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Der Konzernatlas: Welche Unternehmen herrschen über unsere Ernährung?

Immer weniger Konzerne bestimmen weltweit über einen immer höheren Anteil der Lebens­mittel­erzeugung und Ernährung. Das zeigt der Konzernatlas 2017. Recherchiert und zusammengestellt haben diese Sammlungvon Fakten und Grafiken zur Agrarindustrie die Heinrich-Böll-Stiftung, Rosa-Luxemburg-Stiftung, Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Oxfam Deutschland, Germanwatch und Le Monde Diplomatique.

Die wichtigsten Zahlen: Inzwischen kontrollieren lediglich vier Großkonzerne rund 70 Prozent des Welthandels mit Agrarrohstoffen. Drei Konzerne dominieren 50 Prozent des Weltmarkts für Landtechnik. In Deutschland decken vier Supermarktketten 85 Prozent des Lebensmitteleinzelhandels ab. Werden die beschlossenen Megafusionen im Saatgut- und Chemiebereich von den Kartellbehörden genehmigt, würden nur drei Konzerne mehr als 60 Prozent des globalen Marktes für kommerzielles Saatgut und für Pestizide beherrschen: Bayer-Monsanto, Dupont-Dow und ChemChina-Syngenta.

In den einzelnen Kapiteln geht der Konzernatlas detailliert auf die jeweiligen Bereiche ein.Beschrieben wird zum Beispiel, wie die großen Saatgutkonzerne mit Hilfe von Partnerschaften und Lizenzen versuchen sich neue gentechnische Verfahren wie CRISPR-Cas oder Talen möglichst exklusiv zu sichern. „Monsanto und DuPont beabsichtigen, bis 2012 mit CRISPReditierte Kulturpflanzen auf den Markt zu bringen“, heißt es im Bericht. Da manche Regierungen, darunter die USA, solche Pflanzen nicht als Gentechnik regulieren wollen, erhalte diese Entwicklung einen zusätzlichen Schub.

Wenig bekannt sind die vier größten Agrarhändler der Welt, denen der Konzernatlas ein eigenes Kapitel widmet. Archer Daniels Midland, Bunge, Cargill (alle USA) und die Louis Dreyfus Company (Niederlande) kontrollieren 70 Prozent des weltweiten Handels mit Weizen, Soja, Mais und anderen Agrarrohstoffen. Hinzugekommen zu diesem Quartett ist in den letzten Jahren der staatliche chinesische Händler Cofco. Sie verfügen über Häfen, Schiffe und Verarbeitungsbetriebe wie Ölmühlen und kommen zusammen auf einen Umsatz von rund 350 Milliarden Dollar.

Der Konzernatlas beschreibtmit der Agrarökologie auch eine Alternative zum agrarindustriellen System.Für diese Alternative werden am Samstag, den 21. Januar in Berlin Zehntausende auf die Straße gehen, wenn es zum siebten Mal heißt: „Wir haben es satt!“ Diesmal mit dem Motto: Agrarkonzerne: Finger weg von unserem Essen.

Neue Studie: Roundup führt zu Fettleber

Eine in der Zeitschrift Nature veröffentlichte Studie kommt zu dem Schluss, dass das Herbizid Roundup in minimalen Dosen über längere Zeit aufgenommen die Leber schädigen kann.

Basis der Studie waren Leberproben einiger Ratten aus der bekannten Seralini-Studie von 2012. Den Tieren war zwei Jahre lang über das Trinkwasser eine minimale Dosis (0,05 ppb) Glyphosat verabreicht worden. Neben einer erhöhten Krebsraten wurden bereits damals Anzeichen für Leberschädigungen festgestellt. In der neuen Studie wurden nun die Leberproben nach verschiedenen wissenschaftlichen und statistischen Methoden ausgewertet. Das Augenmerk lag dabei auf Veränderungen von Eiweißen sowie auf der Analyse von Bio-Markern. Ingesamt ergab sich aus Sicht der Wissenschaftler das Bild von Tieren, die dabei sind, eine nicht-alkoholbedingte Fettleber und eine daraus folgende Leberentzündung zu entwickeln. Es gebe eine signifikante Überlappung zwischen den beobachteten Änderungen auf molekularer Ebene und den Biomarkern, die auf eine Fettleber hinweisen, schreiben die Autoren. Zudem würden sich die Beobachtungen mit den Untersuchungsbefunden der Lebern decken, die krankheitsbedingte Änderungen aufwiesen.

Angesichts des Wirbels, den die Seralini-Studie vor vier Jahren ausgelöst hatte, sind die Autoren in ihren Schlussfolgerungen sehr zurückhaltend. Sie empfehlen, den Versuch mit mehr Tieren zu wiederholen, um die statistische Aussagekraft zu erhöhen. Auch weisen sie ausdrücklich darauf hin, dass nicht der reine Wirkstoff Glyphosat untersucht wurde, sondern die gebrauchsfertige Herbizidmischung Roundup mit all ihren Zusatzstoffen. Ebenso findet sich kein Hinweis darauf, dass die nicht-alkoholbedingte Fettleber neben Diabetes bei den Ärzten inzwischen als Volkskrankheit gilt. Zudem kann die prinzipiell durch Ernährungsumstellung noch heilbare Fettleber zu chronischen Leberentzündungen und langfristig tödlichen Zirrhosen führen.

„Ohne Gentechnik“ heißt ohne Crispr & Co.

Der Verband Lebensmittel ohne Gentechnik (VLOG) hat klargestellt, dass neue gentechnische Verfahren wie CRISPR-Cas und den Einsatz von Oligonukleotiden ebenso wie die bisher bekanntenVerfahren strikt geregelt werden müssten. „Die so gezüchteten Pflanzen und Tiere sind genauso als gentechnisch veränderte Organismen (GVO) zu betrachten“, schreibt der VLOG.

Der Verband argumentiert, dass auch bei Befürwortern der neuen Verfahren unumstritten sei, dass es dadurch zu ungewollten Effekten kommen könne. Damit stehe fest, „dass mit den neuen Verfahren erzeugte Pflanzen und Tiere eingehend auf ihre Risiken untersucht werden müssen, bevor sie in der Landwirtschaft und der Lebensmittelproduktion eingesetzt werden.“ Sie müssten ein Zulassungsverfahren mit einer Risikobewertung durchlaufen, rückverfolgbar sein und gekennzeichnet werden. Eine solche strikte Regulierung der neuen Gentechnik-Verfahren sei unverzichtbar, „weil ansonsten Transparenz und Wahlfreiheit für Verbraucher sowie der Schutz der gentechnikfreien Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion nicht gewahrt werden können.“

Der VLOG, dem zahlreiche Unternehmen der Lebensmittelindustrie und des Handels angehören, ist Träger des „Ohne Gentechnik“-Siegels. Dieses stößt bei den großen Handelsketten auf immer mehr Nachfrage. Der VLOG geht davon aus, dass bis Ende 2017 der gesamte LEH nur noch Eigenmarken-Milch verkaufen wird, die unter Einsatz von gentechnik-freien Futterpflanzen hergestellt wurde.

 

 

 

 

 

Zulassung korrekt: EU-Gericht hat keine Bedenken gegen Gen-Soja

Das Europäische Gericht hat eine Klage mehrerer Nichtregierungsorganisationen (NGOs) gegen die Zulassung der Gentechnik-Sojabohne Intacta der Firma Monsanto zurückgewiesen. Die NGOs hatten bemängelt, dass die Risikoabschätzung der Gentech-Bohne durch die EU-Lebensmittelbehörde EFSA, auf der die Zulassung basierte, lückenhaft gewesen sei. Nach Auffassung des Gerichts jedoch wurde die Bohne entsprechend den gesetzlichen Vorgaben auf ihre Risiken geprüft. Es sei den Klägern nicht gelungen „die Feststellungen der Kommission zu entkräften“, schrieb das Gericht.

Gegenstand des Verfahrens war die Gentech-Sojabohne Intacta von Monsanto, die 2012 von der EU-Kommission für die Einfuhr als Lebens- und Futtermittel zugelassen worden war. Die Pflanze produziert als Insektengift ein sogenanntes Bt-Toxin und ist gleichzeitig unempfindlich gegenüber dem Herbizid Glyphosat. Testbiotech, das Europäische Netzwerk kritischer WissenschaftlerInnen (ENSSER) und der Verein Sambucus legten bei der EU-Kommission Beschwerde gegen die Zulassung ein, die Kommission lehnte die Beschwerde als unbegründet ab. Vor dem Europäischen Gericht verlangten die drei Organisationen daraufhin, diese Ablehnung der Kommission für nichtig zu erklären.

Es war das erste Mal, dass das Gericht eine Klage von NGOs gegen eine Importzulassung von Gentechnik-Pflanzen verhandelt hat. Die Klage an sich sei zulässig, schrieb das Gericht und wies das Ansinnen der Gegenseite zurück, die rechtliche Überprüfung „müsse stark begrenzt werden und sich auf offensichtliche Beurteilungsfehler beschränken, die von Nicht-Wissenschaftlern leicht entdeckt werden könnten“. Nach Ansicht des Gerichts reicht es aus, wenn Organisationen Tatsachen und Beweise vorbringen, „die erhebliche Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Zulassungserteilung begründen können.“ Doch es sei den Klägern nicht gelungen „Zweifel zu wecken, mit denen die Feststellungen der Kommission entkräftet werden könnten , wonach

  • 1) sich die Zusammensetzung der genetisch veränderten Sojabohnen und die der herkömmlichen Sojabohnen nicht erheblich unterschieden, und zwar weder in statistischer noch in biologischer Hinsicht,
  • 2) die mögliche Toxizität der genetisch veränderten Sojabohnen angemessen bewertet worden sei und
  • 3) das von genetisch veränderten Sojabohnen ausgehende Allergierisiko angemessen bewertet worden sei.“

„Tatsächlich ist die Risikoprüfung der EFSA lückenhaft. So wurden beispielsweise die Wechselwirkungen zwischen den Rückständen von Glyphosat und den in den Pflanzen gebildeten Insektengiften nicht untersucht“, kommentierte Christoph Then für Testbiotech das Urteil. „Wir werden in der Sache nicht locker lassen, auch wenn das Gericht jetzt anders entschieden hat. Zugleich werden wir die Entscheidung des Gerichts in Ruhe analysieren.“

 

 

 

 

 

 

Anbauverbote: Bundesrat zeigt Minister Schmidt die rote Karte

Die Bundesländer haben die vom Kabinett beschlossene Änderung des Gentechnikgesetzes abgelehnt und dem Bundestag nahegelegt, bei seinen Beratungen nachzubessern. Da der Bundesrat dem endgültigen Gesetz abschließend zustimmen muss, dürfte der Entwurf in seiner derzeitigen Form damit gescheitert sein.

In seiner Stellungnahme zeigte sich der Bundesrat „enttäuscht über den vorgelegten Gesetzentwurf“. Er erinnerte an „die konstruktiven Bund-Länder-Gespräche zur Kompromissfindung“ im Frühjahr 2016. „Gemessen daran läuft der vorliegende Entwurf der erzielten Verständigung in ganz wesentlichen Punkten zuwider“, schreibt die Länderkammer und „hält eine Nachbesserung des Gesetzentwurfs deshalb für dringend geboten.“ Anschließend listet der Bundesrat auf zehn Seiten konkrete Änderungsvorschläge mit Begründung auf.

Stellung nimmt der Bundesrat auch zu dem Versuch der Bundesregierung, in der Begründung zu ihrem Gesetzentwurf neuartige gentechnische Züchtungsverfahren quasi im Vorbeigehen zu regeln. Er teile „die dargelegte Auffassung der Bundesregierung zu den neuen Gentechniken nicht. Er hält es auch nicht für sachgerecht, in die Begründung zum Gesetzentwurf Auslegungsvorgaben zu den neuen Gentechniken aufzunehmen, die keinerlei Bezug zum Regelungsteil des Entwurfs haben“, schreibt der Bundesrat. Statt dessen sollten, solange es keine europäische Entscheidung darüber gibt, „alle Organismen, die mit Hilfe der neuen Gentechniken erzeugt werden, zunächst dem Gentechnikgesetz unterfallen.“

Der Bio-Dachverband BÖLW begrüßte den Beschluss des Bundesrates: „Die Bundesländer haben die Sorgen zehntausender gentechnikfrei wirtschaftender Landwirte, Hersteller und Händler aufgegriffen. Mit den Verbesserungen, die der Bundesrat eingefordert hat, würde das Gentechnik-Gesetz deutlich besser. Dem Länder-Appell muss der Bundestag jetzt nachkommen“, sagte der BÖLW-Vorsitzende Felix Prinz zu Löwenstein. Die SPD-Bundestagsfraktion hatte schon bei der ersten Lesung Anfang Dezember Nachbesserungsbedarf angemeldet. Nächster Termin ist jetzt der 16. Januar 2017. Da lädt der Bundestag zu einer öffentlichen Anhörung ein.

 

 

Glyphosat-Studien: EFSA rückt die Daten raus

Die EU-Lebensmittelbehörde EFSA hat die Rohdaten freigegeben, die bei der EU-Sicherheitsbewertung des Pestizids Glyphosat verwendet wurden. Die Informationen übermittelte die Behörde an eine Gruppe von Abgeordneten des Europäischen Parlaments, die einen offiziellen Antrag auf Einsicht in die Daten gestellt hatte.

Die EFSA ließ erklären, sie bekenne sich „nachdrücklich zur Offenheit bei ihren Risikobewertungen und begrüßt diese Gelegenheit, die Transparenz der Glyphosat-Bewertung zu erhöhen.“ Tatsächlich hat die Behörde sich jahrelang geweigert, die ihr vorliegenden und nie publizierten Industriestudien zu veröffentlichen. Erst musste der Europäische Gerichtshof in einem aufsehenerregenden Urteil klarstellen, dass EU-Bürger ein Recht haben, Unterlagen für die Risikobewertung von Pestiziden einzusehen.

Versteckt hatten sich die EFSA und die EU-Kommission dabei hinter der Pestizidherstellern, die eine Veröffentlichung der Studien mit dem Hinweis auf vertrauliche Daten und Geschäftsgeheimnisse ablehnten. Anstatt Fakten zu schaffen, hatte EU-Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis noch im April 2016 in einem freundlichen Brief versucht, den Herstellerverband Glyphosat Task Force zu überzeugen: „Ich glaube, dass eine proaktive Veröffentlichung aller Studien inklusive der zugrundeliegenden Rohdaten durch die Glyphosate Task Force nützlich für die gesamte Gesellschaft wäre und den weiteren Diskussions- und Entscheidungsprozess erleichtern würde“, schrieb der Kommissar. Die Hersteller boten damals an, einen Leseraum einzurichten, in dem Abgeordnete die Daten einsehen könnten.

Eine unabhängige Bewertung der nun vorgelegten Rohdaten der Industriestudien ist deshalb besonders wichtig, weil die europäische Chemiebehörde ECHA derzeit an einer Neubewertung von Glyphosat arbeitet und der zugrundeliegende Bericht der deutschen Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) zum Thema Krebsrisiko lediglich den bisherigen Standpunkt des für die Risikobewertung federführenden Bundesinstituts für Risikobewertung wiederholt.

 

 

Weizen: Konzernhybride oder freies Saatgut?

Das Bundeslandwirtschaftsministerium war letzte Woche Gastgeber eines Internationalen Weizenkongresses. Dessen Thema war Züchtungsforschung, um eine wachsende Weltbevölkerung zu ernähren. Gentechnik und Hybridzüchtungen lauteten die Antworten. Aktion Agrar und die internationalen Saatgutkampagne nutzten den Kongress und thematisierten, um was es den Saatgutkonzernen dabei geht: Marktbeherrschung.

Bereits 2011 starteten die großen Industriestaaten der G20-Gruppe unterstützt von den großen Saatgutkonzernen eine Weizen-Initiative. Mit dem Weizenkongress will Deutschland, dass 2017 die Präsidentschaft der G20-Gruppe übernimmt, deutlich machen, welchen Stellenwert es dem Thema einräumt. Für die Aktion Agrar ist das ein Grund zur Sorge: „Das Bundesforschungsministerium und das Bundesagrarministerium unterstützen derzeit mit millionenschweren Förderprogrammen wie „Hywheat“, „Restorer“ und „Zuchtwert“ die Entwicklung von Hybridweizen. Kooperationspartner sind unter anderem: Bayer, Syngenta, KWS, Nordsaat und Limagrain.“ Dabei würde mittels gentechnischer Verfahren der Selbstbefruchter Weizen kastriert, um ihm dann Hybridnachkommen aufzuzwingen. Zum Einsatz käme dabei auch das Gensequenzierungsverfahren CRISPR-Cas9.

Hybride würden den Konzernen perfekt ins Konzept passen, kritisieren die Agrar-Aktivisten, „weil die späteren Samen von solchen Pflanzen nicht wieder ausgesät werden können und deshalb Bäuerinnen und Bauern gezwungen sind, jedes Jahr neues Saatgut einzukaufen. Gerade bei Weizen wäre das weltweit katastrophal: Bisher wird das Saatgut für dieses Getreide, das zusammen mit Mais und Reis weltweit wichtigste Nahrungspflanze ist, noch zu einem großen Teil von Bauern aus der eigenen Ernte gewonnen.“ Die Aktion Agrar und die Saatgutkampagne haben deshalb einen Appell an Forschungsministerin Wanka und Agrarminister Schmidt ins Netz gestellt. Dessen Unterzeichner fordern, dass die derzeitige Hybridforschungsförderung eingestellt und stattdessen ein Förderschwerpunkt auf bäuerliche Züchtung auf dem Feld gelegt wird: Freies Weizensaatgut statt Konzerngetreide.

 

Umweltministerin lehnt Gene-Drives in freier Wildbahn ab.

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks hat sich dagegen ausgesprochen gentechnisch veränderter Organismen (GVO) freizusetzen, die mit einem Gene-Drive ausgestattet sind. Als Gene-Drives werden Manipulationen am Erbgut bezeichnet, durch die sich eine bestimmte Eigenschaft besonders schnell in einer Population ausbreitet.

In ihrer Antwort auf einen offenen Brief mehrerer Umwelt- und Landwirtschaftsorganisationen schreibt die Ministerin, dass Gene-Drives erhebliche Auswirkungen auf Ökosysteme haben können und „daher besondere Vorsicht bei der Forschung und Risikobewertung walten sollte.“ Sie werde sich innerhalb der Bundesregierung dafür einsetzen, „dass aus Vorsorgegründen keine Organismen mit Gene Drive freigesetzt werden dürfen, solange keine ausreichende Risikobewertung durchgeführt werden kann und kein hohes Schutzniveau gewährleistet wird.“ Bisher lägen aber in Europa keine Anträge mit Gene Drive vor.

Verhandelt wird über solche Manipulationen derzeit in Cancun in Mexiko im Rahmen des Treffens der Vertragsstaaten des Übereinkommens über biologische Vielfalt und des dazugehörigen Cartagena-Protokolls. Dort werde über Gene Drives „allenfalls indirekt“ diskutiert, schreibt die Ministerin und zudem sei für das Cartagena-Protokoll Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt federführend zuständig.

„Wir begrüßen die Stellungnahme von Frau Dr. Hendricks und fordern die Bundesregierung auf, sich für ein „Gen-Drive“-Moratorium auf der anstehenden Vertragsstaatenkonferenz stark zu machen“, sagte Annemarie Volling, Gentechnik-Expertin der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft. Zudem müsse sich die Bundesregierung für wirksame Maßnahmen gegen jegliche unkontrollierte Ausbreitung gentechnisch veränderter Organismen einsetzen. Dieses Problem erfordert eine wesentlich größere Aufmerksamkeit und ein energisches Handeln,“ sagte Volling.

Weltweit haben sich 160 Organisationen an die Vertragsstaatenkonferenz gewandt und gefordert, ein Moratorium für Gene Drives in der UN-Konvention für biologische Vielfalt zu verankern. Diese Technik bedrohe die Artenvielfalt ebenso wie die Ernährungssicherheit und die nationale Souveränität, heißt es in dem Appell.

Gentechnik-Gesetz: SPD drückt im Bundestag auf die Bremse

Die Bundesregierung hat trotz der Kritik aus den Bundesländern ihren Entwurf für eine Änderung des Gentechnikgesetzes in den Bundestag eingebracht. Festgelegt werden soll darin das Prozedere, nach dem in Deutschland nationale Anbauverbote für Gentechnik-Pflanzen erlassen werden können. Nun hat die SPD-Bundestagsfraktion Diskussionsbedarf angemeldet und will den Entwurf – dem die SPD-Minister in der Bundesregierung zugestimmt haben – in wesentlichen Punkten ändern.

„Die Regelung muss unkompliziert und unbürokratischer gestaltet werden und die Bundesländer entlasten“, formulierten die zuständigen SPD-Abgeordneten Elvira Drobinski-Weiß und Matthias Miersch ihr Kernanliegen. Deshalb wollen sie das vorgesehene Abstimmungsverfahren auf Umwelt- und Landwirtschaftsministerium begrenzen. Bisher muss laut Entwurf für ein Verbot Einvernehmen zwischen sechs Ministerien hergestellt werden. Außerdem soll sich der Bund stärker einbringen, wenn es darum geht, die juristischen Begründungen für die Anbauverbote zu erarbeiten. „Weitere Änderungen sind notwendig, um die Saatgutreinheit nicht zu gefährden und neue Gentechnik-Technologien im Sinne des Vorsorgeprinzips zu regulieren“, heißt es in der Mitteilung der Fraktion. Und abschließend: „Das Gesetz ist in seiner jetzigen Form für die SPD-Bundestagsfraktion nicht zustimmungsfähig.“

Das verspricht Spannung für den weiteren Gesetzgebungsprozess: Nach der 1. Lesung letzten Freitag im Bundestag und der Stellungnahme des Bundesrats am 16. Dezember lädt der Agrarausschuss des Bundestages für den 16. Januar 2017 zu einer öffentlichen Anhörung ein. Die zweite Lesung im Bundestag soll dann voraussichtlich im Februar folgen. Dabei dürfte dann auch der Gesetzentwurf des Bundesrats zum Gentechnikgesetz beraten werden, den die Länder bereits im Herbst 2015 beschlossen hatten. Die grüne Bundestagsfraktion hat ihn als Antrag in die Beratungen eingebracht.

 

Neue Studien: Bt-Pflanzen sind ungesund für Ratten und Bodenpilze

Das Portal GMWatch hat auf zwei aktuelle Studien zu genmanipulierten Pflanzen hingewiesen, die Bt-Toxine produzieren. In einer ägyptischen Fütterungsstudie mit MON 810 – Mais zeigten sich mikroskopische Schäden an den Darmzellen von Ratten. Chinesische Wissenschaftler stellten fest, dass Bt-Baumwolle für die Bodenfruchtbarkeit wichtige Pilze unterdrückt.

Wissenschaftler der medizinischen Fakultät der Universität von Tanta hatten Ratten über 90 Tage mit Ajeeb YG gefüttert, der ägyptischen Variante des Gentech-Maises MON 810. Für die geplante Vermarktung in Ägypten hatte Monsanto das manipulierte MON 810 Erbgut in die regionale Maissorte Ajeeb eingekreuzt. Die Forscher fütterten die Ratten mit einer Diät, die 30 Prozent Ajeeb YG enthielt, während die Kontrollgruppe gentechnikfreien Mais erhielt. Nach 90 Tagen zeigten sich bei den mit Bt-Mais gefütterten Ratten mikroskopische kleine Schädigungen in der Schleimhaut des Dünndarms. GMWatch zeigt die Bilder der Schäden, weist aber auch auf die methodischen Einschränkungen der Studie hin. So wurde nicht vorab untersucht, ob der Bt-Mais möglicherweise verschimmelt oder stark mit Pestiziden belastet war. Andererseits hatten bereits zwei ägyptische Studien aus dem Jahr 2012 negative Auswirkungen von Ajeeb YG in Fütterungsversuchen gezeigt. Daraufhin stoppte die Regierung 2013 den kommerziellen Anbau.

Wissenschaftler der landwirtschaftlichen Fakultät der Universität Wuhan hatten die Auswirkungen von drei in China entwickelten Sorten von Bt-Baumwolle (Jin26, GK12 and Jin44) auf Bodenpilze der Art Rhizophagus irregularis untersucht. Sie stellten fest, dass die Bt-Pflanzen die Entwicklung des Bodenpilzes behinderten und ihre Wurzeln im Vergleich zu den drei identischen aber gentechnikfreien Baumwollsorten deutlich weniger mit den Bodenpilzen besiedelt waren. Da der Bodenpilz wichtig für den Nährstofftransport vom Boden in die Pflanze ist, zeigten die Bt-Pflanzen auch ein geringeres Wachstum.  In einer Besprechung der Studie auf theecologist.org weist die Gentechnik-Kritikerin Eva Sirinathsinghji auf die wichtigen Funktionen der Bodenpilze für die Fruchtbarkeit der Böden ebenso wie für die Pflanzenkommunikation hin. Der Nachweis der Schädigung durch Bt-Pflanzen ist für sie eine „letzte Warnung“.