Alle Beiträge von Leo Frühschütz

BT-Baumwolle hilft weder Bauern noch der Umwelt

Der Anbau genmanipulierter Baumwolle hat den Pestizidverbrauch nicht verringert, die Ernten nicht gesteigert und den Kleinbauern nicht geholfen. Dieses Fazit zieht der Wissenschaftler Dominic Glover von der Universität im britischen Sussex. Er hat für seine Übersichtsarbeit zahlreiche Studien ausgewertet, die in anerkannten, so genannten peer-reviewed Fachzeitschriften erschienen sind.

„Die weit verbreiteten Versicherungen, dass gentechnisch veränderte Pflanzen den Armen nutzen würden, ist wissenschaftlich kaum belegt“, schreibt der Entwicklungsexperte. Die vorliegenden Studien seien widersprüchlich. Glover führt dies darauf zurück, dass die gemessenen Faktoren wie Ernteertrag oder Pestizideinsatz von zahlreichen Faktoren mitbestimmt werden. „Die Einflüsse der Gentechnik hängen viel stärker vom sozio-ökonomischen Kontext, den institutionellen Rahmenbedingungen und landwirtschaftlichen Faktoren ab als von der Performance einer einzelnen transgenen Eigenschaft.“ Auch nütze es wenig, einer Pflanze ein zwei neue Gene hinzuzufügen, wenn sie nicht gut an die jeweilige regionale Landwirtschaft angepasst ist. Zwar hätten einige Bauern vom Anbau transgener Sorten profitiert, schreibt Glover, doch andere, insbesondere Kleinbauern ohne Zugang zu Ressourcen wie Bewässerung oder Krediten, hätten keinen Nutzen gehabt.

Dass sich trotzdem das „Märchen von der Hilfe für die Armen“ hält, erklärt der durchaus nicht gentechnikfeindliche Wissenschaftler so: „Ermutigende Resultate wurden hochgejubelt, negative oder unentschiedene Ergebnisse kleingeredet.“ Die Studien über die Auswirkungen hätten sich auf die positiv klingende Durchschnittswerte bezogen und die großen Unterschiede zwischen einzelnen Betrieben, Regionen und Jahreszeiten vernachlässigt. „Diese selektive und irreführende Interpretation hat die öffentliche Debatte verzerrt und die Entwicklung einer angemessenen, evidenz-basierten Politik verhindert.“

USA: Gen-Alfalfa bleibt verboten

Der Gentechnik-Konzern Monsanto hat in den USA eine juristische Schlappe erlitten. Das Appellationsgericht entschied, dass der Anbau der genmanipulierten Futterpflanze Alfalfa (Luzerne) nicht rückgängig zu machenden Umweltschäden verursachen könne, sowie den biologischen und gentechnikfreien konventionellen Anbau beeinträchtigen und Farmern wirtschaftlichen Schaden zufügen könne. Mit dieser Begründung lehnte das Gericht einen Widerspruch des Konzerns gegen ein 2007 erlassenes gerichtliches Verbot des Anbaus ab.
Damals hatte ein kalifornischer Richter die Zulassung der Gen-Luzerne durch das US-Landwirtschaftsministerium (USDA) im Jahr 2005 für gesetzeswidrig erklärt. Das USDA hatte den Anbau ohne SDA hatte den Anbau ohne Vorlage der vorgeschriebenen Umweltverträglichkeitsprüfung erlaubt. Bereits 2008 hatte das Appellationsgericht das Urteil bestätigt und nun auch den zweiten Vorstoß des Gentechnikkonzerns, den Anbau doch zuzulassen, abgeschmettert.
„Diese Entscheidung bestätigt einen großen Sieg der Verbraucher, Viehzüchter, ökologischen und konventionellen Bauern im ganzen Land“, sagte Andrew Kimbrell, Geschäftsführer der Verbraucherorganisation Center for Food Safety (CFS). Die Entscheidung sei ein Wendepunkt für die Gentechnik-Regelungen in den USA. Das CFS hatte die ursprüngliche Klage gegen die Gen-Luzerne koordiniert. Die eiweißreiche Futterpflanze wächst in den USA auf rund 8,5 Millionen Hektar und ist damit flächenmäßig die viertwichtigste Nutzpflanze.
Monsanto bleiben nun zwei Optionen: Der Konzern kann den Fall vor den Supreme Court, das höchste US-Gericht, bringen. Oder er wartet ab, bis das Landwirtschaftsministerium die geforderte Umweltverträglichkeitsprüfung erstellt und vorgelegt hat.

Illegaler Versuchsanbau von Gen-Gerste

Der Anbau von genmanipulierter Gerste auf einem Gelände in Thulendorf in Mecklenburg-Vorpommern sei illegal. Diesen Vorwurf erhebt der Gentechnik-Kritiker Jörg Bergstedt. Weil der Betreiber des Anbaus zudem mehrerer Sicherheitsauflagen verletzt hat, fordert Bergstedt, dessen Versuche alle zu beenden. Jetzt müssten Genehmigungs- und Aufsichtsbehörde die Vorgänge prüfen und handeln.

In Thulendorf setzte die Universität Gießen in diesem Jahr ihren seit 2006 umstrittenen Gengerste-Versuch fort. Am 4. Mai 2009 erhielt sie dafür vom Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) die Genehmigung. Am 12. Mai wurde ausgesät. Unbekannte zerstörten das Feld wenige Tage später. Der Vorgang wird nicht bekanntgegeben. Statt dessen wird am 24. Mai noch einmal Gerste ausgesät, in einem anderen Bereich des Versuchsfeldes. „Diese Neuaussaat war eine Straftat, denn die alte Gerste wurden nicht entfernt. Danach standen für fast einen Monat zwei Felder auf der Gesamt-Versuchsfläche. Genehmigt war jedoch nur eines“, argumentiert Jörg Bergstedt. Erst als er Strafanzeige stellt und die Staatsanwaltschaft Ermittlungen aufnimmt, sei vom Versuchsbetreiber das erste Feld „weggespritzt worden“
In einem Schreiben an die Genehmigungsbehörde BVL und die Überwachungsbehörde LLAFF listet Bergstedt neben dem illegalen Anbau noch Verstöße gegen die Auflagen des BVL auf. So fehle der verlangte Mäuseschutzzaun. Auch seien betroffene Nachbarn nicht informiert und Schutzabstände nicht eingehalten worden. Direkt neben dem Versuchsfeld stehe ein Acker mit konventioneller Gerste.
Aufgrund dieser Vorfälle sei die im Gentechnikgesetz verlangte Zuverlässigkeit des Betreibers nicht mehr gegeben, argumentiert Bergstedt und fordert des halb von den Behörden, alle Anbauversuche des Betreibers einzustellen. Bei dem handelt es sich um die Firma Biovativ, die dem Verein zur Förderung Innovativer und Nachhaltiger AgroBiotechnologie gehört. Biovativ und personell verbundene Firmen betreiben mehrere Versuchsflächen an den Standorten Thulendorf, Lüsewitz und Ausleben.

EFSA verteidigt MON 810

Die europäische Lebensmittelbehörde EFSA hat den Wiederzulassungsantrag des Gentechnikkonzerns Monsanto für dessen Genmaissorte MON 810 positiv bewertet. Das für Gentechnik zuständige Wissenschaftlergremium der EFSA sieht keine Gefahr für Umwelt und Gesundheit. Auch dem Gen-Mais NK 603 bescheinigte die EFSA Unbedenklichkeit. Nun muss die EU-Kommission entscheiden, ob sie den Mitgliedsstaaten die Zulassung vorschlägt.

Die Zulassung für MON 810 lief 2007 aus. Schon im April 2007 beantragte Monsanto die Wiederzulassung. Nach EU-Recht darf der Mais weiter angebaut werden, bis eine Entscheidung vorliegt. Die EFSA hat die erneute Zulassung nun befürwortet. Der GMO-Ausschuss der EFSA setzte sich in seiner Stellungnahme auch mit den Argumenten der EU-Staaten auseinander, die den Anbau von MON 810 verboten haben. Die Wissenschaftler geben zu, dass tödliche und schädigende Wirkungen von Bt-Maispollen auf Schmetterlinge, Motten und grundsätzlich zu befürchten seien. Doch dabei handle es sich nicht um signifikanten Größenordnungen. Der Genmais NK603 produziert das Insektengift Bt und ist zugleich gegen das Monsanto-Pestizid RoundUp resistent. Er ist bisher in der EU nicht zugelassen.

Trotz der positiven Bewertung durch die EFSA ist es nicht sicher, dass die EU-Kommission MON 810 wieder zulässt. Denn zukünftig sollen auch die sozio-ökonomischen Auswirkungen des Anbaus von Gentechnikpflanzen berücksichtigt werden. Außerdem ist der Vorschlag noch nicht entschieden, die Zulassung für den Anbau möglicherweise den einzelnen Mitgliedsstaaten zu überlassen.

Greenpeace bezeichnete die Gutachten der EFSA als fahrlässig. Die Behörde „ignoriert die ernsthaften Sicherheitsbedenken aller europäischen Mitgliedsstaaten, die den Gen-Mais zum Anbau verboten haben“, kritisierte Gentechnik-Expertin Stephanie Töwe. „Einem Auto ohne Sicherheitsgurt und mit defektem Motor bescheinigt auch niemand, verkehrstüchtig zu sein. Diese Sicherheitsbehörde wird ihrem Namen nicht gerecht.“ Schwere Vorwürfe gegen die EFSA erhob die Umweltorganisation Friends of the Earth. Die Behörde hatte die Beurteilungen Monsanto vorab zur Verfügung gestellt, noch bevor sie veröffentlicht wurden. Ans Licht kam dies, weil Monsanto die Stellungnahme der EFSA bereits einen Tag vor ihrer Veröffentlichung in einer Pressemitteilung lobte.

13 EU-Staaten wollen Anbauverbote

Zukünftig sollen die einzelnen EU-Staaten selbst über den Anbau gentechnisch veränderter Organismen (GVO) entscheiden. Dabei können sie diesen auch ganz oder für bestimmte Regionen verbieten. Dies sieht ein Vorschlag von 13 EU-Staaten vor, über den die Umweltminister der EU gestern diskutiert haben. Eine Entscheidung fiel nicht. Deutschland hat den von Österreich erarbeiteten Vorschlag nicht unterschrieben.

Auf der letzten Sitzung der EU-Umweltminister Anfang März hatten die Niederlande erstmals vorgeschlagen, die allgemeine Zulassung von GVO bei der EU zu belassen, die Entscheidung über den Anbau von GVO aber auf die Mitgliedsstaaten zu verlagern. Österreich hat diese Anregungen aufgegriffen und einen Weg aufgezeigt, wie dies umzusetzen wäre. Kleine Ergänzungen der einschlägigen Vorschriften sollten den Mitgliedsstaaten das unbegrenzte Recht zugestehen, den Anbau von der EU zugelassener GVO ganz oder teilweise zu verbieten. Rechtlich begründen könne man sei eine solche Regelung durch das im EU-Vertrag festgelegte Subsidiaritätsprinzip sowie die dort geforderte Einstimmigkeit bei Entscheidungen über die Landnutzung. Alternativ könnte eine Liste von sozio-ökonomischen Kriterien festgelegt werden, aufgrund derer ein EU-Staat den Anbau von GVO auf seinem Territorium oder in bestimmten Regionen untersagen kann.

Bisher können Mitgliedsstaaten nur vorübergehende Anbauverbote aussprechen, wenn ihnen neue wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Gesundheits- oder Umweltschädlichkeit des jeweiligen GVO vorliegen. Diese Erkenntnisse werden von der europäischen Lebensmittelbehörde EFS geprüft und regelmäßig zurückgewiesen. Dennoch scheiterte die EU-Kommission mit ihrem Versuch, diese Verbote aufheben zu lassen, an einer Zweidrittelmehrheit im Ministerrat.

Unterschrieben haben das Papier neben Österreich, Bulgarien, Griechenland, Irland, Lettland, Litauen, Luxemburg, Malta, die Niederlande, Polen, Slowenien, Ungarn und Zypern. Die Niederland gelten als Gentechnik-Befürworter, sehen aber in dem Vorschlag eine Möglichkeit, das derzeitige Patt innerhalb der EU zu überwinden.

EU-Agrarminister wollen Klonfleisch zulassen

Die Agrarminister der EU-Mitgliedsstaaten haben auf ihrer Ratssitzung am 22. Juni 2009 ihren Vorschlag zur Neufassung der Novel Food Verordnung verabschiedet. Diese soll in Zukunft auch für Lebensmittel wie Fleisch oder Milch gelten, die von Nachkommen geklonter Tiere stammen. Diese dürften vermarktet werden, sobald sie als Novel Food zugelassen sind. Eine Kennzeichnung der Lebensmittel von Tieren, die mit Gentechnik gefüttert wurden, lehnten die Minister ab. Jetzt muss das Europaparlament erneut über die Verordnung beraten.

Die Agrarminister begründeten ihr Vorgehen beim Klonfleisch mit einer Rechtslücke: Lebensmittel, die direkt von geklonten Tieren stammen, bräuchten eine Zulassung nach dem Gentechnikrecht, um in der EU vermarktet werden zu dürfen. Praktisch spielt dies keine Rolle, da das aufwändige Klonen nur für Zuchttiere praktiziert wird. Auf den Markt könnten jedoch bald Produkte der Nachkommen solcher geklonten Zuchttiere drängen. Denn in den USA ist Klonfleisch inzwischen freigegeben. Diese Lebensmittel unterlägen nicht dem Gentechnikrecht, dürften derzeit also ohne Auflagen vermarktet werden.

Das Europaparlament hat bei der ersten Lesung der Novel Food Verordnung im März 2009 deshalb vorgeschlagen, Lebensmittel von geklonten Tieren und ihren Nachkommen in einer eigenen Verordnung zu verbieten. Bis dahin sollte für Lebensmittel, die aus geklonten Tieren und ihren Nachkommen hergestellt werden, ein Moratorium gelten. Die Agrarminister haben diesen Vorschlag ebenso vom Tisch gewischt wie die meisten anderen der rund 90 Änderungen und Ergänzungen, die das Parlament vorschlug. Darunter war auch eine Regelung, alle Produkte von Tieren, die mit Gentechnik gefüttert wurden, zu kennzeichnen. Nun muss sich das Parlament in zweiter Lesung mit der Verordnung befassen.

Die Agrarminister forderten die Kommission auf, „spezifische Rechtsvorschriften über alle Aspekte der Klonungsmethoden vorzulegen“ und erwähnten dabei eigens auch „handelsbezogene Aspekte“. Im Klartext heißt das: Die Minister wollen weder ein Moratorium noch ein Verbot von Klonfleisch, weil sie Handelsprobleme mit den USA befürchten. Deshalb sollen die Lebensmittel der Klon-Nachkommen zumindest nach den Novel Food Regeln behandelt werden. Eine Zulassung lässt sich damit kaum verhindern, denn überprüft wird dabei nur die Sicherheit für den Verbraucher. Die europäische Lebensmittelbehörde EFSA kam jedoch bereits zu dem Ergebnis, dass solche Lebensmittel sicher seien.

Kritisiert wird am Klonen vor allem das Leid der Tiere. „Nur fünf Prozent aller Klonversuche sind erfolgreich – die meisten so geborenen Tiere sind krank und erleiden Schmerzen,“ argumentiert Bärbel Höhn, Fraktionsvize der Bundestagsgrünen. Auch würde das Klonen von Hochleistungstieren die Landwirtschaft weiter industrialisieren und die Artenvielfalt in den Ställen noch stärker gefährden.

Gentechnik-Widerstand: Aktiver Sommer

Das vorläufige Anbauverbot für den Genmais MON 810 hat den Widerstand gegen die grüne Gentechnik beflügelt. „Da geht noch mehr“, denken viele Gentechnikgegner, zumal die Politiker wegen der anstehenden Bundestagswahl zusätzlich unter Druck stehen. So ist der Terminkalender mit Gentechnik-Aktionen prall gefüllt. Von Genfrei gehen bis zur Belagerung der Genehmigungsbehörde ist für jeden etwas dabei.

Den Auftakt machten diese Woche rund 1.500 Menschen aus der Bio- und Naturkostbranche. Sie starteten in Berlin die Aktion Genfrei gehen. Deren Initiator ist Joseph Wilhelm, Chef des Naturkostherstellers Rapunzel und passionierter Wanderer. Er will in den nächsten Wochen begleitet von möglichst vielen Menschen von Berlin nach Brüssel wandern. Wer für einen oder mehrere Tage mitwandern will, kann sich auf www.genfrei-gehen.de über die Route und die anstehenden Etappen informieren. Die Ankunft in Brüssel ist für den 30. Juli geplant.

Am 29. Juni hat in Berlin Bertram Verhaags Dokumentation „Percy Schmeiser – David gegen Monsanto“ Weltpremiere. Der Film beschreibt den Kampf des kanadischen Bauers Percy Schmeiser gegen den Gentechnikkonzern Monsanto. Percy Schmeiser ist natürlich mit dabei und reist in den darauf folgenden Tagen noch mit Vorträgen durch Deutschland. Der Film wird in den nächsten Monaten oft zu sehen sein, wenn Gentechnik-Inititiven zu Info-Abenden einladen. Interessierte können ihn auch kaufen und selbst öffentlich aufführen.

Die Gentechnikaktivisten rund um die Projektwerkstatt Saasen bringen Ende Juni eine Grossauflage der Broschüre „Organisierte Unverantwortlichkeit“ auf den Markt. Sie thematisiert den Genfilz zwischen Behörden, Politik und Wissenschaft, nennt konzernnahe Beamte beschreibt dubiose Machenschaften. Das Heft soll schnell über Rundbriefe, Magazine und als Auslage in Naturkostläden verteilt werden. Die Hauptstandorte der Gentechnik-Seilschaften sollen dann im September Besuch bekommen. Geplant sind Aktionen und Belagerungen der Bundesbehörden in Berlin sowie der Versuchszentren nahe Rostock und in der Magdeburger Börde vom 9. bis 15. September. Mehr Informationen dazu gibt es auf der Seite www.biotech-seilschaften.de.vu.

Feldbefreier sollen 100.000 Euro zahlen

Das Landgericht Magdeburg hält einen Schadensersatz von 100.000 Euro für die Zerstörung eines Genweizenfeldes für angemessen. Das Gericht verhandelt derzeit gegen sechs Feldbefreier, die im April 2008 den umstrittenen Versuch beendeten. Das Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung (IPK) hatte 245.000 Euro beantragt. In einem Zwischenurteil kappten die Richter den Betrag auf 100.000 Euro, die nun im Detail verhandelt werden sollen.
Am 21. April 2008 pflügten vier Frauen und zwei Männer der Initiative Gendreck weg das 2500 Quadratmeter große Genweizenfeld der IPK mit Hacken um. Sie beendeten damit einen Versuchsanbau, gegen den über 30.000 Bürger Einwendungen erhoben hatten. Das Versuchsfeld lag in unmittelbarer Nähe einer Genbank mit Hunderten alter Weizensorten, die zur Erhaltung im Freiland angebaut werden müssen und durch den Gen-Weizen hätten verunreinigt werden können. Dennoch ließ der damalige Landwirtschaftsminister Horst Seehofer (CSU) im Dezember 2007 den Versuch genehmigen.
Nach Ansicht des Gerichts handelten die sechs Feldbefreier rechtswidrig. Allerdings taten sie das öffentlich, so dass es für die IPK ein Leichtes war, vor Gericht Schadensersatz zu verlangen. Weniger leicht war es, die exakte Summe des Schadens zu berechnen. Der IPK-Anwalt Horst Rehberger, früherer FDP-Wirtschaftsminister von Sachsen-Anhalt und bekennender Gentechnikfan, bezifferte den Schaden auf 245.000 Euro. Das Gericht hielt einen Teil von Rehbergers Berechnung jedoch für „nicht schlüssig“ und strich deshalb die Forderungen zusammen. Nach Pressemeldungen wollte Rehberger den Feldbefreiern sogar Auslagen für die Fahrbereitschaft des Instituts oder für Überwachungskameras in Rechnung stellen.
Uwe Schrader, FDP-Landtagsabgeordneter und Vorsitzender des Gentechnik-Lobbyvereins Innoplanta, wertete den Richterspruch dennoch als Entscheidung, die der Forschung den Rücken stärken werde. Denn bisher bewegten sich verhandelte Schadensersatzsummen bei öffentlichen Feldbefreiungen in der Größenordnung weniger Tausend Euro. Dieses Mal ist es deutlich mehr und die Summen könnten noch weiter steigen. Nach der Zerstörung eines Versuchs mit genmanipulierten Äpfeln bezifferte das betroffene Institut den Schaden auf mindestens 700.000 Euro.

Streit um Antibiotikaresistenz-Gene

Die EU-Lebensmittelbehörde EFSA hält Antibiotikaresistenz-Markergenen (ARMG) in gentechnisch veränderten (GV) Pflanzen für unbedenklich. Allerdings teilen nicht alle EFSA-Experten diese Einschätzung. Zwei Wissenschaftler warnen vor unkalkulierbaren Folgen.

Die meisten heute angebauten GV-Pflanzen enthalten ARMG. Diese Gene dienen dazu, den Erfolg der gentechnischen Veränderung in den manipulierten Zellen nachzuweisen. Wachsen die Zellen auf einem mit dem jeweiligen Antibiotikum getränkten Nährboden, war die Operation erfolgreich. Gentechnik-Kritiker befürchten, dass diese Resistenzgene bei einem Anbau auf Bodenbakterien übergehen und damit langfristig in die Nahrungskette und zum Menschen gelangen könnten.
Die EFSA hält dieses Risiko eines horizontalen Gentransfers für sehr gering und argumentiert, dass solche Resistenzen sowieso schon in Bodenbakterien vorkämen. In einem gemeinsamen Gutachten kamen die beiden für genetisch verändert Organismen sowie für biologische Gefahren zuständigen Wissenschaftlergremien (GMU und BIOHAZ) zu dem Ergebnis, „dass negative Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit und die Umwelt durch den Transfer der beiden Antibiotikaresistenz-Markergene nptII und aadA von gentechnisch veränderten Pflanzen auf Bakterien im Zusammenhang mit der Verwendung gentechnisch veränderter Pflanzen den derzeitigen Erkenntnissen zufolge unwahrscheinlich sind.“ Zwei hochrangige BIOHAZ-Wissenschaftler widersprachen dem aber. Sie halten die Risiken des Tranfers und eventueller Auswirkung aufgrund der vorliegenden Daten für nicht abschätzbar.
Von Bedeutung ist das EFSA-Gutachten, weil die zur Anbauzulassung anstehende GV-Kartoffel Amflora das ARMG nptII enthält, das eine Resistenz gegen das in der Medizin verwendete Antibiotika Kanamycin vermittelt. Mit Hinweis auf die damit verbundenen Risiken hatte die EU-Kommission eine Entscheidung über den Anbau bisher verschoben. Nach Ansicht des Amflora-Produzenten BASF gebe das Gutachten der gesamten EU-Kommission die abschließende wissenschaftliche Klarheit, um Amflora zuzulassen. Die Umweltorganisation Greenpeace hingegen verwies auf die Bedeutungder beiden Minderheitenvoten. „Die EFSA ist das erste Mal zu keiner einstimmigen Meinung über die Sicherheit einer Gen-Pflanze gekommen. Dass sie trotzdem erneut grünes Licht für die Amflora gegeben hat, ist fahrlässig“, warnte Gentechnik-Expertin Stephanie Töwe.

Einkaufsratgeber ‚Essen ohne Gentechnik‘

Die Umweltorganisation Greenpeace hat ihren Einkaufsratgeber ‚Essen ohne Gentechnik’ neu aufgelegt. Sie listet darin nicht nur Firmen auf, die bewusst auf Gentechnik verzichten, sondern fasst auch die Entwicklung des letzten Jahres kurz zusammen.

Nur wenige Firmen nutzen bisher die Möglichkeit, ihre Produkte mit der freiwilligen Kennzeichnung „ohne Gentechnik“ zu versehen. Dazu gehören die Molkereien Campina und Breisgaumilch mit ihren Marken Landliebe und Schwarzwälder Weidemilch. Die Molkerei Berchtesgadener Land will bis Ende des Jahres ihre gesamte Milch auf gentechnikfrei umgestellt haben und dann auch ausloben. Das „Ohne Gentechnik“-Logo prangt auch auf den Nudeln von Albgold, den Schweinen der bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall und den Hähnchen des Geflügelmästers Stolle. Die Handelskette Tegut versieht peu à peu ihre Eigenmarkenartikel mit der Kennzeichnung. Gentechnikfrei – auch ohne Logo – sind sämtliche Bio-Produkte.
Der Greenpeace-Ratgeber erwähnt auch, dass immer mehr Firmen heimlich Gentechnik-Pflanzen aus den Futtertrögen ihrer Lieferanten verbannen. So fordert der Discounter Lidl von seinen Geflügelfleischlieferanten eine Fütterung ohne Gen-Pflanzen. Beim Tiefkühl-Hersteller Frosta müssen alle Fleischlieferanten ohne Gen-Pflanzen füttern. Bei Eiern sind die Lieferanten in der Umstellung. Auch die Milchprodukte für Frosta sollen zukünftig ohne Gen-Pflanzen produziert werden. Der Schoko-Fabrikant Ritter sucht laut Greenpeace derzeit aktiv nach gentechnikfreiem Milchpulver für seine Naschereien. Zu den Firmen, die sich aktiv bemühen, zählt Greenpeace auch den Hähnchenmäster Wiesenhof, den Babykosthersteller Hipp (für seine konventionellen Produkte) sowie die Allgäuer Emmentaler Werke und die Molkerei Ehrmann.
Rote Karten gab es für einige Molkereien, denen es egal ist, dass ihre Bauern Gen-Soja verfüttern. Oft werben sie sogar noch mit Weideland und Alpengipfeln. Es sind dies die Großmolkerei Müller samt ihrer Tochter, der Molkerei Weihenstephan, ebenso die Molkereien Allgäuland und die Joghurtmarke Bauer. Auch Bärenmarke und Milka enthalten „Gen-Milch“. Für die Verbraucher hat Greenpeace deshalb einen klaren Rat: „Sagen Sie Firmen wie Müller/Weihenstephan oder Bärenmarke Ihre Meinung und lassen Sie die Produkte im Supermarktregal stehen.“