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Illegale Gentech-Auberginen auf Indiens Feldern

Im indischen Bundesstaat Haryana hat ein Kleinbauer illegal gentechnisch veränderte Auberginen angepflanzt. Umweltkativisten befürchten, dass dies kein Einzelfall ist und verlangen von den Behörden entschlossenes Handeln – bisher erfolglos.

Auf einen Tipp hin hätten Aktivisten der Koalition für ein gentechnikfreies Indien (GM Free India) im April Proben von einem Auberginenfeld in Haryana genommen und von einem privaten Labor untersuchen lassen, berichtete die Times of India. Die Analyse bestätigte, dass es sich um Bt-Auberginen handelte, die mit Hilfe des Erbguts eines Bodenbakteriums Giftstoffe gegen Schädlinge produzieren. Nachdem die Aktivisten Alarm geschlagen hatten, bestätigten staatliche Stellen das Ergebnis und ließen die Auberginen unterpflügen. Die behörden werten den Anbau als Einzelfall, Umweltschützer bezweifeln das.

The Hindu berichtete, dass der Bauer die Auberginen-Setzlinge auf dem Markt von einem fliegenden Händler verkauft habe. Das würde dafür sprechen, dass auch andere Landwirte diese Auberginen angebaut haben und die Setzlinge in größerem Stil produziert wurden.

Auberginen sind ein Grundnahrungsmittel in Indien und die Auseindersetzung um deren gentechnische Veränderung währt schon mehr als zehn Jahre. Entwickelt hatte die Bt-Auberginen die indische Monsanto-Tochter Mahyco. 2009 erlaubte die GEAC den kommerziellen Anbau, was zu einem Entrüstungssturm führte. Der damalige Umweltminister kassierte daraufhin 2010 die Anbauzulassung und verhängte ein unbefristetes Moratorium.

Das Nachbarland Bangladesh hingegen erlaubte 2013 den Anbau dieser Bt-Auberginen. Seither warnten Umweltaktivisten immer wieder davor, dass Bt-Saatgut nach Indien geschmuggelt werden könnte, wie das Portal Asia-Pacific Research schrieb. Dessen Analyse geht davon aus, dass auch andere gentechnisch veränderter Pflanzen in Indien illegal angebaut würden und die behördliche Kontrolle versage.

Doch das Saatgut der Bt-Auberginen stammt vielleicht gar nicht aus Bangladesh. GM Free India wies darauf hin, dass 2010 Mahyco und das indische Umweltministerium vereinbart hätten, dass der Konzern sämtliches noch vorhandenes Bt-Saatgut einer staatlichen Forschungseinrichtung übergebe. Dies sei nie geschehen, schrieb GM Free India und verlangte die Bestrafung der dafür Verantwortlichen. Gegenüber der Times of India bestätigte der Direktor der Forschungseinrichtung, dass sein Institut nicht einen einzigen Samen erhalten habe. Ein Mahyco-Sprecher hingegen sagte der Zeitung, man habe alle gesetzlichen Bedingungen erfüllt. Die Behörden sagten, es handle sich bei dem Fund in Haryana nicht um die Mahyco-Linie.

 

Genome Editing: Jedes Risiko muss auch bewertet werden

Pflanzen, die mit Hilfe der neuer gentechnischer Verfahren hergestellt werden, müssen nach dem Urteil des Europäischen Gerichtshofes nach Gentechnikrecht zugelassen werden. Dabei muss auch das vom jeweiligen Produkt ausgehende Risiko bewertet werden. Mitarbeiter des österreichischen Umweltbundesamtes und des deutschen Bundesamtes für Naturschutz (BfN) haben dafür einen Rahmen vorgeschlagen, innerhalb dessen jedes Produkt fall-spezifisch bewertet werden sollte.

In einem Artikel über ihr Forschungsprojekt beschreiben die Wissenschaftler die Vielzahl an Verfahren, die unter den Begriff „Neue Gentechnik“ fallen sowie deren schnelle Entwicklung. Betrachtet werden auch die unterschiedlichen Anwendungen: Herbizidresistenzen, Resistenzen gegen Krankheiten, Toleranz gegen äußere Bedingungen wie Dürre sowie eine geänderte Zusammensetzung von Inhaltsstoffen. Angesichts der Vielzahl von Verfahren und Eigenschaften sprechen sie sich für eine fall-spezifische Risikobewertung der jeweiligen Produkte aus und skizzieren dafür einen Rahmen.

Dabei gehen sie vom Urteil des Europäischen Gerichtshofs aus, wonach Pflanzen, die mit Hilfe neuer gentechnischer Verfahren hergestellt werden, nach dem Gentechnikrecht zugelassen werden müssen. Deutlich sprechen sich die Wissenschaftler gegen Überlegungen aus, solche Pflanzen vom Gentechnikrecht auszunehmen. Andere EU-Vorschriften wie die Novel Food Verordnung würden keinen hinreichenden Rahmen für eine angemessene Risikobewertung bieten. Innerhalb des Gentechnikrechts sollten bei einer fall-spezifischen Bewertung die Art der eingeführten Eigenschaft und die Folgen der durchgeführten Modifikation berücksichtigt werden, aber auch vorhandene Erfahrungen mit vergleichbaren Produkten und relevante Schutzziele. Bei jeder Risikobewertung ist nach Ansicht der Autoren eine gezielte Suche auf der molekularen Ebene nach unbeabsichtigten Änderungen notwendig. Die Suche müsse auch ausschließen, dass das Produkt transgene, also artfremde, Erbgutbruchstücke enthalte. Dazu müsse der bestehende Leitfaden der EFSA für die Risikobewertung gentechnisch veränderter Organismen entsprechend überarbeitet werden.

 

 

Monsanto sammelte Kritiker-Daten in mindestens sieben Ländern

Die PR-Agentur FleishmanHillard hat nicht nur in Frankreich Listen mit Politikern, Journalisten und Wissenschaftlern über deren Haltung zu Glyphosat angelegt. Auch in Deutschland, Italien, den Niederlanden, Polen, Spanien und dem Vereinigten Königreich wurden solche Listen erstellt. Eine weitere Liste gebe im Zusammenhang mit EU-Institutionen, teilte Bayer mit. Der Konzern hat die Anwaltskanzlei Sidley Austin beauftragt, nach Listen in weiteren Ländern zu suchen. Die Kanzlei soll auch die bereits gefundenen Listen und die darin aufgeführten Daten analysieren. „Danach wird die Kanzlei die auf den Listen verzeichneten Personen in Übereinstimmung mit den geltenden Datenschutzgesetzen proaktiv kontaktieren und sie genau informieren, um welche Daten es sich handelt“, versprach der Konzern. Bayer teilte zudem mit, dass der Konzern die Zusammenarbeit mit FleishmanHillard in den Bereichen Kommunikation und Lobbyarbeit „bis auf Weiteres“ beendet habe. „Bei allen laufenden Aktivitäten prüft Bayer die vertraglichen Möglichkeiten für einen baldmöglichen Ausstieg.“ Projekte im Bereich Marketing seien von dieser Entscheidung ausgenommen.

Deutsche Umwelt- und Verbraucherverbände haben die vollständige Information aller Betroffenen auf diesen Listen noch vor der Europawahl gefordert. „Bayers Listen enthalten wohl auch Monsanto-kritische Politiker*innen. Wir müssen jetzt wissen: Welchen Kandidat*innen für die Europawahl wurde dadurch gezielt geschadet? Die Fakten müssen noch vor dem Wahlsonntag auf den Tisch“, erklärte Maritta Strasser, Geschäftsführerin der Naturfreunde Deutschlands. Olaf Brandt, Bundesgeschäftsführer Politik des BUND wertete die Datensammlung als ein weiteres Zeichen dafür, dass die kritische Zivilgesellschaft immer stärker unter Druck gerate, „weil die Mächtigen der Welt ihre zerstörerischen Geschäftsmodelle beibehalten wollen”.

 

Bayer erneut verurteilt: Diesmal sind es über zwei Milliarden Dollar

Im dritten Glyphosat-Prozess hat ein Gericht des US-Staates Kalifornien die Bayer-Tochter Monsanto zu mehr als zwei Milliarden Dollar (1,83 Milliarden Euro). Die Jury sah es als erwiesen an, dass das Herbizid Roundup den Lymphdrüsenkrebs von Alva und Alberta Pilliod verursacht hat und dass Monsanto die Krebsgefahr seines Produkts arglistig verschwiegen habe.

Die Pilliods sind ein Renterehepaar Mitte 70 aus einer Kleinstadt in der Nähe von San Francisco. Beide leiden an Lymphdrüsenkrebs, für den sie das jahrzehntelang von ihnen benutzte Monsanto-Herbizid Roundup verantwortlich machen. Die Jury folgte nach einer 17-tägigen Verhandlung der Argumentation der Kläger und sprach ihnen 55 Millionen Dollar (49 Millionen Euro) Schadenersatz zu. Die Geschworenen kamen auch zu dem Schluss, der Hersteller sei für diese Krebserkrankungen haftbar zu machen. Sie befanden außerdem, Monsanto habe nicht ausreichend vor den Risiken der Produkte gewarnt und mit „Arglist, Unterdrückung oder Betrug“ gehandelt. Deshalb verhängten sie zusätzlich einen so genannten Strafschadenersatz in Höhe von zwei Milliarden Dollar (1,78 Milliarden Euro). Auch für US-Prozesse ist dies eine erstaunlich hohe Summe. Vermutlich wird sie später noch nach unten korrigiert werden wird. Dennoch ist der dritte verlorene Prozess ein deutliches Zeichen für die noch anstehenden 13.400 Klagen gegen Monsanto. Allein vor dem Gericht in Oakland, in dem der Fall des Ehepaars Pilliod verhandelt wurde, sind 250 Klagen anhängig.

„Das heutige Urteil hätte nicht deutlicher ausfallen können“, sagte Klägeranwalt Brent Wisner. Bayer müsse sein Verhalten ändern, so könne der Konzern nicht weitermachen, appellierte er. Bayer kündigte an, Rechtsmittel einzulegen. Der Konzern hält das Herbizid Glyphosat nach wie vor für sicher und macht für die Krebserkrankungen der beiden Kläger umfangreiche Vorerkrankungen verantwortlich.

Monsanto ließ in Frankreich Informationen über Kritiker sammeln

Auf dem Höhepunkt der Glyphosatdebatte 2016 stellte eine PR-Agentur für Monsanto in Frankreich Listen von kritischen Politikern, Wissenschaftlern und Journalisten zusammen. Jetzt ermittelt die französische Staatanwaltschaft und Bayer entschuldigte sich für das Verhalten seiner Konzern-Tochter.

Der Skandal kam ans Licht, weil eine anonyme Quelle der Tageszeitung Le Monde und dem Sender France 2 USB-Sticks mit den Listen zuspielte. Die Daten stammten von der PR- und Lobby-Agentur Fleishman-Hillard, die von Monsanto beauftragt worden war, sie bei der Verteidigung von Glyphosat zu unterstützen. Die beiden Medien erstatteten Anzeige, da auch eigene Journalisten auf der Liste standen. Laut Le Monde ist es in Frankreich strafbar, eine Datenbank einzurichten, die „die politischen und philosophischen Meinungen einer Person ohne deren Zustimmung offenbart“.

„Zweihundert Namen. Politiker und Beamte, Journalisten, Leiter von Berufs- und öffentlichen Organisationen und sogar Wissenschaftler. Zeile für Zeile werden ihre Identitäten und Meinungen zu Glyphosat, Pestiziden oder GVO in zwei sorgfältig ausgefüllten Tabellen dargestellt.“ Mit diesen Worten beginnt die französische Tageszeitung Le Monde ihren Bericht. Die in der Liste enthaltenen Persönlichkeiten werden in Kommentaren eingeteilt in verschiedene Kategorien von Befürwortern und Gegnern einer Wiederzulassung von Glyphosat, die damals in der EU anstand und stark umstritten war. Überschrieben waren die Kategorien etwa mit „potenzieller Verbündeter, zu rekrutieren“, „Stakeholder, muss erzogen werden“ oder „zu überwachen“. Aufgeführt wird neben anderen die damalige französische Umweltministerin Ségolène Royal mit dem Hinweis, dass sie „Anti-Glyphosat“ eingestellt und ihre Stimme „zu isolieren“ sei. Bei anderen Aufgeführten finden sich Hinweise auf Hobbies wie Golf oder Tennis.

Bayer entschuldigte sich für das Vorgehen der Tochterfirma Monsanto. „Dies ist nicht die Art, wie Bayer den Dialog mit unterschiedlichen Interessengruppen und der Gesellschaft suchen würde“, hieß es in der Erklärung. Bayer werde eine externe Anwaltskanzlei damit beauftragen, das von Monsanto verantwortete Projekt zu untersuchen. Die Kanzlei werde auch allen in den Listen aufgeführten Personen Auskunft darüber geben, welche Informationen von ihnen gespeichert wurden. Die Zusammenarbeit mit den betreffenden externen Dienstleistern werde vorerst auf Eis gelegt.

EU: Mehr Transparenz bei Pestiziden und GVO

Die EU-Lebensmittelbehörde EFSA muss künftig alle Studien veröffentlichen, die von der Industrie für die Zulassung von Pestiziden oder gentechnisch-veränderten Organismen (GVO) eingereicht wurden. Allerdinsg dü+rfen so manche Angaben geschwärzt werden. Das Europäische Parlament stimmte einem Kompromiss zu, auf den sich Parlament, Mitgliedsstaaten und Kommission im Februar geeinigt hatten.

Dieser sieht vor, dass nicht nur die eingereichten Studien zu veröffentlichen sind. Eine Datenbank, in die alle Forschungsvorhaben vorab einzutragen sind, soll verhindern, dass Antragsteller unliebsame Studien unter den Tisch fallen lassen. Auch müssten eien Reihe von Informationen öffentlich gemacht werden, „die es unabhängigen Wissenschaftlern und der Zivilgesellschaft möglich machen, Risikobewertungsprozesse zu verfolgen“,erläuterte der grüne Europaabgeordnete Martin Häusling.

Geheim bleiben können Informationen, für die der Antragsteller nachweisen kann, dass sie „das Potential haben, seinen wirtschaftlichen Interessen erheblich zu schaden“, wie es in der Verodnung heißt. So dürfen Agrarkonzerne Informationen zu manipulierten DNA-Sequenzen zurückhalten, solange diese Sequenzinformationen nicht nötig sind, um die gentechnische Veränderung der Pflanze zu identifizieren, nachzuweisen oder zu quantifizieren. Auch Zuchtstrategien und –profile dürfen geheimgehalten werden. „Für die Beurteilung der Risiken ist es zwingend notwendig, dass genaue Daten darüber veröffentlicht werden, was genau in den jeweiligen Organismen gentechnisch verändert wurde. Es ist besorgniserregend, dass gerade der Zugang zu diesen Informationen in Zukunft erschwert werden kann“, kommentierte Christoph Then für Testbiotech die beschlossene Verordnung.

Sie ist das Ergebnis der Kritik an intransparenten Verfahren, starkem Lobbyeinfluss und Interessenskonflikten bei den Experten der EU-Lebensmittelbehörde EFSA. Auch die Europäische Bürgerinitiative Stoppt Glyphosat hatte mit ihren Unterschriften wesentlich dazu beigetragen, dass die EU-Kommission im April 2018 einen ersten Entwurf vorlegte, der nun in die Verordnung mündete. Bernhard Url, geschäftsführender Direktor der EFSA, mahnte gegenüber Euractiv.eu an, dass dem Beschluss auch die Mittel folgen müssten: „Es müssen genügend Kapazitäten bereitgestellt werden, die wir für die Umsetzung der neuen Maßnahmen benötigen.“

 

Entlastung verweigert: Aktionäre sprechen Bayer-Vorstand das Misstrauen aus

Noch nie wurde der Vorstand einer großen deutschen Aktiengesellschaft derart abgestraft. Nach einem 12-stündigen Rede-Marathon mit über 60 Beiträgen stimmten am Freitag abend 55,5 Prozent der Aktionäre gegen die Entlastung des Vorstands. Sie erteilten damit Bayer-Chef Werner Baumann die Quittung für den Absturz der Bayer-Aktien durch den von ihm hartnäckig verteidigten Monsanto-Kauf.

Rechtliche Folgen hat dieses historische Misstrauensvotum nicht und auch Rücktrittsforderungen habe es auf der Hauptversammlung nicht gegeben, berichtete Dow Jones Newswire. Dekabank-Fondsmanager Ingo Speich habe sogar davor gewarnt, die Führungsriege zum aktuellen Zeitpunkt auszutauschen. Ein neues Management müsse sich erst einarbeiten. „Niemand kann wollen, dass neben all dem Chaos auch noch das Tagesgeschäft brachliegt“, sagte Speich.

Dem Aufsichtsrat des Konzerns erteilten die Aktionäre Entlastung, allerdings nur mit einer Zustimmungsquote von 66 Prozent – auch das gilt als deutliches Misstrauensvotum. Nach der sensationellen Niederlage des Vorstands trat der Aufsichtsrat noch in der Nacht zu einer Sondersitzung zusammen und stellte sich einstimmig hinter den angeschlagenen Bayer-Chef Werner Baumann und die Monsanto-Übernahme. „Wir nehmen das Abstimmungsergebnis der Hauptversammlung sehr ernst“, erklärte Aufsichtsratschef Werner Wenning. Das Gremium werde den Vorstand dabei unterstützen, das Vertrauen der Aktionäre in das Unternehmen und seine Strategie „schnellstmöglich und vollständig wieder zurückzugewinnen“. Höchste Priorität habe dabei „die entschiedene und erfolgreiche Verteidigung in den anstehenden Berufungsverfahren und Gerichtsverhandlungen zu Glyphosat.“ Die Zahl der Verfahren hat weiter zugenommen. Am 11. April waren es nach Angaben von Bayer 13.400 Klagen, 2.200 mehr als im Januar dieses Jahres.

Ausführlich berichtete das Manager-Magazin in einem Live-Ticker von der Hauptversammlung. Vor den Türen des Saales protestierten Hunderte Umweltschützer und Menschenrechtler gegen die Geschäftspolitik des Konzerns. Sie hatten ihre Kritik am Tag zuvor den Medien präsentiert und eine kritische Bilanz veröffentlicht.

 

 

Bayer: Kritik an der verfehlten Geschäftspolitik

Wenn sich an diesem Freitag die Aktionäre der Bayer AG zur Hauptversammlung treffen, wird es geballte Kritik an Konzernchef Werner Baumann geben. Sie kommt gleich von zwei Seiten: Institutionelle Investoren werden den Kursverfall infolge der Monsanto-Übernahme thematisieren. Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen dagegen stellen die ökologischen und sozialen Auswirkungen der Bayer-Geschäftspolitik in den Mittelpunkt ihrer Kritik. Der formale Aufhänger dafür sind Anträge, dem Vorstand die Entlastung zu verweigern. Dieser formale Akt hätte zwar keine direkten Folgen, gilt aber als Misstrauensvotum gegen die Arbeit des Vorstandes.

Im Dachverband der Kritischen Aktionäre arbeiten 27 Umwelt-, Entwicklungs- und Menschenrechtsorganisationen zusammen. „Der Vorstand der Bayer AG verfolgt ein umweltschädliches und menschenfeindliches Geschäftsmodell, das nicht zur Umsetzung der Sustainable Development Goals (SDGs) der UN beiträgt“, begründet der Dachverband seinen Antrag, die Entlastung zu verweigern. Er wirft dem Konzern vor, Kleinbauern von Hochleistungs- und Gentechniksaatgut abhängig zu machen. Auch übe Bayer auf Staaten Druck aus, „um die Verwendung bäuerlichen Saatguts gesetzlich einzuschränken, die Einführung von Lizenzgebühren zu erleichtern und den ungeprüften Anbau von neuen Gentechnik-Pflanzen zuzulassen.“ Ein weiterer Vorwurf: Bayer verkaufe Pestizide, die in der EU aufgrund ihrer hohen Toxizität verboten seien, weiterhin in ärmeren Ländern, „wo der Konzern einen stärkeren Einfluss auf die Aufsichtsbehörden hat.“ Die Organisationen im Dachverband thematisieren zur Hauptversammlung aber auch den geplanten Abbau von 12.000 Stellen im Konzern, von denen 4.500 in Deutschland wegfallen sollen. Gleichzeitig will der Vorstand an die Aktionäre eine Dividende von 2,80 Euro je Aktie ausschütten. Am Tag vor der Hauptversammlung wollen die Organisationen ihre Kritik an Bayers Geschäftspolitik ausführlich den Medien vorstellen. Am Tag der Bayer-Hauptversammlung soll es Protestaktionen vor und im Tagungssaal geben.

Doch nicht nur Organisationen der Zivilgesellschaft machen gegen den Kurs des Bayer-Vorstandes mobil. Widerstand kommt auch von konventionellen Aktionären. Sie kritisieren allerdings nicht die ökologischen und sozialen Folgen der Bayer-Geschäftspolitik, sondern deren Auswirkung auf den Aktienkurs. Christian Strenger, ehemaliger Vorstand der Fondsgesellschaft DWS, sprach von einem „Desasterjahr“ und beantragte, Vorstand und Aufsichtsrat die Entlastung zu verweigern. Dem hat sich Ingo Speich von der Deka, dem Fondshaus der Sparkassen, angeschlossen. „Wenn eine Übernahme in einem so kurzen Zeitraum solche Vermögens- und Reputationsschäden verursacht, ist das schon drastisch”, sagte er der Nachrichtenagentur Reuters. „Da kann man nicht mehr von einer erfolgreichen Akquisition sprechen.” Auch die beiden einflussreichen Stimmrechtsorganisationen Institutional Investors Services (ISS) und Glass Lewis haben sich gegen die Entlastung des Vorstands ausgesprochen. Im Mittelpunkt dieser Anträge steht die Fehleinschätzung der über 11.000 Glyphosat-Klagen in den USA durch den Bayer-Vorstand.

Um dagegen zu halten, hat Bayer zur Hauptversammlung Gutachten vorgelegt, die bestätigen sollen, dass der Vorstand die Risiken der Monsanto-Übernahmen „mustergültig“ geprüft und damit seine Sorgfaltspflichten erfüllt habe. Auch betont Bayer immer wieder, dass Monsanto profitabel sei und wesentlich zum Gewinn des Konzerns beitrage. Öffentlich gemacht hat der Konzern „alle 107 Studienberichte zur Sicherheit von Glyphosat, die im Zuge des EU-Zulassungsverfahrens bei der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) eingereicht wurden und an denen Bayer die Rechte besitzt“.

Kritiker Strenger rechnet nicht damit, dass die Mehrheit der Aktionäre am Freitag die Entlastung verweigern wird. „Aber wenn zehn Prozent der Aktionäre gegen die Entlastung stimmen, wäre das schon ein wichtiges Signal“, sagte Sprenger der Welt am Sonntag. „Und wenn es über 20 Prozent werden, dann würde – zumindest im angelsächsischen Raum – ein Vorstandschef seinen Hut nehmen.“

 

 

Klöckner singt das hohe Lied der Neuen Gentechnik

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner hat sich in einem Interview mit der Funke-Mediengruppe für genverändertes Saatgut auf dem Acker ausgesprochen. „Ich setze allerdings große Hoffnungen auf neue Züchtungsmethoden“, sagte die Ministerin: „Mit dem Crispr-Verfahren – der sogenannten Gen-Schere – kann man das Erbgut von Pflanzen gezielter und schneller positiv beeinflussen, als das durch klassische Züchtung geht.“ Auf den Einwand der Interviewer, dass der Europäische Gerichtshof Crispr als Gentechnik einstufe, antwortete die Ministerin: „Damit müssen wir umgehen“, und verwies auf den Hunger in der Welt als weiteres Argument für neue gentechnische Verfahren. Der Biobauer und grüne Europaparlamentarier Martin Häusling warf Ministerin Klöckner auf Twitte vor, „die Nebelkerze der Gentech-Industrie“ zu verbreiten.

Auch die EU-Kommission will das Gentechnikrecht zugunsten von Crispr&Co ändern. Die „neuen Pflanzenzüchtungstechniken“ bräuchten eine neue EU-Gesetzgebung, die die neuesten fortschrittlichen Technologien berücksichtige, sagte EU-Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis gegenüber Euractiv.com. Die Kommission untersuche derzeit das Urteil und diskutiere mit den Mitgliedstaaten über dessen Umsetzung. Andriukaitis fügte hinzu, dass eine umfassende öffentliche Debatte über das Thema notwendig sei, da es höchste Zeit sei, dass Europa neue Pflanzenzüchtungstechniken destigmatisiere. Die öffentliche Meinung solle sich auf die Wissenschaft verlassen, werde aber von „speziellen Akteuren“ manipuliert, sagte der Kommissar.

Der sozialdemokratische EU-Abgeordnete und Agrarpolitiker Paolo De Castro sagte Euractiv: „Das nächste Parlament wird bald feststellen, dass nach dem Urteil des EuGH eine erneute Gesetzgebung zu diesem Thema erforderlich sein wird“. Die genetische Veränderung sei eine entscheidende Innovation, da sie dazu beitragen könnte, den Einsatz von Pestiziden einzudämmen, fügte er hinzu. „Ein großer Teil unserer Hoffnungen auf landwirtschaftliche Innovationen kommt aus der Genetik, deshalb muss die EU das durch das EuGH-Urteil verursachte Problem lösen“, erklärte der Abgeordnete, der allerdings nicht mehr für das EU-Parlament kandidieren wird.

 

 

Betacarotin im Mais – ganz ohne Gentechnik

Der menschliche Körper wandelt den orangen Farbstoff Betacarotin in Vitamin A um. Fehlt das Vitamin in der Ernährung, verlieren Kinder ihre Sehkraft und erblinden. Grundnahrungsmittel, die viel Betacarotin enthalten, können dabei helfen, Vitamin A Mangel in Entwicklungsländern zu bekämpfen.

Mais in den Tropen ist hellgelb oder weiß und enthält nur wenig Betacarotin. Deshalb hat die Organisation HarvestPlus vor 15 Jahren damit begonnen, orange Maissorten mit viel Betacarotin mit tropischen Maissorten zu kreuzen. Daraus entstanden über 40 Sorten, Hybride und samenfeste, die in mehreren afrikanischen Staaten und Brasilien getestet wurden und jetzt an nationale Saatgutbanken und lokale Initiativen weitergegeben werden.

Eng mit HarvestPlus arbeitet Torbert Rocheford zusammen. Der Professor züchtet an der Purdue Universität im US-Staat Indiana Mais mit viel Betacarotin. Bei der Einführung des orangen Mais in Afrika sei er immer wieder gefragt worden, ob der orange Mais denn auch in den USA gegessen werde, berichtete Rocheford. Als er das verneinen musste, sei er auf Skepsis gestoßen. „Wenn der Mais so gut ist, wie Sie sagen, warum essen ihn die Amerikaner dann nicht?“ So entstand die Idee, orangen Mais auch in den USA anzubieten, zumal er auch sehr gut schmecke, wie Rocheford versichert. Mit seinem Sohn gründete er eine Firma und verkauft den Mais nun auch in den USA.

Gezüchtet wird bei HarvestPlus ausschließlich konventionell, „weil es für konventionelle Züchtung keine gesetzlichen Hürden gibt und sie allgemein akzeptiert ist. Für HarvestPlus ist das der schnellste Weg, Bauern und Verbrauchern nährstoffreiche Nahrungspflanzen zur Verfügung zu stellen“, heißt es auf der Webseite der Organisation. Wie vernünftig dieser Ansatz ist, zeigt die Geschichte des gentechnisch veränderten Golden Rice. Die vor 20 Jahren entwickelte Pflanze wurde oft als Rettung vor Vitamin A Mangel angepriesen und als Beispiel genannt, wie hilfreich doch Agro-Gentechnik sei. Bis heute wird der Golden Rice nirgends kommerziell angebaut. Nun kündigte der Landwirtschaftsminister von Bangladesh an, dass die Regierung die Freigabe für den kommerziellen Anbau erteilen werde. Zwei, drei Monate später könne mit dem Anbau begonnen werden. Offen ist, ob die Landwirte den gentechnisch veränderten Reis auch akzeptieren. Mit gentechnisch veränderten Auberginen haben sie bereits negative Erfahrungen gesammelt.