Archiv der Kategorie: Allgemein

Gene Drive: Naturschützer fordern internationales Moratorium

Synthetisch hergestellte Gene-Drive-Systeme greifen in die Keimbahn von Lebewesen ein und können dort neues Erbgut einfügen oder auch Gene ausschalten. Das neue manipulierte Erbgut setzt sich bei der Fortpflanzung durch, so dass sich die gewünschte Eigenschaft innerhalb einer kurzen Zeit in einer ganzen Population ausbreitet. Wissenschaftler der Universität Kalifornien haben dieses Verfahren an Fruchtfliegen, Stechmücken und Hefen entwickelt und sprechen selbst von einer „mutagenen Kettenreaktion“ (MCR). Sie warnen davor, derart manipulierte Lebewesen in die Natur freizusetzen.

Genau darin jedoch sehen manche Gentech-Unternehmen große Chancen. Sie träumen davon, Stechmücken auszurotten, die Krankheiten übertragen, oder Fliegen, die an Früchten knabbern. Schon bisher wurden genmanipulierten Mücken freigesetzt, um etwa Dengue-Fieber und Zika in Südamerika zu bekämpfen. Die Nachkommen dieser Tiere sterben noch im Larvenstadium. Doch bisher muss diese Eigenschaft immer wieder mit neuen manipulierten Tieren nachgeliefert werden. Mit Gene Drive lässt sich eine solche Eigenschaft in der Keimbahn verankern, wird zuverlässig vererbt und hat nach wenigen Generationen die ganze Population durchseucht. Kurz: Mit Gene Drive lassen sich Arten zumindest regional komplett ausrotten oder in bestimmten Eigenschaften ändern.

So etwas kann ganze Ökosysteme zusammenbrechen lassen, warnen Umweltschützer und Wissenschaftler. Sie fordern auf dem derzeit laufenden Weltnaturschutzkongress der Internationalen Naturschutzorganisation IUNC ein Moratorium für Gene Drive Systeme im Naturschutz. An dem Kongress nehmen 8300 Delegierte von Regierungen, Umweltorganisationen und Wissenschaftsinstitutionen aus mehr als 190 Staaten teil. 71 Staaten und 355 NGOs unterstützen einen Moratoriums-Antrag, über den am 9. September 2016 abgestimmt werden soll, teilte die Organisation Synbiowatch mit. Der Antrag fordert, zunächst die Folgen der Methode für den Naturschutz abzuschätzen und einen IUCN-Leitfaden für den Umgang mit Gene Drive zu entwickeln,. Forschung und Feldversuche zu Gene Drive sollten so lange nicht unterstützt werden.

Indien: Monsanto soll verschwinden – und Gentech-Senf auch

Der Gentechnik-Konzern Monsanto und die indische Regierung liegen schwer über Kreuz. Die Regierung hat neue Lizenz- und Patentrichtlinien erlassen, mit denen die Saatgutkonzerne verpflichtet werden sollen, ihre Gentech-Linien auch örtlichen Züchtern zugänglich zu machen. Gleichzeitig wurden die Preise für Gentech-Saatgut staatlich reglementiert, wogegen der Konzern klagt. Monsanto zog nun aus Protest den Zulassungsantrag für eine neue Generation von Gentech-Baumwollpflanzen zurück. Die anderen großen Saatgutkonzerne Bayer, Dow, Dupont Pioneer and Syngenta, solidarisierten sich mit Monsanto. National-hinduistische Verbände hingegen unterstützten den Kurs der Regierung.

Dabei ist die indische Zentralregierung nicht gentechnik-feindlich – wenn die Erbgutmanipulation in Indien selbst entwickelt wurde. So steht ein genmanipulierter Senf der Universität New Delhi kurz vor der kommerziellen Zulassung. Ein Expertengremium habe sein Placet bereits gegeben, berichtete die Nachrichtenagentur Reuters und zitierte den Umweltminister mit den Worten, dass eine Entscheidung noch nicht gefallen sei. Es wäre das erste für den Anbau zugelassene genmanipulierte Lebensmittel in Indien. Senf spielt in der dortigen Küche als Öllieferant und als Gewürz eine wichtige Rolle. 2010 scheiterte die Zulassung einer genmanipulierten Aubergine – ebenfalls ein Grundnahrungsmittel – am breiten Widerstand der Bevölkerung. Auch gegen den Gentechnik-Senf laufen Bauernverbände und Umweltschützer Sturm. Sie kritisieren, dass wichtige Daten aus Feldversuchen vom Umweltministerium rechtswidrig unter Verschluss gehalten werden. Das Ministerium kündigte an, dass es die Daten noch veröffentlichen werde und dass die Zulassungskommission GEAC im September über den Senf diskutieren werde.

Indische Presseschau:

LiveMint über Gentech-Senf

Die Hindustan Times über Gentech-Senf

Reuters über Monsanto

Der Financial Express über die Solidarität der Konzerne

Die Economic Times über den Widerstand der Hindu-Nationalisten

Ein Kommentar von Vandana Shiva

EPA: Es werden weniger Patente auf Nutzpflanzen angemeldet

Die Zahl der beim Europäischen Patentamt (EPA) eingereichten Anmeldungen von Patenten auf Nutzpflanzen gehen zurück. Bei den Tieren hingegen werden zunehmend mehr Patentanträge eingereicht. Die Zahl der erteilten Patente bei den Pflanzen stagniert. Das geht aus dem zweiten Bericht über Bio-Patente der Bundesregierung hervor.

Der Bericht betrachtet die Entwicklung in den Jahren 2014 und 2015. Dabei ist zu beachten, dass Patentanmeldungen erst 18 Monate, nachdem sie beim Patentamt eingereicht wurden, veröffentlicht werden und damit in die Statistik eingehen. Die Zahl der Anmeldungen spiegelt also eher den Trend der Jahre 2012 und 2013 wieder und sagt wenig über aktuelle Entwicklungen aus.

Bei den erteilten Patenten für Nutzpflanzen blieben die Zahlen von 2013 bis 2015 mit 158, 141 und 160 stabil, bei den Tieren lässt sich mit 62, 71, und 94 ein Trend nach oben feststellen. Der Bericht differenziert noch zwischen Patenten, bei denen es um gentechnisch veränderte Organismen (GVO) geht und solche, bei denen GVO keine Rolle spielen, es sich also um konventionelle Züchtung handeln dürfte. So erteilte das EPA im Beobachtungszeitraum 2014/2015 insgesamt 40 Patente auf Pflanzen ohne GVO-Hintergrund, bei den Tieren waren es 85. Allerdings hält die Bundesregierung davon nur 20 Pflanzen- und ein Tierpatent für „beobachtungswürdig“, weil „die Möglichkeit eines Patentierungsverbots gemäß Patentgesetz besteht.“

Ausführlich setzt sich der Bericht mit der Rechtslage und mit dem Beschluss der Großen Beschwerdekammer des EPA von 2015 auseinander, in dem diese Patente für Pflanzen und Tiere bejahte, die im Wesentlichen durch biologische Verfahren erzeugt wurden. Aktueller Stand der Debatte innerhalb der EU ist laut Bericht, dass die EU-Kommission im 4. Quartal 2016 eine Klarstellung (clarifying notice) veröffentlichen will, „in der die Intention des europäischen Gesetzgebers im Hinblick auf die Patentierbarkeit von Produkten im Wesentlichen biologischer Züchtungsverfahren erläutert werden soll.“. Die Bundesregierung schrieb, sie werde sich weiterhin dafür einsetzen, dass die Klarstellung so formuliert wird, „dass keine Patente auf Pflanzen und Tiere als Produkte im Wesentlichen biologischer Verfahren erteilt werden können.“ Das lässt darauf schließen, dass diese Position innerhalb der Mitgliedsstaaten und der Kommission keineswegs selbstverständlich ist.

 

Immer mehr Milchkühe bekommen gentechnikfreies Futter

Seit Juli trägt die Lidl-Frischmilch der Eigenmarke Milbona in allen Filialen das Ohne Gentechnik-Siegel. Das setzt die Mitbewerber unter Druck, die gentechnikfreie Milch – etwa bei Aldi Süd in Bayern – bisher höchstens regional anbieten. Edeka hat inzwischen bei Lieferanten die Bedingungen der Milcherzeugung abgefragt und wollte dabei unter anderem wissen, ob die Kühe ausschließlich gentechnikfreies Futter erhalten, berichtete der Verband Lebensmittel ohne Gentechnik (VLOG).

Führend bei der Herstellung gentechnikfreier Milchprodukte sind die bayerischen Molkereien. Dort wurden 2015 2,66 Millionen Tonnen Milch ohne Gentechnik (oGT) angeliefert. Davon waren 429.000 Tonnen Biomilch, ermittelte das bayerische Institut für Ernährungswirtschaft und Märkte (IEM). Damit waren 2015 gut 30 Prozent der in Bayern verarbeiteten Milch nachweislich gentechnikfrei. Gegenüber dem Jahr 2011 habe sich die Menge fast verdreifacht, schreibt das IEM. Die tatsächliche Menge dürfte noch höher sein, meint Hans-Jürgen Seufferlein, Geschäftsführer des Verbandes der Milcherzeuger Bayern.

Für das zusätzliche Qualitätsmerkmal Gentechnikfrei erhalten die konventionellen Landwirte Zuschläge von 0 bis 1,5 Cent je Liter. Da Lidl den Preis für seine nun gentechnikfreie Milch nicht erhöht hat, befürchten die IEM-Autoren, dass bei den Verbrauchern auch keine besondere Wertschätzung entsteht. „Die Gefahr ist groß, dass Milch oGT bei einem solchen Vorgehen zum Standard wird und weder Erzeuger noch Molkereien davon profitieren können.“ Denn die Zukunft gehört der oGT-Milch. „Ausgehend vom Druck des LEH werden in 2016 und vor allem 2017 weitere Milcherzeuger auf oGT-Produktion umsteigen“, schreibt das IEM und schätzt, dass der Anteil an oGT-Milch in Bayern Ende 2017 schon bei über 50 Prozent liegen könnte.

 

Schwedische Forscher wollen Gentech-Pappeln pflanzen

Wissenschaftler der Universität Umea wollen gentechnisch manipulierte Zitter-Pappeln freisetzen und haben das im EU-Register angemeldet. Der Antrag dafür muss noch von den Behörden genehmigt werden.

An den einzelnen Pappeln wurden verschiedene gentechnische Veränderungen vorgenommen, die Blüte, Wuchs und Aussehen beeinflussen sollen. Verwendet wurde dabei auch die neue CRISPR-Technik, deren Einsatz rechtlich in der EU bisher nicht geregelt ist. Als Versuchszweck haben die Wissenschaftler Grundlagenforschung an der Phänologie der Bäume angegeben. Auswirkungen auf die Umwelt habe ihr Versuch „wahrscheinlich nicht“, da die „optimale Phänologie wahrscheinlich bereits durch die Natur selektiert“ sei. Entsprechend dünn sind die angegebenen Sicherheitsmaßnahmen: Regelmäßige Inspektionen, um Blüten frühzeitig zu erkennen und zu entfernen. Ein Zaun und eine Pufferzone sollen das Gelände von dem umgebenden Wald trennen. Sprösslinge würden ausgerissen.

Pappeln produzieren im Laufe ihres Lebens Millionen von Pollen oder Samen, die mit dem Wind über Kilometer transportiert werden können. Das künstlich veränderte Erbgut könne sich mit den Pollen, Samen und auch über Sprösslinge in der Umwelt verbreiten, warnt Christoph Then von der Organisation Testbiotech. „Gentechnisch veränderte Waldbäume sind sogar ein besonderes Risiko für die biologische Vielfalt, da sich deren künstliches Erbgut in empfindlichen Ökosystemen ausbreiten kann.“ Anders als Nutzpflanzen wie Mais würden Pappeln sehr alt, ihre genetische Stabilität gelte deswegen als fraglich, und die Wahrscheinlichkeit unerwarteter Langzeitfolgen sei hoch. Gelangten die Gentechnik-Bäume in die natürlichen Populationen, könne es zu nicht umkehrbaren Folgen für die Ökosysteme kommen.

Monsantos Dicamba-resistente Sojabohne macht jetzt schon Probleme

Als Roundup Ready 2 Xtend verkauft der Gentech-Konzern Monsanto seit diesem Frühjahr eine Sojabohne, die gegen zwei Spritzgifte resistent ist: Glyphosat und Dicamba. Die Entwicklung soll den Farmern helfen, auf deren Feldern glyphosatresitente Unkräuter wachsen. Doch die Bohne schafft mehr neue Probleme als sie löst, schreibt das US-Portal EcoWatch.

Dabei dürfte das Herbizid Dicamba in den USA noch gar nicht vor der Ernte auf Sojafeldern eingesetzt werden. Noch fehlt dafür die Zulassung der US-Umweltbehörde EPA. Doch viele Farmer in den US-Staaten Arkansas, Missouri und Tennessee haben derartig starke Probleme mit Glyhosat-resistenten Unkräutern, dass sie die Bohne dieses Jahr anbauten und Dicamba illegal spritzen – oft mit katastrophalen Folgen für ihre Nachbarn, die keine Roundup Ready 2 Xtend – Bohnen gepflanzt hatten. Denn Dicamba ist ein Pestizid das sehr leicht verweht wird, und die Abdrift zerstört die Pflanzen auf Nachbars Feldern. Rund 200.000 Hektar sollen nach Behördenangaben betroffen sein, schreibt das Magazin Deltafarm Press. Den illegal sprühenden Farmern droht in Arkansas eine maximale Strafe von 1000 Euro, berichtet der Radiosender NPR und wirft Monsanto vor, die Farmer indirekt angestiftet zu haben, indem sie Roundup Ready 2 Xtend auf den Markt brachten, ohne dass das dazu passende Herbizid zugelassen ist. Der Konzern argumentiert, er habe die neue Sorte auf den Markt gebracht, weil sie hohe Erträge liefere und er habe die Farmer darauf hingewiesen, dass es noch keine Zulassung für Dicamba aus Sojafeldern gebe.

Der Unkraut-Experte Jason Norsworthy von der Universität Arkansas konnte zeigen, dass Roundup Ready 2 Xtend keine Probleme löst, sondern nur noch schwerer zu bekämpfende Unkräuter erzeugt. In einem Versuch im Gewächshaus besprühte er Palmer Amaranth, die berüchtigtste Unkrautpflanze der Region mit geringen Mengen an Dicamba, so dass einige Pflanzen überlebten. Deren Samen sammelte er, säte sie erneut aus und wiederholte die Prozedur. Nach nur drei Generationen überstanden die Pflanzen eine volle Dicamba-Dusche. Sie waren resistent geworden.

2017 will Monsanto Roundup Ready 2 Xtend im großen Stil vermarkten. Bis dahin, so hofft der Konzern habe man die EPA-Zulassung für die zugehörige Herbizidmischung. Zudem hat die EU als letzter wichtiger Exportmarkt vor zwei Wochen die Einfuhr dieser Sojasorte mit der amtlichen Bezeichnung MON 87708 x MON 89788 erlaubt – trotz massiver Defizite bei der Risikoüberprüfung.

US-Farmer findet alten Gentech-Weizen von Monsanto auf seinem Acker

Einmal in Versuchen freigesetzte Gentech-Pflanzen vermehren sich auch noch nach Jahren und können als Verunreinigungen im Essen auftauchen. Dies zeigt der inzwischen dritte Fund von gentechnisch manipuliertem Weizen von Monsanto binnen drei Jahren.

Das US-Landwirtschaftsministerium USDA meldete Ende Juli, dass ein Landwirt aus dem US-Staat Washington auf einem brachliegenden Feld 22 Weizenpflanzen gefunden hatte, die resistent gegen den Wirkstoff Glyphosat waren. Laboranalysen bestätigten, dass es sich um die Sorte MON 71700 handelte. Monsanto teilte mit, dass diese Sorte in den Jahren 1998 bis 2001 in der Region in Feldversuchen getestet worden sei, aber nie kommerziell angebaut wurde. Man habe einen Test entwickelt, mit dem das manipulierte Erbgut festgestellt werden könne und diesen zur Verfügung gestellt. Das USDA wies darauf hin, dass es die gesamte Weizenernte des Farmers überprüft und keine Verunreinigungen festgestellt habe.

Bereits vor drei Jahren hatte ein Farmer aus dem US-Staat Oregon gentechnisch veränderte Weizenpflanzen von Monsanto auf seinem Feld gefunden. Es handelte sich um die ebenfalls glyphosatresistente Sorte MON 71800. Damals hatte Japan und Südkorea Weizen-Einfuhren aus den USA zeitweise gestoppt, was Schäden in Millionenhöhe verursachte. Auch diesmal wollen die beiden Länder US-Weizenlieferungen erst dann entladen, wenn sie die neuen Tests eingeführt haben, hieß es in US-Medienberichten. 2014 wurde auf einem Testgelände im US-Staat Montana GVO-Weizen von Monsanto gefunden. Die dortige Universität hatte die Sorte 11 Jahre zuvor zu Testzwecken angebaut.