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Wissenschaftler warnen: Neue gentechnische Verfahren sind unberechenbar

Die so genannten neuen gentechnischen Verfahren können unbeabsichtigte, unvorhersehbare und potentiell negative Konsequenzen mit sich bringen, warnt die Wissenschaftlervereinigung ENSSER (European Network of Scientists for Social and Environmental Responsibility). Sie fordert deshalb, dass diese Verfahren strikt nach Gentechnikrecht beurteilt und zugelassen werden sollten.

In einer von 60 Wissenschaftler unterzeicheten Erklärung geht ENSSER genauer auf die Risiken ein, die mit gentechnischen Verfahren wie CRISPR/Cas verbunden sind. Die Behauptung der Befürworter, die neuen Techniken seien präzise und würden nur die beabsichtigten und erwünschten Effekte hervorrufen, sei ungerechtfertigt, heißt es in der Erklärung. Veröffentlichte Studien zeigten, dass es regelmäßig zu unerwarteten und unerwünschten Nebenwirkungen käme. Der Vorschlag, die neuen Verfahren aus dem Gentechnikrecht herauszunehmen, würde das auf dem Vorsorgeprinzip beruhende EU-Zulassungsverfahren zerstören, warnte ENSSER. Eine gründliche und wissenschaftlich unabhängige Risikoprüfung sei unerlässlich.

Veröffentlicht hatte ENSSER die Stellungnahme parallel zu einer High Level Konferenz der EU zu diesem Thema. Die EU-Kommission hat eine Entscheidung darüber, wie die neuen gentechnische Verfahren zu regulieren seien, seit Jahren immer wieder verschoben. Im September hatten die Niederlande den anderen Mitgliedsstaaten einen Vorschlag für ein gemeinsames Vorgehen vorgelegt. Er sieht vor, mit einer einfachen Änderung der EU-Freisetzungsrichtlinie Pflanzen vom Gentechnikrecht auszunehmen, wenn die gentechnisch erzielte Veränderung theoretisch auch mit konventionellen Züchtungsmethoden erreichbar wäre. Dies entspricht auch der Haltung der deutschen Genemigungsbehörden. Bio- und Umweltverbände hingegen lehnen solche Ausnahmen ab. Es gebe weder rechtliche noch wissenschaftliche Gründe, diese Techniken von der Regulierung auszuschliessen, schreibt etwa die EU-Gruppe des Biodachverbandes IFOAM. Eine Deregulierung würde die Gentechnikfreiheit des Biolandbaus und der gesamten gentechnikfreien Landwirtschaft gefährden, sagt Jan Plagge, Vize-Präsident von IFOAM-EU. „Die Europäische Union sollte garantieren, dass kein durch die neuen Techniken hergestelltes Produkt vermarktet wird, bevor Nachweismethoden verfügbar sind.“

Die Kommission hat bereits klargemacht, dass sie noch eine Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs abwarten will. Er beschäftigt sich mit der Frage, ob der Einsatz von Gentechnik-Scheren wie CRISPR/Cas mit einer herkömmlichen Mutation gleichgesetzt und damit aus dem Gentechnikrecht ausgeklammert werden kann.

 

Syngenta zahlt US-Landwirten 1,2 Milliarden Euro Schadensersatz

Der Schweizer Agrochemiekonzern Syngenta zahlt gut 1,2 Millarden Euro in einen Fond, aus dem US-Maisbauern entschädigt werden. Darauf hat sich der Konzern mit klagenden Landwirten geeinigt. Insgesamt wird Syngenta noch deutlich mehr zahlen müssen, um die Schäden der Markteinführung seiner genmanipulierten Maissorte Viptera zu begleichen.

Syngenta hatte die Sorte 2011 auf den Markt gebracht und damals angekündigt, eine Importgenehmigung durch China stehe unmittelbar bevor. Erlaubt hatte China den Import allerdings erst Ende 2014. US-Landwirte, die Viptera anbauten, sahen sich dadurch um den Wachstumsmarkt China gebracht und klagten den Schaden ein. Betroffen waren auch Mais-Bauern, die andere Sorten anbauten. Denn China wies 2013 insgesamt 1,45 Millionen Tonnen US-Mais zurück, weil er mit Viptera verunreinigt war. Für den darauf hin folgenden Preiseinbruch machten die US-Landwirte ebenfalls Syngenta verantwortlich.

Insgesamt hätten 350.000 bis 400.000 US-Landwirte Ansprüche angemeldet, die sich auf bis zu 4,2 Milliarden Euro summierten, meldete die Luzerner Zeitung. In einem ersten Prozess im Sommer verurteilte ein Gericht in Kansas Syngenta dazu, 7.300 klagenden Landwirten einem Schadensersatz von 195 Millionen Euro zu zahlen. Offensichtlich zog Syngenta aus diesem Urteil Konsequenzen. Der nun abgeschlossene Vergleich soll nach Angaben der Agentur Bloomberg sämtliche Ansprüche US-amerikanischer Landwirte abdecken. Ob sich alle auf diesen Vergleich einlassen werden, sei offen. Es könnten auch Landwirte in der Hoffnung auf eine höhere Entschädigung weiter klagen. Unberührt von dem Vergleich sind die Klagen großer Agrarhändler wie Cargill sowie kanadischer Landwirte. Die Luzerner Zeitung gibt die in diesen Fällen verlangten Summen mit 110 Millionen und 250 Millionen Euro an.

Insgesamt fressen die zu leistenden Zahlungen die Gewinne des Konzerns auf. Laut Luzerner Zeitung verdiente Syngenta 2016 eine Milliarde Euro. Für juristische Streitigkeiten seien nur knapp 100 Millionen Euro zurückgelegt worden. Dabei steht der nächste Ärger schon ins Haus. Die Maissorte Enogen des Konzerns Syngenta – für die Ethanol-Herstellung gentechnisch verändert – wurde in diesem Frühjahr erstmals auch in Speisemais nachgewiesen. Auch dieser Verunreinigungsfall könnte den Konzern Milliarden kosten.

Monsanto-Anhörung im Europaparlament: Die Zweifel wachsen

Agrar- und Umweltausschuss des Europaparlaments hatten gestern zu einer Anhörung über die „Monsanto Papers“ eingeladen. Die im Rahmen eines Prozesses in den USA veröffentlichten Papiere zeigen, wie der Gentechnik-Konzern versucht hat, die wissenschaftliche Diskussion über Glyphosat und die einschlägigen Bewertungen der Behörden zu beeinflussen.

In der Anhörung trafen die unterschiedlichen Positionen hart aufeinander. Der US-Wissenschaftler Christopher Portier und Kate Guyton von der Krebsforschungsagentur IARC der Weltgesundheitorganisation erläuterten ihre Schlussfolgerung, dass Glyphosat vermutlich krebserregend sei und griffen die Bewertung der EU-Behörden EFSA und ECHA an. Diese stützten sich auf Industriestudien und „bei finanziellen Interessen fehlt oft die Objektivität“, sagte Kate Guyton. Die Behördenvertreter wiesen die Vorwürfe zurück und verteidigten ihre Bewertung. Zwei wichtige Akteure jedoch fehlten: Monsanto und das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung, das die Vorlage für die europäischen Behörden geschrieben hatte, hatten die Teilnahme verweigert.

Die Ausführungen der EU-Behörden scheinen zumindest einen Teil der Europaparlamentarier nicht überzeugt zu haben. Sozialistische Abgeordnete forderten einen Untersuchungsausschuss, die österreischische Umweltorganisation Global 2000 schloss sich dem an. Der CSU-Abgeordnete Albert Deß distanzierte sich gegenüber der Zeitung Welt ebenfalls von Glyphosat: „Als Landwirt möchte ich sagen, dass wir auf unserem Betrieb kein Glyphosat einsetzen und dafür auch keine Notwendigkeit besteht.“ Der grüne Abgeordnete Martin Häusling kommentierte: „Die angeblich unabhängigen europäischen Prüf- und Kontrollstellen für die Unbedenklichkeit von Chemikalien sind alles andere als unabhängig. Das hat die Anhörung erneut deutlich gezeigt.“ Er forderte die Kommission auf, das Zulassungsverfahren für Glyphosat neu aufzurollen.

Doch diese will das Thema vom Tisch haben. Bis 15. Dezember muss eine Entscheidung fallen, weil dann die bereits verlängerte alte Zulassung endgültig ausläuft. Die bisherigen Gespräche über die von der Kommission vorgeschlagene zehnjährige Neuzulassung zeigen, dass zumindest vier Staaten (Italien, Frankreich, Österreich, Luxemburg) fest entschlossen sind, eine weitere Zulassung abzulehnen und auch eine verkürzte Frist nicht akzeptieren würden. Mehrere andere sind noch unentschlossen. Die Kommission machte in ihrem Sachstandsbericht deutlich, dass sie ohne eine qualifizierte Mehrheit der Mitgliedsstaaten im Rücken die Zulassung nicht verlängern werde. Als möglichen Termin für eine endgültige Abstimmung nennt das Dokument den 6. November. Womöglich wird aber auch schon am 25. Oktober entschieden.

Gutachten bestätigt Plagiatsvorwurf gegen Glyphosat-Bericht

Der anerkannte Plagiatprüfer Stefan Weber hat sich den Bewertungsbericht des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) zur weiteren Zulassung des Herbizids Glyphosat vorgenommen. Das Ergebnis seines Sachverständigengutachtens: Der Bericht erfülle in wesentlichen Teilen die „Kriterien eines Textplagiats“. Das BfR wies das Gutachten als „haltlose Vorwürfe“ zurück.

Der Österreicher Stefan Weber gilt als Experte in der deutschsprachigen Plagiatsforschung. Er hat in den letzten Jahren mehr als 800 wissenschaftliche Arbeiten untersucht und einhundert davon als Plagiate entlarvt. Im Auftrag der österreichischen Umweltorganisation Global 2000 hat er drei ausgewählte Kapitel des BfR-Berichts zu den gesundheitlichen Risiken von Glyphosat mit entsprechenden Passagen aus dem Zulassungsantrag der Glyphosat-Hersteller verglichen. „Über zahlreiche Seiten hinweg wurden Textpassagen praktisch wörtlich übernommen“, erklärte Plagiatsgutachter Weber. „Die systematische Unterlassung von Quellenangaben und das gezielte Entfernen von Hinweisen auf die tatsächlichen Verfasser der Texte lässt sich nur als bewusste Verschleierung ihrer Herkunft deuten.“ Es sei offensichtlich, dass das BfR keine eigenständige Bewertung der zitierten Studien vorgenommen habe.

Dem widersprach das BfR. Die Vorwürfe zeugten von Unkenntnis der gesetzlichen und international üblichen Verfahren. Das Übernehmen von Textteilen, die von den Antragstellern als Teil der gesetzlich geforderten Dossiers eingereicht werden müssten, sei ein „ allgemeine, national und international übliche und anerkannte Vorgehensweise, die nicht nur bei Pflanzenschutzmitteln sondern auch bei Arzneimitteln, Bioziden und Chemikalien etabliert ist.“ Auf den eigentlichen Plagiats-Vorwurf, diese Übernahme von Textteilen nicht kenntlich gemacht und teilweise sogar verschleiert zu haben, ging das BfR nicht ein.

„Wer abschreibt und sich dabei erwischen lässt, hat ein Glaubwürdigkeitsproblem“ kommentierte der Toxikologe und Vorstand des Pestizid Aktions-Netzwerks PAN Germany, Peter Clausing: „Verschärft wird dieses Problem, wenn es sich beim Abschreibenden um eine Behörde handelt, die das Gesundheitsrisiko für 500 Millionen Europäer zu bewerten hatte.“

Harald Ebner, Agrarexperte der Bundestagsfraktion Bündnis90/Die Grünen, hält durch das Gutachten für belegt: „Die Behörden haben ihren amtlichen Glyphosat-Persilschein zu großen Teilen einfach von Monsanto kopiert.“ Eine Glyphosat-Neuzulassung dürfe es auf Basis dieser Plagiats-Risikobewertung nicht mehr geben. Ebner forderte die EU-Kommission auf, ihren Zulassungs-Vorschlag einzukassieren.

In der vergangenen Woche haben die EU-Mitgliedsstaaten im zuständigen Ausschuss die Entcheidung über die Wiederzulassung von Glyphosat verschoben. Frankreich, Österreich, Luxemburg und Italien sperrten sich laut Agenturmeldungen gegen die geplante weitere Zulassung des Herbizids für zehn Jahre. Deutschland habe sich bisher nicht festgelegt. Die EU-Kommission argumentierte, dass die EU sich bei einer Nichtverlängerung der Zulassung gegenüber den Herstellern schadenersatzpflichtig machen könnte. Die nächste Ausschusssitzung ist für den 23. Oktober geplant. Für den 11. Oktober hat das Europäische Parlament eine gemeinsame Anhörung des Agrar- und Umweltausschusses zum Thema angesetzt. Zuvor hatte die EU-Kommission offiziell die Europäische Bürgerinitiative Stop Glyphosate für erfolgreich erklärt.

 

 

Dreifach-resistente Soja: Europaparlament lehnt geplante Zulassung ab

Die EU-Kommission will zwei Sorten dreifach-resistenter Gentech-Sojabohnen als Lebens- und Futtermittel zulassen. Das Plenum des Europäischen Parlaments hat dies mit Zwei-Drittel-Mehrheit abgelehnt. Allerdings ist die Kommission an dieses Votum nicht gebunden.

Wie in vielen Fällen zuvor hatten die EU-Mitgliedsstaaten über die geplante Zulassung abgestimmt, aber keine qualifizierte Mehrheit dagegen erreicht, so dass nun die Kommission am Zuge ist. Die EP-Abgeordneten machten noch einmal darauf aufmerksam, dass sich in beiden Fällen lediglich elf bzw. zwölf Mitgliedstaaten für eine Zulassung ausgesprochen hätten, die nur 39 % der Bevölkerung repräsentierten. Dennoch die Einfuhr zu erlauben, sei ein Verstoß gegen die Demokratie, hielten sie der Kommission vor. Die Organisation Testbiotech hat ein Erklärvideo ins Netz gestellt, verbunden mit einem Mail-Aufruf an EU-Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis, den Import der „Gift-Soja“ zu stoppen.

Gemeint sind damit zwei Sojasorten der Konzerne Bayer und DowDuPont. Sie wurden gentechnisch so verändert, dass sie nicht nur die Behandlung mit dem Unkrautvernichter Glyphosat überleben. Die Bayer-Soja FG72 × A5547-127 ist zudem gegen die Spritzmittel Glufosinat und Isoxaflutol resistent. Die Sorte DAS-44406-6 von DowDuPont übersteht Duschen mit Glufosinat und 2-4-D. All diese Herbide sind gefährlich für Mensch und Umwelt: 2,4-D soll Geburtsschäden und Erbgutveränderungen verursachen sowie hormonell wirksam sein. 2015 haben es die Krebsexperten der Weltgesundheitsorganisation als „möglicherweise krebserregend“ eingestuft. Der von Bayer entwickelte Wirkstoff Glufosinat ist giftig und kann menschliche Embryos schädigen. Deshalb läuft seine Zulassung in der EU im Juli 2018 endgültig aus. Doch in andere Länder verkauft Bayer das Gift weiterhin. Beim Bayer-Herbizid Isoxaflutol hegt selbst die europäische Lebensmittelbehörde EFSA den Verdacht einer krebserregenden Wirkung. Trotz dieser bekannten Gefahren habe die europäische Lebensmittelbehörde EFSA nicht überprüft, welche Folgen die Rückstände aus einer kombinierten Anwendung dieser Herbizide auf den Menschen hätten, kritisierten die Europaabgeordneten in ihrer Resolution. Deshalb könne der Einsatz dieser Sojabohnen als Lebens- und Futtermittel nicht als sicher gelten.

Europaparlament: Monsanto muss jetzt draußen bleiben

Lobbyisten und andere Vertreter des US-Saatgutkonzerns Monsanto dürfen das Europaparlament nicht mehr betreten, um Abgeordnete zu treffen oder Sitzungen zu beobachten. Die Vorsitzenden der Fraktionen im Europäischen Parlament haben beschlossen, den Lobbyisten die Zugangsausweise zum Parlament zu entziehen.

Sie reagierten damit darauf, dass Monsanto sich geweigert hatte, an einer Anhörung zu den “Monsanto Papers” im Parlament teilzunehmen. Beantragt hatte die Sanktion die Fraktion Grüne/EFA. Deren Mitglied Sven Giegold sagte: „So geht starke Demokratie. Wer sich der Demokratie entzieht, dem muss man den Lobbyisten-Zugang entziehen.“ Dass sich alle Fraktionen einig waren, gilt als großer Erfolg. Allerdings blieb den Vorsitzenden kaum etwas anderes übrig, angesichts des Schreibens, mit dem Monsantos Vizepräsident Philip W. Miller die Teilnahme an der öffentlichen Anhörung des Parlaments abgesagt hatte. Er schrieb, es sei nicht Aufgabe des Parlaments, die Glaubwürdigkeit wissenschaftlicher Ergebnisse der europäischen Behörden EFSA und ECHA und der US-amerikanischen Umweltbehörde EPA in Frage zu stellen. Die Anhörung sei kein angemessenes Forum, um das Thema zu diskutieren, sondern „der letzte Versuch derjenigen, die die moderne landwirtschaftliche Praxis ablehnen, den Zulassungsprozess der EU in ihrem Sinne zu beeinflussen.“

Natürlich können Monsanto-Lobbyisten die EU-Parlamentarier jederzeit außerhalb des Parlaments treffen. Entscheidend für die Zulassung von Glyphosat sind auch nicht die Abgeordneten, sondern die Bürokraten und Minister der Mitgliedsstaaten und die Beamten der EU-Kommission. Trotzdem ist der Beschluss des Parlaments ein Zeichen, dass sich Konzerne nicht alles erlauben dürfen. Nach Schätzungen der Organisation Lobbycontrol nehmen in Brüssel rund 20.000 Lobbyisten Einfluss auf die EU-Institutionen. Etwa 70 Prozent davon arbeiten für Unternehmen und Wirtschaftsverbände. Lobbycontrol macht Interessenkonflikte von Abgeordneten, Kommissaren und hohen Beamten öffentlich und kämpft mit zahlreichen anderen Organisationen für ein verpflichtendes Lobbyregister der EU.

USA: Gentech-Äpfel rollen auf die Läden zu

Das Unternehmen Okanagan Specialty Fruits (OSF) will in diesem Herbst rund 9.000 Tonnen seiner genmanipulierten Arctic Apples ernten. Sie sollen über Supermärkte vermarktet und den Herstellern von vorgeschnittenem Obst als Verarbeitungsware angeboten werden. Das berichtete das Magazin America Fruit. OSF hat seine Äpfel so manipuliert, dass ihr Fruchtfleisch nach dem Aufschneiden nicht braun wird. Dazu wurden die Pflanzen so programmiert, dass sie veränderte Botenstoffe (RNA) produzieren. Sie stellen nun eine neue Boten-RNA her, die das für die Produktion des Enzyms Polyphenoloxidase verantwortliche Gen abschaltet. Damit fehlt das Enzym, dass für das Braunwerden verantwortlich ist. Die Verbraucherorganisation Center for Food Safety befürchtet, dass sich die geänderte RNA auch auf andere Gene auswirken und so zu unerwünschten Nebeneffekten führen könnte. Zudem sei für die Verbraucher nicht mehr sichtbar, ob vorab aufgeschnittenes Obst noch frisch oder schon verdorben sei. Im schlimmsten Fall könnten sie sich eine Lebensmittelvergiftung zuziehen.

Ungeachtet dieser Argumente hatte das US-Landwirtschaftsministerium Anfang 2015 den Anbau der Gentech-Äpfel erlaubt und in der Folge auch drei Sorten für den Verzehr freigegeben. Es sind Arctic Apple-Varianten der Sorten Golden Delicios, Granny Smith und Fuji. Gekennzeichnet werden müssen sie nicht. Auf 80 Hektar im US-Staat Washington hatte OSF seine erste Plantage angelegt. Bereits im letzten Winter gab es einzelne Testverkäufe. Nun steht die erste große Ernte an. OSF-Geschäftsführer Neal Carter erwartete im Gespräch mit Americ Fruit rund 9.000 Tonnen Ertrag. Die Erntemenge will er in den kommenden Jahren verdoppeln, „bis wir genügend Volumen haben, um die internationale Nachfrage großer Handelsketten und Verarbeiter zu befriedigen.“ Nach dem US-Markt soll Kanada bedient werden und Carter schloss auch nicht aus, bei der EU eine Zulassung für seine Äpfel zu beantragen. Parallel will er nach Anbauflächen auf der Südhalbkugel suchen, um das ganze Jahr über lieferfähig zu sein.

Doch in den USA stößt der immerfrische Gentech-Apfel auch auf Protest. Regionale Apfelerzeuger und der Verband der Apfelindustrie, die U.S. Apple Association, haben sich dagegen ausgesprochen. Sie bangen um den Ruf ihrer Äpfel und befürchten, dass ihre Plantagen kontaminiert werden könnten. Verbraucherproteste haben die Fastfood-Ketten Mc Donalds und Wendy’s dazu gebracht, dem Arctic Apple die kalte Schulter zu zeigen. Auch der Babykosthersteller Gerber versicherte, das bei ihm keine Gentech-Äpfel in die Gläser kämen. Seit den ersten Testverkäufen im letzten Winter fordern Verbraucherorganisationen von den Supermarktketten, ebenfalls die Arctic Apples zu boykottieren.

Verbände fordern: Neue Gentechnikverfahren strikt regulieren

Mehrere Bio- und Umweltverbände haben die Bundesregierung in einem Brief aufgefordert, sich für eine strikte Regulierung neuer Gentechnik-Verfahren nach Gentechnikrecht einzusetzen. Anlass für die Forderung waren Berichte über einen Vorschlag der niederländischen Regierung, wie sie die neuen Gentechnik-Verfahren in der EU gerne geregelt haben möchte.

„Die niederländische Regierung will, dass Pflanzen, die mit den neuen Gentechnik-Verfahren hergestellt wurden, am Ende aber keine „Fremd“-DNA mehr enthalten, als genauso sicher eingestuft werden, wie konventionelle Züchtungen“, erläutert Annemarie Volling von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL). Deshalb sollten sie nach Auffassung der Niederlande von der EU-Gentechnik-Regulierung ausgenommen werden. „Diesen Versuch, jetzt schnell Pflöcke einzuschlagen und den neuen Gentechnik-Verfahren die Tore zu öffnen, weisen wir aus wissenschaftlichen, juristischen und politischen Gründen entschieden zurück“, beschreibt Volling die Position der Verbände.

„Die Verfahren und die Produkte der neuen Gentechniken sind folglich einer Risikobewertung, einem Zulassungsverfahren, einer Kennzeichnung und Rückverfolgbarkeit sowie einem Monitoring zu unterziehen“, heißt es deswegen in dem Schreiben der Verbände an Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt. Die Haftungsregelungen beim Umgang mit GVO seien ebenso anzuwenden wie die europarechtliche Nulltoleranz für nicht zugelassene gentechnisch veränderte Organismen. Nur ein derartiges Vorgehen würde für alle Beteiligten langfristige Rechts- und Planungssicherheit schaffen.

In ihren Schreiben gehen die Verbände auch auf die so genannten Dialogveranstaltungen des Bundeslandwirtschaftsministeriums zu den neuen Gentechnik-Verfahren ein. Der Verlauf und die Dokumentation der Veranstaltungen habe die zivilgesellschaftliche Debatte leider nur „sehr lückenhaft bzw. verzerrt“ abgebildet, kritisieren sie. Die Moderation sei nicht neutral gewesen, die Auswahl der meisten Referenten „einseitig und oft auch fachlich nicht nachvollziehbar“. Das für Gentechnikgenehmigungen zuständige Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit hat seine Position schon früher deutlich gemacht. Es will alle neuen gentechnischen Verfahren von einer Zulassung ausnehmen, wenn deren Ergebnis theoretisch auch durch herkömmliche Züchtung erzielbar wäre.

 

Menschenrechtler berichten: Was Sojaanbau in Brasilien anrichtet

Der ausufernde Sojaanbau in Brasilien bringt „ein verheerendes Ausmaß von agrochemischen Verschmutzungen, Wassermangel und Landraub“ mit sich. Das berichten 30 Menschenrechts- und Entwicklungsexperten, die im Nordosten Brasiliens mit Betroffenen sprachen.

So schilderte Herr Juarez, Sprecher der Gemeinde Melancias, dass die auf den Plantagen eingesetzten Pestizide zur Regenzeit direkt in den Fluss gespült würden. Dadurch könnten die Menschen das Wasser aus dem Fluss nicht mehr nutzen. Pestizide würden auch mit Flugzeugen über die Plantagen versprüht, was die anliegenden Gemeinden gefährdet. Der durch den intensiven Sojaanbau gesunkene Grundwasserspiegel beeinträchtige die Ernte anderer Pflanzen.

Die von den Experten interviewten Betroffenen berichteten auch, dass Landräuber – in Brasilien als Grileiros bekannt – die Vegetation abholzen, Landtitel fälschen und große Flächen an Agrarfirmen verkaufen. Die Menschen seien schutzlos der Gewalt und der Einschüchterung durch Großgrundbesitzer, Landgrabber und Milizen ausgeliefert. Gemeindemitglieder würden gezwungen, ihr Land zu Dumpingpreisen zu verkaufen. Viele Familien seien in die Favelas großer Städte gezogen.

„Der brasilianische Staat war nicht nur komplett abwesend, wenn es um den Schutz ländlicher Gemeinden vor Plünderungen durch Landgrabber geht“, erklärte Flavio Valente von der Menschenrechtsorganisation FIAN: „Durch die Begünstigung der Agrarindustrie ist er viel mehr selbst verstrickt in kriminelle Geschäfte. Dies führte zu einer Welle von inakzeptabler Gewalt an der lokalen Bevölkerung und völliger Straflosigkeit.“

Die Menschenrechtsexperten stellten die Ergebnisse ihrer Ermittlungen in mehreren öffentlichen Anhörungen vor und übergaben den Behörden einen ersten Bericht. Ende des Jahres wollen sie einen ausführlichen Report vorlegen. Darin wird es auch im die Finanzierung dieser Umweltzerstörungen und Menschenrechtsverletzungen gehen. Denn die Agrarkonzerne, die in der Region operieren, erhalten auch Gelder von internationalen Anlegern. Namentlich genannt wurde der US-Pensionsfonds TIAA-CREF, der über eine Billion US-Dollar verwaltet, vor allem Pensionsgelder aus dem Bildungsbereich. Ein Teil dieser Gelder stamme auch von Pensionsfonds aus Kanada, Schweden, den Niederlanden und Deutschland, schreibt FIAN.

 

 

Glyphosat: Deutsche Behörde schreibt Bewertung von Monsanto ab

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) soll Teile seines Bewertungsberichtes über die Neuzulassung des Herbizids Glyphosat aus dem Zulassungsantrag von Monsanto abgeschrieben haben. Diesen Vorwurf erhob die österreichische Umweltorganisation Global 2000. Das BfR entgegnete, es hätte „alle verfügbaren Studien sorgfältig und detailliert in eigener Verantwortung geprüft und bewertet.“

Der Text, um den es geht, ist der 2015 veröffentlichte über 4000 Seite dicke Bewertungsbericht der europäischen lebensmittelbehörde EFSA zur erneuten Zulassung von Glyphosat (RAR). Er kam zu dem Ergebnis, dass Glyhosat nicht krebserregend sei. Federführend erstellt wurde er vom deutschen BfR. Helmut Burtscher, Umweltchemiker bei von Global 2000, hat Kapitel des Berichts analysiert, die sich mit veröffentlichten und oft kritischen Studien zu Glyphosat befassten. Dabei fand er heraus, dass diese Texte zur Einordnung dieser Studien weitgehend aus den Zulassungsantrag stammten, den Monsanto und andere in der Glyphosat Task Force zusammengeschlossenen Hersteller eingereicht hatten.

Das Umweltinstitut München hat das fragliche Kapitel veröffentlicht und die wörtlich übernommenen Passagen orange gefärbt. Dabei zeigt sich, dass vor allem bei kritischen Studien oft deren komplette Bewertung aus dem Zulassungsantrag übernommen wurde. Auch das jeweilige Fazit, dass die Studie nicht oder nur beschränkt aussagekräftig sei, stammte von Monsanto & Co. Diese Stellen seien nach europäischem Recht entscheidend für die Frage, ob Glyphosat wieder zugelassen werden darf oder verboten werden müsse, sagt Helmut Burtscher: „Wenn eine Kontrollbehörde all ihre Argumente auf Punkt und Beistrich von Monsanto abschreibt, ist es kein Wunder, wenn diese Behörde zu den gleichen Schlussfolgerungen kommt wie Monsanto.“ Das Umweltinstitut fordert harte Konsequenzen: „BfR-Präsident Hensel muss seinen Hut nehmen.“

Wenn die Behörden sich auf die Einordnung der Industrie verlasse ohne eine eigene Bewertung vorzunehmen, stelle dies den gesamten Pestizidzulassungsprozess der EU in Frage, kommentierte Franziska Achterberg, bei Greenpeace für Ernährungspolitik zuständig, die Vorgänge gegenüber der britischen Zeitung Guardian, die den Vorgang als erstes aufgegriffen hatte. „Eine Glyphosat-Neuzulassung kann es auf Basis dieser Plagiats-Risikobewertung jetzt nicht mehr geben“, sagte der Grünen-Abgeordnete Harald Ebner. Er forderte die EU-Kommission auf, die Glyphosat-Bewertung komplett neu auzufrollen und das zuständige Personal auszutauschen.