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USA: Mit der Kastanie kommt Gentechnik in den Wald

In den USA soll eine Gentech-Kastanie in den Wäldern an der Ostküste freigesetzt werden. Offiziell dient das Projekt dem Artenschutz und soll die durch einen Pilz beinahe ausgerottete amerikanische Kastanie erhalten. Kritiker sehen darin ein Einfallstor für andere gentechnisch veränderte Bäume.

Die Kastanie ist tief im Bewusstsein der USA verankert. Die riesigen Bäume lieferten den indigenen Völkern Amerikas und den weißen Siedler essbare Früchte und wertvolles Bauholz. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts begann ein vermutlich aus Japan eingeschleppter Pilz die Bäume zu befallen und zerstörte die riesigen Bestände. Versuche, auf traditionelle Weise resistente Kastanien zu züchten, brachten keinen Erfolg. Nun soll es die Gentechnik richten.

Wissenschaftler der Universität von New York haben Weizen-Erbgut in die Kastanie eingeschleust. Sie soll damit ein Enzym produzieren, das die Wirkungskette des Pilzes unterbricht und ihn dadurch unschädlich macht. Die Forscher haben bei den US-Behörden die Erlaubnis beantragt, die gentechnisch veränderte (gv) Kastanie in die Wälder der Ostküste zu pflanzen – mit dem Ziel, eine aussterbende Art zu retten. Den Widerstand dagegen führt die Campaign to STOP GE Trees an.

Die Gegner der Freisetzung argumentieren mit deren völlig unbekannten ökologischen Auswirkungen. Die Pollen von Gentech-Bäumen könnten über Hunderte Kilometer verbreitet werden. Zudem sei das hochkomplexe Ökosystem Wald weitgehend unerforscht, ebenso die Auswirkungen von Gen-Manipulationen auf das Wurzelwerk der Bäume und die zugehörigen Pilze und Bodenbakterien. Die US-Behörden hätten nicht einmal ein Regelwerk, um diese Risiken von Gentech-Bäumen überhaupt zu erfassen, schreibt die Campaign.

Sie sieht in der geplanten Kastanien-Freisetzung vor allem eine PR-Aktion, um die öffentliche Meinung gegenüber Gentech-Bäumen positiv zu beeinflussen. Aus diesem Grund hätten Monsanto und ArborGen die Forschungen unterstützt. ArborGen entwickelt selbst gentechnisch veränderte Bäume und drängt auf deren Zulassung. Die Freisetzung der Gentech-Kastanie wäre ein Einfallstor für weitere Gentech-Bäume wie gv-Eukalyptus oder gv-Pappeln, die vor allem für die industrielle Forstwirtschaft gedacht seien, schreibt die Campaign. Widerstand kommt auch von den indigenen Völker im Osten der Vereinigten Staaten. Sie lehnen gentechnische Eingriffe in die Natur aus spirituellen Gründen ab und befürchten, dass sich die Gentech-Kastanie auch in ihren Wäldern ausbreiten könnte.

 

Schon wieder Gentech-Weizen in den USA aufgetaucht

Das US-Landwirtschaftsministerium (USDA) teilte mit, dass auf einem unbepflanzten Feld im US-Staat Washington gentechnisch veränderter, gegen das Herbizid Roundup resistenter Weizen gefunden worden sei. Es gebe keine Hinweise darauf, dass der Weizen in die Lebensmittelkette gelangt sei.

Gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters räumte eine Sprecherin des Bayer-Konzerns ein, dass sich an dem Fundort früher eine Versuchsfläche ihres Tochterunternehmens Monsanto befunden habe. Monsanto hatte dort in den 1990er und 2000er Jahren glyphosatresistenten Weizen entwickelt, stellte die Versuche jedoch 2004 ein. Warum der Weizen 15 Jahre später wieder auftauchte, muss jetzt USDA klären. Gegenüber der Nachrichtenagentur UPI sagte ein USDA-Sprecher, er rechne damit, dass Ergebnisse in sechs bis neuen Monaten vorliegen werden.

In den letzten Jahren war mehrmals Gentech-Weizen aus den alten Monsanto-Versuchen in den USA gefunden worden. 2013 in Oregon, 2014 in Montana und 2016 in Washington. 2018 schließlich tauchte in der kandischen Provinz Alberta herbizidresistenter Monsanto-Weizen auf. Damals und auch 2013 hatten Japan und Südkorea Weizen-Einfuhren aus den USA zeitweise gestoppt, was Schäden in Millionenhöhe verursachte. Auf den neuerlichen Fund gab es anscheinend keine Reaktionen.

Österreich verbietet den Einsatz von Glyphosat

Das österreichische Parlament hat als erster EU-Staat den Einsatz von Glyphosat in der Landwirtschaft verboten. Das Verbot soll am Jahresanfang 2020 in Kraft treten – sofern die EU-Kommission es nicht einkassiert.

Beantragt hatte das Verbot die SPÖ. Alle Parteien außer der ÖVP stimmten dafür, in das Pflanzenschutzmittelgesetz einen einfachen Satz aufzunehmen: „Das Inverkehrbringen von Pflanzenschutzmitteln mit dem Wirkstoff Glyphosat ist im Sinne des Vorsorgeprinzips verboten.“ Die beschlossene Gesetzesänderung wird nun der EU-Kommission zur Notifizierung vorgelegt. Diese hatte bereits 2018 einen Vorstoß des Bundeslandes Kärnten wegen Verstoßes gegen das EU-Recht gestoppt.

Das von der ÖVP geführte Landwirtschaftsministerium hatte kurz vor der Abstimmung noch eine rechtliche Stellungnahme der Universität Innsbruck vorgelegt. Darin wird die gängige Rechtsmeinung bestärkt, dass ein Totalverbot eines EU-weit zugelassenen Wirkstoffes nur unter sehr engen Bedingungen möglich sei: Bei neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen oder bei landesspezifischen Probleme für Umwelt oder Gesundheit. Der Bayer-Konzern kündigte im Tagesspiegel bereits an, rechtliche Schritte gegen Österreich zu erwägen.

Sebastian Theissing-Matei, Glyphosat-Experte bei Greenpeace in Österreich, nannte den Beschluss einen „historischen Meilenstein für den Schutz von Umwelt und Gesundheit”. Er verwies darauf, dass die Europäische Kommission in der Vergangenheit die Möglichkeit nationaler Verbote zugesichert hätte. Sie dürfe ihr Versprechen jetzt nicht brechen. „Das europäische Recht verhindert nicht, dass Mitgliedstaaten Pestizide verbieten“, sagte Karl Bär, Referent für Agrarpolitik beim Münchner Umweltinstitut. Als Beispiel nannte er „die zahlreichen Verbote von Insektengiften in Frankreich“. Bär forderte die deutsche Bundesumweltministerin Svenja Schulze auf, dem Beispiel der Schwesterpartei aus Österreich zu folgen und einen Gesetzesentwurf für ein Verbot von Glyphosat in den Bundestag einzubringen.

Bayer-Aufsichtsrat steuert bei Glyphosat-Klagen auf Vergleichskurs

Die Monsanto-Übernahme war für den Bayer-Konzern bisher ein Fiasko: Drei Musterprozesse verloren, der Aktienkurs im Keller, der Vorstand nicht entlastet. Bisher hatte der Aufsichtsrat das alles mitgetragen, nun zog er die Notbremse. Man sehe „die negativen Auswirkungen, die von der Unsicherheit im Zusammenhang mit den Gerichtsverfahren auf den Aktienkurs und die Wahrnehmung der Stakeholder ausgehen“, heißt es in einer Mitteilung der Aufsichtsräte.

Sie beschlossen, zu den Glyphosat-Klagen einen achtköpfigen Ausschuss zu gründen. Dieser solle das Thema intensiv begleiten, den Vorstand dazu beraten und Vorschläge zur Prozessstrategie machen. Zudem engagierte der Aufsichtsrat den in Produkthaftungsklagen erfahreren US-Anwalt John H. Beisner, „um den Aufsichtsrat zum Rechtskomplex Glyphosat kontinuierlich zu beraten – auch zu Fragen der Prozesstaktik und zur Mediation.“ Seine Ernennung solle die Beratung des Vorstands „um eine frische und unabhängige Sichtweise ergänzen.“

Bisher war Bayer in drei als wegweisend geltenden Fällen von den Jurys zu immer höheren Schadenersatzzahlungen verurteilt worden. In alle drei Fällen war der Konzern in Berufung gegangen. Im ersten Fall hatte die Richterin daraufhin die Strafe verringert, gab aber insgesamt der Jury recht. Nun muss die nächsthöhere Instanz entscheiden.

Im zweiten Fall entschied die Jury im März, dass das Pestizid Roundup die Krebserkrankung des Rentners Edwin Hardeman verursacht habe. Sie verurteilte die Bayer-Tochter Monsanto zu einem Schadenersatz von 80 Millionen US-Dollar, das sind rund 71 Millionen Euro. Die Verhandlungen hatte US-Bundesrichter Vince Chhabria geleitet, als Musterprozess für 760 weitere Klagen bei ihm anhängige Klagen.

In der mündlichen Verhandlung zur Bayer-Berufung kündigte Richter Chhabria an, dass er den Schadensersatz auf 50 Millionen Dollar oder weniger senken wolle. Gleichzeitig machte er deutlich, dass Monsanto bestraft werden müsse. Es habe genug Belege dafür gegeben, dass sich dasUnternehmen um die mögliche Krebsgefahr von Roundup nicht geschert habe, zitierte ihn der Courthouse News Service aus der Verhandlung. Statt dessen sei das Unternehmen gegen Menschen vorgegangen, die auf die Krebsgefahr hingewiesen hätten.

Im dritten Prozess war Bayer zu zwei Milliarden US-Dollar Schadensersatz verurteilt worden. Auch hier dürfte der zuständige Richter die Summe rnoch reduzieren.

Chhabria drängte schon kurz nach dem Jury-Urteil im März die Prozessparteien zu Verhandlungen und ordnete Mitte April eine Mediation an. Da sich die Prozessparteien nicht auf einen Vermittler einigen konnten, ernannte er den US-Anwalt Ken Feinberg zum Mediator, einen ausgewiesenen Experten für solche Fälle. Der Bayer-Aufsichtsrat begrüßte nun sowohl die Mediation als auch die Ernennung Feinbergs und versprach, sich konstruktiv in den Mediationsprozess einzubringen.

 

Auch Russland will bei der CRISPR-Rallye mit dabei sein

Bisher zählte Russland zu den Gentechnik-kritischen Staaten. Lange Zeit galt für gentechnisch veränderte Pflanzen in Anbaumoratorium, bevor 2016 deren Anbau gesetzlich verboten wurde. Doch nun setzt die russische Regierung auf neue gentechnische Verfahren wie CRISPR/Cas und will die Zulassung damitt hergestellter Produkte vereinfachen.

Wie die Zeitschrift Nature berichtete, will die russische Regierung mit einem Forschungsprogramm 1,5 Milliarden Euro in die Anwendung neuer gentechnischer Verfahren investieren. Ziel des Programms sei es, bis 2020 zehn Arten von gen-editierten Pflanzen und Tieren zu entwickeln – und weitere 20 bis 2027.

Im Mittelpunkt des Programms stehen Gerste, Weizen, Zuckerrüben und Kartoffeln. Laut Nature gibt es dazu an mehreren russischen Forschungsinstituten bereits Projekte. Sie zielen darauf ab, Kartoffel und Zuckerrüben resistenter gegen Krankheitserreger zu machen. Bei Weizen und Gerste sollen Verarbeitungseigenschaften verbessert und der Nährwert erhöht werden. Der Artikel zitiert auch mehrere, teils anonyme Stimmen, die bezweifeln, ob das Programm angesichts der schlechten Arbeitsbedingungen in der russischen Gentechnik-Forschung und der überbordenden Bürokratie tatsächlich die gewünschten Erfolge bringen wird.

Laut Nature definiert das Dekret, mit dem das Forschungsprogramm etabliert wurde, Genome Editing Verfahren wie CRISPR/Cas als vergleichbar mit konventioneller Züchtung. Dabei entspreche die Wortwahl derjenigen des US-Landwirtschaftsministeriums, wonach genom-editierte Pflanzen, die theoretisch auch mit konventioneller Züchtung hergestelllt werden könnten, nicht reguliert werden sollen.

Gentechnik und Malaria: Pilz erzeugt tödliches Spinnengift

Die australische Trichternetzspinne gehört zu den giftigsten Spinnen der Welt. Ihr Biss kann für einen Menschen tödlich sein – falls er nicht schnell genug das Gegenmittel gespritzt bekommt. Forscher der Universität von Maryland haben das Erbgut eines Pilzes so verändert, dass er das Gift der Spinne produziert – als Mittel gegen Malaria-Mücken.

Pilze der Gattung Metarhizium pingshaense befallen natürlicherweise Moskitos und töten sie langsam. Zu langsam, um als natürliches Insektizid zu wirken. Durch die gentechnische Veränderung produziert er das Gift der Trichterspinne, sobald er sich in der Blutbahn des Insekts befindet und tötet es damit sofort. Die US-Wissenschaftler erprobten die Wirkung in Burkina Faso in Westafrika zusammen mit heimischen Wissenschaftlern. Sie bauten dazu unter einem überdimensionalen moskitodichten Netz ein kleines Dorf nach, mit Moskitos, aber ohne Menschen. Sie imprägnierten Baumwolltücher, auf denen Moskitos gerne rasten, mit dem Gentech-Pilz. Nach 45 Tagen lebten von 1500 Moskitos und ihrem Nachwuchs noch 13 Tiere.

Die Forscher berichteten, sie hätten den Gentech-Pilz in Maryland and Burkina Faso an anderen Insekten getestet. Diese habe er nicht geschädigt. Studienleiter Brian Lovett sagte gegenüber dem Magazin Atlas Obscura, es werde mindestens noch fünf bis zehn Jahre dauern, bis der Pilz in der Malariabekämpfung eingesetzt werden könne. Als nächste sei es notwendig, mit Regulatoren und den Menschen vor Ort zu reden, um die Erlaubnis für Freilandversuche zu erhalten.

Die Medien feierten die Mitteilung der Universität Maryland als Durchbruch im Kampf gegen Malaria. Lediglich der Informationsdienst Gentechnik brachte eine kritische Stimme. Er zitierte André Leu, Pestizidexperte und ehemaliger Präsident des weltweiten Bio-Dachverbands IFOAM. Dieser wies darauf hin, dass der gentechnisch veränderte Pilz, einmal ausgebracht, nicht mehr rückgeholt werden könne. Zwar sei der Pilz überlicherweise harmlos für Menschen. Doch was passiere, wenn die Spinnengift-Gene durch horizontalen Gentransfer auf andere Arten übertragen würden, fragt sich Leu? Auch gebe es keine Garantie dafür, dass sich der Pilz nicht weiterentwickle und dann doch auch Menschen angreife.

Trump will Gentechnik-Zulassungen in den USA erleichtern

Das Landwirtschaftsministerium USDA, die Umweltbehörde EPA und die Lebensmittelbehörde FDA müssen die Zulassungsbedingungen für gentechnisch veränderte Organismen in ihrem Geschäftsbereich überarbeiten. Das hat Präsident Donald Trump angeordnet und den Behörden eine Frist von 180 Tagen gesetzt. Sein Ziel sei es, Zulassungen zu beschleunigen, Entwicklungskosten zu redizieren und zu mehr Investitionen in die Agro-Gentechnik zu motivieren, schrieb die Agentur Bloomberg.

Die Weisung des Präsidenten gibt vor, gentechnisch veränderte Organismen (GVO) mit einem geringen Risikopotential von ungerechtfertigter Regulierung auszunehmen. Besonders berücksichtigt werden sollen dabei genom-editierte Pflanzen, die gesundheitliche, ökologische oder landwirtschaftliche Vorteile versprechen. Zudem soll die Verwaltung eine Aktionsplan entwerfen, um bei den Konsumenten Vertrauen und Akzeptanz von gentechnisch veränderten Lebensmittel zu erhöhen. Sie sollen Werbematerial erstellen, das die Vorteile der Agro-Gentechnik hervorhebt und betont, dass die staatlichen Regelwerke die Sicherheit der Produkte garantieren. Der Präsident wies die Behörden auch an, eine Strategie zu entwerfen, um die Exporte US-amerikanischer GVO-Produkte zu unterstützen. Sie soll sowohl die Akzeptanz genom-editierter Lebensmittel bei den Handelspartnern erhöhen als auch „ungerechtfertigte Handelsbarrieren“ beseitigen. Laut Bloomberg lobte der Lobbyverband Biotechnology Innovation Organization den Vorstoß Trumps.

Landwirtschaftsminister Sonny Perdue stellte sich hinter den Präsidenten. Die derzeitige Gesetzesrahmen behindere Innovationen anstatt sie zu unterstützen, sagte er. Seine Behörde hatte Anfang Juni einen ersten Vorschlag vorgelegt, wie sie die Zulassungsverfahren erleichtern will. Bis Anfang August läuft die Kommentierungsphase. Der Entwurf verfestigt die bestehende Praxis, genom-editierte Pflanzen weitgehend von jeder Regulierung auszunehmen.

Für die Verbraucherorganisation Center for Food Safety (CFS) sind die Zulassungsregeln bereits jetzt nicht in der Lage, Landwirte, ländliche Gemeinden und die Umwelt vor den negativen Auswirkungen des GVO-Anbaus zu schützen. Die Weisung des Präsidenten habe das Ziele, diese Regeln weiter zu schwächen. „Wir werden diese Initiative mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln bekämpfen“, sagte CFS-Geschäftsführer George Kimbrell. Dazu zählte er auch juristischen Widerstand gegen die zu erwartenden Gesetzesänderungen.

 

Illegale Gentech-Auberginen auf Indiens Feldern

Im indischen Bundesstaat Haryana hat ein Kleinbauer illegal gentechnisch veränderte Auberginen angepflanzt. Umweltkativisten befürchten, dass dies kein Einzelfall ist und verlangen von den Behörden entschlossenes Handeln – bisher erfolglos.

Auf einen Tipp hin hätten Aktivisten der Koalition für ein gentechnikfreies Indien (GM Free India) im April Proben von einem Auberginenfeld in Haryana genommen und von einem privaten Labor untersuchen lassen, berichtete die Times of India. Die Analyse bestätigte, dass es sich um Bt-Auberginen handelte, die mit Hilfe des Erbguts eines Bodenbakteriums Giftstoffe gegen Schädlinge produzieren. Nachdem die Aktivisten Alarm geschlagen hatten, bestätigten staatliche Stellen das Ergebnis und ließen die Auberginen unterpflügen. Die behörden werten den Anbau als Einzelfall, Umweltschützer bezweifeln das.

The Hindu berichtete, dass der Bauer die Auberginen-Setzlinge auf dem Markt von einem fliegenden Händler verkauft habe. Das würde dafür sprechen, dass auch andere Landwirte diese Auberginen angebaut haben und die Setzlinge in größerem Stil produziert wurden.

Auberginen sind ein Grundnahrungsmittel in Indien und die Auseindersetzung um deren gentechnische Veränderung währt schon mehr als zehn Jahre. Entwickelt hatte die Bt-Auberginen die indische Monsanto-Tochter Mahyco. 2009 erlaubte die GEAC den kommerziellen Anbau, was zu einem Entrüstungssturm führte. Der damalige Umweltminister kassierte daraufhin 2010 die Anbauzulassung und verhängte ein unbefristetes Moratorium.

Das Nachbarland Bangladesh hingegen erlaubte 2013 den Anbau dieser Bt-Auberginen. Seither warnten Umweltaktivisten immer wieder davor, dass Bt-Saatgut nach Indien geschmuggelt werden könnte, wie das Portal Asia-Pacific Research schrieb. Dessen Analyse geht davon aus, dass auch andere gentechnisch veränderter Pflanzen in Indien illegal angebaut würden und die behördliche Kontrolle versage.

Doch das Saatgut der Bt-Auberginen stammt vielleicht gar nicht aus Bangladesh. GM Free India wies darauf hin, dass 2010 Mahyco und das indische Umweltministerium vereinbart hätten, dass der Konzern sämtliches noch vorhandenes Bt-Saatgut einer staatlichen Forschungseinrichtung übergebe. Dies sei nie geschehen, schrieb GM Free India und verlangte die Bestrafung der dafür Verantwortlichen. Gegenüber der Times of India bestätigte der Direktor der Forschungseinrichtung, dass sein Institut nicht einen einzigen Samen erhalten habe. Ein Mahyco-Sprecher hingegen sagte der Zeitung, man habe alle gesetzlichen Bedingungen erfüllt. Die Behörden sagten, es handle sich bei dem Fund in Haryana nicht um die Mahyco-Linie.

 

Genome Editing: Jedes Risiko muss auch bewertet werden

Pflanzen, die mit Hilfe der neuer gentechnischer Verfahren hergestellt werden, müssen nach dem Urteil des Europäischen Gerichtshofes nach Gentechnikrecht zugelassen werden. Dabei muss auch das vom jeweiligen Produkt ausgehende Risiko bewertet werden. Mitarbeiter des österreichischen Umweltbundesamtes und des deutschen Bundesamtes für Naturschutz (BfN) haben dafür einen Rahmen vorgeschlagen, innerhalb dessen jedes Produkt fall-spezifisch bewertet werden sollte.

In einem Artikel über ihr Forschungsprojekt beschreiben die Wissenschaftler die Vielzahl an Verfahren, die unter den Begriff „Neue Gentechnik“ fallen sowie deren schnelle Entwicklung. Betrachtet werden auch die unterschiedlichen Anwendungen: Herbizidresistenzen, Resistenzen gegen Krankheiten, Toleranz gegen äußere Bedingungen wie Dürre sowie eine geänderte Zusammensetzung von Inhaltsstoffen. Angesichts der Vielzahl von Verfahren und Eigenschaften sprechen sie sich für eine fall-spezifische Risikobewertung der jeweiligen Produkte aus und skizzieren dafür einen Rahmen.

Dabei gehen sie vom Urteil des Europäischen Gerichtshofs aus, wonach Pflanzen, die mit Hilfe neuer gentechnischer Verfahren hergestellt werden, nach dem Gentechnikrecht zugelassen werden müssen. Deutlich sprechen sich die Wissenschaftler gegen Überlegungen aus, solche Pflanzen vom Gentechnikrecht auszunehmen. Andere EU-Vorschriften wie die Novel Food Verordnung würden keinen hinreichenden Rahmen für eine angemessene Risikobewertung bieten. Innerhalb des Gentechnikrechts sollten bei einer fall-spezifischen Bewertung die Art der eingeführten Eigenschaft und die Folgen der durchgeführten Modifikation berücksichtigt werden, aber auch vorhandene Erfahrungen mit vergleichbaren Produkten und relevante Schutzziele. Bei jeder Risikobewertung ist nach Ansicht der Autoren eine gezielte Suche auf der molekularen Ebene nach unbeabsichtigten Änderungen notwendig. Die Suche müsse auch ausschließen, dass das Produkt transgene, also artfremde, Erbgutbruchstücke enthalte. Dazu müsse der bestehende Leitfaden der EFSA für die Risikobewertung gentechnisch veränderter Organismen entsprechend überarbeitet werden.

 

 

Monsanto sammelte Kritiker-Daten in mindestens sieben Ländern

Die PR-Agentur FleishmanHillard hat nicht nur in Frankreich Listen mit Politikern, Journalisten und Wissenschaftlern über deren Haltung zu Glyphosat angelegt. Auch in Deutschland, Italien, den Niederlanden, Polen, Spanien und dem Vereinigten Königreich wurden solche Listen erstellt. Eine weitere Liste gebe im Zusammenhang mit EU-Institutionen, teilte Bayer mit. Der Konzern hat die Anwaltskanzlei Sidley Austin beauftragt, nach Listen in weiteren Ländern zu suchen. Die Kanzlei soll auch die bereits gefundenen Listen und die darin aufgeführten Daten analysieren. „Danach wird die Kanzlei die auf den Listen verzeichneten Personen in Übereinstimmung mit den geltenden Datenschutzgesetzen proaktiv kontaktieren und sie genau informieren, um welche Daten es sich handelt“, versprach der Konzern. Bayer teilte zudem mit, dass der Konzern die Zusammenarbeit mit FleishmanHillard in den Bereichen Kommunikation und Lobbyarbeit „bis auf Weiteres“ beendet habe. „Bei allen laufenden Aktivitäten prüft Bayer die vertraglichen Möglichkeiten für einen baldmöglichen Ausstieg.“ Projekte im Bereich Marketing seien von dieser Entscheidung ausgenommen.

Deutsche Umwelt- und Verbraucherverbände haben die vollständige Information aller Betroffenen auf diesen Listen noch vor der Europawahl gefordert. „Bayers Listen enthalten wohl auch Monsanto-kritische Politiker*innen. Wir müssen jetzt wissen: Welchen Kandidat*innen für die Europawahl wurde dadurch gezielt geschadet? Die Fakten müssen noch vor dem Wahlsonntag auf den Tisch“, erklärte Maritta Strasser, Geschäftsführerin der Naturfreunde Deutschlands. Olaf Brandt, Bundesgeschäftsführer Politik des BUND wertete die Datensammlung als ein weiteres Zeichen dafür, dass die kritische Zivilgesellschaft immer stärker unter Druck gerate, „weil die Mächtigen der Welt ihre zerstörerischen Geschäftsmodelle beibehalten wollen”.