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Immer noch: Genfood beunruhigt Verbraucher

Gentechnisch veränderte Lebensmittel führen die Hitliste der bekanntesten Gesundheits- und Verbraucherthemen in Deutschland an. 93 Prozent der für den Verbraucher-Monitor des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) Befragten gaben an, von dem Thema bereits gehört zu haben. Damit lag Genfood vor Antibiotikaresistenzen mit 88 Prozent und Pestizidrückständen mit 82 Prozent Bekanntheitsgrad. Noch weitgehend unbekannt sind dagegen die neuen gentechnischen Verfahren zur Manipulation des Erbguts. Nur jeder siebte Befragte gab an, den Begriff Genome Editing schon gehört zu haben.

 Genfood ist nicht nur bekannt, es beunruhigt die Verbraucher auch. 56 Prozent der Befragten äußerten sich entsprechend. Größere Sorgen machen ihnen nur Antibiotikaresistenzen mit einem Wert von 59 Prozent. Andere spezifische Schadstoffthemen wie Mineralölrückstände, Glyphosat oder Pyrrolizidinalkaloide in Lebensmitteln lösten deutlich weniger Besorgnis aus.

Das BfR lässt seinen Verbrauchermonitor seit 2014 jährlich erstellen. Dabei zeigt sich, dass die Beunruhigung beim Thema „gentechnisch veränderte Lebensmittel“ gegenüber dem Vorjahr deutlich um 7 Prozentpunkte zurückging. Allerdings betraf dieser Rückgang auch alle anderen Themen der Lebensmittelsicherheit. Der Grund dafür dürfte sein, dass derzeit andere Themen im Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit stehen und den Menschen Sorgen machen.

Die Umfrage zeigt auch, dass rund die Hälfte der Verbraucher wenig bis gar kein Vertrauen hat, dass staatliche Stellen ihre Gesundheit schützen. Sie fordert „der Staat sollte mehr konkrete Maßnahmen wie Verbote und Beschränkungenergreifen, um mich als Verbraucher vor gesundheitlichen Risiken zu schützen.“

Urteil: Monsanto verletzt Menschenrechte

Fünf international renommierte Juristen sind zu dem Ergebnis gekommen, dass der US-Konzern Monsanto Menschenrechte verletzt. Sie haben im Rahmen des Monsanto-Tribunals die Aktivitäten des Konzerns nach völker- und menschenrechtlichen Gesichtspunkten analysiert. Das Tribunal ist eine symbolische Gerichtsverhandlung, organisiert von einer internationalen Gruppe von Umweltaktivisten. Monsanto war eingeladen, hatte ein Teilnahme jedoch abgelehnt.

Die Juristen hörten Mitte Oktober 2016 insgesamt 30 Zeugen aus aller Welt an. Diese berichteten von den Schäden, die der Chemie- und Saatgutkonzern Monsanto mit seiner Politik und seinen Produkten bisher anrichtete. Der Konzern produzierte die krebserregende Chemikalie PCB und auch das dioxinverseuchte Herbizid 2,4,5-T-Säure. Es wurde als Bestandteil von Agent Orange im Vietnamkrieg eingesetzt, tötete Tausende Menschen und verursacht heute noch Geburtsschäden und Krebs. Ebenfalls zur Sprache kam das Pestizid Round-up mit dem Wirkstoff Glyphosat und das dazugehörige genmanipulierte Saatgut. Die Selbstmorde indischer Bauern nach Missernten mit gentechnisch veränderter Baumwolle wurden ebenso angeklagt wie die Patentprozesse, mit denen Monsato amerikanische Bauern in den Ruin trieb.

Aufgrund der Zeugenaussagen verfassten die Richter ein Rechtsgutachten, das sie nun vorlegten. Darin kamen sie zu dem Ergebnis, „dass Monsantos Geschäftspraktiken das Recht auf Gesundheit beeinträchtigen.“ Auch das Recht auf eine gesunde Umwelt sahen die Richter verletzt und „die zu wissenschaftlicher Forschung unerlässliche Freiheit.“ Der verstärkte Einsatz von gentechnisch veränderten Pflanzen und Roundup führt nach Auffassung des Tribunals dazu, dass „Monsantos Tätigkeiten das Recht auf Nahrung negativ tangieren.“

Ein Thema des Rechtsgutachtens war eine mögliche Anklage wegen Ökozids. Gemeint ist damit eine „schwerwiegende Verletzung oder Zerstörung der Umwelt, die geeignet ist, globale Gemeingüter oder Ökosysteme in schwerwiegender und dauerhaften Weise zu beeinträchtigen.“ Das Tribunal kamzu dem Schluss, dass die Tätigkeiten Monsantos ein Verbrechen des Ökozides darstellen könnten. Doch noch ist dieser Tatbestand – anders als etwa der Genozid, der Völkermord – nicht im Völkerrecht verankert. Sollte es einmal so weit kommen, müsste sich Monsanto nicht einem symbolischen Tribunal stellen, sondern würde vor dem Internationalen Strafgerichtshof angeklagt. Der hat seinen Sitz im niederländischen Den Haag – dort wo auch das Tribunal tagte.

 

Behörde warnt: Krankheitserreger in Gentechnik-Baukasten gefunden

Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) hat vor einem Do-it-yourself-Gentechnik Baukasten aus den USA gewarnt. Die Behörde teilte mit, sie habe in dem Produkt der Firma The Odin „potenziell krankheitserregende Bakterien der Risikogruppe 2 nachgewiesen, die darin nicht enthalten sein dürften, darunter Enterococcus faecalis und Klebsiella pneumoniae.“ Sie könnten unter anderem Sepsis, Harn- und Wundinfektionen hervorrufen. Eine mögliche Infektion beim Umgang mit den in dem Kit enthaltenen Krankheitserregern könne nicht vollständig ausgeschlossen werden. Eine Verbreitung in der Bevölkerung sei allerdings unwahrscheinlich.

Pesronen, die das Produkt besitzen, empfahl das LGL, den Baukasten nicht zu öffnen, keine Experimente durchzuführen und statt dessen Kontakt mit dem örtlich zuständigen Gesundheitsamt aufzunehmen – nicht nur wegen der gesundheitlichen Risiken. Der Besitz eines solchen Baukastens kann auch juristische Probleme mit sich bringen. Potentiell krankheitserregende Bakterien dürfen laut Infektionsschutzgesetz nur mit behördlicher Erlaubnis importiert oder aufbewahrt werden. Experimente mit solchen Erregern gelten als gentechnische Arbeiten der Sicherheitsstufe zwei. Sie dürften nur in dafür zugelassenen Laboren ausgeführt werden, erläuterte das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) und stellte klar: „Auch in Schulen und anderen Bildungseinrichtungen, die über eine gentechnische Anlage der Sicherheitsstufe 1 verfügen, darf nicht mit dem kontaminierten Kit gearbeitet werden.“

Mit Baukästen wie dem beanstandeten ‚CRISPR Cas 9 Bacterial Genomic Editing Kit’ von The Odin können junge Hobby-Biologen zu Hause das Erbgut von Organismen, etwa E. coli-Darmbakterien, verändern. Interessierte können solche CRISPR-Baukästen problemlos im Internet kaufen, die einfachen Versionen kosten 150 US-Dollar, umfangreichere Sets bis zu 1.000 Dollar. Greenpeace-Kampaigner Dirk Zimmermann hat sich einen schicken lassen – und ihn nicht benutzt. Denn derartige Experimente sind im heimischen Hobbykeller nach deutschem Gentechnikrecht nicht zulässig. Darauf hatte das BVL schon im Januar hingewiesen. Solche Versuche dürften nur in geeigneten, behördlich überwachten Laboren duchgeführt werden. Bei Verstößen drohe eine Geldbuße bis zu 50.000 €, schrieb die Behörde. Würden bei den Experimenten gentechnisch veränderte Organismen wie Bakterien freigesetzt, könne das mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren geahndet werden.

 

EPA: Weitere Patente auf herkömmliche Pflanzen erteilt

Das Europäische Patentamt (EPA) hat 2016 rund 170 Patente auf Pflanzen erteilt. Das ergab eine Auswertung der Initiative „Keine Patente auf Saatgut!“ Diese Patente betrafen herkömmliche Pflanzen, 40 von ihnen bezogen sich auf konventionelle Züchtungen, teilte die Initiative mit.

Zwar hatte das EPA im vergangenen Jahr die Erteilung mehrere Patente auf konventionelle Pflanzenzucht aufgeschoben, nachdem sich die EU-Institutionen gegen derartige Patente ausgesprochen hatten. „Doch es zeigt sich, dass das Amt gleichzeitig versucht, unbemerkt möglichst viele Schlupflöcher offen zu halten“, schrieb die Initiative. Viele Firmen und Patentanwälte hätten sich bereits auf die neue Situation eingestellt und Patentanträge entsprechend angepasst. „Es ist erschreckend, wie leicht es für Konzerne und Patentlobby ist, sich dem politischen Druck zu entziehen. Man formuliert einfach die Ansprüche etwas anders und kann sich weiterhin Patente vom Saatgut bis zur Ernte und damit die Kontrolle über die Lebensmittelproduktion und Landwirtschaft sichern“, sagte Christoph Then für „Keine Patente auf Saatgut!“

Eine zweite Auswertung der Initiative zeigt, dass die großen Saatgutunternehmen immer neue Anträge einreichen,mit denen sie versuchen, sich konventionelle Pflanzen und deren Erzeugnisse zu sichern. Demnach sind bei der Weltpatentbehörde (WIPO) in Genf im vergangenen Jahr insgesamt 340 Patentanträge eingegangen, die Pflanzen betreffen, 60 davon bezogen sich explizit auf konventionelle Züchtungen. Sie betreffen unter anderem Weizen, Mehl und Brot sowie Tomaten, Salate und Gurken, die von der Industrie als Erfindung beansprucht werden. Die meisten der eingereichten Anträge stammten von den Konzernen DuPont, Monsanto, Dow AgroSciences, Bayer und Syngenta. „Diese Firmen vergeuden hier nicht einfach Zeit und Geld. Sie erwarten, dass die meisten der Patente auch erteilt werden“, sagte Ruth Tippe, die die Recherche für ‚Keine Patente auf Saatgut!‘ gemacht hatte.

Die Initiative fordert, dass die Vertragsstaaten des EPA endlich die Weichen für lückenlose Verbote im Bereich der konventionellen Züchtung stellen. Einen Vorschlag mit entsprechenden Formulierungen sei dem Ausschuss Patentrecht des EPA übermittelt worden.

Chemie: EU-Kommission genehmigt Elefantenhochzeiten

Die EU-Kommission hat die Fusion der beiden US-amerikanischen Chemiekonzerne Dow und DuPont genehmigt. Auch der Zusammenschluss des Schweizer Chemiekonzerns Syngenta mit Chem China hat das Plazet der EU-Wettbewerbshüter bekommen – jeweils mit Auflagen. Die Genehmigung für die dritte große Elefantenhochzeit im Chemiebereich, die Fusion von Bayer und Monsanto, steht noch aus. Bisher habe Bayer die Fusion bei der EU noch gar nicht angemldet, schrieb die Wirtschaftswoche.

Im Vorfeld der beiden Entscheidungen hatten rund 200 Organisationen die EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager aufgefordert, die angekündigten Zusammenschlüsse zu stoppen. Sie würden zu einer inakzeptablen Oligopolstellung führen, in der nur drei Konzerne rund 70 Prozent des weltweiten Pestizidmarktes und mehr als 60 Prozent des kommerziellen Saatguts kontrollieren: „Die Fusionen würden die durch die industrielle Landwirtschaft verursachten Probleme weiter verschärfen – mit negativen Folgen für das Gemeinwohl und Verbraucher/innen, Bauern und Bäuerinnen, die Umwelt und die Ernährungssicherheit“, hieß es in dem Text.

Doch die Kommissarin ist der Auffassung, dass sich der Wettbewerb mit einigen Auflagen sichern lässt. So muss nach dem Willen der EU-Kommission DuPont große Teile seiner Pestizidsparte sowie seine Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten verkaufen. Der potentielle Käufer sollte in der Lage sein, „DuPont als Wettbewerber auf den betreffenden Märkten zu ersetzen und weiterhin Produktinnovationen hervorzubringen“, schrieb die Kommission. Sie verpflichtete zudem Dow Chemical dazu, sich von zwei Fabriken für petrochemische Produkte zu trennen.

Auch Chem China müsse wesentliche Teile seines europäischen Geschäfts mit Pflanzenschutzmitteln und Wachstumsreglern veräußern, teilten die EU-Wettbewerbshüter mit. Das betrifft insbesondere das bisherige israelische Tochterunternehmen Adama. „Auf allen Produktmärkten mit problematischen Überschneidungen wird ChemChina entweder die Produktsparte von Adama oder die betreffende Sparte von Syngenta veräußern“, schreibt die EU-Kommission. Zudem muss Chem China auch die in der Entwicklung befindlichen Produkte von Adama verkaufen.

Profitieren von den Auflagen der Wettbewerbshüter dürfte der Konzern, der bei der Partnersuche in der Chemiebranche leer ausging – die BASF. „Die Ludwigshafener würden gern einsammeln, was bei den Fusionen der Agrarchemiekonzerne so abfällt“, analysierte die Wirtschaftswoche.

 

 

Das Saatgut in Deutschland ist weitestgehend gentechnikfrei

Bei der Beprobung des Saatgutes für die Frühjahrsaussaat haben die deutschen Behörden nur eine einzige gentechnische Verunreinigung entdeckt – so wenig wie noch nie. „Die Ergebnisse der amtlichen Kontrollen zeigen, dass es möglich ist, Saatgut gentechnikfrei zu halten und die Nulltoleranz erfolgreich umzusetzen“, sagte Alexander Hissting, Geschäftsführer des Verbandes Lebensmittel ohne Gentechnik (VLOG).

Die zuständigen Behörden der Bundesländer haben von Oktober 2016 bis März 2017 insgesamt 600 Saatgutproben in ihre Labore geschickt. Die Ergebnisse hat die Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft Gentechnik zusammengefasst und veröffentlicht. 490 Proben betrafen Maissaatgut. Hier fanden sich – zum ersten Mal seit mehr als 15 Jahren – keine Verunreinigungen mit gentechnisch veränderten Organismen (GVO). 2011 waren noch sieben Prozent der amtlich kontrollierten Maisproben verunreinigt. In den folgenden Jahren sank die Quote stetig und lag 2016 bei 0,6 Prozent.

Schon seit 2013 gentechnikfrei ist das Rapssaatgut. Auch in den letzen Monaten fanden sich darin keine Verunreinigungen. Zuckerrüben, Zucchini und Tomaten waren ebenfalls ohne Befund. Die einzige Verunreinigung fanden sächsische Behörden in einer Charge Sojasaatgut. Die Bohnen wurden, wie das bei der in Deutschland geltenden strikten Nulltoleranz üblich ist, vom Markt genommen. Allerdings haben, anders als bei Mais und Winterraps, nur vier Bundesländer überhaupt Sojasaatgut ins Labor geschickt. Von den 21 Proben wurden allein 16 in Baden-Württemberg gezogen. Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Sachsen-Anhalt steuerten Einzelergebnisse bei. „Das wird der steigenden Bedeutung des regionalen Sojaanbaus nicht gerecht. Hier wäre eine Ausweitung der Kontrollen wünschenswert“, findet VLOG-Geschäftsführer Hissting.

 

 

Gekaufte Wissenschaft: Neuer Report zu Glyphosat

Der von der österreichischen Umweltorganisation Global 2000 veröffentlichte Report Glyphosat und Krebs: Gekaufte Wissenschaft zeigt auf, mit welchen Methoden Pestizidhersteller, insbesondere Monsanto, Einfluss auf die Bewertung des Herbizids Glyphosat genommen haben.

So beschreibt der Report, wie 2016 eine Serie von Übersichtsarbeiten für eine renommierte Fachzeitschrift entstand. Monsanto hatte dafür eigens eine Agentur beaufragt, ein Panel an angesehenen nach außen hin unabhängigen Experten zusammenzustellen. Das Ergebnis beschreibt der Report so: „Zwölf der 16 Mitglieder des Gremiums waren bereits als Berater für Monsanto tätig oder bei dem Unternehmen angestellt. Viele der Autoren pflegen oder pflegten Verbindungen zum industrienahen “International Life Sciences Institute“ (ILSI), einer Organisation, die unter anderem von Unternehmen finanziert wird, die Glyphosatprodukte herstellen.“ Wenig erstaunlich, dass diese Autoren übereinstimmend Glyphosat von jedem Krebsverdacht freisprachen. In einer internen Monsanto-Mail, die der Report dokumentiert, schätzt ein Monsanto-Manager die möglichen Kosten dieser Kampagne vorab auf bis zu 250.000 US-Dollar. Um die Kosten zu senken, schlägt er vor, dass Monsanto Teile der Texte selbst liefern könnte, und die Wissenschaftler nur ihren Namen für die Veröffentlichung hergeben, wie man das schon bei einer im Jahr 2000 erschienene Studie geamcht habe.

Einer der in der Mail genannten Wissenschaftler ist der deutsche Toxikologe Helmut Greim. Er bestätigte gegenüber dem ARD-Magazin Fakt, dass er für zwei Studien, die unter seinem Namen erschienen, Geld von Monsanto erhalten habe. In einem Fall sei auch ein Manuskript von Monsanto geliefert worden. Das habe er allerdings aufwändig überarbeiten müssen, weil es für eine Veröffentlichung ungeeignet gewesen sei. Der 82-jährige Greim gilt als einer der einflussreichsten Toxikologen Deutschlands. Er leitete über Jahrzehnte mehreren Expertengremien, die auf Bundes- oder EU-Ebene Empfehlungen für Grenzwerte abgeben. In einigen arbeitet er bis heute noch mit.

Noch nicht berücksichtigen konnten die Autoren den jüngsten Fall von Einflussnahme: Die europäische Chemikalien-Agentur ECHA hat ihre umstrittene Bewertung des Herbizids Glyphosat vorab von einem Lobbyverband der Hersteller kommentieren lassen, berichtete die Süddeutsche Zeitung. Öffentlich wurde der Vorgang nur, weil der Toxikologe Peter Clausing für das Pestizid Aktions-Netzwerk als Beobachter an der entscheidenden Sitzung des ECHA-Ausschusses für Risikobewertung teilnahm.

 

Gentech-Mais: Anbauzulassung droht – aber keine Gefahr

Die EU-Kommission wird voraussichtlich bald die drei genamnipulierten Maislinien MON810, Bt11 und 1507 für den Anbau in der EU zulassen. Die Mitgliedsstaaten kamen in zwei Abstimmungen nicht auf die erforderliche qualifizierte Mehrheit, die notwendig gewesen wäre, um den Zulassungsvorschlag der Kommission zu versenken. Viel ändern dürfte sich durch die nun drohende Zulassung jedoch nicht.

17 EU-Staaten, darunter Deutschland, und vier Regionen haben den Anbau dieser drei und einiger weiterer Maissorten vor zwei Jahren verboten – und diese Verbote bleiben in Kraft. Von den drei Maissorten wird nur MON810 derzeit in Spanien in größeren Mengen angebaut, ein paar Felder gibt es auch noch in Protugal, Tschechien und der Slowakei. Wird MON810 erneut zugelassen, können diese Landwirte ihn weiterhin anbauen. Die Statistik des Portals Transgen zeigt jedoch, dass das Interesse an MON810 EU-weit abnimmt und nur noch die spanischen Maisbauern daran festhalten.

Bt11 und 1507 sind Uralt-Sorten, die weder für die Saatgutkonzerne noch für die Landwirte interessant sind. Sie sind gegen das Bayer-Herbizid Glufosinat resistent. Es gilt als fortpflanzungsschädigend, darf in der EU deshalb seit 2013 nur noch beschränkt eingesetzt werden, und in diesem Jahr läuft die Zulassung ganz aus.

Die Abstimmung der Mitgliedsstaaten hätte jedoch die Möglichkeit geboten, die Zulassungsanträge endgültig abzulehnen. Gescheitert ist dies auch an der Enthaltung Deutschlands. Felix zu Löwenstein, der Vorsitzende des Bio-Dachverbandes BÖLW, kritisierte den dafür verantwortlichen Landwirtschaftsminister Christian Schmidt als Risiko für die gentechnikfreie Landwirtschaft: „Jeder Anbau von Gentechnik-Pflanzen irgendwo in Europa erhöht die Gefahr von Kontaminationen. Das bedeutet hohe wirtschaftliche Risiken für gentechnikfreie Bauern und Lebensmittelproduzenten. Diese Risiken hätte der verantwortliche Minister Schmidt mit einem Nein ausgeschaltet.“

 

Gentech-Fliegen schwirren in einem Labor in Göttingen

An der Universität Göttigen hat einWissenschaftler mit gentechnisch veränderten Fliegen experimentiert. Das dafür verwendete Labor entsprach nicht den vorgeschriebenen Sicherheitsstandards. Das meldeten Testbiotech, die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) und das Gen-ethische Netzwerk (GeN).

Dabei verweisen die drei Organisationen auf ein Interview in der Fachzeitschrift Laborjournal. Darin berichtete der Biologieprofessor Ernst Wimmer über seine jüngsten Forschungen. Er hatte Insekten mit Hilfe der Gentechnik-Schere CRISPR-Cas gentechnisch so manipuliert, dass sich ihre Eigenschaften besonders schnell innerhalb der Art ausbreiten konnten. Experten nennen das einen Gene Drive. Zusammen mit dem Gene Drive wurden die Insekten so verändert, dass bei der Fortpflanzung keine männlichen Nachkommen mehr entstehen und die Population dadurch zusammenbricht. Die Versuche zeigten, dass sich dieser Mechanismus nicht sicher vererben ließ und nach einigen Generationen doch wieder fruchtbare Weibchen entstanden. Die Tiere waren quasi resistent geworden.

„Die Versuche zeigen, dass Eingriffe in das Erbgut mit neuen Gentechnik-Verfahren wie CRISPR-Cas nicht so vorhersagbar sind, wie von interessierter Seite immer behauptet wird“ kommentierte Annemarie Volling von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft die vorgestellten Ergebnisse. Sie warnte, dass Landwirtschaft und Lebensmittelerzeugung betroffen seien, wenn derart veränderte gentechnische Fliegen aus dem Labor entkämen.

Bisher wurden in Süd- und Mittelamerika in größerem Stil genmanipulierte Stechmücken ausgesetzt, um Mückenpopulationen zu dezimieren, die Dengue-Fieber verbeiten. In Europa gab es mehrfach Anträge, Olivenfliegen durch manipulierte Artgenossen zu bekämpfen, die bisher allerdings abgelehnt wurden. Federführend auf diesem Gebiet ist das Unternehmen Oxitec, das zum Konzern Intrexon gehört.

 

Gerichtsakten zeigen: So beeinflusste Monsanto die US-Umweltbehörde

Im letzten Herbst kam die US-Umweltbehörde EPA zu dem Schluss, dass das von Monsanto entwickelte Herbizid Glyphosat nicht krebserregend sei. Unterlagen, die ein kalifornisches Gericht freigab, belegen, dass der für den Bericht maßgebliche Mitarbeiter ein Maulwurf des Konzerns war. Die Bürgerrechtsorganisation US Right to Know hat die Daten veröffentlicht und sie ausgewertet.

Es handelt sich bei dem Mitarbeiter um Jess Rowland, der bis zu seinem Ruhestand im April 2016 in der für Pestizide zuständigen Abteilung der EPA arbeitete. Er erstellte auch federführend den EPA-Bericht, der Glyphosat vom Krebsverdacht freisprach. Die Gerichtsakten enthalten zahlreiche interne Mails von Monsanto. Eine davon belegt, wie Rowland Monsanto versprach, eine Glyphosat-Untersuchung des US-Gesundheitsministeriums zu verhindern. Wenn er das schaffe, habe er sich eine Medaille verdient, brüstet sich Rowland in der Mail. Er war erfogreich, die Untersuchung fand nicht statt.

In den internen Mails unterhalten sich Monsanto-Manager darüber, Wissenschaftler für Studien zu bezahlen, die die Sicherheit von Glyphosat belegen sollten. Sie diskutieren auch, einen Wissenschaftler zu ersetzen, der dabei Skrupel bekommen hatte. In einer anderen Mail schlägt ein Monsanto-Manager vor, Wissenschaftler dafür zu bezahlen, dass sie Monsanto-Studien als eigene Arbeiten ausgeben und veröffentlichen. Dabei verweist er auf einen früheren Fall, wo man so vorgegangen sei.

Inzwischen bekommt die Pestizid-Abteilung der EPA Gegenwind aus der Behörde selbst. Der wissenschaftliche Beirat, der den Glyphosat-Bericht der Behörde begutachtete, kam zu dem Schluss, dass die zuständige EPA-Abteilung ihre eigenen Richtlinien nicht eingehalten habe. Ein Teil des Beirats war der Auffassung, dass anhand der vorliegenden Studien Glyphosat sehr wohl als vermutlich krebserregend eingestuft werden sollte.

Monsanto wies auf Nachfrage von US-Medien sämtliche Vorwürfe zurück und betonte man sei ein seriöses Unternehmen. Ob das der US-Richter, der die Unterlagen veröffentlichte, ebenso sieht, darf bezweifelt werden. Er verhandelt die Klagen von 55 Betroffenen, die an Lymphdrüsenkrebs erkrankten oder Angehörige durch diesen Krebs verloren haben. Sie führen die Erkrankung auf die Anwendung von Glyphosat zurück und werfen Monsanto vor, das Risiko verschwiegen zu haben.