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Bayer freut sich: Richterin will Schadenersatz für Roundup-Opfer kürzen

Im August 2018 hatte eine Jury in San Francisco dem krebskranken Schulgärtner Dewayne Johnson 289 Millionen US-Dollar (rund 250 Millionen Euro) zugesprochen. Die für den Fall zuständige Richterin will allerdings dem Spruch der Jury nicht folgen und die Schadenersatzzahlungen zusammenstreichen.

Der Fall Dewayne vs. Monsanto ist die am weitesten fortgeschrittene von rund 8.700 Klagen von US-Bürgern, die Roundup für ihre Krebserkrankung verantwortlich machen. Der Ausgang dieses Prozesses gilt als Signal für alle diese Verfahren, die zumeist als Sammelklagen eingebracht wurden. Als die Jury im August Bayer zu 250 Millionen Euro Schadensersatz verurteilte, brach deshalb der Aktienkurs von Bayer massiv ein. Das Unternehmen habe zeitweise 15 Milliarden Euro an Wert verloren, schrieb die Wirtschaftswoche. Die Jury-Mitglieder waren überzeugt davon, dass Johnsons Krebserkrankung durch das glyphosathaltige Herbizid Roundup von Monsanto verursacht worden war und sprachen ihm deshalb 34 Millionen Euro Schadenersatz zu. Zudem zeigten sie sich überzeugt, dass der Konzern um die Krebsgefahr seines Produktes wusste und sie verheimlichte. Deshalb verurteilte die Jury Monsanto zur Zahlung von weiteren 216 Millionen Euro. Monsanto-Eigentümer Bayer legte gegen diesen Spruch der Jury Berufung ein.

Die Richterin Suzanne Ramos Bolanos hatte das Jury-Verfahren geleitet und muss nach US-Recht den Spruch der Jury bestätigen – oder ihre Einwände geltend machen. Sie erklärte nach einer mündlichen Verhandlung letzte Woche, dass sie die Entscheidung der Jury nicht teile. Die Klägerseite hätte keine „klaren und überzeugenden Beweise“ für vorsätzliches Fehlverhalten von Monsanto vorgelegt. Deshalb sei der von der Jury erhängte Strafzuschlag von 216 Millionen Euro nicht gerechtfertigt. Zudem stellte die Richterin auch in Frage, ob Roundup ursächlich für Johnsons Krebs verantwortlich und die ihm persönlich zugesprochene Entschädigung in Höhe von 34 Millionen Euro angemessen sei. Richterin Bolanos gab den beiden Prozessparteien Gelegenheit, ihre Argumente zu dieser vorläufigen Entscheidung schriftlich einzureichen. Danach will sie endgültig ihr Urteil fällen. Sie kann entweder die von der Jury beschlossenen Schadensersatzzahlungen verringern oder einen neuen Prozess anberaumen. Mehrere Jury-Mitglieder appellierten an die Richterin, die einmütige Entscheidung der Jury zu respektieren. Ein Mitglied schrieb ihr, die Jury habe sich im Verfahren strikt an die Erläuterungen und Vorgaben der Richterin gehalten. Sollte diese jetzt die Entscheidung einkassieren, „würde das unser Rechtssystem schwächen und mein Vertrauen in dieses System erschüttern.“

Die Nachricht von der vorläufigen Entscheidung der Richterin ließ die Bayer-Aktie um fünf Prozent nach oben schnellen. Nun schauen die Aktionäre auf die nächsten anstehenden Verfahren: Jury-Verhandlungen für weitere Sammelklagen sind für den 5. Februar 2019 in St. Louis und für den 25. Februar 2019 in San Francisco angesetzt.

 

Biologische Kriegsführung mit Insekten und Gentech-Viren?

Die Forschungsbehörde DARPA des US-amerikanischen Verteidigungsministeriums finanziert ein Forschungsprogramm, bei dem mit Hilfe von Insekten gentechnisch veränderte Viren freigesetzt werden sollen, die das Erbgut von Nutzpflanzen im Freiland verändern können. Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Evolutionsbiologie sowie der Universitäten Freiburg und Montpellier warnen, dass ein solches System relativ leicht manipuliert und als biologische Waffe eingesetzt werden könne.

Bereits Ende 2016 hat die DARPA das mit 23 Millionen Euro dotierte und auf vier Jahre angelegte Forschungsprogramm ausgeschrieben. Nach Angaben des Max-Planck-Instituts erforschen die beteiligten Wissenschaftler, ob sie die geneditierten Viren mithilfe von Grashüpfern, Blattläusen und Weißen Fliegen auf Mais und Tomaten übertragen können. Nach Aussagen des DARPA sollen die Erkenntnisse aus dem Programm in der Landwirtschaft eingesetzt werden, zum Beispiel um Nutzpflanzen vor Dürre, Frost, Überschwemmung, Pestiziden oder Krankheiten zu schützen und so im Krisenfall die Ernährungssicherheit der USA zu gewährleisten.

Für die Wissenschaftler aus Plön, Freiburg und Montpellier gibt es keine plausiblen Gründe, Insekten zur Verbreitung von Genmaterial einzusetzen. Sie kritisieren, dass die Erkenntnisse aus dem ‚Insect Allies’ genannten Programm relativ leicht abgewandelt und für die biologische Kriegsführung angepasst werden könnten. „So könnten Gene beispielsweise funktionsuntüchtig gemacht werden – was in der Regel leichter ist als ihre Optimierung. Das Verfahren muss also nicht einmal weiterentwickelt werden, es reicht aus, es zu vereinfachen, um es als Waffe einsetzen können“, sagt Guy Reeves vom Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie.

Die Wissenschaftler fordern eine „breite gesellschaftliche, wissenschaftliche und rechtliche Debatte“ über das Programm. Sie sehen darin einen möglichen Verstoß gegen das Übereinkommen über das Verbot biologischer Waffen. Im Fachmagazion Science haben sie nun ihre Bedenken öffentlich gemacht.

Gentechnik-Soja schädigt Umwelt und Gesundheit

Die Organisationen Testbiotech und Germanwatch haben einen Bericht vorgelegt, der die Umwelt- und Gesundheitsschäden des Sojaanbaus in Südamerika thematisiert. Sie monieren, dass es bis heute „keine umfassenden Erhebungen der tatsächlichen Schäden an Mensch und Umwelt“ gebe. Dabei würden zwei Drittel der Bohnen – rund 29 Millionen Tonnen – als Futtermittel in die EU importiert. Der größte Teil davon ist Gentechnik-Soja.

Die vorliegenden und von den Autoren des Berichts ausgewerteten Publikationen zeichnen ein deutliches Bild: Der Anbau von gentechnisch veränderten Sojabohnen in Südamerika sei mit einem „erschreckenden Ausmaß von Umweltschäden und schwerwiegenden Auswirkungen auf die Gesundheit der ländlichen Bevölkerung verbunden“, heißt es in dem Bericht. Der stetig wachsende Anbau gehe „mit massiven Verlusten und Schäden an den Ökosystemen (Urwäldern, Grasland und Feuchtgebieten) einher.“ Die Autoren thematisieren sowohl direkte Umwandlung intakter Ökosysteme in Sojafelder als auch „die durch den Sojaanbau ausgelöste Verdrängung der Viehhalter, die zum Teil ebenfalls in die Urwaldgebiete ausweichen.“ Die Ausbreitung des Sojaanbaus schädige jedoch nicht nur die Artenvielfalt, sondern auch Wasserhaushalt und Klima. „Die im Ackerbau genutzten Pflanzen sind weniger als Bäume in der Lage, Regen mit den Wurzeln aufzunehmen und über Verdunstungsmechanismen wieder zur Wolkenbildung beizutragen“, erklären die Autoren. Weniger Wolken, weniger Regen. Gleichzeitig würden die Ackerböden schneller austrocknen als Wald oder Savanne und ihre Fruchtbarkeit leide unter dem dauernden Anbau der Sojabohnen und den Einsatz von Glyphosat.

Da die Unkräuter inzwischen zunehmend unempfindlich gegen den Wirkstoff werden, habe sich die Aufwandsmengen an Glyphosat pro Hektar mehr als verdoppelt. Zudem kämen immer mehr giftigere Pestizide wie das in der EU verbotene Paraquat zum Einsatz, heißt es in dem Bericht.

Diese Pestizide werden oft vom Flugzeug aus auf die riesigen Sojafelder gespritzt und vergiften dadurch auch die in den Nähe lebende Bevölkerung. Der Bericht stützt sich dabei auf die Beobachtungen von Ärzten, die in diesen Regionen seit langem praktizieren. Sie registrieren schon seit Jahren eine Anhäufung ungewöhnlicher Krankheitsfälle. „Vermehrt treten insbesondere auf: Symptome von Mangelernährung sowie geschwächter Immunabwehr, angeborene Fehlbildungen, DNA-Schädigungen, Fehlgeburten, psychische und neurologische Erkrankungen, Krebs, Hauterkrankungen, Allergien, Asthma und andere Atemwegserkrankungen, Störungen des Hormonhaushalts, kindliche Entwicklungsstörungen, multiple Sklerose und eine allgemein erhöhte Mortalitätsrate“, listet der Bericht auf. Er erwähnt auch Studien, die zeigen, dass Glyphosat nervengiftig bei Ratten wirkt und Missbildungen bei Amphibien hervorruft.

„Diese Produktionsprozesse sind völlig aus dem Ruder gelaufen“, lautet das Fazit von Christoph Then von Testbiotech über den Sojaanbau in Südamerika.

 

 

Die EU-Pestizidzulassung muss transparenter werden

Nach der EU-Kommission hat nun auch das Europäische Parlament seine Position zu einer Reform des Genehmigungsverfahrens für Pestizide vorgelegt. Die Abgeordneten wollen deutlich mehr Transparenz und einen geringeren Einfluss der Industrie.

Das Europäische Parlament hatte nach der Diskussion um die erneute Zulassung von Glyphosat und dem Bekanntwerden der Monsanto Papers im Febraur 2018 einen Sonderausschuß eingerichtet. Er sollte das EU-Zulassungsverfahren für Pestizide analysieren und Verbesserungen vorschlagen. Das Ergebnis der Arbeit fassten die beiden Berichterstatter, Nobert Lins von der CDU und Bart Staes von den Grünen, in einem Bericht zusammen. Er soll am 6. Dezember vom Ausschuss verabschiedet und danach vom Plenum des Parlaments beschlossen werden.

Die beiden Berichterstatter fordern, dass alle Studien von Seiten der Industrie während eines Zulassungsverfahrens öffentlich und in einer benutzerfreundlichen Form zugänglich sein müssen. Außerdem müssten unabhängige wissenschaftliche Studien zukünftig das gleiche Gewicht erhalten wie Studien, die von der Industrie in Auftrag gegeben worden sind. Die Berichterstatter schlagen auch vor, dass künftig die EU-Kommission bestimmt, welcher Mitgliedstaat das Dossier für einen Wirkstoff erarbeitet. Bisher ist es automatisch das Land, in dem die Hersteller ihren Zulassungsantrag eingereicht haben. Wiederzulassungsverfahren – wie bie Glyphosat – dürfe nicht mehr, wie bisher, der Staat betreuen, der schon die Erstzulassung bearbeitet habe. Darüber hinaus verlangten die beiden EU-Abgeordneten ein wirksameres Monitoring von Substanzen nach ihrer Zulassung.

Die EU-Komission hatte bereits im April 2018 einen Verordnungsvorschlag vorgelegt, mit dem sie die Risikobewertung durch die EU-Lebensmittelbehörde EFSA in allen Bereichen des Lebensmittelrechts- nicht nur bei der Pestizidzulassung – transparenter machen will. Er sieht ein Unionsregister für alle Studien vor, die Unternehmen für Zulassungen im Lebensmittelbereich einreichen. Die Studien sollen auch veröffentlicht werden, allerdings müssten dabei vertrauliche Informationen und personenbezogener Daten geschützt werden, schreibt die Kommission. Der Vorschlag enthalte viele positive Ansätze, lobt der Umweltchemiker Helmut Burtscher-Schaden, einer der Initiatoren der Europäischen Bürgerinitiative Stop Glyphosat. Doch könnten unklare Formulierungen im Gesetzestext zu missverständlichen Interpretationen führen, warnt Burtscher-Schaden: „Der Teufel steckt im Detail.“ Stop Glyphosat hat deshalb an die EU-Mitgliedsstaaten und das Parlament appelliert, die Vorschläge der Kommission nicht zu verwässern, sondern nachzuschärfen.

Eine sinnvolle Regelung aus Sicht der Umweltverbände wäre es, den Verbänden das Recht einzuräumen, Pestizid-Zulassungen der EU-Kommission vor den europäischen Gerichten überprüfen zu lassen. Vergangene Woche hatte das Europäische Gericht in erster Instanz eine Klage des Vereins Mellifera zurückgewiesen, der eine solche Überprüfung der Glyphosatzulassung unter Berufung auf die Konvention von Aarhus und das darin verankerte Klagerecht der Umweltverbände verlangt hatte (Az. T12/17).

 

Agro-Gentechnik: Auf dem Acker nichts Neues

Auch wenn sich die Diskussion vor allem um die Neue Gentechnik, um CRISPR/Cas und andere Methoden des Genome Editing dreht: Auf dem Acker wird sich so schnell nichts ändern. Denn die großen Gentechnik-Konzerne setzen nach wie vor auf Pflanzen, denen mit Hilfe der klassischen gentechnischen Verfahren Resistenzen gegen Herbizide und Schadinsekten eingebaut wurden. Zu diesem Ergebnis kommt ein Bericht des Gen-ethischen Netzwerkes (GeN), dessen Mitarbeiter Christof Potthof die Entwicklungs-Pipelines der wichtigsten Agrar-Konzerne analysiert hat.

Dabei stellte er einen klaren Trend fest: „Die Konzerne kombinieren verschiedene mit klassischen gentechnischen Methoden übertragene Eigenschaften in einer Pflanze.“ Dieses Stapeln von Genen – auf englisch stacked events – diene vor allem dazu, Pflanzen mit Toleranzen gegen mehrere Herbizide auszurüsten, schreibt Potthof: „In der Entwicklung sind gentechnisch veränderte Pflanzen, die das Ausbringen von bis zu fünf verschiedener solcher Mittel vertragen sollen.“ Denn immer mehr Beikräuter wurden unempfindlich gegen einzelne Herbizide wie Glyphosat und können nur noch mit Herbizidcocktails vom Acker gespritzt werden.

Auch Schadinsekten haben Resistenzen entwickelt – gegen die von Gentech-Pflanzen produzierten Bt-Toxine. Auch hier kombinieren die Konzerne Gene, damit ihre Pflanzen verschiedene Bt-Toxine produzieren und nicht nur eines. Aus der Sicht der Hersteller hätten diese Kombinationen einen weiteren Vorteil, schreibt Potthof: „Weiterer wesentlicher Anreiz für die Entwicklung und bevorzugte Vermarktung von Stacked Events ist, dass sie es den Konzernen ermöglichen, deutlich höhere Preise für das Saatgut zu verlangen.“

Ein Kapitel des Berichts befasst sich mit dürre-toleranten Gentech-Pflanzen, die allerdings in der Praxis kaum eine Rolle spielen. „Wiederholt zeigt sich, dass die gentechnischen Versuche, Trocken-Toleranz in Pflanzen zu übertragen, äußerst begrenzten Erfolg hatten“, schreibt Potthof: „Die einzige gentechnisch veränderte Pflanze mit einer Trocken-Toleranz, die sich weltweit im kommerziellen Anbau befindet, ist der Event MON87460“. Ob diese Mais-Linie von Monsanto tatsächlich Vorteile im Anbau bringe, sei jedoch umstritten. Vermarktet würden hingegen von Pioneer und Syngenta trocken-tolerante Mais-Sorten aus konventioneller Züchtung.

Der Bericht listet auch anderen Getreide- und Gemüsearten auf, bei denen in einzelnen Ländern der Anbau gentechnisch veränderter Sorten zugelassen ist, von der Kartoffel bis zum Speisekürbis. In den meisten Fällen werden die Zulassungen jedoch nicht oder nur in kleinem Umfang für den Anbau genutzt.

Die Tatsache, dass sich die Gentechnik-Diskussion derzeit vor allem um die mit neuen Gentechnik-Verfahren veränderten Pflanzen drehe, dürfe über eines nicht hinwegtäuschen, schreibt Potthof als Fazit: „Die allermeisten gentechnisch veränderten Pflanzen, die in den nächsten Jahren weltweit auf den Markt kommen werden, sind mit Methoden der klassischen Gentechnik verändert worden.“

Glyphosat macht Bienen anfällig für Infektionen

Amtlicherseits galt Glyphosat bisher als ungefährlich für Bienen. „Unsere Arbeit hat gezeigt, dass das nicht stimmt“ sagen Wissenschaftler der Universität von Texas und fordern, die Richtlinien für die Anwendung des Herbizidwirkstoffs zu verschärfen. Drei grüne Europapolitiker haben eine Petition an Bundeslandwirtschfatsministerin Julia Klöckner lanciert. Deren klare Botschaft: Glyphosat schadet Bienen – jetzt muss das Herbizid erst recht vom Acker!

Die Wissenschaftler aus Texas haben nachgewiesen, dass Glyphosat die Darmflora von Bienen ändert und und sie dadurch anfälliger für Infektionen macht. Dazu fütterten sie sie die Bienen fünf Tage lang mit glyphosathaltigem Zuckersirup. Die Konzentrationen des Wirkstoffs entspreachen mit fünf und zehn Milligramm je Liter denen, die in der Umwelt vorkommen und denen Bienen beim Sammeln ausgesetzt seien, schrieben die Forscher. Auch die erlaubten Glyphosathöchstmengen für Getreide in Futter- und Lebensmitteln liegen übrigens in dieser Größenordnung. Die Wissenschaftler beobachteten, dass sich durch die Glyphosataufnahme die Zusammensetzung der Darmflora bei den Bienen deutlich änderte und ein als besonders nützlich angesehenes Bakterium drastisch reduziert wurde. Sie infizierten die Bienen mit einem in Bienestöcken weit verbreiteten Krankheitserreger und stellten fest, dass die Glyphosat-Bienen viermal häufiger an der Infektion starben als unbehandelte Bienen. Auch den Wirkmechanismus konnten sie erklären. Glyphosat blockiert in Pflanzen ein Enzym namens EPSPS, das für die Synthese bestimmter Aminosäuren benötigt wird. Dadurch welken die Pflanzen und sterben ab. Auch einige Darmbakterienarten brauchen dieses Enzym in ihrem Stoffwechsel und reagieren deshalb empfindlich auf Glyphosat. Da Hummeln ein vergleichbares Verdauungssystem haben wie Bienen, gehen die Wissenschaftler davon aus, dass Glyphosat auch ihre Gesundheit beeinträchtigt.

Die Studie belege, dass die Anwendung von Glyphosat zum weltweiten Rückgang von Honig- und Wildbienen beitragen könnte, schrieb die Univerität von Texas in einer Mitteilung. Bereits im Juli erschien eine chinesische Studie, die zeigte, das Bienenlarven langsamer wuchsen und häufiger starben, wenn sie mit dem Futter Glyphosat erhielten. Schon länger bekannt ist, dass Glyphosat den Orientierungssinn von Bienen beeinträchtigt. Gegenüber der britischen Zeitung The Guardian sagte der Glyphosathersteller Bayer/Monsanto, Behauptungen, wonach Glyphosat Bienen schädige, seien schlichtweg falsch.

Die grünen Europaabgeordneten Sven Giegold und Martin Häusling nahmen die Studie zum Anlass, auf der Plattform change.org eine Petiton zu starten. Sie wendet sich an Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner und fordert von ihr „den Totalausstieg aus Glyphosat bis spätestens 2020.“ Sofortmaßnahmen, wie ein Verbot, Glyphosat vor der Ernte einzusetzen, sollen bis dahin die Bienen schützen. [lf]

 

 

Werden in Westafrika bald Moskitos mit Gene Drive freigesetzt?

Wissenschaftler des Londoner Imperial College haben im Labor erfolgreich Moskitos mit Gene Drive getestet. Es gelang ihnen mit Hilfe der gentechnisch manipulierten Tiere einen im Käfig gehaltenen Moskitobestand auszurotten. Geplant ist, die Tiere im westafrikanischen Burkina Faso freizusetzen, um dort die Malaria zu bekämpfen.

Gene Drives sind Manipulationen am Erbgut, durch die eine bestimmte, vorher gentechnisch eingebaute Eigenschaft, in Pflanzen oder Tieren dominant vererbt wird und sich dadurch besonders schnell in einer Population ausbreitet. Sie werden bisher nur im Labor erprobt, insbesondere bei Stechmücken, die gefährliche Krankheiten übertragen. Dabei hat sich gezeigt, dass die Bestände mit der Zeit eine gewisse Resistenz entwickeln und die –für sie meist tödliche gentechnische Veränderung – umgehen.

Den Londoner Wissenschaftlern ist es nun gelungen, diese Resistenzentwicklung zu vermeiden. Dazu änderten sie einen kleinen Abschnit des Gens, das bei den Mücken regelt, welches Geschlecht aus dem Ei schlüpft. Dort bauten sie eine Erbinformation ein, die die Weibchen steril macht und verknüpften sie mit einem Gene Drive. Innerhalb von sieben bis elf Generationen ging die Zahl der von den Weibchen gelegten Eier gegen Null und der Bestand erlosch. Dass die Tiere keine Resistenz entwickelten, erklärten die Forscher mit der Natur des Gens, in das sie Sterilität und GeneDrive einbauten. Es handelt sich dabei um ein Gen, dessen DNA-Sequenz im Laufe der Evolution stabil blieb, also gut vor Mutationen geschützt war. Dadurch gibt es im Erbgut der Tiere keine ähnlich gebauten Kopien, die seine Funktion übernehmen und damit den Gene Drive aushebeln könnten.

Finanziert werden die Forschungen des Imperial College maßgeblich von der Gates Stiftung. Sie sind in das Projekt Target Malaria der Stiftung eingebunden, das in den afrikanischen Staaten Mali, Uganda und Burkina Faso mit Hilfe der Gentechnik die Malaria bekämpfen will. In diesem Sommer hat die Regierung von Burkina Faso dem Projekt die Freisetzung von Stechmücken erlaubt. Den Anfang sollen Mücken machen, die gentechnisch so verändert wurden, dass die Männchen steril sind – noch ohne Gene Drive. Dieses Experiment sei eigens dazu gedacht, Vertrauen in der Bevölkerung zu schaffen, berichtete die Media-Plattform Telesur: „Sollte das Vertrauens-Experiment erfolgreich sein, könnten sie spezielle Gene Drive Moskitos freisetzen, hoffen die Wissenschaftler aus Burkina Faso“, schrieb Telesur.

Die Molekularbiologin Ricarda Steinbrecher von der Organisation EcoNexus weist in einem Kommentar auf die Risiken einer solchen Strategie hin. Das verwendete geschütze Gen komme in allen 16 Arten von Anopheles-Mücken vor. Es sei bekannt, dass zwischen den verschiedenen Arten ein Erbgutaustausch stattfinde, schreibt Steinbrecher und schließt daraus, dass ein in geschützten Genen versteckter Gene Drive sich über mehrere Arten ausbreiten und sie ausrotten kann: „Diese neue Strategie fügt einem bereits als Hochrisikotechnologie eingeschätzten Verfahren eine Extraportion Risiken und Bedenken hinzu.“

Nach europäischem Recht müsste das Imperial College eine öffentlich zugängliche Umweltverträglichkeitsprüfung nach europäischen Standards vorlegen, bevor es die Eier gentechnisch veänderter Insekten zur Freisetzung nach Afrika sende, schrieb die Organisation Genewatch UK bereits im Februar 2018. Sie argumentiert dabei mit den Vorgaben des Cartagena-Protokolls zur Biosicherheit. Das Protokoll ist Teil der UN-Konvention zur Artenvielfalt, die sowohl Großbritannien als auch Burkina Faso ratifiziert haben. Die Vorgabe gilt laut GeneWatch auch für die aktuell geplante Freisetzung von gv-Moskitos ohne Gene Drive. Bisher liege dafür keine Risikoabschätzung vor.

Gentech-Mais schlägt auf den Magen

Ratten, die mit einem dreifach gentechnisch verändertem Mais gefüttert wurden, zeigten daraufhin Veränderungen der Magenschleimhaut. Das könnte auf gesundheitliche Risiken hindeuten, schreiben die Forscher.

Australische Wissenschaftler hatten Ratten sechs Monate lang mit einem Stacked-Trait-Mais gefüttert, also einer Sorte, die das Erbgut von drei gentechnisch veränderten Maislinien enthält: MON810, MON863 und NK603. Dadurch ist der Mais resistent gegen Glyphosat und produziert gleichzeitig die Bt-Toxine Cry1Ab und Cry3Bb1 zur Abwehr von Schädlingen. Die Forscher verglichen die Mägen der Tiere mit denen einer Kontrollgruppe, die gentechnikfreien Mais erhalten hatte. Der Gentech-Mais hatte bei den Tieren die Magenschleimhaut verändert. Sie war durchlässiger geworden und wies krankhafte Veränderungen auf. Diese könnten unter Umständen auch zu Krebs führen, schrieben die Wissenschaftler. Insgesamt glichen die beobachteten Veränderungen denen einer Magenentzündung, die durch Chemikalien wie Aspirin hervorgerufen werde. Weitere Studien seien notwendig, um das gesundheitliche Risiko untersuchen, das sich daraus ergebe. „Unsere Ergebnisse stützen andere Forschungsarbeiten, wonach die Bt-Proteine, die von gentechnisch verändertem Mais produziert werden, nicht so sicher sind wie ursprünglich angenommen“, lautete das Fazit der australischen Wissenschaftler.

Sie verwiesen auf eine Studie an Schweinen von 2013, bei denen die verfütterten gentechnisch veränderten Sojabohnen und Maiskörner ebenfalls zu Magenentzündungen geführt hatten. Kritisch merkten die Forscher an, dass nur für ein Fünftel von 47 relevanten Gentech-Pflanzen mit Glyphosatresistenz und Bt-Toxinen überhaupt Fütterungstudien mit Ratten vorlägen. Die meisten davon seien von geringer Qualität.

Eine aktuelle Studie mexikanischer Wissenschaftler befasste sich mit dem von Gentech-Pflanzen hergestellten Bt-Toxin Cry1Ac. Sie untersuchten die Auswirkungen des Insektengiftes auf den Verdauungstrakt von Mäusen und stellten dabei fest, dass Cry1Ac allergische Reaktionen und Zellwucherungen auslösen kann.

 

 

 

Wieder mehr Gylphosat auf Deutschlands Äckern

Der Einsatz von Glphosat in Deutschland hat 2017 deutlich um 900 Tonnen zugenommen. Insgesamt brachten die Landwirte rund 4.700 Tonnen des möglicherweise krebserregenden Wirkstoffes auf ihre Äcker aus. Das berichtete das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL).

Laut seinem jährlichen Bericht über den Absatz von Pestiziden in Deutschland haben die Hersteller von Pestiziden 2017 insgesamt 277 verschiedene Wirkstoffe in einer Gesamtmenge von 34.583 Tonnen verkauft. Das waren 2.300 Tonnen oder sieben Prozent mehr als im Vorjahr. 16.700 Tonnen, also fast die Hälfte der Menge, entfiel auf Herbizide. Wichtigster Wirkstoff war Glyphosat, von dem 4.694 Tonnen verkauft wurden. Lediglich 39 Tonnen des Herbizids wurden an „nicht berufliche Verwender“ abgegeben, also an Privatleute, die damit ihre Gärten oder Terrassen unkrautfrei spritzten. 68 Tonnen setzte die Deutsche Bahn ein, um ihre Gleise unkrautfrei zu halten, berichtete die WirtschaftsWoche. Der allergrößte Teil des Glyphosats jedoch landete auf dem Acker.

Um den Glyphosatausstieg voranzubringen, hatte sich die Bundesregierung im Januar 2018 auf eine Ackerbaustrategie verständigt. Im Koalitionsvertrag vom März 2018 heißt es dazu: „Wir werden mit einer systematischen Minderungsstrategie den Einsatz von glyphosathaltigen Pflanzenschutzmitteln deutlich einschränken mit dem Ziel, die Anwendung so schnell wie möglich grundsätzlich zu beenden. Dazu werden wir gemeinsam mit der Landwirtschaft Alternativen im Rahmen einer Ackerbaustrategie entwickeln und u. a. umwelt- und naturverträgliche Anwendungen von Pflanzenschutzmitteln regeln.“ Die Landwirtschaftsverbände haben allerdings schon deutlich gemacht, wie sie sich ihre Ackerbaustrategie vorstellen und im Mai 2018 ein eigenes Stragetgiepapier veröffentlicht. Darin heißt es, der Einsatz von Glyphosat sei „im Rahmen der konservierenden Bodenbearbeitung zur pfluglosen Beseitigung von Unkräutern, Ausfallgetreide und -raps sowie Zwischenfrüchten unverzichtbar.“

Zur Reduzierung der Glyphosatanwendung wollte die Ministerin auch einen Verordnungsentwurf erarbeiten. Er ist inzwischen fertig, befindet sich aber noch in der Ressortabstimmung und wurde bisher nicht veröffentlich. Was drinsteht, hatte Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner schon im Frühjahr mitgeteilt: Verboten werden soll lediglich der Einsatz des Mittels für Hobby-Gärtner sowie in Parks, Sportstätten und Naturschutgebieten. Auf landwirtschaftlichen Flächen wolle sie die Anwendung an „strikte Auflagen“ binden, heißt es in der 100 Tage Bilanz der Ministerin. „Dass der Glyphosat-Absatz in Deutschland im letzten Jahr wieder deutlich zugenommen hat, zeigt deutlich, dass sich hier von alleine gar nichts löst“, kommentierte Harald Ebner, Gentechnik-Sprecher der grünen Bundestagsfraktion, die Zahlen. Nach wie vor sei Glyphosat „ die Nummer eins unter den Ackergiften in Deutschland.“

 

Gutachten: Risikoforschung durch Abgabe finanzieren

Die Unterlagen für die Zulassung gentechnisch veränderter Pflanzen stammen überwiegend von deren Herstellern oder wurden von ihnen in Auftrag gegeben. Kritische Ergebnsisse sind deshalb nicht zu erwarten. Die Behörden prüfen diese Unterlagen, aber sie geben so gut wie nie eigene Untersuchungen in Auftrag. Kurz gesagt: Sie bewerten Risiken überwiegend auf Grundlage von Forschungsergebnissen der Industrie.

Das Institut Testbiotech hat ein Gutachten veröffentlicht, das aufzeigt, wie eine vorsorgeorientierte und industrieunabhängige Risikoforschung finanziert werden könnte. Es schlägt dazu eine staatliche Abgabe auf „das Herstellen und Inverkehrbringen von Stoffen und Produkten der Gen- und Biotechnologie“ vor. Verfasst hat dieses Gutachten die Berliner Rechtsanwältin Cornelia Ziehm.

Sie argumentiert, dass das Grundgesetz den Staat dazu verpflichte, eine vorsorgeorientierte, nicht interessengeleitete Risikoforschung zu etablieren. Nur so könne er seine Schutzpflichten gegenüber der Bevölkerung und der Umwelt wahrnehmen. Allerdings würden staatliche Institutionen nur in begrenztem Umfang Risikoforschung betreiben. Zudem sei „teils eine mehr oder weniger große ‚Nähe’ von Mitarbeitern der staatlichen Forschungs- bzw. Bewertungseinrichtungen zur Gen- und Biotechnologieindustrie festzustellen.“ Die universitäre Forschung werde zunehmend durch Drittmittel bestimmt und sei stärker an Innovation und Wettbewerbsfähigkeit ausgerichtet, als an einer systematischen Überprüfung von Risiken für Mensch und Umwelt.

In ihrem Gutachten verweist Ziehm darauf, das bereits in der EU-Freisetzungsrichtlinie von 2001 eine unabhängige Risikoforschung verlangt und die Mitgliedstaaten aufgefordert werden, die dafür notwendigen Mittel bereitzustellen. Für eine Abgabe spricht laut Ziehm auch das Verursacherprinzip. Es verpflichte den Verursacher nicht nur zum Ausgleich entstandener Schäden sondern auch dazu, die Kosten für die Vermeidung und Verringerung von Schäden zu tragen. Gerade das sei Sinn und Zweck einer vorsorgeorientierten Risikoforschung. Als Beispiel verweist Ziehm auf das Atomrecht, in dem die Forschung zur sicheren Endlagerung radioaktiver Abfälle von den Verursachern dieser Abfälle finanziert werden müsse. Auch die Tätigkeit von Aufsichtsbehörden könne in risikobehaftetetn Bereichen durch eine Abgabe sichergestellt oder unterstützt werden, schreibt Ziehm und nennt als Beispiel die Finanzdienstleistungsbranche. Sie bezahlt durch eine Umlage die Arbeit der Aufsichtsbehörde BaFin. „Es ist nicht ersichtlich, warum diese Erwägungen nicht gleichermaßen für die Branche der Gen- und Biotechnologie gelten sollen“, argumentiert die Rechtsanwältin.

Für die Mittelvergabe schlägt sie einen Fonds vor, in dessen Beirat Umwelt- und Verbraucherschutzverbände mitwirken könnten. Für Christoph Then, Geschäftsführer von Testbiotech, ist diese Einbindung der Zivilgesellschaft unverzichtbar: „Wir haben in den letzten zehn Jahren die Erfahrung gemacht, dass die Risiken der Gentechnik nur dann genauer untersucht werden, wenn die Zivilgesellschaft sich einmischt.“