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Neuer Skandal: Leinsamen verunreinigt

Zahlreiche konventionelle Brötchen, Müsli und Backmischungen enthalten Leinsamen, der gentechnisch verunreinigt ist. Darauf weisen Messergebnisse des Chemischen und Veterinäruntersuchungsamtes (CVUA) Freiburg und von Greenpeace hin. Der baden-württembergische Ernährungsminister Peter Hauk geht davon aus, dass es sich bei den Verunreinigungen um ein europaweites Problem handelt. Greenpeace zieht Parallen zum Genreis-Skandal 2006.

Das CVUA hatte aufgrund einer Verdachtsmeldung 41 Proben Leinsamen, Brot und Müsli untersucht. 14 davon stammten aus ökologischem Anbau und waren sauber. Von den 27 konventionellen Proben enthielten 16 (das sind 59 Prozent) Spuren von gentechnisch veränderten Leinsamen in Mengen zwischen 0,05 und 1 %. Bei der Verunreinigung handelte es sich um einen herbizidtoleranten Leinsamen mit dem Handelsnamen CDC Triffid. Er wurde vor 13 Jahren in den USA und Kanada zugelassen, jedoch nur in Kanada im Jahr 2000 kommerziell angebaut. Wie es zu der Verunreinigung kam und wie lange schon verunreinigter Leinsamen eingesetzt wurden, ist noch unbekannt. Die Lieferungen kamen anscheinend aus Kanada, wo ein Drittel der weltweiten Leinsamenernte eingebracht wird. Die EU importiert sogar über zwei Drittel ihres Leinsamenbedarfs von 600.000 Tonnen im Jahr aus Kanada. Die Saat wird für Brot und Brötchen, Müsli und Leinöl verwendet oder kommt als Leinsamen direkt in den Handel.

Da CDC Triffid in der EU nicht zugelassen ist, sind Produkte, in denen auch nur eine minimale Verunreinigung mit dem Gentech-Leinsamen nachgewiesen wurde, nicht verkehrsfähig und müssen aus dem Regal genommen werden. Greenpeace hatte nach Bekanntwerden der Funde in mehreren Super- und Drogeriemarktketten Produkte gekauft und untersuchen lassen. Verunreinigt waren unter anderem Leinsamen bekannter Markenhersteller wie Seitenbacher und Seeberger, die umgehend Rückrufaktionen starteten. Die Umweltorganisation zog Parallelen zur Verunreinigung von US-Reis im Jahr 2006. Damals verbreitete sich eine Gen-Pflanze, die nirgends kommerziell angebaut wurde, auf mehreren Kontinenten. Der Schaden betrug über eine Milliarde US-Dollar. „Dieser Fund zeigt, dass unsere Lebensmittel nur dann frei von Gentechnik bleiben, wenn der Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen weltweit verboten wird“, sagte Greenpece-Gentechnikexpertin Stefanie Hundsdorfer.

Niedersachsen muss verunreinigte Äcker offenlegen

Im Herbst 2007 wurde in Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern auf insgesamt 1500 Hektar gentechnisch verunreinigtes Raps-Saatgut ausgesät. Bisher hielten die Bundesländer die betroffenen Äcker geheim. Der Anbauverband Bioland hat vor Gericht erreicht, dass Niedersachsen die Flächen nun offenlegen muss. Rapssamen bleiben im Boden bis zu zehn Jahre keimfähig.

Bioland hatte bereits 2007 vom den Umweltministerien unter Berufung auf das Umweltinformationsgesetz gefordert, die Gen-Rapsstandorte offen zu legen. Das Land hatte sich geweigert, wurde nun aber vom Verwaltungsgericht Hannover dazu verpflichtet seinen Widerstand aufzugeben und die Grundstücke bekannt zu geben. In Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern sind die Verfahren noch anhängig.
Zwar mussten die Bauern 2007 den aufgelaufenen Raps nach Bekanntwerden der Verunreinigung unterpflügen. Doch da Rapssaatgut Jahre lang im Boden überdauern kann, besteht weiterhin die Gefahr, dass auf diesen Äckern einzelne Genrapspflanzen wachsen und ihr Erbgut an andere Rapspflanzen und verwandte Wildpflanzen weitergeben. „Für
Biolandwirte und Imker ist es existenziell wichtig zu erfahren, wo Genpflanzen ausgesät
worden sind“, sagt dazu Harald Gabriel, Geschäftsführer von Bioland Niedersachsen.

Wo wächst der Gen-Mais?

Auch andere Bundesländer sind Geheimniskrämer. Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz erlaubten in diesem Jahr einigen Bauern, die versehentlich verunreinigtes Maissaatgut ausgesät hatten, den Mais aufwachsen zu lassen. Die geernteten Pflanzen sollten statt als Futtermittel in einer Biogasanlage verwendet werden. Informiert wurden – mit Verspätung – nur direkt betroffenen Nachbarn. Der Öffentlichkeit wurden die Standorte der Maisäcker nicht mitgeteilt. Die grüne Bundestagsfraktion hat nach dem Urteil aus Hannover die beiden Landesregierungen erneut aufgefordert, die genauen Standorte der betroffenen Felder im Standortregister offen zu legen.

Genfood made in Germany

Die beiden deutschen Chemiekonzerne Bayer und BASF wollen ihre Gentechnik-Aktivitäten deutlich ausweiten. Während BASF bisher noch keine kommerziell angebaute Gen-Pflanze vorweisen kann, ist Bayer bei Baumwolle inzwischen die Nummer zwei hinter Monsanto.

Der Bayer-Konzern machte 2007 mit grüner Gentechnik einen Umsatz von 342 Millionen und will diesen bis 2015 auf eine Milliarde Euro ausbauen. Gebündelt hat Bayer seine Gentechnik-Aktivitäten bei der Pflanzenschutz-Tochter Bayer CropScience AG. Die übernimmt jetzt das US-Biotech-Unternehmen Athenix. Es verfügt über eine umfangreiche Entwicklungsplattform von Pflanzeneigenschaften (Traits) aus den Bereichen Herbizidtoleranz und Insektenresistenz, vor allem für Mais und Sojabohnen. Die Forschungs- und Entwicklungspipeline von Bayer CropScience werde durch die Gen-Sammlung von Athenix vervollständigt. Der Zukauf schaffe zudem neue Lizenzeinkommen, die über den Umsatz mit bestehenden Technologien von Bayer CropScience hinausgingen, teilte der Konzern mit.

Bald Gen-Weizen von Bayer?

Bereits im Juli teilte Bayer mit, dass es seine weltweite Forschung und Entwicklung im Bereich Saatgut und Pflanzeneigenschaften um einen Schwerpunkt auf Getreide erweitere. Dazu vereinbarte das Unternehmen eine langfristige Zusammenarbeit mit dem australischem Forschungsinstitut CSIRO. Gemeinsam wolle man eine der weltweit führenden Forschungs- und Entwicklungsplattformen für Getreide aufbauen. Ab 2015 sollen die „neuen Lösungen für den Weizenanbau“ auf den Markt kommen.

BASF will binnen zehn Jahren den Umsatz mit grüner Gentechnik auf über eine Milliarde Euro ausbauen. Bereits seit 2007 kooperiert der Chemiekonzern bei der Erforschung, Entwicklung und Vermarktung gentechnisch veränderter Mais-, Soja-, Baumwoll- und Rapspflanzen mit Monsanto. Erstes Produkt der Zusammenarbeit soll ein trockentoleranter Mais sein und 2012 auf den Markt kommen. Die Produktzulassungen für Nordamerika und die EU habe man bereits beantragt, teilte BASF mit. Wenig Erfolg hatte der Chemie-Konzern bisher mit seiner Eigenentwicklung, der Gen-Kartoffel Amflora. Sie wartet immer noch auf eine Zulassung durch die EU

Auch in Deutschland: Forschung nur gegen Unterschrift

Auch deutsche Forscher müssen Nutzungsvereinbarungen mit Monsanto unterzeichnen, wenn sie genmanipuliertes Saatgut des Konzerns verwenden wollen. Dies bestätigte die Sprecherin des bundeseigenen Julius-Kühn-Instituts. Der Konzern nehme jedoch keinen Einfluss auf Veröffentlichungen, erklärte sie gegenüber genfoodneindanke.de

Nachdem amerikanische Forscher die Zensur durch den Gentechnikkonzern Monsanto beklagt hatten, fragte genfoodneindanke.de beim Julius-Kühn-Institut (JKI) des Bundes an, ob dessen Wissenschaftler ebenfalls Nutzungsvereinbarungen unterschreiben mussten, um zum Beispiel Sicherheitsforschung mit dem Genmais MON 810 betreiben zu können.

Aus Sicherheitsgründen sei es selbstverständlich notwendig, dass für jegliches für Versuchszwecke abgegebene gentechnisch veränderte Material wie Saatgut genaue Regelungen getroffen werden müssten, antwortete JKI-Sprecherin Gerlinde Nachtigall. „Diese Regelungen betreffen vor allem Haftungs-, Informations- und Umgangsfragen. So sorgt die Nutzungsvereinbarung dafür, dass nicht noch weitere Fragen bearbeitet werden, die über das zugrunde liegende Forschungsprogramm hinausgehen. Oder dass das Material nicht an Dritte abgegeben werden darf.“

Institut verteidigt Nutzungsvereinbarungen

Eine solche Nutzungsvereinbarung hätten JKI-Wissenschaftler auch für ein Forschungsprojekt speziell zu MON 810 unterschrieben, das ausschließlich mit öffentlichen Mittel gefördert worden sei. „Das Forschungsprogramm wurde ausschließlich vom JKI definiert. Die Vereinbarung sieht vor, dass der Saatgutbereitsteller über Ergebnisse des Projektes informiert wird. Allerdings schließt das keine Einflussnahme durch ihn auf die Veröffentlichungen ein.“ Auch in den Förderbestimmungen sei festgelegt, dass eine Veröffentlichung der Ergebnisse durch die Bearbeiter unbeeinflusst von außen zu erfolgen habe.

Auf Nachfrage zeigte sich die JKI-Sprecherin überzeugt davon, dass Monsanto auch andere Forschungsprojekte mit Saatgut unterstützen würde: „Wenn wir andere Forschungsthemen – ganz gleich welcher Fragestellung – bearbeiten, würden wir ebenfalls Saatgut erhalten.“ Grundsätzliche Probleme mit solchen Nutzungsvereinbarungen hat das für die Sicherheitsforschung bei Genpflanzen zuständige Bundesinstitut nicht: „Gerade bei gentechnisch verändertem Saatgut ist es für eine Firma, ganz gleich, ob sie Monsanto heißt oder anders, sicher auch im Zuge der Sicherheit wichtig, einen Überblick über die Verwendung des Saatgutes zu haben.“

Mehr Verunreinigungen im Saatgut und in Futtermitteln

Bei ihren Routinekontrollen entdeckten die Bundesländer in diesem Jahr in zwölf von 367 Mais-Saatgutproben gentechnische Verunreinigungen. In den beiden Vorjahren gab es jeweils nur vier solcher Fälle. Zugenommen haben auch die EU-weiten Meldungen über verunreinigte Lieferungen von Futtermitteln. GVO-Spuren in Lebensmittel wurden seltener entdeckt. Zusammengestellt hat die Daten die Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen hin.

Die Daten der Bundesregierung beziehen sich auf die Jahre 2004 bis 2009 und geben Verunreinigungen mit GVO wieder, die keine EU-rechtliche Zulassung haben. Die weitaus häufiger vorkommenden Verunreinigungen mit zugelassenem Gensoja oder Genmais sind in den Zahlen nicht enthalten.

„Im Zeitraum von 2004 bis 2009 wurden insgesamt 217 Schnellwarnmeldungen zu Lebensmitteln und 42 Meldungen zu Futtermitteln mit Anteilen nicht für das Inverkehrbringen in der EU zugelassener GVO in das Europäische Schnellwarnsystem „Rapid Alert System on Food and Feed“ (RASFF) eingestellt“, schreibt die Bundesregierung. 2008 und 2009 habe es bei einem Drittel dieser Schnellwarnmeldungen um Rückweisungen an Grenzkontrollstellen gehandelt. Die beanstandete Sendung sei nicht auf den europäischen Markt gelangt.

Bei den Futtermitteln waren es 2008 sieben und bis zum 31. Juli 2009 schon zwölf Verunreinigungsfälle. Die beanstandeten Mengen lagen zwischen 650 Kilogramm und 34.400 Tonnen. Ein Drittel der seit 2004 bekannt gewordenen Futtermittelverunreinigungen betraf Heimtiernahrung. Bei den Lebensmitteln hat die Zahl seit dem Genreis-Skandal 2006 deutlich abgenommen. 2009 waren es bisher 14 Schnellwarnungen, die bis auf zwei Gen-Papayas alle Reis oder Reisnudeln betrafen.

Gutachten: Gentechnikfreie Zonen sind zulässig

Bund, Ländern und Kommunen könnten verbindliche gentechnikfreie Zonen einrichten. Sie würden damit nicht gegen EU-Recht verstoßen. Zu diesem Ergebnis kommt ein juristisches Gutachten, das die Grünen-Bundestagsfraktion in Auftrag gegeben hat.

Die Berliner Kanzlei Gaßner, Groth, Siederer & Coll. hat für die Grünen zusammengestellt, wie Bund, Länder und Kommunen im Rahmen der bestehenden EU-Regelungen gentechnikfreie Regionen stärken können. Herzstück des Gutachtens ist der „Entwurf eines Gesetzes zur Stärkung gentechnikfreier Regionen“. Ausführlich begründen die Juristen, dass eine solches Gesetz unter bestimmten Voraussetzungen sehr wohl mit dem EU-Gentechnikrecht vereinbar wäre. Bisher haben führende Bundespolitiker, allen voran Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner, immer behauptet, verbindliche gentechnikfreie Zonen würden dem EU-Recht widersprechen.

Gassner und Kollegen argumentieren so: Die Freisetzungsrichtlinie 2001/18/EG erlaubt es den Mitgliedstaaten, geeignete Maßnahmen zu ergreifen, um das unbeabsichtigte Vorhandensein von gentechnisch veränderten Organismen (GVO) in anderen Produkten zu verhindern. Die bisher im Gentechnikgesetz vorgeschriebenen Maßnahmen auf betrieblicher Ebene wie Abstandsflächen und gute fachliche Praxis reichen dazu nicht aus. Insbesondere Imker oder Saatgutvermehrer würden dadurch nicht ausreichend geschützt. Gefährdet seien auch Öko-Bauern, wenn sie die von ihren Kunden geforderte Reinheit der Produkte nicht mehr gewährleisten können. Deshalb seien verbindliche gentechnikfreie Zonen zulässig.

Beschränkt würden sie durch den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit. Das Verbot des GVO-Anbaus müsse „geeignet, erforderlich und angemessen“ sein, um die Koexistenz zu sichern. Der Gesetzentwurf löst das, indem er von den Antragstellern eine ausführliche Begründung für die Notwendigkeit einer gentechnikfreien Zone verlangt. Außerdem muss die „zuständige Behörde“ alle Betroffenen bei der Festsetzung der Zone beteiligen. Diese Behörde könnte auch eine Gemeinde oder ein Landkreis sein. Denn der Gesetzentwurf würde zwar das Gentechnikgesetz des Bundes ergänzen, die Umsetzung aber wäre dezentral möglich. Praktisch gesehen könnte das vor allem dort der Fall sein, wo es bereits aktive gentechnikfreie Regionen auf privater Basis gibt. Das sind derzeit bundesweit 189 mit fast 30.000 beteiligten Landwirten. Hinzu kommen noch fast 200 Kommunen, die sich als gentechnikfrei erklärt haben.

Einheitliches Siegel für „Ohne Gentetchnik“

Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner hat ein einheitliches Logo für gentechnikfreie Produkte vorgestellt. Es ist eine grüne Raute mit dem weißen Schriftzug „Ohne Gentechnik“ und einer stilisierten dreiblättrigen Pflanze. Doch die Lebensmittelindustrie zeigt der Kennzeichnung weiterhin die kalte Schulter. Vergeben werden soll das freiwillige Logo von einem Verein der Lebensmittelindustrie – der erst noch gegründet werden muss.

Zwar besteht bereits seit Mai 2008 die Möglichkeit, gentechnikfreie Lebensmittel mit der Angabe „ohne Gentechnik“ zu kennzeichnen. Doch bisher verwendeten die Hersteller dafür unterschiedliche selbstgestrickte Logos. Das einheitliche Zeichen soll es für Verbraucher einfacher machen, gentechnikfreie Produkte zu erkennen. Allerdings muss der Verbraucher gelabelte Produkte weiterhin suchen wie eine Stecknadel im Heuhaufen. Etwa 20 Hersteller nutzen das Siegel. Die bekanntesten sind die Molkerei Campina mit ihrer Marke Landliebe und der Nudelspezialist Albgold. Viele andere sind Hersteller von Soja-Lebensmitteln, die immer schon gentechnikfreies Soja verwendeten. Barbara Kamradt, Gentechnik-Expertin von Greenpeace, ist überzeugt, dass das neue Siegel bei Produkten ohne Gentechnik neuen Schwung in das Angebot bringt.

Bisher boykottieren weite Teile der Lebensmittelindustrie und des Handel eine „Ohne Gentechnik“-Kennzeichnung. Sie würde ein schlechtes Licht auf die ungelabelten Produkte werfen. Zudem wollen die Lobbyverbände der Agrarindustrie an der kostengünstigen Fütterung der Tiere mit Gensoja und Genmais festhalten. Deshalb forderten die Grünen und die Organisation Foodwatch die Ministerin auf, sich auf EU-Ebene dafür einzusetzen, dass endlich Erzeugnisse von Tieren gekennzeichnet werden müssen, die mit Genpflanzen gefüttert wurden. Das Europaparlament hat bereits einen solchen Beschluss gefällt. Gegen die Stimmen der dortigen CDU/CSU-Abgeordneten.

Ein Faltblatt des Bundesministeriums zum neuen Logo

Eine Liste der Verbraucherzentrale Hamburg mit gekennzeichneten Lebensmitteln

Wieder mehrere Gentechnik-Versuche beendet

Feldbefreier haben in den letzten Wochen eine Reihe von Versuchsfeldern zerstört. Darunter befand sich auch die umstrittenen Versuche mit manipulierter Gerste und Weizen am Agrobiotechnikum in Lüsewitz in Rostock. Außer in den Lokalmedien wurde kaum über die Aktionen berichtet. Ausführlicher waren die Berichte auf Seiten der Feldbefreier und bei Indymedia.

Anfang Juli zerstörten Feldbefreier eine Versuchsanlage der Firma Biovativ in Groß-Lüsewitz bei Rostock. Darunter waren auch die bundesweit bekannten und umstrittenen Versuche mit genmanipuliertem Weizen und Gerste. Lokale Schlagzeilen machte der Vorgang, weil es bei dem nächtlichen Besuch zu einem Gerangel mit einem Wachmann kam, der anscheinend eine Feldbefreierin festhalten wollte. „Wachmann verprügelt“ titelte die Ostsee-Zeitung. Gentechnik-Kritiker Jörg Bergstedt bezweifelt den in den Medien dargestellten Ablauf. „Es wäre nicht das erste Mal, dass die Gentechnik-Mafia dann, wenn sie in Not ist, mit frei erfundenen Horrorgeschichten von ihren eigenen Skandalen und Rechtsverstößen ablenken will.“

Den einzigen Gentech-Acker Bayerns in Düllstadt bei Würzburg machten Feldbefreier bereits Ende Juni unschädlich. Dort waren im Auftrag des Gentechnikkonzerns Monsanto drei verschiedene Genmais-Sorten ausgesät worden.
Bei Eichenbarleben in der Magdeburger Börde wurde in der Nacht von Freitag den 17. Juli auf Samstag den 18. Juli ein 9.000 Quadratmeter großes Genmaisfeld zerstört. Dort hatte der Konzern Syngenta seinen Genmais GA21 anbauen lassen. Er ist gegen das Syngenta-Herbizid Touchdown mit dem Wirkstoff Glyphosat resistent.
Bei Wedemark nördlich von Hannover zerstörten Feldbefreier ein 3.500 Quadratmetern großes Feld mit Genmais. Sie hatten in der vorletzten Juliwoche die Pflanzen alle einzeln abgeschnitten. Es handelte sich um einen Versuchsanbau der Niedersächsischen Landwirtschaftskammer, die dort für Monsanto Genmais-Hybriden der Sorte NK603*MON810 anbaute. Die Polizei bezifferte den Schaden auf 20.000 Euro.

Feldbefreiung: Bioland-Imker muss ins Gefängnis

Der Bioland-Imker Michael Grolm muss am 27. August in das thüringische Gefängnis Goldlauter einrücken. Er hat bereits angekündigt, mit Pauken und Trompeten in den Knast zu ziehen. Denn er ist der erste deutsche Gentechnik-Gegner, der hinter Gitter muss. Es handelt sich um Beugehaft, weil Grolm keinen Schadensersatz für ausgerissenen Genmais zahlen will.
Michael Grolm gehört zu den Begründern der Aktion „Gendreck weg“, die seit Jahren mit öffentlich angekündigten Feldbefreiungen gegen den Anbau von genmanipulierten Pflanzen in Deutschland protestiert. Im Juli 2007 hatte er trotz eines Betretungsverbots den Acker einer brandenburgischen Agrargenossenschaft betreten und den dort wachsenden Genmais MON 810 ausgerissen. Das zuständige Gericht verurteilte ihn zu einem Schadensersatz von 1.000 Euro. Grolm weigerte sich, zu zahlen und wird nun in Beugehaft genommen. Deren Dauer ist unbestimmt. „Voraussichtlich eine Woche“ schreibt die Thüringische Landeszeitung und prognostiziert, dass die Haft „das Ziel, dem sie dient – ihn mürbe zu machen – allerdings verfehlen wird“. Michael Grolm denke überhaupt nicht daran, diese erstklassige Gelegenheit, auf seine Sache aufmerksam zu machen, ungenutzt verstreichen zu lassen. „Am Sonntag danach ist Wahl, und die Leute haben die Möglichkeit mitzubestimmen, wie eine zukunftsfähige Thüringer Landwirtschaft aussieht“, zitiert ihn die Zeitung.
Solche Gelegenheiten wird der Imker noch mehrere bekommen. Neben der zivilrechtlichen Schadensersatzforderung brachte ihm die Feldbefreiung von 2007 auch ein Strafverfahren wegen Rädelsführerschaft und Sachbeschädigung ein, das in zweiter Instanz mit 20 Tagessätzen endete. „Auf die Vollstreckung warte ich nur“, sagte Grolm der Thüringische Landeszeitung. Für diese kämpferische Haltung hat ihm übrigens die taz im vergangenen Jahr ihren bekannten Panterpreis verliehen. In seinem tazBlog listet Benny Härlin von Save our Seeds genüsslich die EU-Subventionen der beiden Kontrahenten auf: „Grolm (EU Subventionen 2008: 440,49 €) weigert sich, 1000 Euro Schadensersatz an die Agrargenossenschaft Altreetz (EU Subventionen 2008: 454,139.25 €) zu bezahlen.

Immer noch Gen-Öl in der Friteuse

In manchen Kantinen, Gaststätten und Frittenbuden wird immer noch Öl aus genmanipulierten Sojabohnen eingesetzt, ohne dass die Kunden dies erfahren. Darauf wies die Münchner Greenpeace-Gruppe hin. Deren Gen-Detektive verfolgen seit zwei Jahren Gastronomie-Großhändler, die Gen-Öl im Angebot haben. Die gute Nachricht: Es werden weniger.

Nach Angaben von Greenpeace München vertreiben derzeit noch drei Münchner Großhändler Gen-Öl der Marke Sedina der Ölmühle Hamburg. Zwei weitere wollen noch Restbestände abverkaufen und dann auf Gen-Öl verzichten. Die Öle selbst sind entsprechend gekennzeichnet – in der Regel findet sich aber keine Kennzeichnung in den Speisekarten von Gaststätten, Kantinen oder Imbissständen, die diese Öle weiter verarbeiten. Den Verbrauchern werde so, aufgrund der fehlenden Kennzeichnung in den Speisekarten und den unzureichenden Kontrollen der bayerischen Lebensmittelüberwachung, nun doch wieder Gentechnik untergeschoben, argumentiert Klaus Müller. „Es ist verantwortungslos gegenüber Verbrauchern und Gastwirten, wenn Großhändler gentechnisch veränderte Speiseöle in ihrem Sortiment anbieten.“

Allerdings werden es immer weniger. Als die Greenpeace-Gruppe München im Februar 2007 ihre „Schwarze Liste der Gen-Öl-Händler“ erstmals veröffentlichte, waren darauf rund ein Dutzend Händler zu finden. Mit Aktionen vor Großmärkten und in Gaststätten informierten die Greenpeacler über den heimlichen Gen-Öl-Einsatz, auch auf italienisch, türkisch und chinesisch. Mit der Ergebnis, dass immer mehr Großhändler die betreffenden Produkte auslisteten. Allerdings haben sich die Greenpeacler nur mit Unternehmen befasst, die in und um München ihren Sitz haben oder Gaststätten in und um München beliefern. Die einschlägigen Gen-Öle sind aber auch bei vielen anderen Großhändlern bundesweit zu haben.