Alle Beiträge von Leo Frühschütz

Indien legt Gentechnik-Auberginen auf Eis

Der indische Umweltminister Jairam Ramesh hat den gentechnisch manipulierten Auberginen des indischen Monsanto-Ablegers Mahyco die kommerzielle Zulassung vorerst verweigert. Zuvor hatte die indische Zulassungskommission GEAC (Genetic Engineering Approval Committee) die Gen-Aubergine für sicher erklärt und empfohlen, den Anbau freizugeben. Doch drei der 20 GEAC-Wissenschaftler stimmten dagegen und wiesen auf deutliche Mängel bei den Sicherheitsuntersuchungen hin, die Monsanto vorgelegt hatte. Die Regierung will nun erst einmal alle Beteiligten anhören, auch die Bauernverbände und Umweltorganisationen, die seit Jahren gegen die Zulassung kämpfen.

Indien ist die Heimat der Auberginen, die dort Brinjal heißen und zu den Grundnahrungsmitteln gehören. Seit Jahren versucht Mahyco Monsanto Biotech, für seine Bt-Brinjal die Zulassung zu bekommen. Sie wäre das erste genmanipulierte Lebensmittel, das in Indien angebaut würde. Bisher wächst dort nur Bt-Baumwolle. Entsprechend groß ist der Widerstand gegen die bereits 2004 beantragte Zulassung. Nachdem die GEAC 2006 Anbauversuche erlaubte und 2007 eine erste positive Bewertung abgab, wurde eine zweite Überprüfung in Auftrag gegeben. Deren Ergebnis führte zu dem aktuellen mehrheitlichen Beschluss der GEAC.

Die Kritiker der Bt-Brinjal verweisen auf Fütterungsversuche bei Tieren, die auf Gesundheitsrisiken hindeuten. Zudem monieren sie, dass es in Indien keinerlei Kennzeichnungspflicht für Genfood gebe, und auch kaum Möglichkeiten, eine gentechnische Verunreinigung nachzuweisen. Dadurch könnten sich die Verbraucher bei Zulassung der Gentech-Aubergine nicht mehr frei entscheiden.

Mahyco argumentierte, dass mindestens 25 Studien die Sicherheit der Bt-Aubergine für Mensch und Umwelt belegen würden. Pushpa Bhargava, eines der drei abweichenden GEAC-Mitglieder, hielt dagegen, dass die GEAC diese von Monsanto gelieferten Daten nicht unabhängig habe analysieren lassen. Die unabhängige Studie des französischen Wissenschaftlers Gilles-Eric Seralini hatte die Bt-Auberginen als möglicherweise gesundheitsgefährdend eingestuft.

Ausführlich berichtete das indische Journal Down to Earth im Frühjahr 2009 über die Gen-Aubergine

Verhandlungspoker um die Grüne Gentechnik

Die Verhandlungen der künftigen Regierungskoalition zur Grünen Gentechnik kommen nicht voran. Während CDU und FDP die Grüne Gentechnik fördern wollen, lehnt die CSU den Anbau von Gentech-Pflanzen weiter ab. Sie will zumindest jedes Bundesland selbst entscheiden lassen. Nicht nur Umwelt- und Bioverbände mischen sich mit Erklärungen intensiv in die Diskussion ein.

Kaum ein namhafter Umwelt- oder Bioverband ist in den letzten Tagen still geblieben. In zahlreichen Erklärungen forderten die Organisationen die schwarz-gelbe Koalition auf, die gentechnikfreie Erzeugung zu schützen und am Anbauverbot für den Genmais MON 810 festzuhalten. Eine Auswahl:
Bioland: Hände weg vom Gentechnikgesetz
Naturland: Wahlfreiheit der Verbraucher gefährdet
AoeL: Bitte keine Rolle rückwärts!
AbL: Vorfahrt für die gentechnikfreie Landwirtschaft!
Greenpeace: Anbauverbot für Gen-Pflanzen ist nicht verhandelbar
BUND: Aufhebung der Nulltoleranz ist das Ende der Gentechnikfreiheit
NABU: Kein Freifahrtschein für Gentechnik

Doch auch die Gegenseite blieb nicht untätig. In einer gemeinsamen Stellungnahme haben sich die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina, die Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften dafür ausgesprochen, das Gentechnikgesetz zu schleifen. Sie forderten den Wegfall der Haftungsregelung, die Verheimlichung der Standorte, geringere Sicherheitsabstände, kürzere Anmeldefristen und einen Freibrief für die Auskreuzung nicht zugelassener Gentechnik-Konstrukte aus Experimenten auf Nachbarfelder. Auch die Deutsche Industrievereinigung Biotechnologie (DIB) forderte bei der grünen Gentechnik einen raschen Politikwechsel in Berlin und Brüssel einzuleiten. Derweil machen sich der Deutsche Bauernverband und die Futtermittelindustrie dafür stark, gentechnisch verunreinigten Futtermittelimporte ins Land zu lassen.

Sechs Monate Haft für Feldbefreier

Das Landgericht Gießen hat zwei Feldbefreier zu mehrmonatigen Haftstrafen verurteilt, weil sie vor drei Jahren ein Versuchsfeld der Universität Gießen mit Gengerste zerstört hatten. Der bundesweit bekannte Gentechnik-Kritiker Jörg Bergstedt erhielt sechs Monaten Haft ohne Bewährung. Sein Mitstreiter Patrick Neuhaus wurde zu vier Monaten Haft auf Bewährung und 120 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt. Beide kündigten an, in Revision zu gehen.

Die Angeklagten hatten sich vor Gericht auf einen rechtfertigenden Notstand nach Paragraph 34 des Strafgesetzbuches berufen. Der erlaubt den Widerstand, wenn Leib und Leben des Täters gefährdet sind. Bergstedt argumentierte, dass eine Gefahr für das Leben gegeben sei, wenn Menschen, weil Lebewesen patentiert werden, verhungern müssten. Ein erwiesenermaßen erhöhter Pestizideinsatz beim Anbau von gentechnisch veränderten Kulturen gefährde zudem die Gesundheit vieler Menschen. Bei der Feldbefreiung handele es sich seiner Ansicht nach um das „mildeste effektive Mittel“ gegen diese Gefahren.

Die Gefahren der Gentechnik seien nicht wegzuwischen, räumte Richter Johannes Nink ein. „Die Unbeherrschbarkeit transgener Pflanzen ist eine Tatsache.“ Für die Angeklagten komme der rechtfertigende Notstand nicht in Frage, weil die unkontrollierte Auskreuzung der Gentechnik auch mit einer Feldbefreiung nicht zu verhindern sei. Entscheidend für das höhere Strafmaß gegen Jörg Bergstedt. sei allerdings im Besonderen dessen Motivlage. Der 45-jährige sei ein „politischer Überzeugungstäter“, der jegliche Herrschaft ablehne und das Ziel verfolge, sich als „Berufsrevolutionär“ darzustellen, zitiert die Giessener Allgemeine den Richter.

Urteil bringt Professor auf die Birke

Sigmar Groeneveld, emeritierter Professor für ökologischen Landbau, bestieg aus Protest eine Birke vor dem Gerichtsgebäude. Aus zehn Meter Höhe richtete er eine Ansprache an Richter, Polizisten und Gentechnikgegner und warf dem Gericht Feigheit vor: „Es hat eine große Chance verpasst.“ Erst um Mitternacht kletterte er wieder hinab.
In einem Interview mit der Zeitung Neues Deutschland forderte Bergstedt, der Widerstand gegen die Gentechnik müsse offensiver und an die Felder und Laborstandorte verlagert werden. „Daumen drücken, im Bioladen einkaufen und grün wählen hat gegen die Gentechnik noch nie geholfen – jetzt ist es klarer denn je.“


Prozessbericht der Projektwerkstatt Saaßen

Bericht auf Indymedia
Bericht der Gießener Zeitung

Stärke-Kartoffel ohne Gentechnik

Die Gen-Knolle Amflora von BASF hat Konkurrenz bekommen. Die Emsland Gruppe und der Pflanzenzüchter Europlant haben ohne Gentechnik eine Kartoffel gezüchtet, die wie Amflora nur die Stärkesorte Amylopektin enthält. Die erste Ernte wird jetzt verarbeitet.

Die Emsland Gruppe ist Deutschlands größter Kartoffelstärkeproduzent und nach eigenen Angaben weltweit führend in der Herstellung von Stärkeveredelungsprodukten, Kartoffeleiweiß, Flocken und Granulat. Europlant ist eines der führenden Unternehmen in der Kartoffelzüchtung und hat sich auf die Erforschung und Entwicklung von neuen Kartoffelsorten spezialisiert. Die Produktpalette umfasst mehr als 80 zugelassene Kartoffelsorten. In Bio-Kreisen machte sich die Firma unbeliebt, als sie die alte Kartoffelsorte Linda vom Markt nehmen und eine Nachzucht verhindern wollte.
In Zusammenarbeit mit der Emsland Gruppe hat Europlant nun der Genknolle Amflora einen schweren Schlag versetzt. Die von den beiden Unternehmen entwickelte gentechnikfreie Stärkekartoffel enthält – wie Amflora – „ausschließlich hochviskoses, stabiles Amylopektin und wird in der Nahrungsmittel-, Textil-, Papier, Klebstoff- sowie Baustoffindustrie verwendet.“ Die deutschen Kartoffelstärkehersteller hatten schon vor Jahren signalisiert, dass sie Amflora nicht einsetzen wollen. Sie fürchteten um den Ruf ihrer Produkte, da sie auch Kartoffelstärke für den Lebensmittelbereich herstellen.
Amflora enthält eine Antibiotikaresistenz als Markergen. Aufgrund von Bedenken gegen diese Resistenz ist sie immer noch nicht für den kommerziellen Anbau zugelassen. Durch großzügige Genehmigungen für einen großflächigen Versuchsanbau hat die Bundesregierung in den letzten beiden Jahren der BASF-Knolle über die Runden geholfen. Voraussichtlich vergebens, den angesichts einer marktreifen Alternative wird kaum ein Stärkehersteller mehr auf Amflora setzen.

Imker: Bienensterben auch in Argentinien

In Argentinien, dem fünftgrößten Honigproduzenten der Welt, sind letztes Jahr 30 Prozent der Bienenvölker eingegangen. Lucas Martinez, der Vorsitzende des argentinischen Imkerverbandes, macht dafür auch den Anbau von Gensoja verantwortlich.

„Das grosse Problem bei uns ist der massive Anbau von Gensoja. Der verdrängt die Imker immer mehr, vor allem aus der Pampa, wo sie bislang arbeiteten. In den Regionen, wo früher in großem Stil Honig erzeugt wurde, ist jetzt überall Soja-Monokultur. Alle Blumen und Pflanzen, die für Bienen wichtig sind, verschwinden. Unsere Bienen finden zu wenig Nahrung,“ sagte Martinez auf dem 41. Weltkongress der Imker, der Apimondia 2009, im französischen Montpellier. Das Herbizid Roundup reichere sich im Boden an und sorge weiter für karge Flächen, wenn die ausgelaugten Felder schon wieder verlassen wurden. Innerhalb von vier Jahren habe sich der argentinische Honigexport halbiert. Martinez appellierte an die europäischen Imkerkollegen, sich gegen den Einsatz von Gen-Soja als Futtermittel in der EU einzusetzen.

Als eine der wichtigsten Ursachen des weltweiten Bienesterbens benannte auf der Apimondis der französische Biophysiker Marc Bonmatin vom staatlichen Forschungsinstitut CNRS neurotoxische Pestizide. Zu diesen nervengiftigen Wirkstoffen gehört auch Clothianidin, das im vergangenen Jahr 12.000 Bienenvölker in Süddeutschland tötete. Der französische Imkerverband als Organisator der Apimondia appellierte an die verantwortlichen Politiker weltweit, alle bienengiftigen Pestizide sofort vom Markt zu nehmen. Auch bräuchte es strengere und umfassendere Untersuchungen der Gifte, die (wie Bt) von gentechnisch veränderten Pflanzen produziert werden.

Deutsche Bank fördert Kleinbauern

Die Forschungsabteilung der Deutschen Bank hat eine Studie zum Thema Welternährung veröffentlicht. Deren Fazit: Die Agrarpolitik muss sich an Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit orientieren. Die kleinbäuerliche Landwirtschaft besitzt eine enorme Bedeutung für die globale Lebensmittelversorgung.

Wie schon der Weltagrarbericht der UNO weist auch die Deutsche Bank auf die Schlüsselrolle hin, die den 500 Millionen Kleinbauern bei der Armutsbekämpfung und Ernährungssicherung zukommt. Sie fordert einen gerechten Zugang zu Wasser und eine Landreform: „Eine gleichmäßige Verteilung des Landes führt nachweislich zu höherem Wirtschaftswachstum.“ Erschwingliche Kredite durch Mikrofinanzinstitute und die Bildung von Genossenschaften nennt die Bank als weitere notwendige Maßnahmen.

Über den Ökolandbau schreibt die Bank, dass er der „ebenso produktiv sein kann wie die kommerzielle Landwirtschaft, aber sehr viel nachhaltiger ist.“ Vor allem in Afrika sehen die Autoren der Studie gute Chancen: „Der Bioanbau erfordert mehr Arbeitseinsatz, dessen Kosten aber beim Kauf von Stickstoffdünger, Insektiziden und Herbiziden wieder eingespart werden und vor allem in Afrika, wo Arbeit billig und Kapital rar ist, netto zu Einsparungen führt. In Afrika lohnt sich Bioanbau vor allem bei hochwertigen Exportgütern.“

Der Grünen Gentechnik räumt der Bericht zwar ein Potential für Ertragsteigerungen ein. Er weist aber auch darauf hin, dass die Sicherheit von genetisch veränderten Produkten äußerst kontrovers diskutiert werde, zumal es nicht möglich sei, die langfristigen Auswirkungen abzuschätzen. „Ein weiteres zentrales Problem im Zusammenhang mit Genetic Engineering sind die geistigen Eigentumsrechte. Es ist wichtig, dass die Bauern Saatgut aufbewahren und wieder verwenden können, da arme Bauern nicht für jede Aussaat neues Saatgut kaufen können. Dieser Bereich ist so wichtig, dass er nicht ausschließlich dem privaten Sektor überlassen werden kann, der ein Interesse daran hat, den Gewinn für die Anteilseigner zu maximieren.“

USA: Obama setzt auf Monsanto

US-Präsident Barack Obama hat in den letzten Wochen mehrere wichtige Posten innerhalb seiner Administration mit Gefolgsleuten des Gentechnik-Konzerns Monsanto besetzt. Beobachter überrascht das nicht. Denn US-Landwirtschaftsminister Tom Vilsack hat schon in seiner Zeit als Gouverneur von Iowa die Interessen Monsantos vertreten.

Der frühere Monsanto-Vize-Präsident Michael Taylor dient jetzt der US-Lebensmittelbehörde FDA als oberster Experte für Lebensmittelsicherheit. Taylor ist dort kein Unbekannter. Er war zuerst als Anwalt für Monsanto tätig, bevor er 1991 bis 1994 die Grundsatzabteilung der FDA leitete und bis 1996 im Landwirtschaftsministerium für Lebensmittelkontrollen zuständig war. Danach wechselte er zurück zu Monsanto, wurde dort Cheflobbyist und Vize-Präsident. Im Wahlkampf beriet Taylor Obama in Landwirtschaftsfragen.

Das neugegründete National Institute of Food and Agriculture (NIFA) wird Roger Beachy leiten. Er arbeitete bisher als Präsident des Donald Danforth Plant Science Center, das von Monsanto mit gegründet und finanziert wurde. An der Universität von Washington hatte er zuvor für Monsanto genmanipulierte Tomaten entwickelt. Aufgabe des NIFA ist es, Forschungsgelder des Landwirtschaftsministeriums zu verteilen. Derzeit sind es rund 200 Millionen US-Dollar im Jahr. Beachy will den Betrag in den nächsten drei bis vier Jahren auf 700 Millionen Dollar steigern.

Als oberster Chefunterhändler für alle Agrarfragen hat Obama Islam A. Siddiqui nominiert. Er war bisher Vize-Präsident des Pestizid-Herstellerverbandes CropLife America und dort für Biotechnologie und Handel zuständig. Künftig wird es seine Aufgabe sein, in internationalen Wirtschaftsgremien wie der WTO Handelshindernisse für US-Agrarprodukte aus dem Weg zu räumen.

US-Richter stoppt Monsantos Zuckerrüben

Die US-Regierung hat es versäumt, die Umweltrisiken gentechnisch manipulierter Zuckerrüben vor der Zulassung zu überprüfen. Das stellte ein Bundesrichter am Distriktgericht in San Francisco fest. Das Verfahren könnte im nächsten Schritt dazu führen, dass das Gericht den bereits genehmigten kommerziellen Anbau der Rüben wieder verbietet. Auf die gleiche Weise hatten die Richter vor zwei Jahren bereits den Anbau genmanipulierter Luzerne gekippt.

Die genmanipulierten Zuckerrüben sind resistent gegen das Monsanto-Pestizid Roundup. Sie wurden erstmals 2008 in großem Stil in den USA angebaut. 2009 sollen nach Industrieschätzungen bereits 95 Prozent der US-weiten Anbaufläche von 450.000 Hektar mit manipulierten Rüben bepflanzt worden sein. Der Rübenzucker macht in den USA die Hälfte des Verbrauchs aus, die andere Hälfte entfällt auf Rohrzucker. Im Zuge einer großen Verbraucherkampagne versicherten über 100 Lebensmittelhersteller, sie würden keinen Genrübenzucker einsetzen.

Das US-Landwirtschaftsministerium hatte die Zuckerrüben 2005 zugelassen. Nach Ansicht der Behörde waren keine Umweltauswirkungen zu befürchten, deshalb unterblieb eine detaillierte Umweltverträglichkeitsprüfung. Richter Jeffrey S. White dagegen ist der Ansicht, dass das manipulierte Erbgut auf andere Zuckerrüben und verwandte Pflanzen auskreuzen kann. Zudem sei die Wahlfreiheit der Bauern, die gentechnikfrei arbeiten wollen und der Verbraucher, die gentechnikfreie Lebensmittel wollen, nicht gewährleistet. Ab Ende Oktober soll der zweite Teil des Verfahrens beginnen, in dem es um die konkreten Folgerungen aus dem Urteilsspruch geht. Am Ende könnte das Gericht die Genehmigung von 2005 aufheben und den Anbau der Gen-Zuckerrüben verbieten, bis das Landwirtschaftsministerium die Umweltverträglichkeitsprüfung nachgeholt hat. Ein entsprechende Urteil fällte das Gericht bereits vor zwei Jahren und kassierte die Zulassung genmanipulierter Luzerne (Alfalfa) von Monsanto. Bis heute hat die Behörde die Umweltprüfung nicht nachgeliefert.

Jubel herrscht bei den Verbraucher-, Bio- und Umweltorganisationen, die die Klage eingereicht hatten. „Das Urteil ist ein großer Sieg für die Verbraucher und schützt den Anbau von Bio-Erzeugnissen in den USA”, kommentierte Neil Carman vom Umweltverband Sierra Club. „Diese Gerichtsentscheidung ein Weckruf für Obamas Landwirtschaftsministerium. Die Justiz wird es nicht mehr zulassen, dass die Gefahr biologischer Kontamination und die wirtschaftlichen Auswirkungen genmanipulierter Pflanzen weiterhin ignoriert werden,“ sagte Andrew Kimbrell, Geschäftsführer der Verbraucherorganisation Center for Food Safety. „Die Gerichte haben klargestellt, dass es Aufgabe des Landwirtschaftsministeriums ist, Amerikas Farmer und Verbraucher zu schützen und nicht die Interessen von Monsanto.“

Bundesverfassungsgericht lässt Gentechnik-Kritiker frei

Mit einem Machtwort hat das Bundesverfassungsgericht die bis dahin 27-tägige Haft des Bio-Imkers Michael Grolm beendet. Der Gentechnikgegner war wegen einer Feldbefreiung der Aktion Gendreck weg vor etwa einem Jahr zu 1000 Euro Strafe oder alternativ zwei Tagen Gefängnis verurteilt worden. Er hatte von Anfang an erklärt, die Haft antreten zu wollen. Dann aber verlangte das Landgericht Frankfurt/Oder als Gläubiger zuvor einen Offenbarungseid. Weil Grolm sich weigerte, umfassend Auskunft über seine Vermögens- und Einkommensverhältnisse zu geben, wurde er am 27. August in Erzwingungshaft genommen. Mit einer einstweiligen Anordnung hat das Bundesverfassungsgericht die thüringische Justiz nun zur Ordnung gerufen.

Noch eine Woche zuvor hatten das zuständige Amtsgericht Weimar und das Landgericht Erfurt sich geweigert, die Verhältnismäßigkeit der Haftdauer zu prüfen und darauf verwiesen, Michael Grolm habe seine Freilassung selber in der Hand. Darauf legte der Imker Verfassungsbeschwerde ein, worauf hin das Bundesverfassungsgericht den Vollzug des Haftbefehls bis zur Verhandlung über die Beschwerde aussetzte. Ansonsten drohe Grolm „ein schwerwiegender, irreparabler Eingriff in das besonders gewichtige Recht auf die Freiheit der Person“, zitierte sein Anwalt aus der Begründung.

Geschlossen haben sich die Gefängnistüren derweil hinter einem zweiten Feldbefreier. Der gelernte Landwirt und Ökolandbau-Student Christian Pratz hat in Kassel begleitetet von rund 80 Unterstützern eine vierzehntägige Haftstrafe angetreten. Er war wegen einer Feldbefreiung im Jahr 2007 zu einer Haftstrafe von knapp 200 Euro verurteilt worden, zog aber die Haft vor.

Am Mittwoch, den 30. September soll nach sechs Verhandlungstagen in zweiter Instanz der Prozess gegen zwei Feldbefreier zu Ende gehen, die den Gengerste-Versuch der Universität Gießen zerstörten. Ihnen drohen sechs Monate Haft.

Gen-Lein-Skandal: Keiner kauft mehr in Kanada

Die Funde von gentechnisch verunreinigten Leinsamen haben den Leinsamen-Handel zwischen Kanada und der EU zusammenbrechen lassen. Das meldeten kanadische Medien. Die Handelsorganisation Flax Council of Canada nannte die Verunreinigungen eine „äußerst ernste Angelegenheit“. Kanada exportiert nahezu 80 Prozent seiner Lein-Ernte nach Europa. Derzeit sind die Lager voll und die anstehende Ernte soll überdurchschnittlich sein.

Das Flax Council arbeite mit anderen Organisationen daran, entsprechende Nachweistechniken zu entwickeln. Denn die Verunreinigung mit einem Genetchnik-Linie, die seit 2001 nicht mehr kommerziell angebaut wird, habe die kanadischen Farmer kalt erwischt, heißt es in Zeitungsberichten. Inzwischen haben 15 deutsche Bundesländer Funde von Verunreinigungen gemeldet und auch in den Niederlanden ist kanadischer Gen-Lein aufgetaucht. Zudem sind, nach Mitteilung des europäischen Schnellwarnsystems, Backmischungen mit Gen-Lein aus Deutschland auch in die Schweiz, die Niederlande, nach Luxemburg und Italien ausgeliefert worden.

Nach Informationen des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) wurde der Gen-Lein CDC Triffid Ende der achtziger Jahre im Crop Development Centre der Universität von Saskatchewan in Kanada entwickelt. Er wurde so manipuliert, dass er die Rückstände im Boden aus Anwendungen einer bestimmten Gruppe von Herbizidwirkstoffen (Sulfonylharnstoffen) im Getreideanbau toleriert. „Der Grundgedanke war, auf diese Weise Landwirten die Möglichkeit zu eröffnen, die in den Prärien Kanadas offenbar üblichen engen Getreidefruchtfolgen durch Flachsanbau auflockern zu können“, schreibt das BVL.

Es handelte sich bei CDC Triffid also um eine Entwicklung, die von keinem der großen Gentechnikkonzerne stammte und auch keine der gängigen Herbizidresistenzen enthielt. Dies könnte der Grund gewesen sein, dass die Verunreinigung so lange unentdeckt blieb, vermutet Professor Joe Cummins vom Londoner Institute of Science in Society. Er weist auch darauf hin, dass Triffid in Canada (und den USA) von 1996 bis 2001 angebaut wurde, bevor auf Druck der kandaschen Lein-Farmer die Sorte aus dem Sortenregister wieder gestrichen wurde. In dieser Zeit seien auf den Farmen in der Prärie rund 200.000 Bushel (das wären 5.400 Tonnen) Gen-Lein gewachsen, schreibt Cummins im Internetdienst GMWatch. Da das Erbgut vor allem von Insekten übertragen werde, sei es wahrscheinlich, dass Triffid einen Großteil der nordamerikanischen Lein-Importe kontaminiert habe. Auch ökologisch angebaute Ware könnte davon betroffen sein.