Archiv der Kategorie: Allgemein

Anbauverbote: Bundesrat zeigt Minister Schmidt die rote Karte

Die Bundesländer haben die vom Kabinett beschlossene Änderung des Gentechnikgesetzes abgelehnt und dem Bundestag nahegelegt, bei seinen Beratungen nachzubessern. Da der Bundesrat dem endgültigen Gesetz abschließend zustimmen muss, dürfte der Entwurf in seiner derzeitigen Form damit gescheitert sein.

In seiner Stellungnahme zeigte sich der Bundesrat „enttäuscht über den vorgelegten Gesetzentwurf“. Er erinnerte an „die konstruktiven Bund-Länder-Gespräche zur Kompromissfindung“ im Frühjahr 2016. „Gemessen daran läuft der vorliegende Entwurf der erzielten Verständigung in ganz wesentlichen Punkten zuwider“, schreibt die Länderkammer und „hält eine Nachbesserung des Gesetzentwurfs deshalb für dringend geboten.“ Anschließend listet der Bundesrat auf zehn Seiten konkrete Änderungsvorschläge mit Begründung auf.

Stellung nimmt der Bundesrat auch zu dem Versuch der Bundesregierung, in der Begründung zu ihrem Gesetzentwurf neuartige gentechnische Züchtungsverfahren quasi im Vorbeigehen zu regeln. Er teile „die dargelegte Auffassung der Bundesregierung zu den neuen Gentechniken nicht. Er hält es auch nicht für sachgerecht, in die Begründung zum Gesetzentwurf Auslegungsvorgaben zu den neuen Gentechniken aufzunehmen, die keinerlei Bezug zum Regelungsteil des Entwurfs haben“, schreibt der Bundesrat. Statt dessen sollten, solange es keine europäische Entscheidung darüber gibt, „alle Organismen, die mit Hilfe der neuen Gentechniken erzeugt werden, zunächst dem Gentechnikgesetz unterfallen.“

Der Bio-Dachverband BÖLW begrüßte den Beschluss des Bundesrates: „Die Bundesländer haben die Sorgen zehntausender gentechnikfrei wirtschaftender Landwirte, Hersteller und Händler aufgegriffen. Mit den Verbesserungen, die der Bundesrat eingefordert hat, würde das Gentechnik-Gesetz deutlich besser. Dem Länder-Appell muss der Bundestag jetzt nachkommen“, sagte der BÖLW-Vorsitzende Felix Prinz zu Löwenstein. Die SPD-Bundestagsfraktion hatte schon bei der ersten Lesung Anfang Dezember Nachbesserungsbedarf angemeldet. Nächster Termin ist jetzt der 16. Januar 2017. Da lädt der Bundestag zu einer öffentlichen Anhörung ein.

 

 

Glyphosat-Studien: EFSA rückt die Daten raus

Die EU-Lebensmittelbehörde EFSA hat die Rohdaten freigegeben, die bei der EU-Sicherheitsbewertung des Pestizids Glyphosat verwendet wurden. Die Informationen übermittelte die Behörde an eine Gruppe von Abgeordneten des Europäischen Parlaments, die einen offiziellen Antrag auf Einsicht in die Daten gestellt hatte.

Die EFSA ließ erklären, sie bekenne sich „nachdrücklich zur Offenheit bei ihren Risikobewertungen und begrüßt diese Gelegenheit, die Transparenz der Glyphosat-Bewertung zu erhöhen.“ Tatsächlich hat die Behörde sich jahrelang geweigert, die ihr vorliegenden und nie publizierten Industriestudien zu veröffentlichen. Erst musste der Europäische Gerichtshof in einem aufsehenerregenden Urteil klarstellen, dass EU-Bürger ein Recht haben, Unterlagen für die Risikobewertung von Pestiziden einzusehen.

Versteckt hatten sich die EFSA und die EU-Kommission dabei hinter der Pestizidherstellern, die eine Veröffentlichung der Studien mit dem Hinweis auf vertrauliche Daten und Geschäftsgeheimnisse ablehnten. Anstatt Fakten zu schaffen, hatte EU-Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis noch im April 2016 in einem freundlichen Brief versucht, den Herstellerverband Glyphosat Task Force zu überzeugen: „Ich glaube, dass eine proaktive Veröffentlichung aller Studien inklusive der zugrundeliegenden Rohdaten durch die Glyphosate Task Force nützlich für die gesamte Gesellschaft wäre und den weiteren Diskussions- und Entscheidungsprozess erleichtern würde“, schrieb der Kommissar. Die Hersteller boten damals an, einen Leseraum einzurichten, in dem Abgeordnete die Daten einsehen könnten.

Eine unabhängige Bewertung der nun vorgelegten Rohdaten der Industriestudien ist deshalb besonders wichtig, weil die europäische Chemiebehörde ECHA derzeit an einer Neubewertung von Glyphosat arbeitet und der zugrundeliegende Bericht der deutschen Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) zum Thema Krebsrisiko lediglich den bisherigen Standpunkt des für die Risikobewertung federführenden Bundesinstituts für Risikobewertung wiederholt.

 

 

Weizen: Konzernhybride oder freies Saatgut?

Das Bundeslandwirtschaftsministerium war letzte Woche Gastgeber eines Internationalen Weizenkongresses. Dessen Thema war Züchtungsforschung, um eine wachsende Weltbevölkerung zu ernähren. Gentechnik und Hybridzüchtungen lauteten die Antworten. Aktion Agrar und die internationalen Saatgutkampagne nutzten den Kongress und thematisierten, um was es den Saatgutkonzernen dabei geht: Marktbeherrschung.

Bereits 2011 starteten die großen Industriestaaten der G20-Gruppe unterstützt von den großen Saatgutkonzernen eine Weizen-Initiative. Mit dem Weizenkongress will Deutschland, dass 2017 die Präsidentschaft der G20-Gruppe übernimmt, deutlich machen, welchen Stellenwert es dem Thema einräumt. Für die Aktion Agrar ist das ein Grund zur Sorge: „Das Bundesforschungsministerium und das Bundesagrarministerium unterstützen derzeit mit millionenschweren Förderprogrammen wie „Hywheat“, „Restorer“ und „Zuchtwert“ die Entwicklung von Hybridweizen. Kooperationspartner sind unter anderem: Bayer, Syngenta, KWS, Nordsaat und Limagrain.“ Dabei würde mittels gentechnischer Verfahren der Selbstbefruchter Weizen kastriert, um ihm dann Hybridnachkommen aufzuzwingen. Zum Einsatz käme dabei auch das Gensequenzierungsverfahren CRISPR-Cas9.

Hybride würden den Konzernen perfekt ins Konzept passen, kritisieren die Agrar-Aktivisten, „weil die späteren Samen von solchen Pflanzen nicht wieder ausgesät werden können und deshalb Bäuerinnen und Bauern gezwungen sind, jedes Jahr neues Saatgut einzukaufen. Gerade bei Weizen wäre das weltweit katastrophal: Bisher wird das Saatgut für dieses Getreide, das zusammen mit Mais und Reis weltweit wichtigste Nahrungspflanze ist, noch zu einem großen Teil von Bauern aus der eigenen Ernte gewonnen.“ Die Aktion Agrar und die Saatgutkampagne haben deshalb einen Appell an Forschungsministerin Wanka und Agrarminister Schmidt ins Netz gestellt. Dessen Unterzeichner fordern, dass die derzeitige Hybridforschungsförderung eingestellt und stattdessen ein Förderschwerpunkt auf bäuerliche Züchtung auf dem Feld gelegt wird: Freies Weizensaatgut statt Konzerngetreide.

 

Umweltministerin lehnt Gene-Drives in freier Wildbahn ab.

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks hat sich dagegen ausgesprochen gentechnisch veränderter Organismen (GVO) freizusetzen, die mit einem Gene-Drive ausgestattet sind. Als Gene-Drives werden Manipulationen am Erbgut bezeichnet, durch die sich eine bestimmte Eigenschaft besonders schnell in einer Population ausbreitet.

In ihrer Antwort auf einen offenen Brief mehrerer Umwelt- und Landwirtschaftsorganisationen schreibt die Ministerin, dass Gene-Drives erhebliche Auswirkungen auf Ökosysteme haben können und „daher besondere Vorsicht bei der Forschung und Risikobewertung walten sollte.“ Sie werde sich innerhalb der Bundesregierung dafür einsetzen, „dass aus Vorsorgegründen keine Organismen mit Gene Drive freigesetzt werden dürfen, solange keine ausreichende Risikobewertung durchgeführt werden kann und kein hohes Schutzniveau gewährleistet wird.“ Bisher lägen aber in Europa keine Anträge mit Gene Drive vor.

Verhandelt wird über solche Manipulationen derzeit in Cancun in Mexiko im Rahmen des Treffens der Vertragsstaaten des Übereinkommens über biologische Vielfalt und des dazugehörigen Cartagena-Protokolls. Dort werde über Gene Drives „allenfalls indirekt“ diskutiert, schreibt die Ministerin und zudem sei für das Cartagena-Protokoll Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt federführend zuständig.

„Wir begrüßen die Stellungnahme von Frau Dr. Hendricks und fordern die Bundesregierung auf, sich für ein „Gen-Drive“-Moratorium auf der anstehenden Vertragsstaatenkonferenz stark zu machen“, sagte Annemarie Volling, Gentechnik-Expertin der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft. Zudem müsse sich die Bundesregierung für wirksame Maßnahmen gegen jegliche unkontrollierte Ausbreitung gentechnisch veränderter Organismen einsetzen. Dieses Problem erfordert eine wesentlich größere Aufmerksamkeit und ein energisches Handeln,“ sagte Volling.

Weltweit haben sich 160 Organisationen an die Vertragsstaatenkonferenz gewandt und gefordert, ein Moratorium für Gene Drives in der UN-Konvention für biologische Vielfalt zu verankern. Diese Technik bedrohe die Artenvielfalt ebenso wie die Ernährungssicherheit und die nationale Souveränität, heißt es in dem Appell.

Gentechnik-Gesetz: SPD drückt im Bundestag auf die Bremse

Die Bundesregierung hat trotz der Kritik aus den Bundesländern ihren Entwurf für eine Änderung des Gentechnikgesetzes in den Bundestag eingebracht. Festgelegt werden soll darin das Prozedere, nach dem in Deutschland nationale Anbauverbote für Gentechnik-Pflanzen erlassen werden können. Nun hat die SPD-Bundestagsfraktion Diskussionsbedarf angemeldet und will den Entwurf – dem die SPD-Minister in der Bundesregierung zugestimmt haben – in wesentlichen Punkten ändern.

„Die Regelung muss unkompliziert und unbürokratischer gestaltet werden und die Bundesländer entlasten“, formulierten die zuständigen SPD-Abgeordneten Elvira Drobinski-Weiß und Matthias Miersch ihr Kernanliegen. Deshalb wollen sie das vorgesehene Abstimmungsverfahren auf Umwelt- und Landwirtschaftsministerium begrenzen. Bisher muss laut Entwurf für ein Verbot Einvernehmen zwischen sechs Ministerien hergestellt werden. Außerdem soll sich der Bund stärker einbringen, wenn es darum geht, die juristischen Begründungen für die Anbauverbote zu erarbeiten. „Weitere Änderungen sind notwendig, um die Saatgutreinheit nicht zu gefährden und neue Gentechnik-Technologien im Sinne des Vorsorgeprinzips zu regulieren“, heißt es in der Mitteilung der Fraktion. Und abschließend: „Das Gesetz ist in seiner jetzigen Form für die SPD-Bundestagsfraktion nicht zustimmungsfähig.“

Das verspricht Spannung für den weiteren Gesetzgebungsprozess: Nach der 1. Lesung letzten Freitag im Bundestag und der Stellungnahme des Bundesrats am 16. Dezember lädt der Agrarausschuss des Bundestages für den 16. Januar 2017 zu einer öffentlichen Anhörung ein. Die zweite Lesung im Bundestag soll dann voraussichtlich im Februar folgen. Dabei dürfte dann auch der Gesetzentwurf des Bundesrats zum Gentechnikgesetz beraten werden, den die Länder bereits im Herbst 2015 beschlossen hatten. Die grüne Bundestagsfraktion hat ihn als Antrag in die Beratungen eingebracht.

 

Neue Studien: Bt-Pflanzen sind ungesund für Ratten und Bodenpilze

Das Portal GMWatch hat auf zwei aktuelle Studien zu genmanipulierten Pflanzen hingewiesen, die Bt-Toxine produzieren. In einer ägyptischen Fütterungsstudie mit MON 810 – Mais zeigten sich mikroskopische Schäden an den Darmzellen von Ratten. Chinesische Wissenschaftler stellten fest, dass Bt-Baumwolle für die Bodenfruchtbarkeit wichtige Pilze unterdrückt.

Wissenschaftler der medizinischen Fakultät der Universität von Tanta hatten Ratten über 90 Tage mit Ajeeb YG gefüttert, der ägyptischen Variante des Gentech-Maises MON 810. Für die geplante Vermarktung in Ägypten hatte Monsanto das manipulierte MON 810 Erbgut in die regionale Maissorte Ajeeb eingekreuzt. Die Forscher fütterten die Ratten mit einer Diät, die 30 Prozent Ajeeb YG enthielt, während die Kontrollgruppe gentechnikfreien Mais erhielt. Nach 90 Tagen zeigten sich bei den mit Bt-Mais gefütterten Ratten mikroskopische kleine Schädigungen in der Schleimhaut des Dünndarms. GMWatch zeigt die Bilder der Schäden, weist aber auch auf die methodischen Einschränkungen der Studie hin. So wurde nicht vorab untersucht, ob der Bt-Mais möglicherweise verschimmelt oder stark mit Pestiziden belastet war. Andererseits hatten bereits zwei ägyptische Studien aus dem Jahr 2012 negative Auswirkungen von Ajeeb YG in Fütterungsversuchen gezeigt. Daraufhin stoppte die Regierung 2013 den kommerziellen Anbau.

Wissenschaftler der landwirtschaftlichen Fakultät der Universität Wuhan hatten die Auswirkungen von drei in China entwickelten Sorten von Bt-Baumwolle (Jin26, GK12 and Jin44) auf Bodenpilze der Art Rhizophagus irregularis untersucht. Sie stellten fest, dass die Bt-Pflanzen die Entwicklung des Bodenpilzes behinderten und ihre Wurzeln im Vergleich zu den drei identischen aber gentechnikfreien Baumwollsorten deutlich weniger mit den Bodenpilzen besiedelt waren. Da der Bodenpilz wichtig für den Nährstofftransport vom Boden in die Pflanze ist, zeigten die Bt-Pflanzen auch ein geringeres Wachstum.  In einer Besprechung der Studie auf theecologist.org weist die Gentechnik-Kritikerin Eva Sirinathsinghji auf die wichtigen Funktionen der Bodenpilze für die Fruchtbarkeit der Böden ebenso wie für die Pflanzenkommunikation hin. Der Nachweis der Schädigung durch Bt-Pflanzen ist für sie eine „letzte Warnung“.

Her mit den Daten: EuGH stärkt Auskunftsrecht zu Pestiziden

Der Europäisch Gerichtshof (EuGH) hat in zwei Entscheidungen die Auskunftsansprüche von Bürgern und Initiativen deutlich gestärkt. Die Richter setzten Pestizide, weil sie versprüht werden, mit Emissionen in die Umwelt gleich. Deshalb würden die gleichen auf dem Umwelt – Übereinkommen von Århus beruhenden Auskunftsansprüche bestehen.

Greenpeace und das Pestizid Aktionsnetzwerk PAN hatten, unterstützt von Schweden, gegen die Europäische Kommission geklagt, weil diese Unterlagen zur Glyphosatbewertung nicht herausrücken wollte. Konkret hatten die Umweltschützer Einsicht in Berichte und Studien aus dem Verfahren für die erstmalige Genehmigung von Glyphosat beantragt. Dies hatten die Kommission und die Bundesrepublik Deutschland (von deren Behörden der Erstbericht stammte) bereits 2011 abgelehnt. Im zweiten Verfahren ging es um die Forderung einer niederländischen Stiftung zum Schutz der Bienen nach Einsicht in Unterlagen zur Genehmigung des Bayer-Pestizids Imidacloprid.

In beiden Entscheidungen machte der EuGH deutlich, dass „das Freisetzen von Produkten oder Stoffen wie Pflanzenschutzmitteln oder Biozid-Produkten und in diesen Produkten enthaltenen Stoffen in die Umwelt unter den Begriff Emissionen in die Umwelt“ falle. Deshalb seien „Angaben über Art, Zusammensetzung, Menge, Zeitpunkt und Ort der Emissionen in die Umwelt dieser Produkte sowie die Daten über die mehr oder weniger langfristigen Auswirkungen dieser Emissionen auf die Umwelt, insbesondere Informationen über die Rückstände in der Umwelt nach der Anwendung des betreffenden Produkts und Studien zur Messung der Stoffdrift“ als Informationen über Emissionen in die Umwelt zu betrachten.

Zur Zulassung eines Pestizids stellten die EuGH-Richter fest, dass der Zugang zu Umweltinformationen „insbesondere eine wirksamere Beteiligung der Öffentlichkeit am Entscheidungsprozess fördern soll.“ Der Zugang sei notwendig, damit die Öffentlichkeit sich vergewissern könne, dass die Entscheidungen der in Umweltfragen zuständigen Behörden begründet seien. Dies verstärke die Verpflichtung der zuständigen Stellen, „beim Erlass von Entscheidungen Rechenschaft abzulegen, um die öffentliche Meinung zu sensibilisieren und deren Zustimmung zu den erlassenen Entscheidungen zu erhalten.“

Einschränkungen sehen die Richter weiterhin dann, wenn durch die Information „der Schutz der geschäftlichen Interessen einer bestimmten natürlichen oder juristischen Person beeinträchtigt würde.“ Dennoch feiern Umweltschützer das Urteil als Sieg für mehr Transparenz. „Damit hat das Gericht den Schutz von Umwelt und Gesundheit als wichtiger anerkannt als die angeblichen Geschäftsinteressen der Chemiebranche“, sagte Christiane Huxdorff, Pestizid-Expertin bei Greenpeace. Der Bayer-Konzern erklärte, er unterstütze die vom Europäischen Gerichtshof (EuGH) festgelegten Grundsätze, aber vertrauliche Daten wie die Zusammensetzung und Herstellungsprozesse von Produkten bei öffentlichen Zugangsanforderungen müssten geschützt bleiben.

 

USA: Öko-Richtlinien sollen neue Gentech-Methoden ausschließen

Der Beirat für die nationalen Bio-Richtlinien der USA hat dem Landwirtschaftsministerium einstimmig empfohlen, alle Zutaten auszuschließen, die mit Hilfe der nächsten Generation gentechnischer Methoden oder mit Gene Editing hergestellt wurden. Das meldete der Verband Friends of Earth (FoE).

In den USA gelten entsprechende Produkte wie der Raps der Firma Cibus oder der Stevia-Süßstoff EverSweet des Agrarkonzerns Cargill nicht als gentechnisch veränderte Organismen (GMO) und dürfen ohne weitere Auflagen und ohne jede Kennzeichnung vermarktet werden. Die Regierung habe die Erwartung der Verbraucher, diese Produkte angemessen zu bewerten, nicht erfüllt, sagte Jaydee Hanson von der Verbraucherorganisation Center for Food Safety. „Wenn das Landwirtschaftsministerium die Empfehlung des Beirats umsetzt, können sich Verbraucher, die Gentechnik vermeiden wollen, auf das Bio-Siegel verlassen. Sie wissen dann: Dieses Produkt ist gentechnikfrei.“

Die Empfehlung des Beirats folge einem wachsenden Trend von Unternehmen, die gegen Zutaten aus der synthetischen Biologie Stellung beziehen, schreibt FoE. So hätten Speiseeishersteller wie Ben and Jerry’s und Hägen-Dasz zugesagt, auf Synbio-Vanillegeschmack zu verzichten, den die Schweizer Firma Evolva auf den Markt gebracht hat. Auch das Non-GMO Project, Nordamerikas einziger Zertifizierer für gentechnikfreie Lebensmittel, habe kürzlich seine Standards überarbeitet und Synthetische Biologie sowie Gene Editing neu als Gentechnik aufgenommen.

In der EU steht die Entscheidung noch aus, ob die neuen gentechnischen Verfahren auch unter das Gentechnikrecht fallen. Gegebenfalls wären dann auch für die EU-Öko-Verordnung entsprechende Anpassungen erforderlich um klarzustellen, dass solche Verfahren insbesondere in der Pflanzenzüchtung, nicht öko-kompatibel sind.

 

EPA patentiert Braugerste und Bier

Das Europäische Patentamt (EPA) hat dem dänischen Brauereikonzern Carlsberg Patente auf drei Gerstensorten sowie das daraus gebraute Bier erteilt. Zahlreiche Organisationen haben in einem offenen Brief Carlsberg aufgefordert, das Patent zurückzuziehen. Das lehnte die Brauerei ab.

Zwei der drei erteilten Patente basieren nach Angaben der NGOs auf zufälligen Mutationen im Erbgut der Gerste (EP2384110 und EP2373154). Deren Ernte soll sich deswegen besonders gut für das Bierbrauen eignen. Für das dritte Patent (EP2575433) kombinierte Carlsberg die Eigenschaften dieser Gerste durch weitere Züchtung. Jedes der Patente umfasst die Pflanzen, deren Ernte, den Prozess des Bierbrauens, Produkte wie Malz und Würze sowie jegliche auf diese Weise produzierten Getränke.

„Auf Bier und Braugerste darf es keine Patente geben. Das Züchten von Pflanzen und das Bierbrauen beruhen auf jahrhundertealter Tradition,“ sagt Christoph Then, Koordinator des Bündnisses No patents on seeds! In seinem Brief fordert das Bündnis Carlsberg auf, das Patent zurückzuziehen. Es sei ein grober Verstoße gegen europäisches Recht.

Carlsberg lehnte dies ab und schrieb zurück, die Gerste sei aufgrund der im Verfahren eingesetzten Techniken patentierbar. Sie erlaubten, Fremdaromen im Bier zu vermeiden und energieeffizienter zu brauen. Zudem betrachte man geistige Eigentumsrechte als fundamentale Bedingung für Wachstum und Innovation. Von der patentierten Gerste würden so kleine Mengen angebaut, dass dies den europäische Gerstenmarkt nicht beeinflusse.

Carlsberg ist nach der Fusion von Anheuser-Busch und SAB Miller der drittgrößter Bierkonzern der Welt (zweiter ist Heineken). Aus dem Antwortschreiben geht hervor, dass die Gerste von Carlsberg und Heineken entwickelt wurde. Zu Carlsberg zählen die Marken Carlsberg und Tuborg sowie in Deutschland Astra, Holsten und Hannen Alt. Heineken gehört die Hälfte bekannter deutscher Biermarken wie Paulaner, Hacker-Pschorr und Kulmbacher.

Neues Forschungsprojekt zu Gentech-Risiken gestartet

Unabhängige Wissenschaftler haben in Zürich ein neues Forschungsprojekt zu den Risiken gentechnisch veränderter Pflanzen gestartet. Träger des Projekts RAGES (sind das European Network of Scientists for Social and Environmental Responsibility (ENSSER), sein Schweizer Ableger CSS (Critical Scientists Switzerland), GeneWatch UK und Testbiotech. Die beteiligten Experten, die aus dem Bereich öffentlicher Forschung und der Zivilgesellschaft kommen, stimmen darin überein, dass die gegenwärtige europäische Praxis der Risikobewertung gentechnisch veränderter Pflanzen nicht ausreicht, um den Schutz von Mensch und Umwelt zu gewährleisten. „Es ist kein Geheimnis, dass diese Standards ganz wesentlich von der Industrie beeinflusst wurden. Wir müssen das System besser ausbalancieren und dem Schutz von Mensch und Umwelt ein größeres Gewicht geben“, sagt dazu Christoph Then von Testbiotech.

Allerdings werden die beteiligten Wissenschaftler selbst keine experimentelle Forschung durchführen, sondern ihre Analyse auf eine große Bandbreite vorhandener wissenschaftlicher Publikationen und Datenbanken stützen. „Wir wollen insbesondere zu einem verbesserten wissenschaftlichen Verständnis der Risiken beitragen, die mit der Einführung gentechnisch veränderter Pflanzen in Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion einhergehen, sagt Angelika Hilbeck für ENSSER. Zudem wollen die Experten eine Reihe von Empfehlungen erarbeiten, wie man in Zukunft die Risiken gentechnisch veränderter Pflanzen besser erforschen und den Umgang mit ihnen besser regulieren könnte. Zum Abschluss des Projekts ist eine öffentliche Tagung im Dezember 2017 geplant. Unterstützt wird das Projekt von der Stiftung Mercator Schweiz.