn sie nicht gut an die jeweilige regionale Landwirtschaft angepasst ist. Zwar hätten einige Bauern vom Anbau transgener Sorten profitiert, schreibt Glover, doch andere, insbesondere Kleinbauern ohne Zugang zu Ressourcen wie Bewässerung oder Krediten, hätten keinen Nutzen gehabt.

Dass sich trotzdem das „Märchen von der Hilfe für die Armen“ hält, erklärt der durchaus nicht gentechnikfeindliche Wissenschaftler so: „Ermutigende Resultate wurden hochgejubelt, negative oder unentschiedene Ergebnisse kleingeredet.“ Die Studien über die Auswirkungen hätten sich auf die positiv klingende Durchschnittswerte bezogen und die großen Unterschiede zwischen einzelnen Betrieben, Regionen und Jahreszeiten vernachlässigt. „Diese selektive und irreführende Interpretation hat die öffentliche Debatte verzerrt und die Entwicklung einer angemessenen, evidenz-basierten Politik verhindert.“

USA: Gen-Alfalfa bleibt verboten

Der Gentechnik-Konzern Monsanto hat in den USA eine juristische Schlappe erlitten. Das Appellationsgericht entschied, dass der Anbau der genmanipulierten Futterpflanze Alfalfa (Luzerne) nicht rückgängig zu machenden Umweltschäden verursachen könne, sowie den biologischen und gentechnikfreien konventionellen Anbau beeinträchtigen und Farmern wirtschaftlichen Schaden zufügen könne. Mit dieser Begründung lehnte das Gericht einen Widerspruch des Konzerns gegen ein 2007 erlassenes gerichtliches Verbot des Anbaus ab.
Damals hatte ein kalifornischer Richter die Zulassung der Gen-Luzerne durch das US-Landwirtschaftsministerium (USDA) im Jahr 2005 für gesetzeswidrig erklärt. Das USDA hatte den Anbau ohne SDA hatte den Anbau ohne Vorlage der vorgeschriebenen Umweltverträglichkeitsprüfung erlaubt. Bereits 2008 hatte das Appellationsgericht das Urteil bestätigt und nun auch den zweiten Vorstoß des Gentechnikkonzerns, den Anbau doch zuzulassen, abgeschmettert.
„Diese Entscheidung bestätigt einen großen Sieg der Verbraucher, Viehzüchter, ökologischen und konventionellen Bauern im ganzen Land“, sagte Andrew Kimbrell, Geschäftsführer der Verbraucherorganisation Center for Food Safety (CFS). Die Entscheidung sei ein Wendepunkt für die Gentechnik-Regelungen in den USA. Das CFS hatte die ursprüngliche Klage gegen die Gen-Luzerne koordiniert. Die eiweißreiche Futterpflanze wächst in den USA auf rund 8,5 Millionen Hektar und ist damit flächenmäßig die viertwichtigste Nutzpflanze.
Monsanto bleiben nun zwei Optionen: Der Konzern kann den Fall vor den Supreme Court, das höchste US-Gericht, bringen. Oder er wartet ab, bis das Landwirtschaftsministerium die geforderte Umweltverträglichkeitsprüfung erstellt und vorgelegt hat.