Archiv der Kategorie: Allgemein

Studie: Golden Rice zeigt bei Kreuzung unerwartete Nebeneffekte

Golden Rice wurde gentechnisch so manipuliert, dass er betacarotinreiche gelbe Körner erzeugt. Um diese Eigenschaft großflächig verfügbar zu machen, muss die manipulierte Reissorte mit regional verbreiteten Hochertragsreissorten gekreuzt werden. Dabei kann einiges schiefgehen, wie eine im Journal PLOS veröffentlichte Arbeit zeigt:

Indische Pflanzengenetiker hatten, staatlich gefördert, Golden Rice mit der in Indien weit verbreiteten Reissorte Swarna gekreuzt und die neuen Pflanzen im Labor angebaut. Sie zeigten ein deutlich gestörtes Wachstum, blassgrüne Blätter und eine starkt reduzierte Ernte. Auf der Suche nach den Ursachen fanden die Forscher mehrere Erklärungen: Zum einen beeinträchtigte das zusätzlich eingebaute Genkonstrukt die Funktion eines natürlichen Gens, welches das Wachstum der Pflanzen fördert. Zum andern waren die zusätzlichen Gene nicht wie geplant nur in den Körnern aktiv, sondern auch in den Blättern. Dadurch verminderte sich der Gehalt des für die Pflanzen lebensnotwendigen Chlorophylls.

Der Verein Testbiotech wies darauf hin, wie wichtig diese Ergebnisse für die Risikobewertung sind. Es sei ein generelles Problem, dass genetische Effekte, die bei der Kreuzung von Gentechnik-Pflanzen mit bestimmten Sorten auftreten könnten, bei der Risikoprüfung nicht untersucht würden. Gefährlich kann das werden, wenn das Erbgut solcher transgenen Reispflanzen freigesetzt wird und in Wildreis und andere Reissorten gelangt. In den dabei entstehenden Nachkommen könnten genetische Effekte auftreten, die vorher nicht absehbar sind. Werden die Schäden bemerkt, könnte es bereits zu spät sein, um die Transgene wieder aus der Umwelt zu entfernen. „Statt bei der Bekämpfung der Vitamin-A-Mangelkrankheit zu helfen, könnten diese Gentechnik-Pflanzen zu einer Gefahr für die gesamte Reisernte einer Region werden“, brachte es Testbiotech-Geschäftsführer Christoph Then auf den Punkt.

Obwohl Golden Rice seit über 15 Jahren als Beispiel für den gesundheitlichen Nutzen der Agro-Gentechnik herhalten muss: Bisher gibt es noch keine „Golden Rice“-Sorten, die für den kommerziellen Anbau geeignet wären., bestätigt aus das für Golden Rice zuständige Internationale Reisforschungsinstitut IRRI.

Großbritannien erlaubt neuen Versuch mit Gentech-Weizen

Das britischen Agrarforschungsinstitut Rothamsted Research und die Universitäten Essex und Lancaster werden in diesem Frühjahr nördlich von London gentechnisch manipulierten Weizen anbauen. Er enthält ein Gen aus einem verwandten Gras und soll damit Sonnenlicht und CO2 besser in Biomasse umwandeln und so höhere Erträge liefern. Die zuständige Behörde hat Anbauversuche bis 2019 erlaubt. Genehmigt wurde eine Versuchsfläche von insgesamt einem halben Hektar Größe und einem Sicherheitsabstand zu benachbarten Feldern von 20 Metern.

Der manipulierte Weizen soll mit Hilfe des neuen Gens mehr von einem bestimmten Enzym produzieren, das Teile der Fotosynthese steuert. Bei Versuchen im Labor hätten die Gentechlinien bis zu 40 Prozent höhere Erträge geliefert und zudem mehr Biomasse erzeugt und damit CO2 gebunden, behauptet Rothamsted Research. Nicht eine ineffiziente Fotosynthese sei die Ursache für den Hunger in der Welt, sondern Armut, halten gentechnikkritische Organisationen wie GM Freeze dagegen, Sie hatten erfolglos Einwendung gegen den Versuch erhoben und insbesondere auf die Gefahr hingewiesen, dass die herkömmliche Weizenernte Großbritanniens verunreinigt werden könnte. Als Beispiele dienten Fälle in den USA, in denen noch Jahre nach Feldversuchen mit Gentech-Weizen Pflanzen mit dem manipulierten Erbgut gefunden wurden. Eine weitere Sorge ist, dass das Landwirtschaftsministerium den kommerziellen Anbau von Gentech-Pflanzen nach dem Brexit weitaus großzügiger handhaben könnte als das nach EU-Recht möglich war.

 

BVL warnt vor Baukästen mit Genmanipulationen zum Selbermachen

Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit warnt vor Baukästen im Internet, mit denen Hobby-Gentechniker daheim und ohne zusätzliche Geräte das Erbgut von Organismen, wie E. coliBakterien, manipulieren können. Angeboten werden diese Do-it-yourself-Sets (DIY-Kits) von der US-Firma Amino Lab.

Das BVL schreibt: „Derartige Experimente im heimischen Hobbykeller mögen lehrreich und spannend sein. Abhängig vom konkreten DIY-Kit gilt dafür jedoch das Gentechnikrecht. Dies ist immer dann der Fall, wenn das DIY-Kit gentechnisch veränderte Organismen (GVO) enthält oder wenn damit GVO erzeugt werden.“ Solche Arbeiten dürften nach dem deutschen Gentechnikgesetz „nur in gentechnischen Anlagen durchgeführt werden, also in geeigneten, behördlich überwachten Laboren unter Aufsicht eines sachkundigen Projektleiters.“ Wer solche DIY-Kits bestelle und außerhalb gentechnischer Anlagen entsprechend anwende, riskieret eine Geldbuße bis zu fünfzigtausend Euro. Falls dabei GVO freigesetzt würden, drohe sogar eine Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren.

Anders ist die Rechtslage in den USA berichtet der MDR und zitiert Amino Lab: Hunderte Schulen würden DIY-Kits im Unterricht benutzen. „Alle Mikroorganismen, die wir nutzen, fallen unter das Sicherheitsniveau 1. Das bedeutet: In Nord-Amerika brauchst du kein spezielles Training, um die Experimente durchzuführen.“

Testbiotech: In der EU gibt es Nachkommen geklonter Rinder

Nach einem Bericht von Testbiotech sind zwei Kühe, die von geklonten Bullen abstammen, in einem Register britischer Züchter eingetragen. Laut den vorliegenden Angaben haben sie bereits Nachkommen. Testbiotech vermutet, dass es in der EU noch wesentlich mehr Tiere gibt, die von geklonten Bullen abstammen. Denn es fehlt eine verbindliche Kennzeichnung.

Im Auftrag der Grünen/EFA-Fraktion im Europäischen Parlament hatte Testbiotech recherchiert, dass für die Rinderzucht jedes Jahr etwa 30 bis 40 Tonnen Bullensperma aus den USA in die EU importiert werden. Weitere Importe kommen aus Kanada. Darunter kann sich auch Material von geklonten Bullen befinden, die insbesondere in den USA seit Jahren zu Zuchtzwecken eingesetzt werden. Erkennbar ist dies nicht, da es kein eigenes Register für das Sperma geklonter Tiere gibt. Nur die Züchter selbst wissen, welches Sperma sie für künstliche Befruchtungen einsetzen. Testbiotech befragte Züchterorganisationen in Deutschland und den Niederlanden. Beide versicherten, dass sie kein Sperma geklonter Bullen verwenden würden. Eine Nachprüfung war allerdings nicht möglich, da die Organisationen keinen öffentlichen Einblick in ihre Zuchtbücher gewähren. Anders in Großbritannien, wo solche Aufzeichnungen öffentlich zugänglich sind. Dort entdeckten die Rechercheure zwei Kühe, die das Kürzel ETN trugen, das für die Abstammung von einem geklonten Bullen steht. Beide haben bereits zwei Kälber zur Welt gebracht, die im Zuchtbuch nicht mehr mit ETN gekennzeichnet sind.

Das Europäische Parlament tritt, ähnlich wie der Deutsche Bundestag und die Bundesregierung, für ein Verbot von geklonten Tieren in der Landwirtschaft ein. Grund dafür sind vor allem ethische Bedenken: Beim Klonen kommt es aufgrund von Störungen der Genregulation oft zu Krankheiten und Todesfällen bei den Tieren. Deswegen verlangt das EU-Parlament, dass die Klone, ihre Nachkommen und das Zuchtmaterial erfasst und gekennzeichnet werden müssen. So soll verhindert werden, dass die Tiere und von ihnen gewonnene Lebensmittel unbemerkt auf den Markt gelangen.

Eine solche Regelung könnte in Zukunft durch das Freihandelsabkommen CETA mit Kanada als unnötiges Handelshemmnis verhindert werden, lautet eine weitere Schlußfolgerung des Berichts. Testbiotech beruft sich dabei auf ein nicht veröffentlichtes Gutachten des Wissenschaftlichen Dienstes des Deutschen Bundestages. „Wenn diese Frage jetzt nicht geklärt wird, könnte sich CETA für all jene, die der Ansicht sind, dass die Interessen der VerbraucherInnnen Vorrang vor freiem Handel haben sollten, zum Albtraum entwickeln“, kommentierte Testbiotech-Geschäftsführer Christoph Then die Ergebnisse des Berichts.

Mehr als Mais und Soja: Testbiotech informiert über neue Gentech-Organismen und Verfahren

Der Verein Testbiotech will der Gentechnik-Debatte unter dem Titel „Der Gentechnik Grenzen setzen!“ neue Impulse verleihen. Im Mittelpunkt der Kampagne stehen neue gentechnische Verfahren und gentechnisch veränderten Organismen, derzeit auf uns zukommen. Verbunden ist die Information mit Mitmachaktionen, die dazu beitragen sollen, im Jahr der Bundestagswahl von den Parteien und ihren Kandidaten politische Verantwortung einzufordern.. „Mit unserer Aktion wollen wir eine informierte und kritische Auseinandersetzung ermöglichen. Wir hoffen, dass viele engagierte Menschen davon Gebrauch machen“, sagt Testbiotech-Geschäftsführer Christoph Then.

Zu Begin der Kampagne stellte Testbiotech gentechnisch veränderte Äpfel, Fische und Insekten der US-Firma Intrexon vor. Die Äpfel wurden 2016 erstmals in größeren Mengen geerntet und sollen 2017 in den USA vermarktet werden. Sie sehen in aufgeschnittenen Zustand auch dann noch appetitlich und frisch aussehen, wenn sie es längst nicht mehr sind. Bis 2018 will Intrexon über eine halbe Million dieser Bäume gepflanzt haben. Mit genmanipulierten Mücken verspricht das Unternehmen, Krankheiten wie Denguefieber oder Zika zu bekämpfen und hat in Süd- und Mittelamerika schon Millionen Tiere freigesetzt. In Europa würde Intrexon gerne manipulierte Frucht- und Olivenfliegen testen.

Würden diese Pläne realisiert, wäre es mehr oder weniger unmöglich, die Ausbreitung der Gentechnik-Insekten zu kontrollieren. Somit wäre es auch nicht möglich, etwaige negative Folgen für die Ökosysteme zu verhindern, warnt Testbiotech

 

Gentechnik-Foschung: Mensch und Schwein in einem Embryo

US-Forscher haben aus Stammzellen von Menschen und Schweinen erstmals Chimären erzeugt, Mischwesen aus Mensch und Schwein. Sie züchteten Embryonen, die Zellen vom Schwein und Menschen zugleich enthielten und sich im Körper einer Sau vier Wochen lang entwickelten, bevor sie getötet wurden, berichtete die Süddeutsche Zeitung. Langfristiges Ziel der Forschung sind Chimären, die Gewebe und Organe aus menschlichen Zellen für die Transplantation liefern.

Die Organisation Testbiotech kritisierte das Experiment. Sie befürchtet eine Entwicklung, durch die der Schutz der Menschenwürde massiv angegriffen und erheblich beschädigt werde. Zudem bestehe das Risiko, dass Krankheitserreger wie Viren sich über die Artgrenzen hinweg anpassen könnten. „Ein medizinischer Nutzen wird zwar behauptet, ist derzeit aber nicht absehbar. Es sind jedoch erhebliche negative Auswirkungen zu erwarten: Durch diese Art von Forschung steigt nicht nur die Zahl der Tierversuche immer weiter an, vielmehr droht auch der Mensch selbst zunehmend zum Objekt von Laborexperimenten zu werden“, warnte Christoph Then, der Geschäftsführer von Testbiotech: „Schon jetzt hat man den Eindruck, dass der Mensch für manche Akteure nichts anderes ist, als ein besonders profitables Versuchstier.“ Testbiotech fordert im Rahmen der Aktion „Der Gentechnik Grenzen setzen“, dass die Herstellung solcher Chimären von Mensch und Tier verboten wird.

Erlaubt wäre sie auch in Deutschland, bestätigte in einem Interview in der Welt der Münchner Molekularbiologe Eckhard Wolf, der ebenfalls an Schweinen arbeitet, die Ersatzorgane für Menschen liefern sollen. „So, wie die Entwicklungsbiologen in San Diego vorgegangen sind, dürfen Wissenschaftler auch in Deutschland arbeiten“, sagte Wolf in dem Interview.

Anbauzulassung für Gentechmais: Es bleibt beim üblichen Patt

Der für die Zulassung von Gentech-Pflanzen zuständige Auschuss der EU-Mitgliedstaaten konnte vergangenen Freitag keine Entscheidung treffen. Weder für noch gegen die Zulassung der Maissorten MON 810, Bt 11 und 1570 kam eine qualifizierte Mehrheit zustande. Dazu wären 55 Prozent der Mitgliedsländer und 65 Prozent der EU-Bevölkerung notwendig gewesen.

Nach Mitteilung des grünen Europaabgeordneten Martin Häusling stimmten zehn Länder für die Zulassung von Mon 810 und je acht für die Sorten Bt 11 und 1507. Zu den Befürwortern zählten die Niederlande, Großbritannien, Spanien, Rumänien und Italien. Abgelehnt wurden die Maissorten von 12 respektive 13 Ländern, darunter Dänemark, Frankreich, Österreich, Ungarn und Polen. Enthalten hatten sich bei MON 810 sechs und bei Bt11 und 1507 sieben Staaten, darunter Portugal, Belgien und Deutschland. Zuvor hatten die Grünen im Bundestag noch versucht, die Bundesregierung auf ein Nein festzunageln, doch die Regierungsfraktionen lehnten einen enstprechender Antrag ab. SPD-Abgeordnete argumentierten, dass die CDU-Fraktion ein EU-weites Verbot des Genmaises nicht mittrage und die Bundesregierung sich deshalb in Brüssel lediglich enthalten könne. „Es ist eine Schande, dass die deutsche Bundesregierung und einige andere Regierungen ihren Kopf in den Sand stecken und sich hinter einer Enthaltung verstecken“, kritisierte Martin Häusling. „Sie riskieren so, dass Genpflanzen in der EU zugelassen und angebaut werden.“

Denn nach dem Patt ist nun die EU-Kommission am Zug. Sie kann – wenn es auch im Berufungsausschuss einPatt gibt – die Zulassungen im Alleigang erteilen. Mute Schimpf, Gentechnikexpertin bei Friends of Earth Europe, erinnerte deshalb Kommissionspräsident Juncker daran, dass er versprochen habe, die Entscheidungen über Gentechnik demokratischer zu gestalten. „Es wäre jetzt an der Zeit, die Zulassungen ein für alle mal zurückzuweisen“, sagte Schimpf. Die EU-Kommission hatte hingegen kalkuliert, dass die gentechnikritischen EU-Mitgliedsländer dem Anbau auf EU-Ebene zustimmen könnten, da sie selbst ja durch die Opt-out-Regelung nationale Anbauverbote verhängen können. Doch diese Rechnung ist nicht aufgegangen. Nun liegt der Schwarze Peter wieder bei der Kommission.

 

 

 

 

Einspruch gegen Patente auf Bier eingelegt

Mehrere Nichtregierungsorganisationen (NGO) haben Einspruch gegen europäische Patente eingereicht, die den Brauereikonzernen Carlsberg und Heineken gehören. Das Europäische Patentamt hatte ihnen diese Patente im vergangenen Jahr zugesprochen. Die zwei Patente, gegen die sich der Einspruch richtet, basieren nach Angaben der NGOs auf zufälligen Mutationen im Erbgut der Gerste (EP2384110 und EP2373154). Deren Ernte soll sich deswegen besonders gut für das Bierbrauen eignen.. Jedes der Patente umfasst die Pflanzen, deren Ernte, den Prozess des Bierbrauens, Produkte wie Malz und Würze sowie jegliche auf diese Weise produzierten Getränke. Gegen ein drittes Patent (EP2575433), für das Carlsberg die Eigenschaften dieser Gerste durch weitere Züchtung kombinierte, ist ein Einspruch geplant.

Das europäische Patentrecht verbietet Patente auf Pflanzensorten sowie auf konventionelle Züchtung. „Diese Patente sind nicht erfinderisch, sie beruhen vielmehr auf einem Missbrauch des Patentrechts und müssen deswegen widerrufen werden“, erklärte Georg Janßen, Bundesgeschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL). Seiner Meinung nach versuchen Carlsberg und Heineken mit den Patenten, ihre Marktmacht auf Kosten von Verbrauchern, Landwirten und andere Brauereien auszuweiten.

Carlsberg ist nach der Fusion von Anheuser-Busch und SAB Miller der drittgrößter Bierkonzern der Welt, Heineken liegt auf Platz zwei. Zu Carlsberg zählen die Marken Carlsberg und Tuborg sowie in Deutschland Astra, Holsten und Hannen Alt. Heineken gehört die Hälfte bekannter deutscher Biermarken wie Paulaner, Hacker-Pschorr und Kulmbacher.

 

 

 

 

USA: Ausgebrochenes Gentech-Gras wird legalisiert – und Monsanto muss nicht zahlen

Das US-Landwirtschaftsministerium hat gentechnisch manipuliertes weißem Straußgras (creeping bentgrass) endgültig erlaubt. Diese Grassorte wurde von den Firmen Scotts und Monsanto eigentlich für Golfplätze entwickelt. Doch von dort ist es längst entkommen und wurde zu einem Paradebeispiel nicht wieder rückholbarer Eingriffe in die Natur.

Monsanto hatte die Zulassung für das leicht zu pflegende Grün bereits 2002 beantragt und damals auch ein 162 Hektar großes Versuchsfeld angelegt. Gentechnik-Kritiker warnten, dass die Pollen des Grases meilenweit mit dem Wind verfrachtet werden könnten und so die Roundup-Resistenz auf wilde Grassorten überspringen könnte. Auch würden sich die winzigen Samen schnell außerhalb des Testgeländes verbreiten. So kam es auch und in den darauf folgenden Prozessen wurden die Firmen zu einer halben Million Dollar Strafe verurteilt und das Landwirtschfatsministerium bekam einen richterlichen Rüffel, weil es keine Umweltprüfung vorgenommen hatte. Das war das vorläufige Aus für das Gentech-Golf-Grün. Fünf Jahre danach, 2011, fanden Farnmer in Oregon vermehrungsfähige Bestände von Bentgrass – ein Schock für die Landwirte dort, denn Oregon ist der weltweit wichtigste Standort für die Erzeugung von Grassamen. Scotts und Monsanto legten einen Plan vor, um das ausgebrochene Gras wieder einzufangen und überzeugten gleichzeitig das US-Landwirtschaftsministerium, die Umweltprüfung nachzuholen und das Bentgrass zu genehmigen. Denn eine genehmigte Gentech-Pflanze darf wachsen wo sie will. Als Gegenleistung versprachen die Firmen, das Gras bis 2023 nicht neu zu vermarkten. Das dürtfte auch nicht notwendig sein, denn Scotts testet längst ein neues Gentech-Golf-Gras.

George Kimbrell von der US-Verbraucherorganisation Center for Food Safety (CFS) hat den Kampf gegen Bentgrass 15 Jahre begleitet und den Ablauf noch einmal zusammengestellt. Er bezeichnet die Zulassung als „gefährlich und ungesetzlich“. Die Behörde habe die beiden Firmen von allen Schäden freigestellt, die ihr Produkt bereits angerichtet habe. Nun müssten Farmer und Landbesitzer alleine mit dem Problem fertig werden. Der Landkreis Malheur County in Orgeon hat Bentgrass bereits zum gefährlichen Unkraut erklärt.

 

 

Anbauzulassung für Gentech-Mais: Die EU-Kommission nimmt noch einmal Anlauf

Für den 27. Januar hat die EU-Kommission die beiden Ausschüsse, in denen die Mitgliedsstaaten über gentechnisch veränderte Organismen beraten, zu einer gemeinsamen Sitzung einberufen. Auf der Tagesordnung stehen – wieder einmal – die Anbauzulassungen für die drei Maissorten MON 810, Bt 11 und 1507.
Zwar wären die Zulassungen nur für die neun EU-Staaten und drei Regionen relevant, die nicht schon vorab im Zuge der Opt-out-Regelung dem Anbau widersprochen haben. Trotzdem hat die Abstimmung symbolische Bedeutung, denn sie ist der Prüfstein dafür, ob die gentechnikkritischen Mitgliedsstaaten nun im Gegenzug für die Opt-out-Regelung Anbauzulassungen für die Gentechnik-Befürworter wie Spanien oder England durchwinken. Das europäische Parlament hat bereits deutlich gemacht, dass es die Anbauzulassungen ablehnt – doch formalrechtlich hat das keine Bedeutung, denn es entscheiden allein die Mitgliedstaaten oder die Kommission, falls es unter den Mitgliedern zu einem Patt kommt. Die europäischen Grünen haben eine Internetseite eingerichtet,  über die EU-Bürger ihren zuständigen Ministern per Mail oder Twitter eine Botschaft zukommen lassen können. Die britische Plattform GMWatch.org hat einen Alarm gestartet, um vor dem Termin noch möglichst viele Menschen und Organisationen zu mobilisieren: „Teilt diese Information mit all euren Kontakten und fordert die Entscheidungsträger auf, dem Anbau zu widersprechen“, lautet die Botschaft.