Archiv der Kategorie: Allgemein

Das Saatgut in Deutschland ist weitestgehend gentechnikfrei

Bei der Beprobung des Saatgutes für die Frühjahrsaussaat haben die deutschen Behörden nur eine einzige gentechnische Verunreinigung entdeckt – so wenig wie noch nie. „Die Ergebnisse der amtlichen Kontrollen zeigen, dass es möglich ist, Saatgut gentechnikfrei zu halten und die Nulltoleranz erfolgreich umzusetzen“, sagte Alexander Hissting, Geschäftsführer des Verbandes Lebensmittel ohne Gentechnik (VLOG).

Die zuständigen Behörden der Bundesländer haben von Oktober 2016 bis März 2017 insgesamt 600 Saatgutproben in ihre Labore geschickt. Die Ergebnisse hat die Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft Gentechnik zusammengefasst und veröffentlicht. 490 Proben betrafen Maissaatgut. Hier fanden sich – zum ersten Mal seit mehr als 15 Jahren – keine Verunreinigungen mit gentechnisch veränderten Organismen (GVO). 2011 waren noch sieben Prozent der amtlich kontrollierten Maisproben verunreinigt. In den folgenden Jahren sank die Quote stetig und lag 2016 bei 0,6 Prozent.

Schon seit 2013 gentechnikfrei ist das Rapssaatgut. Auch in den letzen Monaten fanden sich darin keine Verunreinigungen. Zuckerrüben, Zucchini und Tomaten waren ebenfalls ohne Befund. Die einzige Verunreinigung fanden sächsische Behörden in einer Charge Sojasaatgut. Die Bohnen wurden, wie das bei der in Deutschland geltenden strikten Nulltoleranz üblich ist, vom Markt genommen. Allerdings haben, anders als bei Mais und Winterraps, nur vier Bundesländer überhaupt Sojasaatgut ins Labor geschickt. Von den 21 Proben wurden allein 16 in Baden-Württemberg gezogen. Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Sachsen-Anhalt steuerten Einzelergebnisse bei. „Das wird der steigenden Bedeutung des regionalen Sojaanbaus nicht gerecht. Hier wäre eine Ausweitung der Kontrollen wünschenswert“, findet VLOG-Geschäftsführer Hissting.

 

 

Gekaufte Wissenschaft: Neuer Report zu Glyphosat

Der von der österreichischen Umweltorganisation Global 2000 veröffentlichte Report Glyphosat und Krebs: Gekaufte Wissenschaft zeigt auf, mit welchen Methoden Pestizidhersteller, insbesondere Monsanto, Einfluss auf die Bewertung des Herbizids Glyphosat genommen haben.

So beschreibt der Report, wie 2016 eine Serie von Übersichtsarbeiten für eine renommierte Fachzeitschrift entstand. Monsanto hatte dafür eigens eine Agentur beaufragt, ein Panel an angesehenen nach außen hin unabhängigen Experten zusammenzustellen. Das Ergebnis beschreibt der Report so: „Zwölf der 16 Mitglieder des Gremiums waren bereits als Berater für Monsanto tätig oder bei dem Unternehmen angestellt. Viele der Autoren pflegen oder pflegten Verbindungen zum industrienahen “International Life Sciences Institute“ (ILSI), einer Organisation, die unter anderem von Unternehmen finanziert wird, die Glyphosatprodukte herstellen.“ Wenig erstaunlich, dass diese Autoren übereinstimmend Glyphosat von jedem Krebsverdacht freisprachen. In einer internen Monsanto-Mail, die der Report dokumentiert, schätzt ein Monsanto-Manager die möglichen Kosten dieser Kampagne vorab auf bis zu 250.000 US-Dollar. Um die Kosten zu senken, schlägt er vor, dass Monsanto Teile der Texte selbst liefern könnte, und die Wissenschaftler nur ihren Namen für die Veröffentlichung hergeben, wie man das schon bei einer im Jahr 2000 erschienene Studie geamcht habe.

Einer der in der Mail genannten Wissenschaftler ist der deutsche Toxikologe Helmut Greim. Er bestätigte gegenüber dem ARD-Magazin Fakt, dass er für zwei Studien, die unter seinem Namen erschienen, Geld von Monsanto erhalten habe. In einem Fall sei auch ein Manuskript von Monsanto geliefert worden. Das habe er allerdings aufwändig überarbeiten müssen, weil es für eine Veröffentlichung ungeeignet gewesen sei. Der 82-jährige Greim gilt als einer der einflussreichsten Toxikologen Deutschlands. Er leitete über Jahrzehnte mehreren Expertengremien, die auf Bundes- oder EU-Ebene Empfehlungen für Grenzwerte abgeben. In einigen arbeitet er bis heute noch mit.

Noch nicht berücksichtigen konnten die Autoren den jüngsten Fall von Einflussnahme: Die europäische Chemikalien-Agentur ECHA hat ihre umstrittene Bewertung des Herbizids Glyphosat vorab von einem Lobbyverband der Hersteller kommentieren lassen, berichtete die Süddeutsche Zeitung. Öffentlich wurde der Vorgang nur, weil der Toxikologe Peter Clausing für das Pestizid Aktions-Netzwerk als Beobachter an der entscheidenden Sitzung des ECHA-Ausschusses für Risikobewertung teilnahm.

 

Gentech-Mais: Anbauzulassung droht – aber keine Gefahr

Die EU-Kommission wird voraussichtlich bald die drei genamnipulierten Maislinien MON810, Bt11 und 1507 für den Anbau in der EU zulassen. Die Mitgliedsstaaten kamen in zwei Abstimmungen nicht auf die erforderliche qualifizierte Mehrheit, die notwendig gewesen wäre, um den Zulassungsvorschlag der Kommission zu versenken. Viel ändern dürfte sich durch die nun drohende Zulassung jedoch nicht.

17 EU-Staaten, darunter Deutschland, und vier Regionen haben den Anbau dieser drei und einiger weiterer Maissorten vor zwei Jahren verboten – und diese Verbote bleiben in Kraft. Von den drei Maissorten wird nur MON810 derzeit in Spanien in größeren Mengen angebaut, ein paar Felder gibt es auch noch in Protugal, Tschechien und der Slowakei. Wird MON810 erneut zugelassen, können diese Landwirte ihn weiterhin anbauen. Die Statistik des Portals Transgen zeigt jedoch, dass das Interesse an MON810 EU-weit abnimmt und nur noch die spanischen Maisbauern daran festhalten.

Bt11 und 1507 sind Uralt-Sorten, die weder für die Saatgutkonzerne noch für die Landwirte interessant sind. Sie sind gegen das Bayer-Herbizid Glufosinat resistent. Es gilt als fortpflanzungsschädigend, darf in der EU deshalb seit 2013 nur noch beschränkt eingesetzt werden, und in diesem Jahr läuft die Zulassung ganz aus.

Die Abstimmung der Mitgliedsstaaten hätte jedoch die Möglichkeit geboten, die Zulassungsanträge endgültig abzulehnen. Gescheitert ist dies auch an der Enthaltung Deutschlands. Felix zu Löwenstein, der Vorsitzende des Bio-Dachverbandes BÖLW, kritisierte den dafür verantwortlichen Landwirtschaftsminister Christian Schmidt als Risiko für die gentechnikfreie Landwirtschaft: „Jeder Anbau von Gentechnik-Pflanzen irgendwo in Europa erhöht die Gefahr von Kontaminationen. Das bedeutet hohe wirtschaftliche Risiken für gentechnikfreie Bauern und Lebensmittelproduzenten. Diese Risiken hätte der verantwortliche Minister Schmidt mit einem Nein ausgeschaltet.“

 

Gentech-Fliegen schwirren in einem Labor in Göttingen

An der Universität Göttigen hat einWissenschaftler mit gentechnisch veränderten Fliegen experimentiert. Das dafür verwendete Labor entsprach nicht den vorgeschriebenen Sicherheitsstandards. Das meldeten Testbiotech, die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) und das Gen-ethische Netzwerk (GeN).

Dabei verweisen die drei Organisationen auf ein Interview in der Fachzeitschrift Laborjournal. Darin berichtete der Biologieprofessor Ernst Wimmer über seine jüngsten Forschungen. Er hatte Insekten mit Hilfe der Gentechnik-Schere CRISPR-Cas gentechnisch so manipuliert, dass sich ihre Eigenschaften besonders schnell innerhalb der Art ausbreiten konnten. Experten nennen das einen Gene Drive. Zusammen mit dem Gene Drive wurden die Insekten so verändert, dass bei der Fortpflanzung keine männlichen Nachkommen mehr entstehen und die Population dadurch zusammenbricht. Die Versuche zeigten, dass sich dieser Mechanismus nicht sicher vererben ließ und nach einigen Generationen doch wieder fruchtbare Weibchen entstanden. Die Tiere waren quasi resistent geworden.

„Die Versuche zeigen, dass Eingriffe in das Erbgut mit neuen Gentechnik-Verfahren wie CRISPR-Cas nicht so vorhersagbar sind, wie von interessierter Seite immer behauptet wird“ kommentierte Annemarie Volling von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft die vorgestellten Ergebnisse. Sie warnte, dass Landwirtschaft und Lebensmittelerzeugung betroffen seien, wenn derart veränderte gentechnische Fliegen aus dem Labor entkämen.

Bisher wurden in Süd- und Mittelamerika in größerem Stil genmanipulierte Stechmücken ausgesetzt, um Mückenpopulationen zu dezimieren, die Dengue-Fieber verbeiten. In Europa gab es mehrfach Anträge, Olivenfliegen durch manipulierte Artgenossen zu bekämpfen, die bisher allerdings abgelehnt wurden. Federführend auf diesem Gebiet ist das Unternehmen Oxitec, das zum Konzern Intrexon gehört.

 

Gerichtsakten zeigen: So beeinflusste Monsanto die US-Umweltbehörde

Im letzten Herbst kam die US-Umweltbehörde EPA zu dem Schluss, dass das von Monsanto entwickelte Herbizid Glyphosat nicht krebserregend sei. Unterlagen, die ein kalifornisches Gericht freigab, belegen, dass der für den Bericht maßgebliche Mitarbeiter ein Maulwurf des Konzerns war. Die Bürgerrechtsorganisation US Right to Know hat die Daten veröffentlicht und sie ausgewertet.

Es handelt sich bei dem Mitarbeiter um Jess Rowland, der bis zu seinem Ruhestand im April 2016 in der für Pestizide zuständigen Abteilung der EPA arbeitete. Er erstellte auch federführend den EPA-Bericht, der Glyphosat vom Krebsverdacht freisprach. Die Gerichtsakten enthalten zahlreiche interne Mails von Monsanto. Eine davon belegt, wie Rowland Monsanto versprach, eine Glyphosat-Untersuchung des US-Gesundheitsministeriums zu verhindern. Wenn er das schaffe, habe er sich eine Medaille verdient, brüstet sich Rowland in der Mail. Er war erfogreich, die Untersuchung fand nicht statt.

In den internen Mails unterhalten sich Monsanto-Manager darüber, Wissenschaftler für Studien zu bezahlen, die die Sicherheit von Glyphosat belegen sollten. Sie diskutieren auch, einen Wissenschaftler zu ersetzen, der dabei Skrupel bekommen hatte. In einer anderen Mail schlägt ein Monsanto-Manager vor, Wissenschaftler dafür zu bezahlen, dass sie Monsanto-Studien als eigene Arbeiten ausgeben und veröffentlichen. Dabei verweist er auf einen früheren Fall, wo man so vorgegangen sei.

Inzwischen bekommt die Pestizid-Abteilung der EPA Gegenwind aus der Behörde selbst. Der wissenschaftliche Beirat, der den Glyphosat-Bericht der Behörde begutachtete, kam zu dem Schluss, dass die zuständige EPA-Abteilung ihre eigenen Richtlinien nicht eingehalten habe. Ein Teil des Beirats war der Auffassung, dass anhand der vorliegenden Studien Glyphosat sehr wohl als vermutlich krebserregend eingestuft werden sollte.

Monsanto wies auf Nachfrage von US-Medien sämtliche Vorwürfe zurück und betonte man sei ein seriöses Unternehmen. Ob das der US-Richter, der die Unterlagen veröffentlichte, ebenso sieht, darf bezweifelt werden. Er verhandelt die Klagen von 55 Betroffenen, die an Lymphdrüsenkrebs erkrankten oder Angehörige durch diesen Krebs verloren haben. Sie führen die Erkrankung auf die Anwendung von Glyphosat zurück und werfen Monsanto vor, das Risiko verschwiegen zu haben.

Kampagne: Keine Patente auf Bier

32 Organisationen haben eine Kampagne gestartet, mit der sie gegen Patente auf Braugerste protestieren. Erteilt wurden diese Patente 2016 vom Europäischen Patentamt (EPA) an die Brauereikonzerne Carlsberg und Heineken. Sie erstrecken sich auf Gerste aus konventioneller Züchtung und deren Verwendung durch die Brauereien sowie das damit produzierte Bier. Der Einsatz der Gerste soll das Brauen billiger und das Bier länger haltbar machen. Die erteilten Patente beruhen jedoch nicht auf Erfindungen sondern auf zufälligen Mutationen im Erbgut der Pflanzen.

Nach den Vorstellungen des Europäischen Patentamts sind Pflanzen und Tiere, bei denen natürliche Mutationen entdeckt oder bei denen zufällige Mutationen ausgelöst werden, auch in Zukunft patentierbar. Dieser Auffassung haben sowohl die EU-Kommission als auch die Regierungen der EU-Staaten widersprochen und klargestellt, dass Pflanzen und Tiere aus konventioneller Zucht nicht patentiert werden dürfen. Um dies durchzusetzen, müssen die Mitgliedsstaaten der EU im Verwaltungsrat des EPA dafür sorgen, dass ihre Position dort Bestandteil einer rechtlich verbindlichen Auslegungsregelung wird.

Für Deutschland ist dafür Bundesjustizminister Heiko Maas zuständig. Im Zuge der Kampagne kann man ihn mit einem Brief dazu auffordern, sich für eine Regelung einzusetzen, die alle Schlupflöcher schließt und Patente auf Pflanzen und Tiere aus konventioneller Zucht wirksam verbietet. Gelegenheit dazu bietet die nächsten Sitzung des Verwaltungsrates des EPA im Juni 2017.

Chemikalien-Agentur ECHA: Glyphosat ist nicht krebserregend

Die europäischen Chemikalien-Agentur ECHA hat mitgeteilt, dass ihrer Meinung nach die vorliegenden wissenschaftlichen Belege nicht ausreichen, um Glyphosat als krebserregend, mutagen oder schädlich für die Fortpflanzung zu klassifizieren. Selbst die Gefahr einer Organschädigung bei längerer oder wiederholter Exposition sieht die ECHA nicht. Dabei stützt sich die Behörde auf eine Stellungnahme ihre Ausschusses für Risikobeurteilung (Risk Assessment Committee, RAC).

Die Stellungnahme des RAC soll demnächst veröffentlicht und nach Brüssel geschickt werden. Dort werden die EU-Kommission und die Mitgliedsstaaten im Laufe des Jahres entscheiden, ob sie die Zulassung des umstrittenen Herbizids erneuern. Die Krebsforschungsagentur der Weltgesundheitsorganisation WHO stuft Glyphosat als „wahrscheinlich krebserregend für den Menschen“ ein, während das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung und die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA kein Risiko sehen und sich für eine Neuzulassung aussprechen. Im letzten Jahr war der öffentliche Druck so stark geworden, dass die Kommission letztlich nur eine Verlängerung der auslaufende Zulassung bis Ende 2017 erreichen konnte. Nun steht eine endgültige Entscheidung an und die Stellungnahme der ECHA stärkt die Position der Hersteller und der behördlichen Glyphosatbefürworter.

Eine Europäische Bürgerinitiative hat damit begonnen, mindestens eine Millionen Unterschriften für ein Glyphosatverbot in der EU zu sammeln und will damit den Druck auf die EU-Kommission erhöhen, das Herbizid endgültig aus dem Verkehr zu ziehen. Da die Mitgliedsstaaten mit entscheiden, wird auch die Debatte in Deutschland wieder aufleben, wo sich Umwelt- und Landwirtschaftsministerium gegenüberstehen und zudem im Herbst gewählt wird.

„Eine wachsende internationale Bewegung hat weltweit Schäden durch Glyphosat an Menschen, Tieren und Umwelt dokumentiert,“ argumentiert der grüne Bundestagsabgeordnete Harald Ebner. Solche Dokumentationen haben, weil sie selten in Form wissenschaftliche Arbeiten vorliegen, keinen Eingang in die RAC-Bewertung gefunden. Diese stützt sich hingegen neben öffentlich zugänglichen Studien auch auf nicht veröffentlichte Daten der Industrie. Nähe zur Industrie und damit Interessenskonflikte hatten letzte Woche mehrere Nichtregierungsorganisationen dem Vorsitzenden und zwei Experten des RAC vorgeworfen. Die ECHA wies dies zurück.

 

Chemikalien-Agentur ECHA: NGOs bezweifeln Unabhängigkeit der Behörden-Experten

Die europäische Chemikalien-Agentur ECHA berät derzeit über die Sicherheitseinstufung des Pestizidwirkstoffs Glyphosat. Medienberichten zufolge könnte der Bericht ihrer Experten schon in dieser Woche veröffentlicht werden. Zahlreiche Nichtregierungsorganisationen (NGOs) haben in einem offenen Brief die Unabhängigkeit des Kommittees für Risikoabschätzung bei der ECHA (Risk Assessment Committee, RAC) in Frage gestellt.

Die Vorwürfe der Organisationen richten sich insbesondere gegen den RAC-Vorsitzenden Tim Bowmer. Bevor er 2012 den Vorsitz des RAC übernahm arbeitete er über 20 Jahre lang bei der halbstaatlichen Niederländischen Organisation für Angewandte Naturwissenschaftliche Forschung (TNO), beriet dort Unternehmen der chemischen Industrie und erhielt Forschungsgelder vom Verband der Europäischen Chemischen Industrie CEFIC. Die Angaben entnahmen die Organisationen der offiziellen ECHA-Erklärung Bowmers über mögliche Interessenskonflikte. Sie sehen darin einen Verstoß gegen die Maßstäbe der Behörde, ebenso wie bei zwei Experten des RAC, die im Rahmen staatlicher Organisationen Chemieunternehmen berieten und sich öffentlich für Positionen der Chemie-Industrie aussprachen.

Der ECHA-Geschäftsführer Geert Dancet wies die Vorwürfe zurück. Die drei RAC-Mitglieder seien bei unabhängigen und angesehen staatlichen Organisationen tätig gewesen. Die ECHA schließe niemanden, der für die Industrie oder Interessensverbände gearbeitet habe, als potentiellen Mitarbeiter aus. Deren praktische Erfahrung mache die Arbeit der Behörde effizient. Wissenschaftler hätten Erfahrungen und eine eigene Meinung, die sie auch äußern dürften. Greenpeace sieht sich in seinen Befürchtungen durch die ECHA-Antwort noch bestärkt. Es reiche nicht aus, Interessenskonflikte offenzulegen, sie müssten ausgeschlossen werden, schreibt die Umweltorganisation.

Ende 2017 läuft die verlängerte Zulassung für Glyphosat aus. Für die anstehende Diskussion um eine eventuelle Neuzulassung wird die Einstufung der ECHA eine wichtige Rolle spielen. Der erste Entwurf für das ECHA-Gutachten stammt von der deutschen Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA). Sie schlägt lediglich den zusätzlichen Warnhinweis H373 vor: „Kann die Organe schädigen bei längerer oder wiederholter Exposition (bei längerem oder wiederholtem Einatmen/Hautkontakt/Verschlucken)“. Ausführlich begründet die BAuA, warum der Warnhinweis H351 „Kann vermutlich Krebs erzeugen“, nicht in Frage kommt. Dabei beruft sie sich auf die umstrittene Einordnung der betrachteten Studien durch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR).

 

ECHA-Seite zu Glyphosat

Studie: Pestizideinsatz lässt sich ohne Einbußen deutlich verringern

Konventionelle Landwirte können ihren Pestizideinsatz um bis zu 42 Prozent verringern ohne Ernteeinbußen zu erleiden. Dazu braucht es keine gentechnisch veränderten Pflanzen, die Gifte gegen Schädlinge produzieren. Es genügt, die Anbaumethoden zu verändern. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des französischen Institut Nationale de la Recherche Agronomique (INRA), die in der Fachzeitschrift Nature Plants veröffentlicht wurde.

Die INRA-Wissenschaftler betreuen ein Netzwerk von fast 1000 französischen konventionellen Betrieben, die Ackerbau betreiben. Dort untersuchten sie über drei Jahre hinweg bei mehreren Feldfrüchten, wie sich ein geringerer Einsatzes von Herbiziden, Fungiziden und Insektiziden auswirkte. Das Ergebnis: Bei 77 Prozent der Betriebe beeinträchtigte weniger Chemie die Erträge nicht. Die restlichen 23 Prozent Betriebe, die Ernte- und Umsatzeinbußen verzeichneten, betrieben größtenteils eine stark industrielle Landwirtschaft mit sehr hohem Pestizideinsatz. „Die Botschaft unserer Studie lautet, dass es möglich ist, den Pestizideinsatz deutlich herunterzuschrauben“, erklärt INRA-Forscher Nicolas Munier-Jolain. Das sei nicht unbedingt einfach, weil die Betrieb dazu ihren Anbau diversifizieren müssten. Statt großflächigen Monokulturen seien kleinere Einheiten mit Fruchtfolgen und einer größeren Sortenvielfalt auf dem Acker nötig.

Pestizide leisten auch keinen wesentlichen Beitrag für die Sicherung der Welternährung, sondern schaden der Umwelt und der menschliche Gesundheit. Zu diesem Ergebnis kommt ein Bericht der UN-Sonderberichterstatterin für das Recht auf Nahrung, Hilal Elver. Es sei auch ohne oder mit einem minimalen Einsatz giftiger Wirktstoffe möglich, höhere Ernten an gesunden, nährstoffreichen Lebensmitteln zu erzielen ohne die Umwelt zu schädigen, schreibt sie. Der Bericht empfiehlt eine Reihe von Maßnahmen, um die negativen Folgen des Pestizideinsatzes insbesondere in Entwicklungsländern zu verringern. Langfristig jedoch sei die Abkehr von der industriellen Landwirtschaft die effektivste Methode um Pestizidrisiken zu minimieren.

 

 

Schrumpfende Bedeutung: Der FAO Report zur Zukunft der Ernährung erwähnt Agro-Gentechnik nur in einem Absatz

Hat die Welternährungsorganisation FAO ihren Kurs geändert und unterstützt plötzlich die Agro-Gentechnik? Diesen Eindruck erweckt eine Meldung auf der Webseite des Zentralverbandes der Deutschen Schweineproduktion (ZDS) über den neuesten Bericht der FAO zur Zukunft der Ernährung.

Tatsächlich befasst sich der 180-Seiten-Bericht der FAO gerade einmal in einem Absatz im Kapitel Produktivität und Innovationen (Seite 53) mit Agro-Gentechnik. Die FAO beschränkt sich dabei auf die Feststellung, dass die Debatte um die Agro-Gentechnik die Erfolge anderer biotechnologischer Methoden überschattet habe. Dabei bezieht sie sich nicht auf neue gentechische Verfahren wie CRISPR/Cas, sondern erwähnt als Beispiel die nur im Reagenzglas mögliche Kreuzung von afrikanischem und asiatischem Reis in den 90er Jahren (Nerica, New Rice for Africa) oder die Entwicklung mehrjähriger Reispflanzen in China.

In dem Absatz über Agro-Gentechnik gibt die FAO lediglich eine Kurzform ihrer bekannten Position wieder: „Es wird behauptet, das gentechnische Veränderungen unter bestimmten Umständen helfen können, Erträge und Produktivität zu steigern. Jedoch wecken gentechnisch veränderte Organismen auch Befürchtungen über mögliche Risiken für die menschliche und tierische Gesundheit sowie die Umwelt. Mögliche Risiken und Chancen müssen sorgfältig für jeden einzelnen Fall abgewogen werden.“

Als Beleg für den behaupteten Nutzen verweist sie auf eine bekannte Übersichtsarbeit des Göttinger Agrarökonomen Matin Qaim aus dem Jahr 2014 und gibt lediglich dessen Ergebnisse in einer Fußnote wieder. Der ZDS allerdings stellt es so dar, als würde die FAO die von Qaim behaupteten Einsparungen an Pestiziden, an Ernte- und Einkommenssteigerungen, als ihre Position vertreten.

Was der ZDS nicht erwähnt, ist die große Herausforderung, die die FAO in ihrer Kurzfassung des Reports hervorhebt: „Ressourcenintensive landwirtschaftliche Systeme mit hohem Input haben massive Waldzerstörungen, Wasserknappheit, Bodenverarmung und ein hohes Niveau an klimaschädlichen Emissionen verursacht und liefern keine nachhaltig erzeugten Lebensmittel.“ Notwendig seien innovative Systeme, die die natürlich Ressourcen schützen, dennoch die Produktivität steigern und dabei traditionelles Wissen mit einbinden.