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Auch in Deutschland: Forschung nur gegen Unterschrift

Auch deutsche Forscher müssen Nutzungsvereinbarungen mit Monsanto unterzeichnen, wenn sie genmanipuliertes Saatgut des Konzerns verwenden wollen. Dies bestätigte die Sprecherin des bundeseigenen Julius-Kühn-Instituts. Der Konzern nehme jedoch keinen Einfluss auf Veröffentlichungen, erklärte sie gegenüber genfoodneindanke.de

Nachdem amerikanische Forscher die Zensur durch den Gentechnikkonzern Monsanto beklagt hatten, fragte genfoodneindanke.de beim Julius-Kühn-Institut (JKI) des Bundes an, ob dessen Wissenschaftler ebenfalls Nutzungsvereinbarungen unterschreiben mussten, um zum Beispiel Sicherheitsforschung mit dem Genmais MON 810 betreiben zu können.

Aus Sicherheitsgründen sei es selbstverständlich notwendig, dass für jegliches für Versuchszwecke abgegebene gentechnisch veränderte Material wie Saatgut genaue Regelungen getroffen werden müssten, antwortete JKI-Sprecherin Gerlinde Nachtigall. „Diese Regelungen betreffen vor allem Haftungs-, Informations- und Umgangsfragen. So sorgt die Nutzungsvereinbarung dafür, dass nicht noch weitere Fragen bearbeitet werden, die über das zugrunde liegende Forschungsprogramm hinausgehen. Oder dass das Material nicht an Dritte abgegeben werden darf.“

Institut verteidigt Nutzungsvereinbarungen

Eine solche Nutzungsvereinbarung hätten JKI-Wissenschaftler auch für ein Forschungsprojekt speziell zu MON 810 unterschrieben, das ausschließlich mit öffentlichen Mittel gefördert worden sei. „Das Forschungsprogramm wurde ausschließlich vom JKI definiert. Die Vereinbarung sieht vor, dass der Saatgutbereitsteller über Ergebnisse des Projektes informiert wird. Allerdings schließt das keine Einflussnahme durch ihn auf die Veröffentlichungen ein.“ Auch in den Förderbestimmungen sei festgelegt, dass eine Veröffentlichung der Ergebnisse durch die Bearbeiter unbeeinflusst von außen zu erfolgen habe.

Auf Nachfrage zeigte sich die JKI-Sprecherin überzeugt davon, dass Monsanto auch andere Forschungsprojekte mit Saatgut unterstützen würde: „Wenn wir andere Forschungsthemen – ganz gleich welcher Fragestellung – bearbeiten, würden wir ebenfalls Saatgut erhalten.“ Grundsätzliche Probleme mit solchen Nutzungsvereinbarungen hat das für die Sicherheitsforschung bei Genpflanzen zuständige Bundesinstitut nicht: „Gerade bei gentechnisch verändertem Saatgut ist es für eine Firma, ganz gleich, ob sie Monsanto heißt oder anders, sicher auch im Zuge der Sicherheit wichtig, einen Überblick über die Verwendung des Saatgutes zu haben.“

Mehr Verunreinigungen im Saatgut und in Futtermitteln

Bei ihren Routinekontrollen entdeckten die Bundesländer in diesem Jahr in zwölf von 367 Mais-Saatgutproben gentechnische Verunreinigungen. In den beiden Vorjahren gab es jeweils nur vier solcher Fälle. Zugenommen haben auch die EU-weiten Meldungen über verunreinigte Lieferungen von Futtermitteln. GVO-Spuren in Lebensmittel wurden seltener entdeckt. Zusammengestellt hat die Daten die Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen hin.

Die Daten der Bundesregierung beziehen sich auf die Jahre 2004 bis 2009 und geben Verunreinigungen mit GVO wieder, die keine EU-rechtliche Zulassung haben. Die weitaus häufiger vorkommenden Verunreinigungen mit zugelassenem Gensoja oder Genmais sind in den Zahlen nicht enthalten.

„Im Zeitraum von 2004 bis 2009 wurden insgesamt 217 Schnellwarnmeldungen zu Lebensmitteln und 42 Meldungen zu Futtermitteln mit Anteilen nicht für das Inverkehrbringen in der EU zugelassener GVO in das Europäische Schnellwarnsystem „Rapid Alert System on Food and Feed“ (RASFF) eingestellt“, schreibt die Bundesregierung. 2008 und 2009 habe es bei einem Drittel dieser Schnellwarnmeldungen um Rückweisungen an Grenzkontrollstellen gehandelt. Die beanstandete Sendung sei nicht auf den europäischen Markt gelangt.

Bei den Futtermitteln waren es 2008 sieben und bis zum 31. Juli 2009 schon zwölf Verunreinigungsfälle. Die beanstandeten Mengen lagen zwischen 650 Kilogramm und 34.400 Tonnen. Ein Drittel der seit 2004 bekannt gewordenen Futtermittelverunreinigungen betraf Heimtiernahrung. Bei den Lebensmitteln hat die Zahl seit dem Genreis-Skandal 2006 deutlich abgenommen. 2009 waren es bisher 14 Schnellwarnungen, die bis auf zwei Gen-Papayas alle Reis oder Reisnudeln betrafen.

Gutachten: Gentechnikfreie Zonen sind zulässig

Bund, Ländern und Kommunen könnten verbindliche gentechnikfreie Zonen einrichten. Sie würden damit nicht gegen EU-Recht verstoßen. Zu diesem Ergebnis kommt ein juristisches Gutachten, das die Grünen-Bundestagsfraktion in Auftrag gegeben hat.

Die Berliner Kanzlei Gaßner, Groth, Siederer & Coll. hat für die Grünen zusammengestellt, wie Bund, Länder und Kommunen im Rahmen der bestehenden EU-Regelungen gentechnikfreie Regionen stärken können. Herzstück des Gutachtens ist der „Entwurf eines Gesetzes zur Stärkung gentechnikfreier Regionen“. Ausführlich begründen die Juristen, dass eine solches Gesetz unter bestimmten Voraussetzungen sehr wohl mit dem EU-Gentechnikrecht vereinbar wäre. Bisher haben führende Bundespolitiker, allen voran Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner, immer behauptet, verbindliche gentechnikfreie Zonen würden dem EU-Recht widersprechen.

Gassner und Kollegen argumentieren so: Die Freisetzungsrichtlinie 2001/18/EG erlaubt es den Mitgliedstaaten, geeignete Maßnahmen zu ergreifen, um das unbeabsichtigte Vorhandensein von gentechnisch veränderten Organismen (GVO) in anderen Produkten zu verhindern. Die bisher im Gentechnikgesetz vorgeschriebenen Maßnahmen auf betrieblicher Ebene wie Abstandsflächen und gute fachliche Praxis reichen dazu nicht aus. Insbesondere Imker oder Saatgutvermehrer würden dadurch nicht ausreichend geschützt. Gefährdet seien auch Öko-Bauern, wenn sie die von ihren Kunden geforderte Reinheit der Produkte nicht mehr gewährleisten können. Deshalb seien verbindliche gentechnikfreie Zonen zulässig.

Beschränkt würden sie durch den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit. Das Verbot des GVO-Anbaus müsse „geeignet, erforderlich und angemessen“ sein, um die Koexistenz zu sichern. Der Gesetzentwurf löst das, indem er von den Antragstellern eine ausführliche Begründung für die Notwendigkeit einer gentechnikfreien Zone verlangt. Außerdem muss die „zuständige Behörde“ alle Betroffenen bei der Festsetzung der Zone beteiligen. Diese Behörde könnte auch eine Gemeinde oder ein Landkreis sein. Denn der Gesetzentwurf würde zwar das Gentechnikgesetz des Bundes ergänzen, die Umsetzung aber wäre dezentral möglich. Praktisch gesehen könnte das vor allem dort der Fall sein, wo es bereits aktive gentechnikfreie Regionen auf privater Basis gibt. Das sind derzeit bundesweit 189 mit fast 30.000 beteiligten Landwirten. Hinzu kommen noch fast 200 Kommunen, die sich als gentechnikfrei erklärt haben.

Einheitliches Siegel für „Ohne Gentetchnik“

Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner hat ein einheitliches Logo für gentechnikfreie Produkte vorgestellt. Es ist eine grüne Raute mit dem weißen Schriftzug „Ohne Gentechnik“ und einer stilisierten dreiblättrigen Pflanze. Doch die Lebensmittelindustrie zeigt der Kennzeichnung weiterhin die kalte Schulter. Vergeben werden soll das freiwillige Logo von einem Verein der Lebensmittelindustrie – der erst noch gegründet werden muss.

Zwar besteht bereits seit Mai 2008 die Möglichkeit, gentechnikfreie Lebensmittel mit der Angabe „ohne Gentechnik“ zu kennzeichnen. Doch bisher verwendeten die Hersteller dafür unterschiedliche selbstgestrickte Logos. Das einheitliche Zeichen soll es für Verbraucher einfacher machen, gentechnikfreie Produkte zu erkennen. Allerdings muss der Verbraucher gelabelte Produkte weiterhin suchen wie eine Stecknadel im Heuhaufen. Etwa 20 Hersteller nutzen das Siegel. Die bekanntesten sind die Molkerei Campina mit ihrer Marke Landliebe und der Nudelspezialist Albgold. Viele andere sind Hersteller von Soja-Lebensmitteln, die immer schon gentechnikfreies Soja verwendeten. Barbara Kamradt, Gentechnik-Expertin von Greenpeace, ist überzeugt, dass das neue Siegel bei Produkten ohne Gentechnik neuen Schwung in das Angebot bringt.

Bisher boykottieren weite Teile der Lebensmittelindustrie und des Handel eine „Ohne Gentechnik“-Kennzeichnung. Sie würde ein schlechtes Licht auf die ungelabelten Produkte werfen. Zudem wollen die Lobbyverbände der Agrarindustrie an der kostengünstigen Fütterung der Tiere mit Gensoja und Genmais festhalten. Deshalb forderten die Grünen und die Organisation Foodwatch die Ministerin auf, sich auf EU-Ebene dafür einzusetzen, dass endlich Erzeugnisse von Tieren gekennzeichnet werden müssen, die mit Genpflanzen gefüttert wurden. Das Europaparlament hat bereits einen solchen Beschluss gefällt. Gegen die Stimmen der dortigen CDU/CSU-Abgeordneten.

Ein Faltblatt des Bundesministeriums zum neuen Logo

Eine Liste der Verbraucherzentrale Hamburg mit gekennzeichneten Lebensmitteln

Wieder mehrere Gentechnik-Versuche beendet

Feldbefreier haben in den letzten Wochen eine Reihe von Versuchsfeldern zerstört. Darunter befand sich auch die umstrittenen Versuche mit manipulierter Gerste und Weizen am Agrobiotechnikum in Lüsewitz in Rostock. Außer in den Lokalmedien wurde kaum über die Aktionen berichtet. Ausführlicher waren die Berichte auf Seiten der Feldbefreier und bei Indymedia.

Anfang Juli zerstörten Feldbefreier eine Versuchsanlage der Firma Biovativ in Groß-Lüsewitz bei Rostock. Darunter waren auch die bundesweit bekannten und umstrittenen Versuche mit genmanipuliertem Weizen und Gerste. Lokale Schlagzeilen machte der Vorgang, weil es bei dem nächtlichen Besuch zu einem Gerangel mit einem Wachmann kam, der anscheinend eine Feldbefreierin festhalten wollte. „Wachmann verprügelt“ titelte die Ostsee-Zeitung. Gentechnik-Kritiker Jörg Bergstedt bezweifelt den in den Medien dargestellten Ablauf. „Es wäre nicht das erste Mal, dass die Gentechnik-Mafia dann, wenn sie in Not ist, mit frei erfundenen Horrorgeschichten von ihren eigenen Skandalen und Rechtsverstößen ablenken will.“

Den einzigen Gentech-Acker Bayerns in Düllstadt bei Würzburg machten Feldbefreier bereits Ende Juni unschädlich. Dort waren im Auftrag des Gentechnikkonzerns Monsanto drei verschiedene Genmais-Sorten ausgesät worden.
Bei Eichenbarleben in der Magdeburger Börde wurde in der Nacht von Freitag den 17. Juli auf Samstag den 18. Juli ein 9.000 Quadratmeter großes Genmaisfeld zerstört. Dort hatte der Konzern Syngenta seinen Genmais GA21 anbauen lassen. Er ist gegen das Syngenta-Herbizid Touchdown mit dem Wirkstoff Glyphosat resistent.
Bei Wedemark nördlich von Hannover zerstörten Feldbefreier ein 3.500 Quadratmetern großes Feld mit Genmais. Sie hatten in der vorletzten Juliwoche die Pflanzen alle einzeln abgeschnitten. Es handelte sich um einen Versuchsanbau der Niedersächsischen Landwirtschaftskammer, die dort für Monsanto Genmais-Hybriden der Sorte NK603*MON810 anbaute. Die Polizei bezifferte den Schaden auf 20.000 Euro.

Feldbefreiung: Bioland-Imker muss ins Gefängnis

Der Bioland-Imker Michael Grolm muss am 27. August in das thüringische Gefängnis Goldlauter einrücken. Er hat bereits angekündigt, mit Pauken und Trompeten in den Knast zu ziehen. Denn er ist der erste deutsche Gentechnik-Gegner, der hinter Gitter muss. Es handelt sich um Beugehaft, weil Grolm keinen Schadensersatz für ausgerissenen Genmais zahlen will.
Michael Grolm gehört zu den Begründern der Aktion „Gendreck weg“, die seit Jahren mit öffentlich angekündigten Feldbefreiungen gegen den Anbau von genmanipulierten Pflanzen in Deutschland protestiert. Im Juli 2007 hatte er trotz eines Betretungsverbots den Acker einer brandenburgischen Agrargenossenschaft betreten und den dort wachsenden Genmais MON 810 ausgerissen. Das zuständige Gericht verurteilte ihn zu einem Schadensersatz von 1.000 Euro. Grolm weigerte sich, zu zahlen und wird nun in Beugehaft genommen. Deren Dauer ist unbestimmt. „Voraussichtlich eine Woche“ schreibt die Thüringische Landeszeitung und prognostiziert, dass die Haft „das Ziel, dem sie dient – ihn mürbe zu machen – allerdings verfehlen wird“. Michael Grolm denke überhaupt nicht daran, diese erstklassige Gelegenheit, auf seine Sache aufmerksam zu machen, ungenutzt verstreichen zu lassen. „Am Sonntag danach ist Wahl, und die Leute haben die Möglichkeit mitzubestimmen, wie eine zukunftsfähige Thüringer Landwirtschaft aussieht“, zitiert ihn die Zeitung.
Solche Gelegenheiten wird der Imker noch mehrere bekommen. Neben der zivilrechtlichen Schadensersatzforderung brachte ihm die Feldbefreiung von 2007 auch ein Strafverfahren wegen Rädelsführerschaft und Sachbeschädigung ein, das in zweiter Instanz mit 20 Tagessätzen endete. „Auf die Vollstreckung warte ich nur“, sagte Grolm der Thüringische Landeszeitung. Für diese kämpferische Haltung hat ihm übrigens die taz im vergangenen Jahr ihren bekannten Panterpreis verliehen. In seinem tazBlog listet Benny Härlin von Save our Seeds genüsslich die EU-Subventionen der beiden Kontrahenten auf: „Grolm (EU Subventionen 2008: 440,49 €) weigert sich, 1000 Euro Schadensersatz an die Agrargenossenschaft Altreetz (EU Subventionen 2008: 454,139.25 €) zu bezahlen.

Immer noch Gen-Öl in der Friteuse

In manchen Kantinen, Gaststätten und Frittenbuden wird immer noch Öl aus genmanipulierten Sojabohnen eingesetzt, ohne dass die Kunden dies erfahren. Darauf wies die Münchner Greenpeace-Gruppe hin. Deren Gen-Detektive verfolgen seit zwei Jahren Gastronomie-Großhändler, die Gen-Öl im Angebot haben. Die gute Nachricht: Es werden weniger.

Nach Angaben von Greenpeace München vertreiben derzeit noch drei Münchner Großhändler Gen-Öl der Marke Sedina der Ölmühle Hamburg. Zwei weitere wollen noch Restbestände abverkaufen und dann auf Gen-Öl verzichten. Die Öle selbst sind entsprechend gekennzeichnet – in der Regel findet sich aber keine Kennzeichnung in den Speisekarten von Gaststätten, Kantinen oder Imbissständen, die diese Öle weiter verarbeiten. Den Verbrauchern werde so, aufgrund der fehlenden Kennzeichnung in den Speisekarten und den unzureichenden Kontrollen der bayerischen Lebensmittelüberwachung, nun doch wieder Gentechnik untergeschoben, argumentiert Klaus Müller. „Es ist verantwortungslos gegenüber Verbrauchern und Gastwirten, wenn Großhändler gentechnisch veränderte Speiseöle in ihrem Sortiment anbieten.“

Allerdings werden es immer weniger. Als die Greenpeace-Gruppe München im Februar 2007 ihre „Schwarze Liste der Gen-Öl-Händler“ erstmals veröffentlichte, waren darauf rund ein Dutzend Händler zu finden. Mit Aktionen vor Großmärkten und in Gaststätten informierten die Greenpeacler über den heimlichen Gen-Öl-Einsatz, auch auf italienisch, türkisch und chinesisch. Mit der Ergebnis, dass immer mehr Großhändler die betreffenden Produkte auslisteten. Allerdings haben sich die Greenpeacler nur mit Unternehmen befasst, die in und um München ihren Sitz haben oder Gaststätten in und um München beliefern. Die einschlägigen Gen-Öle sind aber auch bei vielen anderen Großhändlern bundesweit zu haben.

Konzerne zensieren Forscher

Wissenschaftler müssen die Gentech-Konzerne um Erlaubnis fragen, wenn sie Forschungsergebnisse über deren Gen-Pflanzen veröffentlichen wollen. Diese Praxis prangert das Wissenschaftsmagazin Scientific American in seiner aktuellen Ausgabe an und fordert: „Das muss aufhören.“

Wenn Wissenschaftler für ihre Forschungsarbeiten gentechnisch verändertes Saatgut kaufen, müssen sie eine Vereinbarung unterschreiben, die festlegt, was mit dem Saatgut alles gemacht werden darf. Üblicherweise verbieten solche Vereinbarungen die unerlaubte Nachzucht. Doch Agritech-Unternehmen wie Monsanto, Pioneer und Syngenta seien weiter gegangen, heißt es in dem Artikel. „Ein Jahrzehnt lang haben ihre Nutzungsvereinbarungen ausdrücklich verboten, das Saatgut für unabhängige Forschung einzusetzen. Unter Androhung von Klagen war es den Wissenschaftlern untersagt, zu testen, unter welchen unterschiedlichen Bedingungen die Saat gut gedieh oder floppte. Sie durften das Saatgut unterschiedlicher Unternehmen nicht miteinander vergleichen. Vor allem aber konnten sie nicht untersuchen, ob die gentechnisch veränderten Pflanzen zu unerwünschten ökologischen Nebeneffekten führten.“
In den anerkannten Fachzeitschriften seien nur Studien veröffentlicht worden, die zuvor von den Saatgut-Herstellern überprüft wurden. „In einigen Fällen wurden die Ergebnisse von Experimenten, die das interne Plazet des Saatgut-Unternehmens hatten, später nicht veröffentlicht. Sie waren nicht schmeichelhaft genug.“ Als Kronzeugen zitiert Scientific American den Insektenforscher Elson J. Shields von der Cornell Univerität. Der Professor ist Sprecher einer Gruppe von 24 Wissenschaftlern, die sich mit Getreide-Schädlingen befassen. Sie haben in einem Schreiben an die US-Umweltbehörde EPA die Gängelung durch die Konzerne und die Bevorzugung gentechnikfreundlicher Wissenschaftler angegriffen. „Der eingeschränkte Zugang zu Saatgut führt dazu, dass viele kritische Fragen zu dieser Technologie nicht unabhängig und legal erforscht werden können“, lautet ihr Fazit.
Das Magazin kommentiert, es sei gefährlich, wenn Wissenschaftler nicht mehr kritisch untersuchen können, was als Pflanze auf weiten Flächen des Landes angebaut wird und als Lebensmittel auf den Tisch kommt. Deshalb müssten die Konzerne umgehend diese Einschränkung aufheben. Da die Autoren daran scheinbar selbst nicht glauben, fordern sie parallel dazu die Behörden zum Handeln auf. Neues Gentech-Saatgut dürfe erst zugelassen werden, wenn unabhängige Wissenschaftler ungehinderten Zugang zu allen bereits auf dem Markt befindlichen Produkten hätten.
Der Beitrag in Scientific American beschreibt Zustände in den USA. Da es sich aber bei Monsanto & Co um weltweit agierende Konzerne handelt, stellt sich die Frage: Welche Nutzungsvereinbarungen haben die Wissenschaftler unterschrieben, die in Deutschland staatlich geförderte Sicherheitsforschung in Sachen grüner Gentechnik betreiben?

Gen-Gefahren endlich erforschen

Mehrere Umwelt- und Bioverbände haben einen 9-Punkte-Katalog für eine ökologische Risikoforschung in Sachen grüner Gentechnik vorgelegt. Das Papier erschien im Vorfeld der zweiten Gentechnik-Diskussionrunde, zu der Forschungsministerin Annette Schavan eingeladen hatte. Die Verbände kritisieren darin die bisherige staatliche Förderpolitik.

Sie reiche nicht aus, um das Potenzial negativer Entwicklungen rechtzeitig aufzudecken. „Relevante Fragestellungen aus der Sicht von Verbrauchern sowie des Natur- und Umweltschutzes werden entweder nicht oder nicht hinreichend untersucht.“ Statt dessen fließe ein großer Anteil der
Fördermittel des Bundesforschungsministeriums für Biosicherheitsforschung in „Projekte, die die Technologien der Genübertragung weiter perfektionieren sollen, ebenso wie in das als PR-Maßnahme angelegte Kommunikationsmanagement.“

In ihrem Katalog fordern die Verbände systematische Untersuchungen zu den gesundheitlichen Effekten von GVO und zu den Auswirkungen auf Nicht-Ziel-Organismen, insbesondere auf bestäubende Insekten. Dazu müssten unabhängige Institute mit entsprechenden Mittel ausgestattet werden und Zugang zu Versuchsmaterialien erhalten. Forschungsziele und Mittelvergabe sollten nicht mehr von einem kleinen Kreis aus Ministerialbeamten und Wissenschaftler festgelegt werden, sondern „durch einen demokratisch legitimierten Stakeholder-Kreis transparent und offen gestaltet“ werden.

Da die EU-Umweltminister Ende 2008 beschlossen haben, bei der GVO-Zulassung auch sozioökonomische Aspekte und. Kosten-Nutzen-Überlegungen einzubeziehen, müsse auch dieser Bereich bearbeitet werden, fordern die Verbände: „Neben den einzelbetrieblichen Kosten, die für Saatguterzeuger, Landwirte, Imker, Lebensmittelerzeuger und -verarbeiter anfallen, müssen die volkswirtschaftlichen Kosten erfasst werden: für die Regulierung, den Schutz der Koexistenz, der Biodiversität etc. Darüber hinaus ist ein Vergleich mit Alternativen zu erstellen und zu bewerten – und zwar von Experten, die diese Alternativen kennen und nicht von den Protagonisten der Gentechnik.“

Gentechnikversuchsland Indien

Die indische Regierung hat Pläne bestätigt, wonach Feldversuche mit 170 gentechnisch veränderten Sorten aus insgesamt 41 Pflanzenarten vorgesehen sind. Das meldete Greenpeace Indien. Angebaut werden sollen auch 25 Sorten Gen-Reis. Eine davon baut der deutsche Bayer-Konzern an. Unter Polizeischutz.

Greenpeace-Aktivisten und andere Umweltschützer hatten das Versuchsfeld in der Nähe der indischen Stadt Hyderabad gestürmt und es mit Vogelscheuchen und Transparenten gekennzeichnet. Alarmiert von Bayer ging die Polizei gegen die Demonstranten vor und verhaftete 35 Menschen, darunter auch Medienvertreter sowie die bekannte Schauspielerin Amala Akkineni, berichtete die Zeitung Ecologist. Die Betroffenen erwartet eine Anklage wegen Hausfriedensbruch, Sachbeschädigung und Nötigung. Greenpeace hielt Bayer eine Erklärung von 2004 vor. Darin habe der Konzern zugesichert, auf Genreis-Anbauversuche in Indien zu verzichten. Greenpeace wies auf die Verunreinigungen durch Bayer-Genreis 2007 in den USA hin und warnte davor, dass Indien als größter Reisexporteur durch solche Anbauversuche extrem gefährdet sei.

Monsantos indische Tochter Mahyco baut im Bundesstaat Jharkhand Gen-Reis an. Die Organisation Gene Campaign hat dem Konzern vorgeworfen, dass sein Bt-Reis bereits den gentechnikfreien Reis in der Region um das Versuchsfeld kontaminiert habe. Das Feld verletze alle offiziellen Vorgaben für den Anbau von Gen-Pflanzen. Jharkhand gilt als eine der Ursprungsregionen des Reisanbaus, wo noch zahlreiche alte Sorten kultiviert werden. Mehrere indische Bundesstaaten haben Anbauversuche inzwischen verboten.