Alle Beiträge von Leo Frühschütz

Was kostet die grüne Gentechnik?

Mehrere Verbände haben zusammengestellt, was alles berücksichtigt werden müsste, um eine aussagekräftige und ganzheitliche Kosten-Nutzen-Rechnung für die grüne Gentechnik aufzustellen. Der Fragenkatalog soll der Bundesregierung helfen, ihre Hausaufgaben zu erledigen. Denn künftig sollen bei der Zulassung gentechnisch veränderter Organismen (GVO) auch solche sozioökonomischen Kriterien berücksichtigt werden.

Dies hatte Ende 2008 der Rat der EU-Umweltminister beschlossen. Die Minister ersuchten damals die EU-Mitgliedstaaten auf „bis Januar 2010 relevante Informationen zu den sozioökonomischen Auswirkungen des Inverkehrbringens von GVO einschließlich des sozio-ökonomischen Nutzens und der sozio-ökonomischen Risiken sowie der agronomischen Nachhaltigkeit einzuholen und auszutauschen“. Bis Juni 2010 soll dann die EU-Kommission anhand der von den Mitgliedstaaten abgelieferten Informationen dem Europäischen Parlament und dem Ministerrat berichten.

Passiert ist seither – nicht nur in Deutschland – wenig. Deshalb haben die gentechnikkritischen Verbände sich vom Institut Arbeit und Wirtschaft der Universität Bremen „Vorschläge zur Erfassung von sozioökonomischen Faktoren in Deutschland“ zusammenstellen lassen. Herausgekommen ist ein Katalog, der gezielt abfragt, wie sich zum Beispiel GV-Pflanzen auf das Leitbild einer nachhaltigen Entwicklung auswirken oder welche Folgen der Anbau für die Ernährungswirtschaft oder den Tourismus in einer Region hat. Beim Thema sozialer Nutzen wird abgefragt, ob GV-Pflanzen neue Beschäftigungsmöglichkeiten schaffen oder Kleinbetriebe Verdrängen und welchen konkreten Nutzen diese Pflanzen überhaupt bringen. Ausführlich geht der Kriterienkatalog auf die vielfältigen Kosten ein, die der gentechnikfreien Landwirtschaft und den Lebensmittelherstellern durch die nötigen Schutzvorkehrungen gegen Verunreinigungen und die Analysen entstehen. Auch die Kosten von Kontaminationsfällen wie dem Genreisskandal müssten in eine solche Rechnung einbezogen werden. Aufgelistet hat solche Kosten im Frühjahr 2009 der Bund ökologische Lebensmittelwirtschaft in seinem „Schadensbericht Gentechnik“.

„Werden betriebswirtschaftliche Auswirkungen und gesellschaftliche Risiken eingerechnet, so könnte der großflächige Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen den Menschen und der Wirtschaft mehr schaden als nutzen“, sagt Olaf Tschimpke, Präsident des Naturschutzbundes Deutschland (NABU). Die Folgen des Gentechnik-Einsatzes würden in Deutschland und den meisten EU-Ländern weitgehend ausgeblendet.

Neue Genmaissorten zugelassen

Die EU-Kommission hat die Genmaissorten MON88017 und MON89034 von Monsanto sowie den Pioneer-Mais 59122xNK603 zugelassen. Alle drei Arten sind gegen bestimmte Schädlinge immun. Die Zulassung erfolgte für den Import als Futter- und Lebensmittel, ein Anbau ist nicht geplant. Mit ihrem Beschluss erleichtert die Kommission in erster Linie die Einfuhr von Futtermitteln aus den USA.

Die EU-Kommission konnte selbständig über die Zulassung entscheiden, nachdem die Abstimmung der EU-Agrarminister am 19. Oktober in einem Patt endete. Dass der Beschluss so schnell fiel, dürfte eine Reaktion auf das Drängen der Futtermittelindustrie und der großen Bauernverbände sein. Die drei Genmaissorten werden in den USA bereits angebaut. Bei Stichproben entdeckten die Behörden in einigen Fällen MON88017 in Sojalieferungen aus den USA, die daraufhin zurückgeschickt wurden. Diese wenigen Fälle nutzte die Futtermittelindustrie, um vor einer drohenden Futtermittelknappheit zu warnen und das Nulltoleranz-Prinzip im EU-Gentechnikrecht in Frage zu stellen.
Dieses Prinzip besagt, dass gentechnisch veränderte Organismen (GVO), die über keine EU-Zulassung verfügen, auch nicht in Verkehr gebracht werden dürfen. Werden sie trotzdem in Lebens- oder Futtermitteln entdeckt, müssen die verunreinigten Produkte umgehend vom Markt genommen werden. Das betraf zuletzt mit GVO verunreinigte Leinsaat aus Kanada, kommt aber häufiger bei Futtermittellieferungen aus den USA vor. Denn in den USA werden neue Mais- und Sojalinien schnell genehmigt und angebaut, während in der EU die Sicherheit der neuen GVO weit gründlicher und deshalb länger geprüft wird. Mit einer Postkartenaktion macht der Deutsche Bauernverband derzeit gegen das Nulltoleranz-Prinzip mobil. Auch nach der Zulassung der drei Genmaissorten warten noch über ein Dutzend weitere Genmais-Linien und sechs Gensojasorten auf ihre Zulassung für den Import als Futter- und Lebensmittel.

Mehr Infos: Informationsdienst Gentechnik: Dossier Nulltoleranz

Neue Fälle: Zensierte Gentech-Forschung

Die Fachzeitschrift Nature Biotechnology hat über Fälle berichtet, in denen Gentechnik-Konzerne Forschungsergebnisse unterdrückt haben. Bereits im Sommer 2009 hatten sich Insektenforscher in den USA darüber beschwert, dass die Konzerne ihre Arbeiten beeinflussen. Dass Monsanto&Co auch zu massiveren Methoden greifen können, zeigt der Fall eines argentinischen Wissenschaftlers. Er hatte kritische Ergebnisse zum Monsanto-Herbizid RoundUp veröffentlicht.

Die Wissenschaftsjournalistin Emily Waltz hat in ihrem Artikel „Geheim!“ in Nature Biotechnology die bereits im Sommer 2009 begonnene Zensur-Diskussion aufgenommen und um einige Fälle bereichert. Anonym erzählte ein Forscher der Journalistin, dass sein Universitätslabor 2001 im Auftrag von Pioneer Nebenwirkungen einer neuen Gen-Maissorte auf Marienkäfer untersuchen sollte. Fast alle Käfer starben, nachdem sie länger als acht Tage Futter mit dem Mais-Toxin erhalten hatten. Pioneer verbot den Forschern unter Berufung auf den unterschriebenen Auftrag, die Ergebnisse zu veröffentlichen. Zwei Jahre später wurde die Maissorte in den USA zugelassen. In den eingereichten Unterlagen an die US-Umweltbehörde EPA waren die Versuche von Pioneer so modifiziert worden, dass die Marienkäfer am Leben blieben. EPA sei auf die früheren Ergebnisse hingewiesen worden, habe es aber vorgezogen nicht zu handeln, schreibt Waltz.

Sie beschreibt auch, dass es Wissenschaftlern oft nur unter Berufung auf das Akteneinsichtsrecht möglich sei, Studien aus Zulassungsverfahren einzusehen. Auch dieser Zugang sei eingeschränkt, da die Firmen solche Studien oft als Betriebsgeheimnisse deklarieren und damit der Einsicht entziehen würden. Der Insektenforscher Bruce Tabashnik von der University of Arizona erzählte Waltz, dass er an Akten gelangt sei, denen zufolge Dow AgroSciences den Verkauf einer Genmaissorte in Puerto Rico eingestellt habe, nachdem der Zielschädling, der Armybollworm, Resistenzen entwickelt hatte. „Ich ermutigte einen Mitarbeiter des Unternehmens, die Daten zu veröffentlichen und erwähnte, das alternativ auch ich die Daten zitieren könnte. Er sagte mir, sollte ich diese Informationen zitieren, würde das Unternehmen mich verklagen. Solche Statements haben schon eine abschreckende Wirkung“, zitiert Waltz den Forscher.

Wissenschaftler, die öffentlich Ergebnisse verkünden, die den Gentechnik-Konzernen schaden könnten, werden massiv unter Druck gesetzt, mit Rufmordkampagnen oder Prozessen überzogen. Beispiele dafür sind die Erlebnisse von Arpad Pusztai oder Ignacio Chapela. Ähnliche Erfahrungen machte auch der argentinische Professor Andres Carrasco. Er hatte in der Presse von der negativen Wirkung von RoundUp auf Embryonen von Fröschen berichtet. Dabei vertrat er die Ansicht, dass entsprechende Wirkungen auch auf den Menschen möglich seien. Daraufhin erhielt er Drohanrufe und einschüchternde Besuche von Anwälten in seinem Labor. Die Agrarlobby begann mit einer Rufmord-Kampagne. Auch von staatlicher Seite und von Kollegen die für die Agrar-Konzerne forschen, habe er Druck bekommen, berichtete der für das Verteidigungsministerium arbeitende Professor in einem ausführlichen Interview. Doch so leicht lasse sich eine dreißigjährige akademische Karriere nicht zerstören. „Das sind alles Heuchler, diese Truppen der Konzerne. Aber sie haben Angst. Sie wissen, dass sie die Sonne nicht mit ihren Händen verdunkeln können. Es gibt wissenschaftliche Beweise und, darüber hinaus, Hunderte von Menschen, die der lebende Beweis sind für die Gesundheitsgefahren, die mit Glyphosat verbunden sind.“

Koalitionsvertrag: Anbauverbot bleibt vorerst erhalten

Die neue schwarz-gelbe Bundesregierung wird einen gentechnikfreundlicheren Kurs fahren als ihre Vorgängerin. Dies zeigen die im Koalitionsvertrag festgelegten Vereinbarungen. Der Bund für ökologische Lebensmittelwirtschaft nannte die Aussagen „im höchsten Maße bedenklich“. Doch so schlimm wie befürchtet, ist es nicht gekommen.

An einer wesentlichen Entscheidung der alten großen Koalition hält die neue Regierung vorerst fest. „Beim erlassenen Anbauverbot für die gentechnisch veränderte Maissorte MON 810 wird der Ausgang des Gerichtsverfahrens abgewartet“, steht im Koalitionsvertrag. Zu erwarten ist allerdings, dass die Regierung eine für Monsanto positive Entscheidung in erster Instanz akzeptieren würde. Interessant ist, was nicht erwähnt wird. Denn das sind die Punkte, bei denen keine Einigung erzielt wurde. So fehlt zum Beispiel die von den Gentech-Lobbyisten geforderte Schleifung des Gentechnikrechtes komplett.

Abstandsregeln sollen künftig die Bundesländer treffen. Das würde der CSU in Bayern einen gentechnikfreien Alleingang ermöglichen. Allerdings ist der Spielraum sehr eng definiert, denn es geht nicht um Koexistenzregeln insgesamt, sondern nur um die „rechtlichen Vorraussetzungen, damit die Bundesländer innerhalb eines bundeseinheitlichen Rahmens von Kriterien flexibel eigenständig Abstände festlegen können“. Der BÖLW kommentierte diesen Kompromiss kritisch: „Bei aller Sympathie für die Entscheidungsfreiheit von Regionen: brandenburgischer Maispollen fliegt ebenso weit wie bayerischer.“

Bei der Nulltoleranz gegenüber nicht zugelassenen GVO will die Regierung eine „praktikable Anwendung“ erreichen. Geschehen soll dies durch Änderungen der „offiziellen Probenahme- und Nachweismethoden“. Ein solches Vorgehen hat die EU-Kommission auf europäischer Ebene schon angekündigt, aber wegen des Widerstandes gegen solche Tricksereien bisher nicht umgesetzt.
Die Formulierung „Wir treten für eine stärkere Wissenschaftsorientierung und effiziente Zulassungsverfahren von gentechnisch veränderten Organismen (GVO) auf EU-Ebene ein“, bedeutet, dass künftig vor allem die gentechnikfreundliche Lebensmittelbehörde EFSA entscheiden soll und nicht die sich gegenseitig blockierenden Politiker der Mitgliedsstaaten.

Den Anbau der Gen-Knolle Amflora will die Koalition unterstützen. Da die Entscheidung auf EU-Ebene fällt, bedeutet dies nur, dass sich Deutschland dort nicht mehr der Stimme enthalten kann, sondern zustimmen müsste. „Dass ein konkretes Produkt einer konkreten Firma – die Gentechnikkartoffel „Amflora“ – es bis in den Koalitionsvertrag geschafft hat, ist ein unglaublicher Vorgang und zeigt, wie erfolgreich die Biotechnologie-Branche damit war, den Vertragsverfassern die Feder zu führen“, kommentierte der BÖLW-Vorsitzende Felix Prinz zu Löwenstein diesen Passus.

Der Text auf den Seiten 124 und 125 im Entwurf des Koalitionsvertrages

Grüne Gentechnik
Die Biotechnologie stellt eine wichtige Zukunftsbranche für Forschung, Wirtschaft und Landwirtschaft dar, die bereits weltweit etabliert ist. Deshalb wollen wir die verantwortbaren Potentiale der grünen Gentechnik nutzen. Der Schutz von Mensch und Umwelt bleibt oberstes Ziel des deutschen Gentechnikrechts.
Wir treten für eine stärkere Wissenschaftsorientierung und effiziente Zulassungsverfahren von gentechnisch veränderten Organismen (GVO) auf EU-Ebene ein. Wir schaffen die rechtlichen Vorraussetzungen, damit die Bundesländer innerhalb eines bundeseinheitlichen Rahmens von Kriterien flexibel eigenständig Abstände festlegen können, die zwischen Feldern mit genetisch veränderten Pflanzen und solchen mit konventionellem oder ökologischem Anbau einzuhalten sind.
Beim erlassenen Anbauverbot für die gentechnisch veränderte Maissorte MON810 wird der Ausgang des Gerichtsverfahrens abgewartet. Der Anbau der gentechnisch veränderten Stärkekartoffel Amflora für eine kommerzielle, industrielle Verwertung wird unterstützt.
Um eine für Wirtschaft und Überwachung praktikable Anwendung der im Gemeinschaftsrecht der EU festgelegten Nulltoleranz für nicht in der EU zugelassene GVO zu ermöglichen, werden wir das Gentechnikgesetz und das EG-Gentechnikdurchführungsgesetz ändern. Dort werden wir eine Ermächtigung schaffen, um offizielle Probenahme- und Nachweismethoden festzulegen. Zur Schaffung einer umfassenden Verbrauchertransparenz streben wir eine Positivkennzeichnung (Prozesskennzeichnung) auf europäischer Ebene an.

Globale Kampagne gegen Saatgut-Patente

Die Koalition Keine Patente auf Saatgut hat einen weltweiten Appell gegen die zunehmende Monopolisierung von Saatgut und landwirtschaftlichen Nutztieren durch Patente gestartet. Die Patente bedrohen ihrer Ansicht nach die weltweite Nahrungsmittelversorgung und die regionale Selbstbestimmung bei der Nahrungsmittelproduktion. Der Appell soll am 26 März 2010 an Regierungen und Patentämtern in Afrika, Nord- und Südamerika, Australien und Europa übergeben werden.

Der Griff der Konzerne nach der Nahrungsmittelversorgung der Welt hat inzwischen zu einem festen Begriff geführt: Monsantisierung. Denn der US-Konzern Monsanto betreibt diese Taktik am aggressivsten. Er hält bereits über 1.000 Patente auf Leben, insbesondere auf Saatgut. Landwirte geraten in Abhängigkeit, dürfen nicht mehr ihr eigenes Saatgut ziehen.

Auch die Vereinten Nationen warnen vor dieser Gefahr. Olivier de Schutter, der UN-Sonderbeauftragte für das Recht auf Nahrung stellte in dieser Woche in New York seinen Bericht an die UNO-Generalversammlung vor. Darin stellt er fest: Die Oligopole einiger Anbieter können dazu führen, dass armen Landwirten der Zugang zu Saatgut, einem für sie lebenswichtigen Produktionsmittel, verwehrt wird. Und sie kann dazu führen, dass die Lebensmittelpreise steigen, wodurch die Lebensmittel für die Ärmsten noch weniger verfügbar werden. So könnten Hungerkrisen noch verstärkt werden

Sogar die Deutsche Bank schreibt in einer Studie zur Welternährung über Patente in der Landwirtschaft: „Es ist wichtig, dass die Bauern Saatgut aufbewahren und wieder verwenden können, da arme Bauern nicht für jede Aussaat neues Saatgut kaufen können.9 Dieser Bereich ist so wichtig, dass er nicht ausschließlich dem privaten Sektor überlassen werden kann, der ein Interesse daran hat, den Gewinn für die Anteilseigner zu maximieren.“

Die internationale Koalition Keine Patente auf Saatgut wurde am 26 März 2007 gegründet. Sie setzt sich aus Landwirten, Entwicklungshilfe- und Umweltorganisationen zusammen. Unterstützt wird der Aufruf gegen die Monsantisierung von Bauernorganisationen aus mehreren Ländern.

Hintergrundinfo zum Thema Saatgut und Lebensmittel
Dossier Patente in der Landwirtschaft

Indien legt Gentechnik-Auberginen auf Eis

Der indische Umweltminister Jairam Ramesh hat den gentechnisch manipulierten Auberginen des indischen Monsanto-Ablegers Mahyco die kommerzielle Zulassung vorerst verweigert. Zuvor hatte die indische Zulassungskommission GEAC (Genetic Engineering Approval Committee) die Gen-Aubergine für sicher erklärt und empfohlen, den Anbau freizugeben. Doch drei der 20 GEAC-Wissenschaftler stimmten dagegen und wiesen auf deutliche Mängel bei den Sicherheitsuntersuchungen hin, die Monsanto vorgelegt hatte. Die Regierung will nun erst einmal alle Beteiligten anhören, auch die Bauernverbände und Umweltorganisationen, die seit Jahren gegen die Zulassung kämpfen.

Indien ist die Heimat der Auberginen, die dort Brinjal heißen und zu den Grundnahrungsmitteln gehören. Seit Jahren versucht Mahyco Monsanto Biotech, für seine Bt-Brinjal die Zulassung zu bekommen. Sie wäre das erste genmanipulierte Lebensmittel, das in Indien angebaut würde. Bisher wächst dort nur Bt-Baumwolle. Entsprechend groß ist der Widerstand gegen die bereits 2004 beantragte Zulassung. Nachdem die GEAC 2006 Anbauversuche erlaubte und 2007 eine erste positive Bewertung abgab, wurde eine zweite Überprüfung in Auftrag gegeben. Deren Ergebnis führte zu dem aktuellen mehrheitlichen Beschluss der GEAC.

Die Kritiker der Bt-Brinjal verweisen auf Fütterungsversuche bei Tieren, die auf Gesundheitsrisiken hindeuten. Zudem monieren sie, dass es in Indien keinerlei Kennzeichnungspflicht für Genfood gebe, und auch kaum Möglichkeiten, eine gentechnische Verunreinigung nachzuweisen. Dadurch könnten sich die Verbraucher bei Zulassung der Gentech-Aubergine nicht mehr frei entscheiden.

Mahyco argumentierte, dass mindestens 25 Studien die Sicherheit der Bt-Aubergine für Mensch und Umwelt belegen würden. Pushpa Bhargava, eines der drei abweichenden GEAC-Mitglieder, hielt dagegen, dass die GEAC diese von Monsanto gelieferten Daten nicht unabhängig habe analysieren lassen. Die unabhängige Studie des französischen Wissenschaftlers Gilles-Eric Seralini hatte die Bt-Auberginen als möglicherweise gesundheitsgefährdend eingestuft.

Ausführlich berichtete das indische Journal Down to Earth im Frühjahr 2009 über die Gen-Aubergine

Verhandlungspoker um die Grüne Gentechnik

Die Verhandlungen der künftigen Regierungskoalition zur Grünen Gentechnik kommen nicht voran. Während CDU und FDP die Grüne Gentechnik fördern wollen, lehnt die CSU den Anbau von Gentech-Pflanzen weiter ab. Sie will zumindest jedes Bundesland selbst entscheiden lassen. Nicht nur Umwelt- und Bioverbände mischen sich mit Erklärungen intensiv in die Diskussion ein.

Kaum ein namhafter Umwelt- oder Bioverband ist in den letzten Tagen still geblieben. In zahlreichen Erklärungen forderten die Organisationen die schwarz-gelbe Koalition auf, die gentechnikfreie Erzeugung zu schützen und am Anbauverbot für den Genmais MON 810 festzuhalten. Eine Auswahl:
Bioland: Hände weg vom Gentechnikgesetz
Naturland: Wahlfreiheit der Verbraucher gefährdet
AoeL: Bitte keine Rolle rückwärts!
AbL: Vorfahrt für die gentechnikfreie Landwirtschaft!
Greenpeace: Anbauverbot für Gen-Pflanzen ist nicht verhandelbar
BUND: Aufhebung der Nulltoleranz ist das Ende der Gentechnikfreiheit
NABU: Kein Freifahrtschein für Gentechnik

Doch auch die Gegenseite blieb nicht untätig. In einer gemeinsamen Stellungnahme haben sich die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina, die Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften dafür ausgesprochen, das Gentechnikgesetz zu schleifen. Sie forderten den Wegfall der Haftungsregelung, die Verheimlichung der Standorte, geringere Sicherheitsabstände, kürzere Anmeldefristen und einen Freibrief für die Auskreuzung nicht zugelassener Gentechnik-Konstrukte aus Experimenten auf Nachbarfelder. Auch die Deutsche Industrievereinigung Biotechnologie (DIB) forderte bei der grünen Gentechnik einen raschen Politikwechsel in Berlin und Brüssel einzuleiten. Derweil machen sich der Deutsche Bauernverband und die Futtermittelindustrie dafür stark, gentechnisch verunreinigten Futtermittelimporte ins Land zu lassen.

Sechs Monate Haft für Feldbefreier

Das Landgericht Gießen hat zwei Feldbefreier zu mehrmonatigen Haftstrafen verurteilt, weil sie vor drei Jahren ein Versuchsfeld der Universität Gießen mit Gengerste zerstört hatten. Der bundesweit bekannte Gentechnik-Kritiker Jörg Bergstedt erhielt sechs Monaten Haft ohne Bewährung. Sein Mitstreiter Patrick Neuhaus wurde zu vier Monaten Haft auf Bewährung und 120 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt. Beide kündigten an, in Revision zu gehen.

Die Angeklagten hatten sich vor Gericht auf einen rechtfertigenden Notstand nach Paragraph 34 des Strafgesetzbuches berufen. Der erlaubt den Widerstand, wenn Leib und Leben des Täters gefährdet sind. Bergstedt argumentierte, dass eine Gefahr für das Leben gegeben sei, wenn Menschen, weil Lebewesen patentiert werden, verhungern müssten. Ein erwiesenermaßen erhöhter Pestizideinsatz beim Anbau von gentechnisch veränderten Kulturen gefährde zudem die Gesundheit vieler Menschen. Bei der Feldbefreiung handele es sich seiner Ansicht nach um das „mildeste effektive Mittel“ gegen diese Gefahren.

Die Gefahren der Gentechnik seien nicht wegzuwischen, räumte Richter Johannes Nink ein. „Die Unbeherrschbarkeit transgener Pflanzen ist eine Tatsache.“ Für die Angeklagten komme der rechtfertigende Notstand nicht in Frage, weil die unkontrollierte Auskreuzung der Gentechnik auch mit einer Feldbefreiung nicht zu verhindern sei. Entscheidend für das höhere Strafmaß gegen Jörg Bergstedt. sei allerdings im Besonderen dessen Motivlage. Der 45-jährige sei ein „politischer Überzeugungstäter“, der jegliche Herrschaft ablehne und das Ziel verfolge, sich als „Berufsrevolutionär“ darzustellen, zitiert die Giessener Allgemeine den Richter.

Urteil bringt Professor auf die Birke

Sigmar Groeneveld, emeritierter Professor für ökologischen Landbau, bestieg aus Protest eine Birke vor dem Gerichtsgebäude. Aus zehn Meter Höhe richtete er eine Ansprache an Richter, Polizisten und Gentechnikgegner und warf dem Gericht Feigheit vor: „Es hat eine große Chance verpasst.“ Erst um Mitternacht kletterte er wieder hinab.
In einem Interview mit der Zeitung Neues Deutschland forderte Bergstedt, der Widerstand gegen die Gentechnik müsse offensiver und an die Felder und Laborstandorte verlagert werden. „Daumen drücken, im Bioladen einkaufen und grün wählen hat gegen die Gentechnik noch nie geholfen – jetzt ist es klarer denn je.“


Prozessbericht der Projektwerkstatt Saaßen

Bericht auf Indymedia
Bericht der Gießener Zeitung

Stärke-Kartoffel ohne Gentechnik

Die Gen-Knolle Amflora von BASF hat Konkurrenz bekommen. Die Emsland Gruppe und der Pflanzenzüchter Europlant haben ohne Gentechnik eine Kartoffel gezüchtet, die wie Amflora nur die Stärkesorte Amylopektin enthält. Die erste Ernte wird jetzt verarbeitet.

Die Emsland Gruppe ist Deutschlands größter Kartoffelstärkeproduzent und nach eigenen Angaben weltweit führend in der Herstellung von Stärkeveredelungsprodukten, Kartoffeleiweiß, Flocken und Granulat. Europlant ist eines der führenden Unternehmen in der Kartoffelzüchtung und hat sich auf die Erforschung und Entwicklung von neuen Kartoffelsorten spezialisiert. Die Produktpalette umfasst mehr als 80 zugelassene Kartoffelsorten. In Bio-Kreisen machte sich die Firma unbeliebt, als sie die alte Kartoffelsorte Linda vom Markt nehmen und eine Nachzucht verhindern wollte.
In Zusammenarbeit mit der Emsland Gruppe hat Europlant nun der Genknolle Amflora einen schweren Schlag versetzt. Die von den beiden Unternehmen entwickelte gentechnikfreie Stärkekartoffel enthält – wie Amflora – „ausschließlich hochviskoses, stabiles Amylopektin und wird in der Nahrungsmittel-, Textil-, Papier, Klebstoff- sowie Baustoffindustrie verwendet.“ Die deutschen Kartoffelstärkehersteller hatten schon vor Jahren signalisiert, dass sie Amflora nicht einsetzen wollen. Sie fürchteten um den Ruf ihrer Produkte, da sie auch Kartoffelstärke für den Lebensmittelbereich herstellen.
Amflora enthält eine Antibiotikaresistenz als Markergen. Aufgrund von Bedenken gegen diese Resistenz ist sie immer noch nicht für den kommerziellen Anbau zugelassen. Durch großzügige Genehmigungen für einen großflächigen Versuchsanbau hat die Bundesregierung in den letzten beiden Jahren der BASF-Knolle über die Runden geholfen. Voraussichtlich vergebens, den angesichts einer marktreifen Alternative wird kaum ein Stärkehersteller mehr auf Amflora setzen.

Imker: Bienensterben auch in Argentinien

In Argentinien, dem fünftgrößten Honigproduzenten der Welt, sind letztes Jahr 30 Prozent der Bienenvölker eingegangen. Lucas Martinez, der Vorsitzende des argentinischen Imkerverbandes, macht dafür auch den Anbau von Gensoja verantwortlich.

„Das grosse Problem bei uns ist der massive Anbau von Gensoja. Der verdrängt die Imker immer mehr, vor allem aus der Pampa, wo sie bislang arbeiteten. In den Regionen, wo früher in großem Stil Honig erzeugt wurde, ist jetzt überall Soja-Monokultur. Alle Blumen und Pflanzen, die für Bienen wichtig sind, verschwinden. Unsere Bienen finden zu wenig Nahrung,“ sagte Martinez auf dem 41. Weltkongress der Imker, der Apimondia 2009, im französischen Montpellier. Das Herbizid Roundup reichere sich im Boden an und sorge weiter für karge Flächen, wenn die ausgelaugten Felder schon wieder verlassen wurden. Innerhalb von vier Jahren habe sich der argentinische Honigexport halbiert. Martinez appellierte an die europäischen Imkerkollegen, sich gegen den Einsatz von Gen-Soja als Futtermittel in der EU einzusetzen.

Als eine der wichtigsten Ursachen des weltweiten Bienesterbens benannte auf der Apimondis der französische Biophysiker Marc Bonmatin vom staatlichen Forschungsinstitut CNRS neurotoxische Pestizide. Zu diesen nervengiftigen Wirkstoffen gehört auch Clothianidin, das im vergangenen Jahr 12.000 Bienenvölker in Süddeutschland tötete. Der französische Imkerverband als Organisator der Apimondia appellierte an die verantwortlichen Politiker weltweit, alle bienengiftigen Pestizide sofort vom Markt zu nehmen. Auch bräuchte es strengere und umfassendere Untersuchungen der Gifte, die (wie Bt) von gentechnisch veränderten Pflanzen produziert werden.